Analyse und Interpretation des Gedichtes „Prometheus“ von Johann Wolfgang Goethe


Referat / Aufsatz (Schule), 2011
9 Seiten, Note: 12

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
2. Inhaltsangabe
3. Beschreibung der äußeren Form
4. zur Figur des Prometheus aus der griechischen Mythologie
5. systematische Darlegung der Analyseergebnisse unter Berücksichtigung der Inhalt-Form-Beziehung
6. Darlegung der Intention(en)
7. historischer Bezug
8. (biographischer Bezug)
9. gesellschaftlicher Bezug
10. persönliche Auseinandersetzung

„Prometheus“

Bedecke deinen Himmel, Zeus,

Mit Wolkendunst

Und übe, dem Knaben gleich,

Der Disteln köpft

An Eichen dich und Bergeshöhn;

Mußt mir meine Erde

Doch lassen stehn,

Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.

Ich kenne nichts ärmeres

Unter der Sonn' als euch, Götter!

Ihr nähret euch kümmerlich

Von Opfersteuern

Und Gebetshauch

Eure Majestät,

Und darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,

Nicht wußte wo aus noch ein,

Kehrt' ich mein verirrtes Auge

Zur Sonne, als wenn drüber wär'

Ein Ohr zu hören meine Klage,

Ein Herz wie mein's,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir

Wider der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich

Von Sklaverei?

Hast du nicht alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Tränen gestillet

Je des Geängstigten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehen,

Weil nicht alle

Blütenträume reiften?

Hier sitz' ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht das mir gleich sei,

Zu leiden, zu weinen,

Zu genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich!

Es gibt viele Varianten der Schöpfungsgeschichte, aber alle unterscheiden sich hinsichtlich dem Erschaffer der Menschen. Der christlichen Geschichte nach, war es der Herr persönlich, so allerdings nicht in der griechischen Mythologie, denn in dieser ist es nicht der Göttervater Zeus oder eine andere bedeutende Göttlichkeit, sondern der Halbgott Prometheus. In Goethes Gedicht „Prometheus“ aus dem Jahr 1775 geht es um genau diesen. Er äußert seinen Zorn gegenüber Zeus, aber auch allen anderen griechischen Göttern gegenüber.

Im Gedicht stellt Prometheus Forderungen auf, die Zeus erfüllen sollte, so verlangt er, dass sich die Götter nicht länger an den Erfindungen der Menschen bereichern. Außerdem beleidigt er die gesamte griechische Gottschaft und berichtet dann von seinem Leidensweg. Er gab sich auch den Göttern hin, als er noch jung war, um von diesen Hilfe und Rat zu bekommen. Doch bekam er die erwartete und erhoffte Unterstützung nicht von den Göttern, somit kommt es zum Bruch zwischen diesen und dem Halbgott Prometheus. Dieser hört nun auf, die Gottheiten überhaupt noch zu verehren, da es dazu für ihn keinen Grund gibt. Am Ende wird deutlich, dass Prometheus nun die Menschen erschafft, und zwar so, wie er sie sich vorstellt.

Das Gedicht ist nicht in geschlossener Form verfasst. Es fällt auf, dass es aus sieben Strophen besteht, die allerdings in ihrer Anzahl der Verse unterschiedlich sind. Außerdem gibt es kaum einen Reim. Dies ist schon ein deutliches Anzeichen für die Einordnung in eine literarische Epoche, denn nur im Sturm und Drang war der Wille nach einer eigenen, völlig neuen äußeren Form so stark ausgeprägt.

Den Erzähler in diesem Gedicht stellt der Halbgott Prometheus dar, der in der griechischen Mythologie ein Freund der Menschen ist. In der Prometheus-Sage wird beschrieben, dass er auf der Erde die Menschen aus Ton schuf und ihnen dann verschiedene Eigenschaften gab. Daraufhin verlangten die Götter von den Menschen Opfergaben. Mit einer List verärgerte er Zeus so sehr, dass dieser beschloss, dass Prometheus und die Menschen dafür Buße tragen müssten. Zeus bereicherte sich am Feuer der Menschen, dass jedoch wieder auf die Erde zurückgeholt wurde. Für diesen Diebstahl wurden weitere Strafen notwendig aus der Sicht des Göttervaters. So brachte er Fieberkrankheiten, Leiden und unvorhergesehene Tode auf die Erde. Prometheus selbst wurde an einen Felsen im Kaukasus gefesselt, dort fraß der Adler Ethon täglich von seiner Leber, die sich allerdings aufgrund seines Unsterblichkeitsstatuses immer wieder erneuert. Erst nach vielen Jahrhunderten wurde er von Herakles befreit.

Schon am Anfang seiner Rede stellt Prometheus eine Forderung auf und benutzt den Imperativ, denn er sagt: „Bedecke deinen Himmel, Zeus“ (Z.1) Dadurch wirkt Prometheus sehr selbstbewusst, denn sonst würde er sich wohl kaum auf eine höhere Stufe als der Göttervater Zeus. Durch diese Forderung kann man schlussfolgern, dass Zeus mit dem völligen Bedecken des Himmels eine Möglichkeit genommen werden soll, das Leben auf der Erde und der Menschheit weiter zu verfolgen, da er durch die vielen Wolken, die er einsetzen soll beim Blick auf die Erde gehindert wird, denn es heißt weiter, er solle den Himmel „mit Wolkendunst“ (Z.2) bedecken. Diese Möglichkeit engt seinen Herrschaftsbereich ziemlich ein, da er zwar der Herrscher des Äthers ist, allerdings auch nur die Mittel des Äthers verwenden darf, um den Forderungen Prometheus' gerecht zu werden. Außerdem steht der Begriff „Dunst“ auch immer für einen Schein. Dies könnte man auf die nächste Forderung Prometheus' übertragen, da er Zeus mit einem Knaben vergleicht. Somit präsentiert er nur nach außen den Schein einer wahren Gottesfigur, ist dieser Aufgabe in Wahrheit garnicht gewachsen. Zeus bekommt nun Charaktereigenschaften eines unreifen Jungen zugesprochen, der sich erst an Disteln und Eichen versucht, bevor er sich gegen etwas größeres auflehnt, wie z.B. eine gewisse Sympathie an Zerstörung, die kleinere Kinder gerne einmal deutlich werden lassen. Dies wird durch das Verb „köpfen“ deutlich, denn dieses steht für ein gewaltsames, ohne Rücksicht begangenes Vorgehen. Sogleich folgt die nächste Anweisung Prometheus', die lautet: „Mußt mir meine Erde/Doch lassen stehn“ (Z.6f.) Dies drückt noch einmal aus, dass Prometheus Zeus auffordert „seine“ Erde unberührt zu lassen und sich dort nicht einzumischen. Auffällig ist auch, dass er sie als „meine Erde“ bezeichnet, dadurch wird der Herrschaftsanspruch seinerseits deutlich. Um die Benutzung des Imperativs in den Vordergrund zu rücken, benutzt Prometheus eine Inversion in diesem Satz, das heißt, dass die geläufigen Wortstellungen im Satz verändert wurde. Nun geht Prometheus näher auf die menschlichen Innovationen ein, die Zeus unberührt lassen soll. Dies sind insbesondere „seine“ „Hütte“ (Z.8), dabei macht er gleichzeitig deutlich, dass diese ganz alleine seine Erfindung ist, denn er schließt von vorneherein aus, dass Zeus je einen Anspruch auf die Erfindung dieser legen könnte, denn er betont: „...,die du nicht gebaut“ (Z.8) Durch die hier benutze Anapher, das heißt, die Versanfänge beginnen mit den gleichen Worten, wird das Schöpfertum Prometheus in den Vordergrund gestellt, denn auch der nächste Vers beginnt mit den Worten „und meinen“ (Z.9) Gemeint ist in diesem Fall der Herd, um den Zeus Prometheus sogar beneidet, wie dieser feststellt. (Z.10f.) Mit diesem Verdacht stellt er Zeus auf eine niedere Stufe als die der Götter, denn eigentlich sollte es ein Gott nicht nötig haben mit Neid auf die Erde zu blicken.

In der zweiten Strophe wird die Verachtung von Prometheus gegenüber Zeus und im Allgemeinen den Göttern noch deutlicher. Dies geschieht schon im ersten Vers, denn er sagt: Ich kenne nichts ärmeres/Unter der Sonn' als euch, Götter!“ (Z.12f.) Damit wird deutlich, dass Prometheus die Götter schon nicht mehr als solche ansieht, sondern sie eher verspottet, denn sie werden ihrem Status als Götter nicht gerecht. Anstelle des „nichts ärmeres“ kann man auch den Superlativ „Ärmste“ setzen, womit den Göttern weniger Wert zugesprochen wird, als allen anderen Lebewesen. Die Sonne, die erwähnt wird, stellt hierzu einen kleinen Gegensatz dar, denn diese steht eigentlich immer für etwas strahlendes und glanzvolles. Dies soll deutlich machen, dass die Götter ihrer Position, die bekanntlich dichter an der Sonne ist, als die des Menschen, nicht gerecht werden und sich kein Beispiel an ihrer Umgebung nehmen. Ein weiterer Vorwurf besteht darin, dass die Götter sich nicht aufgrund ihrer eigenen Arbeiten den Lebensstandard, den sie besitzen, leisten, sondern diesen aufgrund von „Opfersteuern“ und „Gebetshauch“ (Z.15f.) finanzieren. An dieser Beschreibung lässt sich auch Kritik an der Kirche verstehen, denn der Klerus und der Adel lebten zur Zeit, in der das Gedicht entstand, eindeutig auf Kosten des dritten Standes, denn die Geistlichen waren vollkommen von Abgaben und dem Militärdienst befreit, der Adel war bis auf die Kopf-und Einkommenssteuern auch weitestgehend von Abgaben befreit, während der dritte Stand zahlreiche Abgaben leisten musste, wie z.B. Frondienste, Markt-,Brücken- oder Straßenzölle und den Korn- und Kirchenzehnt, der hier besonders kritisiert wird. Ein similarer Sachverhalt liegt hier vor, denn hier sind es die Menschen, die den Göttern diesen anstrengungslosen Wohlstand gewähren und bieten. Prometheus zeigt auf, dass auch die Götter hungern müssten, wenn da nicht Kinder und Bettler wären, die immer noch zu ihnen beten und ihnen Opfer geben, denn ihre Hoffnung ruht immer noch auf die Götter.

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Analyse und Interpretation des Gedichtes „Prometheus“ von Johann Wolfgang Goethe
Note
12
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V170057
ISBN (eBook)
9783640886722
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, interpretation, gedichtes, johann, wolfgang, goethe, Promtheus, sturm und drang, Prometheus, gedicht
Arbeit zitieren
Felix Wiebrecht (Autor), 2011, Analyse und Interpretation des Gedichtes „Prometheus“ von Johann Wolfgang Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170057

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