Selbstgesteuertes Lernen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. selbstgesteuertes Lernen: von der Idee zur anerkannten Methode

3. Begriff und Merkmale des selbstgesteuerten Lernens

4. Selbstgesteuertes Lernen - ein Prozess, den man in Schule erst erlernt
4.1 Die vier Komponenten nach Neber
4.2 Abhängigkeit des Selbststeuerungsgrades von den individuellen Steuerungsfähigkeiten/ Lernkompetenz und der Bereitschaft zum selbstgesteuerten Lernen ( Lernmotivation)
4.2.1 Die Selbstlernfähigkeit

5. Die Selbstlernbereitschaft
5.1 Die Bedingungen nach Deci und Ryan
5.2 Weitere in der Literatur aufgeführte Bedingungen, die motiviertes Lernen unterstützen
5.3 Varianten des motivierten Lernens

6. Selbstgesteuertes Lernen versus traditionellem Unterricht Zentrales Problem bezüglich vorstehender Thematik ist, wie erreicht werden kann, dass möglichst alle Schüler auf diese Weise lernen, um somit zu maximalen Lernerfolg zu gelangen. Fraglich ist also, wie man eine motivationale Basis schaffen kann, welche Schüler zu einer intensiven und ausdauernden Beschäftigung mit den Problemstellungen befähigt.
6.1 Selbstgesteuertes Lernen – Offener Unterricht
6.1.2 Prinzipien von Lenz für das methodische Handeln
6.2 Traditioneller Unterricht – Frontalunterricht

7. Begründungen für selbstgesteuertes Lernen –Warum ist Lernen wichtig für die Berufsschule ?
7.1 Gesellschaftliche Begründung
7.2 Lerntheoretische Begründung
7.3 Bildungstheoretische Begründung
7.3.1 Die Theorie nach Humboldt
7.3.2 Die Theorie nach Klafki

8. Zusammenfassung

1. Einleitung

Auffallend ist das wachsende Interesse von Führungskräften in der Wirtschaft am selbstgesteuerten Lernen .

Sogar Personalentwickler beschäftigen sich mit dieser Lernform, und es werden immer mehr Seminare dazu angeboten. Selbstgesteuertes Lernen avanciert zum wichtigen Gegenstand in Wirtschaft und Bildung und rückt als offene, die Verantwortung des Einzelnen stärkende und prozessuale Lernform in den Vordergrund, da es die Abhängigkeit des Lerner vom Lehrer vermindert.

„Lernen“ ist der Sammelbegriff für Lernprozesse, die bei einem Individuum zum Erwerb oder zur Veränderung von Wissen oder Fertigkeiten und so zu höherer Kompetenz führen.

Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der These, dass selbstgesteuertes Lernen eine Voraussetzung für lebenslangens Lernen ist.

Erklärtes Ziel ist es zu zeigen, dass die Voraussetzung zum schulischen und außerschulischen Wissenserwerb die Fähigkeit zum selbstregulierten Lernens ist.

Der 1. Teil der Seminararbeit versucht anhand von Fragen, die das Thema selbstgesteuertes Lernen eingrenzen sollen, die o.g. These darzustellen und grundlegende Voraussetzungen zum Verständnis des zweiten Teiles der Seminararbeit zu schaffen.

Hierbei ergeben sich folgende Fragen:

- Was ist selbstgesteuertes Lernen ?
- Wann ist der Schüler in der Lage selbstorganisiert zu lernen?
- Welche Beziehungen bestehen zu anderen Konzepten wie Freiarbeit und offener Unterricht?
- Kann man unter den Bedingungen der Lehrer selbstgesteuertes Lernen lernen?
- Wie unterscheidet sich selbstgesteuertes Lernen von traditionellen Lernformen?
- Warum gewinnt selbstgesteuertes Lernen zunehmend an

pädagogischer Bedeutung ?

Der 2. Teil der Seminararbeit soll die Bedeutung des selbstgesteuerten Lernens dargestellt werden. Grundlage dieser Arbeit bilden ferner die Ergebnisse der Pisa-Studie und weitere Forschungsstudien.

Für eine Analyse der o.g. Fragestellungen ist es unerlässlich selbstgesteuertes Lernen zu definieren. Zwar ist der Begriff selbst weder präzise wissenschaftlich definiert, noch wird er in der Alltagssprache einheitlich gebraucht. Ansätze aus der Pädagogik,

Arbeitspsychologie, Organisationspsychologie und Betriebspädagogik verwenden den Begriff in unterschiedlichen Kontexten. Ihnen ist gemeinsam, dass der lernende Mensch im

Mittelpunkt steht: er initiiert und organisiert seine eigenen Lernprozesse. Die Zielvorstellungen der Förderung von Selbstbestimmung, Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung im Lernprozess sind in vielen Ansätzen vertreten.[1]

Da selbstgesteuertes Lernen ein Prozess ist, den man in Schule oder Alltag erst lernen muss, ist es wichtig, die wesentlichen Komponenten zu kennen.[2]

Es sind sowohl kognitive Primärstrategien als auch motivationale Stützstrategien wichtig. Die kognitiven Lernstrategien sind zunächst nur ein Repertoire potentiell sinnvoller Strategien. Ob sie im konkreten Fall aktiviert werden, hängt in hohem Maße von

motivationalen Bedingungen ab, sowohl von solchen, die in der Person des Lernenden liegen, als auch von solchen, die in der Lernsituation liegen.[3]

Ich werde deshalb detailliert auf die Komponente Lernmotivation eingehen. Hierzu greife ich auf Theorien zurück mit denen Motivationsausprägungen und ihre Lernwirkungen nach Gesichtspunkten wie Selbstbestimmung, Authentizität oder Identitätsrelevanz klassifiziert werden können.[4]

Wann ist der Schüler in der Lage selbstorganisiert zu lernen? Was ist offener Unterricht? Wie sieht dazu im Vergleich traditioneller Unterricht aus? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich im vorletzten Kapitel.[5]

Abschließend wird die pädagogische Bedeutsamkeit für die Berufsschulen erläutert. Es wird erklärt warum selbstgesteuertes Lernen im Hinblick auf das spätere Leben wichtig ist[6], um dann die Ergebnisse der Arbeit zusammenzufassen.[7]

2. selbstgesteuertes Lernen: von der Idee zur anerkannten Methode

In den späten 60er Jahren ist selbstgesteuertes Lernen als Reaktion auf bildungspolitische Diskussionen entstanden, mit dem Ziel, mehr Selbstverwaltung, -verantwortung und -bestimmung für Bildungsprozesse übernehmen zu können. In der psychologischen Literatur der BRD kam der Begriff „Selbststeuerung“ seit Beginn der 70er Jahre auf; vor allem im Bereich der klinischen Psychologie.[8]

Aber die Ideen dieser Lernform sind wesentlich älter. Die Wurzeln sind in der Humanistischen Pädagogik der guten 20er und 30er Jahre zu finden. Ende der 60er Jahre, mit Beginn der Studentenbewegung, kamen Diskussionen und Forderungen nach alternativen Lernformen, mehr Selbst- und Mitbestimmung und der Demokratisierung der Schulen und Universitäten auf. In den 70er Jahren fand das selbstgesteuerte Lernen schon vereinzelt Eingang in Schulen und Universitäten. Zu Beginn der 80er Jahre wurden Methoden des selbstgesteuerten Lernen auch in der Aus- und Weiterbildung der Wirtschaft und Industrie eingesetzt.[9]

3. Begriff und Merkmale des selbstgesteuerten Lernens

Der Begriff des selbstgesteuerten Lernens ist trotz oder gerade wegen des gestiegenen Interesses und der häufigen Verwendung keineswegs einheitlich definiert. Selbstbestimmung, Selbstorganisation, Autonomie oder autodidaktisches Lernen, alle diese Termini werden im alltäglichen Sprachgebrauch zumeist synonym verwendet. Einige dieser Bezeichnungen sind wenig trennscharf, was nicht zuletzt damit zusammenhängen dürfte, dass sich alle Teildisziplinen der Psychologie und der Pädagogik mit der Selbststeuerung oder einzelnen Aspekten der Selbststeuerung befassen, allerdings unter jeweils anderem Blickwinkel.[10]

So analysiert Singer ( 1992 ) das menschliche Gehirn als Lernsystem, das sich selbst organisiert. Durch die Verwendung des Begriffs wird die Bedeutung der eigenständigen Aktivierung ( Eigenaktivierung) hervorgehoben. In diesem allgemeinen Sinne ist Lernen immer selbstorganisiert – auch das Lernen im Frontalunterricht. Die Informationsaufnahme wird stets durch sensorische Systeme mit ihren spezifischen Strukturen, durch das

Aufmerksamkeits- und Gedächtnissystem in der dargestellten Weise eigengesetzlich geordnet.

Eine allgemeine Grundannahme zum selbstorganisierten Lernen ist, dass das Gelernte in Abhängigkeit von der Stärke der Eigenaktivität länger und genauer im Gedächtnis eingeprägt wird. Bei größerer Selbstbestimmung in der Wahl der Ziele und Mittel beim Lernen oder bei der Bewertung der Lernergebnisse nimmt im Allgemeinen die erforderliche Eigenaktivität und damit die Einprägung im Gedächtnis zu. Die Aktivierung

des Gehirns kann auch durch andere Möglichkeiten verstärkt werden, etwa auch durch multimediale Informationen.[11]

Selbstgesteuertes Lernen wird von einigen Autoren ebenfalls mit Bezug auf die Selbstbestimmung beim Lernen definiert.

Es ist „ ein Oberbegriff für alle Lernformen, in denen die Lernenden ihren Lernprozess weitgehend selber bestimmen und verantworten können.“ ( Deitering 1996 ) Andere betrachten dagegen Selbstregulation als Fähigkeit, Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen zu entwickeln, die zukünftiges Lernen fordern und erleichtern und auf andere Lernsituationen übertragen werden können.[12]

Die Determinanten des Lernprozesses werden vom Lerner selbst bestimmt. Der Lernende regelt seine inneren und äußeren Lernaktivitäten selbst im Sinne eines bewussten, planmäßigen, intendierten Lernens. Selbststeuerung wird oft als Gegenpol zur Fremdsteuerung verstanden. Dabei ist ein völlig selbstgesteuertes Lernen ebenso Utopie, wie es kein Lernen gibt, das ausschließlich fremdgesteuert ist.

„Self-Directed Learning“[13] ist ein Prozess, in dem Individuen die Initiative ergreifen, um mit oder ohne Hilfe anderer, ihren Lernbedarf festzustellen , Lernziele zu formulieren, Lernressourcen zu identifizieren , Lernstrategien auszuwählen und einzusetzen und ihre Lernergebnisse zu bewerten.“Initiative: selbstgesteuerte Lernprozesse kommen häufig durch die Initiative der Lernenden zustande ( Knowles ). Mit oder ohne Hilfe: Lernenden führen ihren Lernprozess nicht in Eigenregie durch, sie bedarfen der Unterstützung und Beratung durch Lernpersonen. Hilfe durch Dritte ist meist notwendig.

Lernbedarf, Lernziele, Lernressourcen: Lerntätigkeiten, für die die Lernenden selbst die Verantwortung übernehmen. Lernfunktionen werden durch den Lernenden übernommen.

Lernstrategien: w erden vom Lernenden vorausgesetzt, die von der Vorbereitung, Organisation und Planung über die Aneignung bis zur Kontrolle des eigenen Lernergebnisses reichen. Lernarrangement: Lernumgebungen sind so zu gestalten, dass sie dem Lernenden ermöglichen, Entscheidungen über die eigenen Lernziele zu treffen oder verschiedene Lernressourcen auszuwählen.

Trotz diverser Definitionen können wir folglich sagen, dass der Lernende immer im Mittelpunkt steht, der die Lernprozesse selbst mit Hilfe anderer organisiert und lenkt.

[...]


[1] Siehe Kapital 2

[2] Siehe Kapitel 3

[3] Helmut Felix Friedrich S.6

[4] Siehe Kapital 4

[5] Siehe Kapitel 5

[6] Siehe Kapitel 6

[7] Siehe Kapitel 7

[8] Deitering S.13

[9] Deitering S.14

[10] Konrad/Traub S.9

[11] Greif S.6

[12] Greif S.7

[13] Trotz ihrer Nähe zu technokratischen Steuerungsvorstellungen hat sich der Begriff „selbstgesteuertes Lernen“ in der deutschen Fachdiskussion – auch als Übersetzung des englischen Begriffs „self directed learning“ - eingebürgert

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Selbstgesteuertes Lernen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
Unterrichtsqualität als Kernstück von Schulentwicklung
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V17037
ISBN (eBook)
9783638217187
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstgesteuertes, Lernen, Unterrichtsqualität, Kernstück, Schulentwicklung
Arbeit zitieren
Nadine Klemm (Autor), 2002, Selbstgesteuertes Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17037

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