Was ist eigentlich Tanz? Ballett, Hip Hop, Jazz Dance oder Standarttanz wären wohl die Antworten von den meisten Menschen. Das Tanz jedoch eigentlich viel mehr ist, ist nur den Wenigsten bewusst. Dies könnte einer von vielen Gründen für die sehr kleine Rolle von Tanz im Sport- und Schulunterricht sein. In vielen Schulen kommt Tanz überhaupt nicht vor oder wenn, dann wird den Schülern nur eine von einer Vielzahl an Perspektiven des Tanzes eröffnet.
Welche Bedeutung Tanz für Kinder und Jugendliche haben kann, zeigt der Film Rhythm is it von Thomas Grube und Enrique Sanchez Lansch, der in den Medien für großes Aufsehen sorgte. Dieser Film dokumentiert sehr eindrucksvoll, wie sich Tanz auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken kann. Die Filmregisseure interessierten sich besonders für die Veränderung im Denken, Fühlen und Handeln der Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und unterschiedlicher nationaler Herkunft durch Tanz. Der Film bietet ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Tanz tatsächlich positive Veränderungen der Persönlichkeit der Schüler bewirken kann.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Rolle des Tanzens in der Schule und die Fragen: Wieso sollte Tanz in der Schule unterrichtet werden? Wieso ist er nur selten Bestandteil des Unterrichts und wie sollte Tanz in der Schule unterrichtet werden?
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wieso Tanz in der Schule unterrichtet werden sollte. Um diese Frage zu beantworten werden die Auffassungen zweier wichtiger Persönlichkeiten in der Geschichte des zeitgenössischen Tanzes, Wigman und Laban, näher erläutert. Im Anschluss werden die gemeinsamen Merkmale nochmals hervorgehoben, um dadurch den pädagogischen Wert des Tanzens zu begründen. Das letzte Kapitel stellt verschiedene Konzepte für die Art und Weise, wie Tanz in Schulen unterrichtet werden sollte, vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der zeitgenössische Tanz
2.1. Ausdrucks- und Darstellungsintention im modernen Tanz nach Wigman
2.2. Rudolf von Laban
2.3. Überschneidungen in den Konzepten Wigmans und Labans
3. Tanz in der Schule
3.1. Tanz im Lehrplan der Sek I
3.2. Warum Tanz in der Schule so wichtig ist
3.3. Differenzieren im Sportunterricht – Heterogenität und Tanzen
4. Was wird zur Umsetzung in der Schule benötigt?
4.1. Anforderungen an die Lehrkräfte
4.2. Konzeptionelle Herangehensweisen
4.2.1. Vormachen – Nachmachen
4.2.2. Laban
4.2.3. Entsichern und Begleiten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die pädagogische Relevanz und Umsetzungsmöglichkeiten von Tanz im schulischen Sportunterricht. Das Hauptziel besteht darin, den Mehrwert des Tanzens für die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung von Schülern aufzuzeigen, Hindernisse für seine Implementierung zu analysieren und methodische Ansätze für Lehrkräfte zu diskutieren, um Tanz als festen Bestandteil des Sportunterrichts zu etablieren.
- Bedeutung des zeitgenössischen Tanzes (Wigman & Laban)
- Lehrplanrelevanz und Bildungsauftrag des Tanzes
- Förderung von Schlüsselqualifikationen durch tänzerische Bewegung
- Umgang mit Heterogenität im Sportunterricht
- Didaktische Konzepte zur Vermittlung in der Schule
Auszug aus dem Buch
3.3. DIFFERENZIEREN IM SPORTUNTERRICHT - HETEROGENITÄT UND TANZEN
„Differenz verweist darauf, dass jeder Mensch in seinem Aussehen, seinen körperlichen und geistigen Möglichkeiten, in seiner Persönlichkeit, seiner Gestik und Mimik, seiner Geschlechtlichkeit, seiner ethnischen Herkunft, seinen sozialen und ökonomischen Lebensverhältnissen und in vielen anderen Hinsichten vom jeweils anderen verschieden ist.“ (Laging 2004, 4)
Trotz dieser vielfältigen und allgegenwärtigen Differenzen ist das Schulsystem in seinen Leistungsanforderungen, Inhalten und Abschlüssen auf Homogenität ausgerichtet. Gerade im Bereich des Sports mit den Merkmalen Norm, Vermessung, Leistung und Wettkampf führt dies dazu, dass bestimmte Leistungsanforderungen nicht von allen Schülern erfüllt werden können, was negative Gefühle wie Unzufriedenheit, Verunsicherung und Schamgefühl hervorruft und dem Ziel, Schülern Lust am Sport zu vermitteln, somit nicht näherbringt.
Professionelles Lehrerhandeln setzt ein Erkennen und Auseinandersetzen mit den Differenzen voraus. Ein gemeinsamer thematischer Rahmen muss gesetzt werden, der unterschiedlich erarbeitet und erfahren werden kann und verschiedene Bewegungslösungen zulässt.
Welche Chancen bietet nun aber insbesondere das Tanzen in einem differenzierten Sportunterricht?
Tanzen kann auf jedem Könnensniveau erfolgreich sein und bietet damit die Chance auch sportgefrusteten Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Die Verschiedenheiten im Bewegen sind eine Bereicherung für das Tanzen, da besonders der kreative und der künstlerische Tanz von Differenzbildungen durch Kontrastierung und Polarisierung leben. Durch die fehlende Kategorisierbarkeit in richtig oder falsch, eröffnen sich zahlreiche gestalterische Möglichkeiten. Bewegungsaufgaben können im eigenen Rhythmus, nach eigenen Empfindungen und in individueller Herangehensweise gelöst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Unterrepräsentanz von Tanz im Sportunterricht und stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung sowie den Umsetzungsmöglichkeiten des Tanzens in der Schule.
2. Der zeitgenössische Tanz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des modernen Ausdruckstanzes durch die Auffassungen von Mary Wigman und Rudolf von Laban, um den pädagogischen Wert des Tanzes zu begründen.
3. Tanz in der Schule: Es wird die Verankerung des Tanzes in Lehrplänen untersucht, seine Bedeutung für die ästhetische Bildung herausgestellt und diskutiert, wie Tanzen zur Differenzierung im heterogenen Sportunterricht beitragen kann.
4. Was wird zur Umsetzung in der Schule benötigt?: Dieses Kapitel analysiert die Anforderungen an Lehrkräfte und stellt drei spezifische didaktische Konzepte – Vormachen/Nachmachen, Labans Bewegungsprinzipien sowie Entsichern und Begleiten – für die praktische Unterrichtsgestaltung vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Tanz einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung leisten kann, fordert jedoch eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte, um Tanz dauerhaft und sicher in den Schulalltag zu integrieren.
Schlüsselwörter
Tanz, Schule, Sportunterricht, Ausdruckstanz, Rudolf von Laban, Mary Wigman, Pädagogik, Körperbewusstsein, Bewegungserziehung, Ästhetische Bildung, Heterogenität, Tanzvermittlung, Kreativität, Persönlichkeitsentwicklung, Lehrplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung des Tanzes innerhalb des schulischen Sportunterrichts, analysiert warum dieser bisher selten implementiert wird und welche pädagogischen Chancen er bietet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte des Ausdruckstanzes, die Einordnung in den schulischen Bildungsauftrag, den Umgang mit individueller Verschiedenheit im Unterricht sowie konkrete didaktische Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den pädagogischen Mehrwert des Tanzens aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie Lehrkräfte Tanz trotz Hürden in den regulären Sportunterricht integrieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender theoretischer Ansätze zum zeitgenössischen Tanz sowie auf die Auswertung lehrplanbezogener Vorgaben und fachdidaktischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Theorien von Wigman und Laban, die pädagogischen Perspektiven des Sportunterrichts in Bezug auf Tanz sowie spezifische Herangehensweisen für Lehrkräfte, wie etwa "Entsichern und Begleiten".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Tanz, Schulsport, Körpererfahrung, Ausdruckstanz, Bewegungsqualität, ästhetische Bildung und methodische Konzepte.
Wie trägt Tanz zur Differenzierung im Sportunterricht bei?
Da Tanz kreative und individuelle Bewegungslösungen jenseits starrer Normen zulässt, ermöglicht er Schülern unterschiedlicher Leistungsniveaus eine erfolgreiche Teilnahme und den Spaß an Bewegung.
Welche Rolle spielt die Ausbildung der Lehrkräfte für den Erfolg von Tanz in der Schule?
Die Arbeit betont, dass eine fundierte Tanzausbildung und -weiterbildung entscheidend ist, um Lehrkräften die Sicherheit zu geben, Tanz professionell anzuleiten und Schamgefühle oder Vorurteile bei Schülern abzubauen.
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- Julia Altmann (Author), 2009, Warum Tanz in Schulen so wichtig ist, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170609