Jugendliche ohne Ausbildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung:

1. Vorwort

2. Ausgangssituation

3. Bildungsverhalten

4. Ausbildungsplätze und Geschlechtszugehörigkeit

5. Herkunft

6. Fazit und Perspektiven

7. Literatur

1) Vorwort

Jugendarbeitslosigkeit und die defizitäre Ausbildungssituation haben sich in den letzten Jahren zu einem akuten gesellschaftlichen Problem entwickelt und bestimmen die politischen und wissenschaftlichen Debatten. Der Wertewandel und die ökonomischen Veränderungen der letzten Jahre verschärfen die Problematik, indem sie Spannungen zwischen den neuen Qualifikations- und Arbeitsanforderungen und dem alten Ausbildungssystem schürt. Der Übergang (Schwellen) von Schule in eine Ausbildung und anschließend in eine feste Anstellung gestaltet sich zunehmend schwieriger und verändert so die individuellen Lebensverläufe.

Aus diesem Kontext der „Schwellenproblematik“ heraus stellt diese Arbeit eine Situationsanalyse dar und beschäftigt sich mit der Frage, welchen Einfluss Geschlecht, Herkunft (Region, Nation) und Bildungsabschlüsse auf den Weg in den Beruf bzw. für die Suche nach einer Lehrstelle haben. Dementsprechend erfolgen eine Gegenüberstellung von Jungen und Mädchen und ein Vergleich von deutschen und ausländischen Jugendlichen.

Desweiteren soll analysiert werden, welche Bedeutung der Bildungsgrad bzw. die Bildungsabschlüsse für die Erfolgschancen und Zukunftsaussichten der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Somit liegt der Fokus der Arbeit auf der Entwicklung der Lehrstellensituation und ihrer Einflussfaktoren, als auch der Darstellung der Nachfrage-Angebots-Problematik.

Abschließen sollen staatliche und gesellschaftliche Hilfen hinsichtlich der Lehrstellenproblematik und Jugendarbeitslosigkeit vorgestellt werden.

2) Ausgangssituation

Jeden Sommer bzw. zu jedem Schuljahresende stellt sich die Frage, ob den Schulabgängern genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen und ob das Lehrstellenangebot die Nachfrage der Jugendlichen decken kann. Die Wünsche nach dem Traumberuf werden sogar hinten angestellt und weichen dem Wunsch und Zwang irgendeinen Ausbildungsplatz zu erhalten und eine feste Anstellung zu finden. Viele Jugendliche erhoffen sich einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz, um nicht in der Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Abseits zu enden; denn Arbeit bedeutet gesellschaftlich Integration und Teilhabe. Die Angst vor dem Ausschluss scheint durchaus begründet, denn die Arbeitslosigkeit erreicht auch die Jugend und die Berufsanfänger.[1] In den letzten Jahren zeigte sich bezüglich der Ausbildungsverträge eine Angebots-Nachfrage-Problematik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BBB 2009. S. 16.

Anhand der Tabelle wird deutlich, dass seit Mitte der 90’er Jahre ein Lehrstellenmangel herrscht. Die Zahl der unbesetzten Plätze fällt jährlich, doch die Anzahl der unversorgten Bewerber/-innen steigt. Einzig das Jahr 2000 bildet eine Ausnahme, doch verschlechtert sich die Relation zwischen Angebot und Nachfrage mit Beginn des neuen Jahrtausends zunehmend. Über mehrere Jahre hinweg ist die Ausbildungskapazität defizitär. Das Missverhältnis hebt sich erst 2008 auf und kann den Bedarf der Jugend Deutschlands nach Ausbildungsplätzen decken. Nach Bundesgebieten unterteilt lässt sich diese Entwicklung gleichermaßen für die Alten Bundesländern festhalten.[2]

Die Zahlen sind Indiz für die Problematik der „Schwellen“ und ihrer Übergänge. Mayer spricht von zwei schwierigen Schwellen, die sich zeitlich zunehmend verschieben und sich für die jungen Menschen jährlich unterschiedlich gestalten. Zum einen der Übergang von Schule in eine Ausbildung und weiterhin von der Ausbildung auf den Arbeitsmarkt.[3] Diese Schwellen werden durch das Bildungsverhalten und die sich wandelnden Anforderungen seitens der Wirtschaft beeinflusst. Es werden neue Qualifikationen seitens der Bewerber und Jungarbeiter verlangt, doch wurden das Schul- und das (duale) Ausbildungssystem nicht verändert.

„Nicht zuletzt mit der IT-Revolution in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre kam es zu Spannungen zwischen den alten Ausbildungsstrukturen und neuen Qualifikationsanforderungen.“[4]

Mit einem Schwellenwechsel verändern sich die Werte und Ansprüche. Gelerntes aus der Schule, muss nicht den gleichen Stellenwert während einer Ausbildung haben und weiterhin kann es sein, dass die Ausbildungsinhalte auf dem Arbeitsmarkt an Bedeutung bzw. Wertigkeit variieren. Dementsprechend verlieren Berufsausbildungen an Wert und die Zahl der Mehrfachausbildungen und Weiterbildungen steigt.[5] Der Wettbewerb unter den Jugendlichen und den Jungarbeitern nimmt zu und Zusatzqualifikationen und gute schulische Leistungen werden gewichtiger.

„Es ist der Trend zur Wissensgesellschaft, der die Qualifikationsbasis des dualen Systems (auch des Schulberufssystems) grundlegend verändert und in vielen Tätigkeitsbereichen, auf die das mittlere Berufsbildungssystems vorbereitet, die Personalrekrutierungsstrategien der Unternehmen neu – eher auf Hoch ‑ und Fachhochschulabsolventen – ausrichtet.“[6]

Es wird ersichtlich, dass der Zugang zu Ausbildungen und später auf den Arbeitsmarkt mehr Zeit und Qualifikationen bedarf. Fachkräfte sind erwünscht und die jungen Menschen werden schon früh mit erhöhten Anforderungen und wirtschaftlichen Ansprüchen konfrontiert. Die Chance für beruflichen Erfolg, eine Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt und die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung wird stark durch einen abgeschlossenen Schul- und Ausbildungsabschluss beeinflusst. Solga weist darauf hin, dass Schulabgänger ohne Schulabschluss und ohne abgeschlossene Berufsausbildung zu zwei Drittel als ungelernte Arbeiter eingestellt würden.[7] Diese Gegebenheit erweist sich als problematisch, wenn man bezüglich der Qualifizierungsansprüche folgendes bedenkt:

„Hinsichtlich der im Beschäftigungssystem benötigten Arbeitskräfte zeichnet sich ein starker Rückgang der Erwerbstätigen für einfache Tätigkeiten ab, die meistens von ungelernten Kräften ausgeübt werden, während der Bedarf für höher qualifizierte Tätigkeiten zunimmt.“[8]

An die beruflichen Übergänge und den persönlichen Ausbildungsweg sind die privaten Entscheidungen gekoppelt. Je länger man für eine Ausbildung braucht und je länger man sich im Ausbildungssystem aufhält, umso weiter rückt die Familienplanung nach hinten. Ausbildungen und Beruf sind somit Einflussfaktoren für den persönlichen Lebensweg. Die Bedeutsamkeit einer Ausbildung ist offensichtlich und so soll im weiteren Verlauf der Arbeit geklärt werden wie sich die Ausbildungssituation in Kombination mit dem Bildungsgrad, dem Geschlecht und der Herkunft verhält.

[...]


[1] Vgl.: Mayer, Karl Ulrich: Unordnung und frühes Leid? Bildungs- und Berufsverläufe in den 1980er und 1990er Jahren. In: Hillmert, Steffen / Mayer, Karl Ulrich (Hrsg.): Geboren 1964 und 1971. Neuere Untersuchungen zu Ausbildungs- und Berufschancen in Westdeutschland. Wiesbaden 2004. S.201- 213. S. 201.

[2] Vgl.: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Berufsbildungsbericht 2009. Bonn, Berlin 2009. S. 16f.

[3] Vgl. Mayer 2004. S. 205f.

[4] Vgl.: Ebd. S. 202.

[5] Vgl.: Sehling, Hans / Ostendorf, Annette (Hrsg.): Berufsbildung im Umbruch: Beiträge zur aktuellen Berufsbildungsdiskussion. Bielefeld 1996. S. 29ff; Mayer 2004. S. 204

[6] Vgl.: Baethge, Martin / Solga, Heike / Wieck, Markus: Berufsbildung im Umbruch. Signale eines überfälligen Aufbruchs. Berlin 2007. S.27.

[7] Vgl.: Solga; Heike: Jugendliche ohne Schulabschluss und ihre Wege in den Arbeitsmarkt. In: Cortina, Kai S. / u.a. (Hrsg.): Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland. Strukturen und Entwicklungen im Überblick. Reinbek bei Hamburg 2003. S. 710-754. S. 742.

[8] Vgl.: Schanz, Heinrich (Hrsg.): Berufsbildung im Zeichen des Wandels von Technik, Wirtschaft und Gesellschaft. Festschrift für Berhard Bonz zum 60. Geburtstag. Stuttgart 1992. S. 39.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Jugendliche ohne Ausbildung
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V170823
ISBN (eBook)
9783640898619
ISBN (Buch)
9783640898572
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendliche, ausbildung
Arbeit zitieren
Marlen Berg (Autor), 2011, Jugendliche ohne Ausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170823

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