Unterrichtsentwurf Gedenktage im Geschichtsunterricht

Der 9. November als Feier- oder Trauertag?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

» Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung - Intention und Aufbau der Hausarbeit

II. Gedenktage im Geschichtsunterricht am Beispiel des 9. November
A. Sachanalyse - Was geschah am 9. November?
1. 1918 - Die Ausrufung der Republik
2. 1923 - Der Hitlerputsch
3. 1938 - Die Reichspogromnacht
4. 1939 - Das Georg-Elser-Attentat
5. 1989 - Der Fall der Berliner Mauer
B. Fachdidaktische Analyse - Gedenktage in der Öffentlichkeit
1. Geschichte der Gedenkkultur
2. Funktionen der Gedenktage
3. Der 9. November in der öffentlichen Diskussion
C. Fachdidaktische Ausarbeitung
1. Lehrplanbezug
2. Umsetzungsvorschlag für den Unterricht

III. Schluss - Chancen und Probleme im Unterricht
Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Einleitung - Intention und Aufbau der Hausarbeit

Gedenktage und Erinnerungskultur sind Themen des geschichtsdidaktischen Oberbegriff ״Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur".

Um geschichtskulturelle Fragen zu klären, muss man sich zwangsweise mit der Außenseite des gesellschaftlichen Geschichtsbewusstseins beschäftigen. Gedenk- und Feiertage werden also nicht gefeiert, weil man sich persönlich dafür entschied sie zu feiern, sondern weil die Gesellschaft und der gemeinsame Erinnerungsbetrieb uns dazu bringt diese Tage als besondere Tage in unser Alltagsleben zu integrieren.

Dieses gemeinsame Denken und Gedenken wird kulturelles Gedächtnis genannt. Es entsteht, da wir als einzelnes Individuum kaum in der Lage wären, komplexe historische Vorstellungen selbst zu entwickeln und sie im Gedächtnis zu behalten. Dazu benötigt es ein funktionierendes soziales System, das aus vier Komponenten besteht: Die Institutionen, wie Schulen, Museen oder Bibliotheken. Spezielle Professionen, also bestimme Berufsgruppen, die die Aufgabe haben Erinnerungskultur zu verbreiten. Medien, wie Fernsehen, Zeitung oder Computer, die als größtes Speichermedium der Erinnerung gelten und natürlich das Publikum, das dabei als Empfänger der Informationen fungiert.

Um nun Menschen das System der Geschichts- und Erinnerungskultur näher zu bringen, müssen schon junge Schüler mit diesen Themen konfrontiert werden. Geschichts- und Erinnerungskultur muss also Gegenstand im Geschichtsunterricht werden.[1]

Deshalb möchte ich im Folgenden das Thema Gedenktage und Erinnerungskultur näher betrachten, wobei ich zu Beginn einen sachanalytischen Überblick über die Geschehnisse des Gedenktages 9. November geben möchte. Danach möchte ich in der fachdidaktischen Analyse die Geschichte und die Funktionen der Gedenktage, sowie die Meinungen zum 9. November als Feier- bzw. Gedenktag klären. In der fachdidaktischen Ausarbeitung schlage ich dann einen Unterrichtsversuch zum Thema ״Gedenktage am Beispiel des 9. November" vor, wobei ich mich in den Lernzielen auf den gültigen Realschullehrplan beziehe.

II. Gedenktage im Geschichtsunterricht am Beispiel des 9. November

A. Sachanalvse - Was geschah am 9. November?

1918- Die Ausrufung der Republik

Dass der 1. Weltkrieg verloren war, wusste Ende September 1918 auch die Oberste Heeresleitung. Die Entente, bestehend aus England, Frankreich und Russland, konnte sich nun auch durchringen über einen Waffenstillstand mit einem demokratisierten Deutschland zu verhandeln. Die parlamentarische Reichsregierung unter Prinz Max von Baden, die daraufhin etabliert wurde, konnte die bevorstehende Revolution von Innen jedoch auch nicht mehr stoppen.

Grund für die immer größere Verbitterung der deutschen Bevölkerung waren allgemeine soziale Missstände, Lebensmittelknappheit, Rohstoffmangel und die große Anzahl an Opfern und Verwundeten des Krieges. Am 29. Oktober 1918 kam es zu ersten Revolten im Norden Deutschlands. Matrosen der Flotte in Kiel und Wilhelmshaven weigerten sich ihr Leben in einem letzten Gefecht gegen die Briten aufs Spiel zu setzen. Dieser Matrosenaufstand weitete sich nun über ganz Deutschland aus, so dass es in jeder größeren Stadt zur Bildung von revolutionären Arbeiter- und Sozialräten kam, die sich nun um administrative Aufgaben in den Städten kümmern sollten. Ziel der Bewegung war die Abdankung des Kaisers und die Demokratisierung Deutschlands.

Am 9. November 1918 erreichte die revolutionäre Bewegung die Hauptstadt Berlin. Hunderttausende Arbeiter traten in den Ausstand. Erschüttert von den Massen, erklärte Max von Baden eigenmächtig die Abdankung Wilhelms II. und ernennt Friedrich Ebert (SPD) kurzfristig zum Reichskanzler. Damit sollte die revoltierende Menge beruhigt und weiteres Blutvergießen verhindert werden. Um 14 Uhr rief daraufhin Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstags die demokratische Republik aus. Mit dieser Rede wollte Scheidemann symbolisch mit dem alten Regime abschließen und zudem Karl Liebknecht zuvor kommen, der zwei Stunden später die ״freie sozialistische Republik" ausrufen sollte. Später sollte sich der monatelange politische Machtkampf zwischen den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Linksliberalen zugunsten des Parlamentarismus entscheiden. SPD und USPD bildeten somit die erste demokratische Regierung in Deutschland, die Weimarer Republik.[2]

Ausrufung der Republik 1918

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1923 - Der Hitlerputsch

Bayern war in den Jahren der Weimarer Republik Dreh- und Angelpunkt rechter, antidemokratischer Gemeinschaften. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich gerade in München einer der größten, rechtsorganisierte Putschversuch stattfand.

Im September 1923 formierten sich Adolf Hitler und Erich Ludendorff im ״Deutschen Kampfbund" und machten sich zur Aufgabe eine nationale Diktatur anzustreben, die der ״inneren Reinigung" und der Wiederherstellung alter Weltmachtstellung Deutschlands dienen sollte. Am Abend des 8. November 1923 startete man dann den Putschversuch, der sich jedoch bald als sehr übereilig und schlecht organisiert erwies. Um 20.30 Uhr platzten Hitler und seine Anhänger in den Burgbräukeller in München, in dem sich die gesamte politische Prominenz sammelte, um Gustav Ritter V. Karls Rede zu seinem politischen Programm als Generalstaatskommissar zu hören. Hitler erklärte die gesamte Auflösung der Reichsregierung und proklamierte eine neu gebildete Nationalregierung. Vorerst konnten die Putschisten die Anerkennung der Proklamation auf die Feldherrnhalle am Mittag des 9. November zu heftigen Schusswechseln mit der Polizei, woraufhin sich der Putsch auflöste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

März/April 1924: Die Angeklagten im Hitlerprozess

Wenige Monate später wurde Hitler und zahlreiche seiner Anhänger des Hochverrates angeklagt. Hitler wurde daraufhin zu fünf Jahren Haft verurteilt, während Ludendorff wegen seiner Verdienste als Weltkriegsgeneral sogar freigesprochen wurde. Auch Hitler wurde nach sechs Monaten Haft frühzeitig entlassen und erkannte somit, dass die politische Macht in Deutschland nur auf legalem Wege zu erlangen war.[3]

1938- Die Reichspogromnacht

Als Reichspogromnacht wird die Nacht vom 9. auf 10. November des Jahres 1938 bezeichnet, in der einer der größten durchorganisierten Angriffe auf die jüdische Bevölkerung unter dem nationalsozialistischen Regime stattfand.

Vorausgegangen war das Attentat des jungen Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris. Dieser Anschlag galt damals als Vorwand die Hetzjagd zu beginnen. Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, heizte die Stimmung im rechten Lager mit einer Rede in München weiter an, in der er weitere Ausbrüche des ,Volkszorns' ankündigte. Die NSDAP würde die Aktionen zwar nicht gezielt unterstützen, aber auch nicht behindern.

In der genannten Nacht des 9./10. Novembers entfachte sich nun der ״spontane Volkszorn" in einer gewalttätigen Attacke auf jüdische Personen und Familien im ganzen Land, wobei jüdische Synagogen angebrannt, Geschäfte zerstört und jüdische Bürger verhöhnt und misshandelt wurden. Die Bilanz am Folgetag war erschreckend: Hunderte Synagogen wurden zerstört, mindestens 8000 Geschäfte und zahlreiche jüdische Häuser und Wohnungen wurden dem Erdboden gleichgemacht, etwa 100 Personen wurden getötet. Allgemein wurde die Reichspogromnacht verschönernd als Kristall-nacht bezeichnet, was wohl auf die zerstörten Fensterscheiben zurückzuführen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reichspogromnacht 1938

Eine weitere Folge der Reichspogromnacht war die Verschleppung von rund 30000 Juden in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Zudem wurde eine Sondersteuer von 1 Milliarde Reichsmark erhoben, die von den Juden in Deutschland zu zahlen war. Nur wenige Menschen aus der Bevölkerung nahmen selbst an den Pogromen teil. Aber noch weniger zeigten Mitgefühl und halfen ihren jüdischen Mitbürgern. Die meisten schwiegen oder blickten einfach weg.

Allgemein können die Novemberpogrome als Auftakt für die spätere, europaweite Judenverfolgung und -Vernichtung - dem Holocaust - bezeichnet werden.[4]

1939 - Das Georg-Elser-Attentat

Um kriegerische Maßnahmen durch Hitlers Wehrmacht zu verhindern erarbeitete der Schreiner Georg Elser schon 1938 Pläne zur Beseitigung Hitlers. Als Ziel seines Bombenattentats wählte er den Burgbräukeller in München, in dem alljährlich in der Nacht vom 8. auf 9. November Feierlichkeiten der Nationalsozialisten zum Hitlerputsch 1923 stattfanden. Um das Attentat zu realisieren, beschaffte sich Georg Elser unbemerkt Sprengsatzbauteile des Königsbronner Steinbruchs und schlich sich immer wieder in den Redesaal des Burgbräukellers. Am 6. November aktivierte er schließlich den eingebauten Zeitzünder und verließ daraufhin die Stadt.

Hitler entschließt sich kurzfristig, trotz des bevorstehenden Angriffes deutscher Truppen im Westen, die traditionelle Rede am 8./9. November im Burgbräukeller zu halten. Da er allerdings unter erheblichen Zeitdruck Stand, präsentierte er nur eine stark gekürzte Fassung seiner Rede, so dass er 21.07 Uhr den Saal verließ, um sich auf den Weg zurück nach Berlin zu machen. Elsers Sprengsatz explodierte 13 Minuten später gegen 21.20 Uhr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Georg Elser Attentat 1939

Die Explosion zerstörte Hitlers Rednerpult und ließ die komplette Decke des Saales herabstürzen. Das Attentat forderte 8 Tote und ca. 60 Verletzte, darunter aber keiner der wichtigen NS-Männer. Noch in der Nacht des 9. November wurde Großalarm ausgelöst und mit den Ermittlungen begonnen. Man vermutete, das Attentat sei das Werk der Engländer und nutzte diese Behauptung vor allem für propagandistische Zwecke.

Georg Elser wurde bei seinem Fluchtversuch an der Grenze zur Schweiz festgenommen und nach seinem Geständnis in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Kurz vor Kriegsende wird Georg Elser am 9. April 1945 im KZ Dachau erschossen.[5]

1989 - Der Fall der Berliner Mauer

Gorbatschows Reformen ״Glasnost und Perestroika", die Gründung freier Gewerkschaften in Polen und Ungarns Grenzöffnung nach Österreich beschleunigten 1989 den Zerfall der Sowjetunion. Diese Umstände nutzten viele DDR-Bürger zur Flucht und zur Verstärkung der Demonstrationen gegen das politische System. Im Oktober trat Erich Honecker als Staatschef der DDR zurück, während die neue Regierung unter Egon Krenz schon an einem Gesetzesvorschlag arbeitete, um die Ausreisebeschränkungen der DDR-Bürger zu lockern.[6]

Am Abend des 9. November 1989 wurde dazu eine Pressekonferenz von Günter Schabowski, einem Mitglied des SED-Politbüros, gehalten, die auch im deutschen Fernsehen übertragen wurde. Auf Nachfrage der Journalisten, konnte Schabowski keine genaue Auskunft über das Ausreisegesetz geben, sondern musste die Bestimmungen von einem Zettel ablesen, den er von Egon Krenz kurz vor der Konferenz bekommen hatte.

Dabei gab er - ob gewollt oder nicht - unmissverständlich zu verstehen, dass eine Ausreise der DDR-Bürger über jede Grenzübergangsstelle zur BRD und Westberlin ab sofort möglich sei. Nach Ausstrahlung der Pressekonferenz, versammelten sich schon gegen 20.30 Uhr die ersten DDR-Staatsbürger am Grenzübergang ״Bornholmer Straße" in Berlin. Eine freie Ausreise wurde dort allerdings ohne gültiges Visum noch verweigert, da die Grenzsoldaten keinen eindeutigen Befehl zur Grenzöffnung erhalten hatten.

[...]


[1] Vgl. Schönemann 2003, S.16 -19

[2] Die Revolution von 1918/19: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/revolution/index.html

[3] Der ״Hitlerputsch 1923": http://www.shoa.de/content/view/150/41/

[4] Die Pogromnacht am 9./10. November 1938: http://www.shoa.de/holocaust/ausschreitungen-und- judenpolitik-seit-1935/die-pogromnacht-am-9 ./10.-november-1938.html

[5] Georg Elser Attentat: http://www.georg-elser.de/dok/index.html

[6] Fall der Berliner Mauer: http://www.berlinermaueronline.de/geschichte/fall-der-berliner-mauer.htm

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Details

Titel
Unterrichtsentwurf Gedenktage im Geschichtsunterricht
Untertitel
Der 9. November als Feier- oder Trauertag?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V170935
ISBN (eBook)
9783668803701
ISBN (Buch)
9783668803718
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedenktag, Geschichtskultur, Geschichtsdidaktik, Geschichtsunterricht, Gedenken, Feiertag, Didaktik, 9. November
Arbeit zitieren
Karsten Golze (Autor), 2007, Unterrichtsentwurf Gedenktage im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170935

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