Familie in der Krise?

Soziales Lernen in Schulen – erweiterte Angebote bedingt durch den Wandel der Familie


Hausarbeit, 2010

10 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Begriffsbestimmung
1.1 Definition Familie
1.2 Definition soziale Kompetenzen

2 Wandel der Familie

3 Möglichkeiten in der Schule

4 Grundsätzlicher Aufbau eines Workshops

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis

Einleitung

Die Erziehungsbalance hat sich durch den Wandel der Familie vom Mehrgenerationenhaushalt zu einer oftmals sogenannten Patchwork-Konstellation komplett verschoben. Dadurch verteilt sich die Erziehungsbalance durch zunehmende Entstehung von Ganztagsschulen und -kindertagesstätten und die ständige Berufstätigkeit beider Elternteile immer mehr auf die Seite von Hort, Schule und Freizeitorganisationen.

Das in der Schule erlernte Wissen über mathematische Formeln, geschichtliche Ereignisse oder die Fremdsprachen sind natürlich Voraussetzung für das Bestehen in unserer Welt. Aber zu oft ist das Wissen der Auszubildenden mit wenig oder gar keinen Fähigkeiten im sozialen und gesellschaftlichen Bereich verknüpft. Gruppenarbeiten und selbständiges Lernen sind für viele Schüler ein Fremdwort und werden auf Grund des zu vollgepackten Lehrplans und der somit fehlenden Zeit der Lehrer selten oder nicht praktiziert. Dabei wären eben diese methodisch- didaktischen Abwechslungen im tristen Schulalltag aus sozialpädagogischer und lerntheoretischer Sicht für die Entwicklung enorm wichtig.

Ein Auftrag des Schulorgans ist neben der Wissensvermittlung ebenfalls das Erlernen und der Ausbau von sozialen Kompetenzen. Viele Lehrer sind allerdings schon mit der Wissensvermittlung auf Grund von zu hohen Klassenkapazitäten, des zeitlich straffen Lehrplans und des Massenphänomens demotivierter Schüler überfordert. Doch sind es die sozialen Fähigkeiten, die in der heutigen Lebenswelt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Beispielsweise Kommunikation, Kooperation, Kompromissbereitschaft und Konfliktfähigkeit sind Eigenschaften, die in Familien kaum Erprobung zulassen und bereits bei Schülern in der Grundschule große Defizite aufweisen.

Nach einer aktuellen Studie an der FH Dortmund gibt es derzeit noch keine allgemein adäquaten Konzepte für Lehrer und Helferorgane im Bereich Schule und Familie, die diese Defizite mit generalisierend erfolgreichen Methoden beheben können. Es ist derzeit eine systemorientierte und individuell anzupassende Interventionsarbeit durch ausgebildete Sozialpädagogen und Trainer.[1] Auf Grund der zertifizierten Ausbildung zum Trainer für Deeskalation und Zivilcourage, möchte ich ein mögliches Angebot auf den folgenden Seiten aufzeigen und näher erläutern. Das Konzept wurde von mir, unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Evaluationen, selbständig entwickelt.

1 Begriffsbestimmung

1.1 Definition Familie

In der Soziologie bezeichnet die Familie verschiedene Ansichten und Zusammensetzungen einer familialen Lebensform, die mindestens zwei Generationen umfasst. Außerdem weist sie einen dauerhaften Zusammenhang auf, der im Innern durch Solidarität und persönliche Verbundenheit gekennzeichnet ist. Viele weitere Merkmale, wie z.B. ein gemeinsamer Haushalt oder die gemeinsame Verwandtschaft, sind soziokulturell variabel und bilden keine Voraussetzungen für eine familiale Lebensform.[2]

1.2 Definition soziale Kompetenzen

Soziale Kompetenzen beziehen sich auf alle Fertigkeiten, die für ein zufriedenstellendes Zusammenleben erforderlich sind. Soziale Fertigkeiten orientieren sich an den Anforderungen der jeweiligen Situation, den Ressourcen und persönlichen Bedürfnissen eines Individuums, aber auch an gesellschaftlichen Normen. Bei der sozialen Kompetenz handelt es sich um ein psychologisches Konzept, um zum Einen Entwicklungsziele im Kindes- und Jugendalter zu beschreiben, zum Anderen können mit diesem Begriff Trainings- oder Therapieziele in der Verhaltenstherapie spezifiziert werden. Soziale Kompetenz ist kein einheitliches oder eindimensionales Gebilde, sondern ein sehr komplexes Konstrukt, das durch einzelne Begriffe, wie beispielsweise Kommunikationsfähigkeit oder Kontaktfreudigkeit, nur teilweise definiert werden kann.[3]

2 Wandel der Familie

Gesellschaften sind in ihrer Entwicklung ständigen Schwankungen und Umstrukturierungen unterworfen. In einer Zeit, die durch raschen technologischen und gesellschaftlichen Wandel geprägt ist, bleiben auch die Formen familiären Zusammenlebens von Veränderungen nicht unberührt. In der Diskussion um diesen Veränderungsprozess sprechen eine Reihe von Wissenschaftlern von Auflösungstendenzen oder vom Funktionsverlust der Familie und sehen darin eine wesentliche Ursache für steigende Kriminalität, Drogenmissbrauch und psychische Erkrankungen.[4] Andere begreifen die Veränderungserscheinungen der Familie als einen notwendigen Anpassungsprozess an die gewandelten Lebensumstände der Moderne, der die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen auf eine neue Basis stellt und es somit der nachwachsenden Generation erleichtert, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.[5] Doch ganz gleich welche Auffassung vertreten wird, Fakt ist, dass die Bundesrepublik Deutschland hierbei vor einer Vielzahl von Problemen steht und dies eine bedeutende Herausforderung für die kommunale Familienpolitik darstellt. „Die meisten europäischen Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Der demografische ebenso wie der Wertewandel verändern Familienformen und das Zusammenleben von Männern, Frauen und Kindern in ganz Europa. Darin liegt eine große Herausforderung. Denn das Wohlergehen von Familien und Kindern ist für die Europäische Union von hoher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung.“(Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dipl.-Soz. Karsten Kassner, Ausgabe 18, 2009). In den derzeitigen Familien- soziologischen Forschungen geht man davon aus, dass sich seit Mitte der sechziger Jahre ein stetiger Wandel der Familienform und Familienumstände vollzogen hat und diese bis heute andauern.[6] Dies bedeutet, dass die Anzahl der Alleinerziehenden Elternteile, sog. „Ein-Elternteil-Familien“ (Napp-Peters, Anneke: „Ein-Elternteil-Familien“, 1985) zunimmt und sich die Mehr- generationenhaushalte zum größten Teil auflösten. Dabei sind die verzeichneten Scheidungszahlen, der Rückgang von Eheschließungen und der Geburtenrückgang besonders deutlich ab Mitte der achtziger Jahre bemerkbar.[7] Dabei machten sich erste Tendenzen der Zweitfamilien, sog. „Patchwork-Familien“(Giese>In den neusten Begrifflichkeiten des Systems Familie wird weniger an dem klassischen Begriff der Familie gemessen. Dafür rückt der Begriff der Familienkonstellation immer mehr in den Fokus, denn dadurch wird weniger auf die Personen verwiesen, sondern mehr auf die intimen Beziehungen innerhalb aller Mitglieder.[8] Seit Beginn der neunziger Jahre rückt ein weiterer Aspekt in den Mittelpunkt. Es wird zunehmend auf die sozialen Aspekte und deren Auswirkungen in dem System Familie geachtet. Die Familie ist und bleibt trotzdem eine der zentralen Institutionen der Gesellschaft, obwohl das heutige Erlernen von Werten und Normen, sowie Einstellungen und sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen in fast allen Lebensbereichen sehr oft außerhalb der Familie passiert.[9] Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist oftmals ein Indikator für das Bereitstellen von Ganztagsangeboten in firmeneigenen Kindergärten oder sogar in Schulen. Dort werden sog. Schülercafès eingerichtet, welche durch Schulsozialarbeiter besetzt werden, die Angebote für das Erledigen der Hausaufgaben anbieten oder außerdem Möglichkeiten für sozial benachteiligte oder Schüler mit Migrationshintergrund in den Ganztagsschulen bereit stellen. So sollen soziale Kompetenzen und allgemeine Fähigkeiten gefördert und ausgebaut werden, wie beispielsweise Kommunikation und Kooperation in besonderen Situationen.

So schreibt die Hans-Böckler-Stiftung: „…womit auch das Problem des Generationenvertrags und der demographischen Entwicklung in Deutschland angesprochen wäre. Dabei überwiegt die Einschätzung, durch familienunterstützende Maßnahmen eine Trendwende herbeiführen zu können.“(Hans-Böckler-Stiftung: „Zukunft der Gesellschaft“, 2009, S. 9). Zusammenfassend möchte ich anmerken, dass die heutige Familie allein nicht mehr ausreichend Angebote für das Schulkind bereitstellen kann, um ihm eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Große Schritte geht ein Kind in einem stabilen familiären und freizeitfreundlichen Umfeld, sowie einem gesunden Lernumfeld Schule.

[...]


[1] vgl. Günder, FH Dortmund, 2008

[2] Vgl. Fuchs-Heinritz, Werner: „Lexikon zur Soziologie“, 1995, S. 197

[3] Vgl. Jugert, Gert, Rheder, Anke, Notz, Peter, Petermann, Franz: „Soziale Kompetenz für Jugendliche“,2001, S. 9

[4] Vgl. Maihofer, Andrea, Böhnisch, Tomke, Wolf, Anne: „Wandel der Familie“, 2001, S. 5

[5] Vgl. Miller, Maxim: „Wandel der Familie“, 2010, S. 9

[6] Vgl. Maihofer, Andrea, Böhnisch, Tomke, Wolf, Anne: „Wandel der Familie“, 2001, S. 5

[7] Vgl. ebd. S. 6

[8] Vgl. ebd. S. 6

[9] Vgl. ebd. S. 9

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Familie in der Krise?
Untertitel
Soziales Lernen in Schulen – erweiterte Angebote bedingt durch den Wandel der Familie
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Veranstaltung
Familie in der Krise
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V171383
ISBN (eBook)
9783640907410
ISBN (Buch)
9783640907557
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Krise, Sozialkompetenztraining, Schule, Gewalt
Arbeit zitieren
Alexander Diezel (Autor), 2010, Familie in der Krise?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171383

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