Pflege zwischen Ethik, Bildung und Begleitung am Lebensende versammelt drei praxisnahe Forschungsarbeiten zu Themen, die Pflegefachkräfte, Praxisanleitende und Lehrende im Pflegealltag unmittelbar betreffen.
Der Sammelband beleuchtet das Spannungsfeld von Nähe und Distanz in der Palliativpflege und zeigt, wie Fachpersonen mit emotionalen Belastungen professionell umgehen können. Ein zweiter Beitrag widmet sich der ethischen Fallarbeit in der Praxisanleitung und entwickelt ein Methodenkonzept, das Praxisanleitende bei der Förderung ethischer Kompetenz unterstützt. Der dritte Beitrag fragt danach, wie Tod und Sterben in der Pflegeausbildung lernwirksam vermittelt werden können und untersucht das Potenzial eines Sterbeseminars als curriculare Alternative.
Die Beiträge verbinden Forschung, fachliche Reflexion und konkrete Anregungen für Praxis, Ausbildung und Pflegebildung. Damit richtet sich der Band an Pflegefachkräfte, Pflegepädagog:innen, Praxisanleitende sowie an alle, die Pflege in sensiblen und anspruchsvollen Handlungsfeldern professionell weiterentwickeln möchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Forschungsfragen
1.4 Relevanz der Studie
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Palliativpflege
2.2 Nähe und Distanz in der Palliativversorgung
2.3 Rolle von Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzten
2.4 Herausforderungen für Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzte
3 Forschungsmethodik
3.1 Forschungsdesign
3.2 Auswahl der Teilnehmenden
3.3 Interview
3.4 Entwicklung des Leitfadens
3.5 Datenauswertung
4 Zusammenfassung der Interviews
4.1 Zusammenfassung der Interviews A1 und A2
4.2 Zusammenfassung der Interviews PBA1 und PBA2
4.3 Zusammenfassung der Interviews PBE1 und PBE2
5 Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse
5.1 Herausforderungen im Umgang mit Nähe und Distanz bei Pflegefachpersonen
5.2 Bewältigungsstrategien der Pflegefachpersonen
5.3 Herausforderungen der Nähe und Distanz bei Ärztinnen und Ärzten
5.4 Bewältigungsstrategien der Ärztinnen und Ärzte
5.5 Vergleich der Ergebnisse Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzte
5.6 Zusammenfassung der Ergebnisse anhand der Forschungsfragen
6 Diskussion
6.1 Interpretation der Ergebnisse
6.2 Einfluss des Patientenalters auf die Praxis
6.3 Empfehlungen für die Praxis
7 Fazit
7.1 Limitationen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die komplexen Herausforderungen im Umgang mit Nähe und Distanz in der Palliativpflege zu analysieren und praxisorientierte Lösungsansätze sowie Bewältigungsstrategien für Pflegefachpersonen und ärztliches Personal aufzuzeigen, um die professionelle Beziehungsgestaltung bei gleichzeitiger psychischer Entlastung zu fördern.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen professioneller Nähe und notwendiger Distanz in der Palliative Care.
- Vergleich der Belastungserfahrungen und Bewältigungsstrategien von Berufsanfängern und erfahrenem Fachpersonal.
- Einfluss des Alters der Patienten auf die emotionale Beanspruchung des Behandlungsteams.
- Entwicklung eines praxisnahen Leitfadens zur emotionalen Entlastung und Förderung professioneller Selbstfürsorge.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Im Zentrum der Palliativmedizin und der Hospizversorgung stehen stets die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie ihrer An- und Zugehörigen (Albrecht, E. et al., 2018, S. 2). Gleichzeitig erfordert die Begleitung in der letzten Lebensphase ein sensibles Austarieren von Nähe und Distanz. Eine einfühlsame Zuwendung fördert das Vertrauen und unterstützt den Verarbeitungsprozess. Gleichzeitig ist professionelle Abgrenzung notwendig, um Belastung und Erschöpfung bei allen Beteiligten zu vermeiden.
Palliativpflege verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der körperliche, psychosoziale und spirituelle Dimensionen der Begleitung vereint (Albrecht, E. et al., 2018, S. 6). Insbesondere im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen stehen Fachkräfte immer wieder vor der Herausforderung des Spannungsfeldes zwischen professioneller Nähe und der notwendigen emotionalen Distanz. Empathisches Handeln und persönliche Zuwendung sind zentrale Elemente einer würdevollen Betreuung. Zugleich erfordert die Situation eine reflektierte Haltung, um die Selbstfürsorge der Pflegenden nicht zu vernachlässigen (Juchli L. et al., 2020, S. 45).
Diese Balance zu wahren, Nähe zu ermöglichen, ohne die eigene emotionale Gesundheit zu gefährden, zählt zu den zentralen Herausforderungen in der Palliativversorgung. Besonders Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger sowie Mitarbeitende ohne Erfahrung im Umgang mit Sterben und Tod laufen Gefahr, in Empathielosigkeit oder emotionale Erschöpfung zu geraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit, die sich auf das Spannungsfeld von Nähe und Distanz in der Palliativversorgung konzentriert und die Relevanz der Studie für die Praxis hervorhebt.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Begriffe der Palliativpflege definiert und das Konzept der professionellen Distanz sowie die spezifischen Rollen von Pflegefachpersonen und Ärzten erörtert.
3 Forschungsmethodik: Dieses Kapitel beschreibt den qualitativen Forschungsansatz, die Auswahl der Teilnehmenden und die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Datenauswertung.
4 Zusammenfassung der Interviews: Hier werden die Ergebnisse der halbstrukturierten Interviews mit ärztlichem Personal sowie erfahrenen und berufsanfangenden Pflegefachkräften differenziert dargestellt und zusammengefasst.
5 Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse: Dieses Kapitel präsentiert die systematische Auswertung der Interviews in Bezug auf Herausforderungen, Bewältigungsstrategien und den Vergleich zwischen den beteiligten Berufsgruppen.
6 Diskussion: Hier werden die Ergebnisse interpretiert, der Einfluss des Patientenalters auf die Praxis beleuchtet und konkrete Empfehlungen in Form eines Leitfadens für die Praxis formuliert.
7 Fazit: Das Kapitel zieht ein Resümee über die Untersuchung, diskutiert die Limitationen der Studie und gibt einen Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen in der Ausbildung.
Schlüsselwörter
Palliativpflege, Nähe und Distanz, Palliative Care, professionelle Abgrenzung, emotionale Erschöpfung, Burnout-Prävention, Pflegebeziehung, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Selbstfürsorge, berufliche Belastung, Sterbebegleitung, qualitative Forschung, Pflegefachpersonen, ärztliche Betreuung, Ethik in der Pflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der emotional anspruchsvollen Beziehungsgestaltung zwischen medizinischem Personal und Patienten in der Palliativversorgung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das Spannungsfeld von Nähe und Distanz, die psychische Belastung durch die Begleitung Sterbender und die notwendigen Bewältigungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Strategien aufzuzeigen, wie Fachkräfte eine professionelle Balance finden können, um qualitativ hochwertige Pflege zu leisten, ohne ihre eigene psychische Gesundheit zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz mit halbstrukturierten Interviews und anschließender Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert subjektive Erfahrungen von Pflegefachpersonen und Ärzten, vergleicht ihre Strategien und leitet daraus einen praxisnahen Leitfaden ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Palliativpflege, professionelle Distanz, Selbstfürsorge und emotionale Erschöpfung.
Wie unterscheiden sich die Strategien von Ärzten und Pflegekräften?
Während Pflegefachpersonen durch die engere Betreuung stärker emotional involviert sind und eher auf kreative oder körperliche Entlastung setzen, regulieren Ärzte Nähe oft stärker über kognitive Mechanismen und strukturelle Arbeitsweisen.
Welche Rolle spielt das Patientenalter?
Das Sterben junger Patienten wird von allen Berufsgruppen als signifikant belastender empfunden, da es häufiger Gefühle von Ungerechtigkeit und persönlicher Erschütterung auslöst.
- Citation du texte
- Innovationszentrum Pflege & Gerontologie (IPG) (Éditeur), 2026, IPG-Sammelband 2: Pflege zwischen Ethik, Bildung und Begleitung am Lebensende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1714311