Die Hausarbeit untersucht literarische Mehrsprachigkeit am Beispiel von Abbas Khiders Roman "Ohrfeige" (2016) und verbindet theoretische Grundlagen mit einer textnahen Analyse. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Mehrsprachigkeit in der Literatur kein Ausnahme-, sondern ein Regelfall ist, insbesondere im Kontext von Migration und Globalisierung.
Zunächst werden Formen literarischer Mehrsprachigkeit unterschieden: manifest, latent und exkludiert. Manifest bezeichnet sichtbare Sprachwechsel oder -mischungen, latent verweist auf versteckte Mehrsprachigkeit in der Tiefenstruktur und exkludiert meint bloße Verweise auf andere Sprachen ohne deren tatsächliche Verwendung. Diese Formen erfüllen unterschiedliche Funktionen, etwa die Darstellung kultureller Differenz, die Erzeugung von Authentizität oder die Inszenierung von Fremdheit und Nichtverstehen.
Im analytischen Teil wird gezeigt, dass Khider diese Formen gezielt kombiniert. Obwohl der Roman auf Deutsch verfasst ist, ist Arabisch die dominante Sprache der erzählten Welt. Dies wird meist exkludiert dargestellt, etwa durch Hinweise auf arabische Gespräche oder Dolmetschersituationen. Latente Mehrsprachigkeit zeigt sich in der Diskrepanz zwischen korrekt wiedergegebenem Deutsch und der implizierten sprachlichen Realität der Figuren. Manifest wird Mehrsprachigkeit durch arabische und englische Einsprengsel, die häufig übersetzt und kulturell kontextualisiert werden.
Zentral ist dabei die Funktion der Mehrsprachigkeit: Sie vermittelt kulturelle Identität, macht Migrationserfahrungen nachvollziehbar und erzeugt Authentizität. Gleichzeitig konfrontiert sie Leser*innen mit sprachlicher Fremdheit und Verständigungsproblemen.
Insgesamt zeigt die Arbeit, dass Mehrsprachigkeit bei Khider nicht nur thematisch präsent ist, sondern als zentrales ästhetisches Mittel dient, um Fremdheit, Zugehörigkeit und kulturelle Hybridität literarisch zu gestalten.
- Citar trabajo
- Johannes Raub (Autor), 2025, Literarische Mehrsprachigkeit in Abbas Khiders "Ohrfeige", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1718549