Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen


Hausarbeit, 2011

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen
2.1 Erste Einwanderungsphase
2.2 Zweite Einwanderungsphase
2.3 Dritte Einwanderungsphase

3. Sprache der Pennsylvaniadeutschen
3.1 Entstehung
3.2 Verbreitung
3.3 Sprecher

4. Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen
4.1 Sprachkontakt
4.2 Bilingualismus bzw. Multilingualismus
4.3 Interferenz
4.4 Entlehnung
4.5 Integration
4.6 Mischsprache

5. Lehngut des Pennsylvaniadeutschen
5.1 Lehnwort
5.2 Hybrid
5.3 Lehnübersetzung, Lehnübertragung und Lehnbedeutung
5.4 Scheinentlehnung

6. Auswirkungen des Sprachkontakts des Pennsylvania-deutschen mit dem Amerikanischen Englisch
6.1 Verbreitung des Lehnguts
6.2 Verwendungskontext des Lehnguts
6.3 Möglicher Sprachtod

7. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob der Sprachkontakt des Pennsylvaniadeutschen zum amerikanischen Englisch den Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen bewirken wird. Hierzu wird im zweiten Kapitel die Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen geschildert. Im dritten Kapitel folgt die Darstellung der Sprache. Es werden die Entstehung und Verbreitung behandelt. Außerdem wird die Gruppe der Pennsylvaniadeutsch-Sprecher genauer betrachtet. Im Anschluss sollen die verschiedenen Phänomene der Sprachkontaktsituation theoretisch betrachtet werden. Im folgenden fünften Kapitel werden dann konkrete Beispiele des Lehnguts thematisiert. Die Betrachtung der Auswirkungen des Sprachkontakts, bis hin zum möglichen Sprachtod, erfolgt im sechsten Kapitel. Es folgt eine kurze Schlussbetrachtung.

2. Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen

Abhängig vom Zeitpunkt ihrer Einreise nach Amerika werden die Einwanderer in drei verschiedene Kategorien eingeteilt (Schwartzkopff 1987: 7)[1]. Jede Kategorie steht für einen bestimmten Zeitraum.

2.1 Erste Einwanderungsphase

Die Einwanderer, die vor 1776 nach Amerika kamen, werden als „colonists“ bezeichnet (Schwartzkopff 1987: 7). Die meisten unter ihnen waren britischer oder irischer Abstammung. Nur wenige deutschstämmige[2] Einwanderer kamen zu dieser Zeit bereits nach Amerika[3]. Dieses Bild änderte sich jedoch zum Ende des 17. Jahrhunderts. Zwischen 1683 und 1710 kamen zahlreiche Deutschstämmige nach Amerika. Von 1710 an war Pennsylvania sehr beliebt unter den deutschstämmigen Einwanderern, sodass sich 1727 bereits 20.000 von ihnen in Pennsylvania niedergelassen hatten (Schwartzkopff 1987: 8)[4]. Bis zum Unabhängigkeitskrieg soll die Zahl der Deutschstämmigen in Amerika auf 110.000 gestiegen sein, wobei die meisten Einwanderer aus der Pfalz, Württemberg und Baden stammen (Schwartzkopff 1987: 8f.)[5].

Die Motivation für die Auswanderung der Deutschstämmigen ist auf die damalige Situation in der Heimat zurückzuführen. Der Westfälische Frieden von 1648 hatte bewirkt, dass es drei offizielle Religionen[6] im deutschen Gebiet gab. Häufig erklärten die einzelnen Herrscher ihre eigene Glaubensrichtung als einzig zulässige für ihre Untertanen. Andersgläubige wurden zum Teil brutal verfolgt, konnten sich jedoch unter Herrschern ihrer Religion ansiedeln. Anders erging es den Anhängern der nicht offiziellen Glaubensgemeinschaften. Sie wurden in der Regel daran gehindert, ihren Glauben auszuleben (Raith 1982: 8ff.). Hinzu kamen die schlechten Lebensbedingungen in weiten Teilen des deutschen Gebietes, das sich nach dem 30-jährigen Krieg in einem katastrophalen Zustand befand. Außerdem waren die Pfalz, das Elsass und Baden den Übergriffen und Plünderungen der französischen Armee unter Ludwig XIV. ausgesetzt. Der spanische Erbfolgekrieg 1707 und die folgenden Missernten mit entsprechenden Hungersnöten taten ihr übriges (Schwartzkopff 1987: 10ff.).

2.2 Zweite Einwanderungsphase

Die Einwanderer, die zwischen 1776 und 1895 nach Amerika kamen werden als „old immigrants“ bezeichnet (Schwartzkopff 1987: 7). Besonders nach 1830 hat die Einwanderung „geboomt“. Noch immer stammten die meisten Einwanderer aus dem Südwesten des späteren deutschen Reiches. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten die Deutschstämmigen den größten Teil der gesamten Einwanderer in Amerika. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war 1890 erreicht. In diesem Jahr gaben 6.857.229[7] der in Amerika wohnenden Personen an, deutschstämmig zu sein (Schwartzkopff: 1987: 12f.)[8].

Auch in dieser zweiten Einwanderungsphase waren die Verfolgungen auf religiöser, politischer und rassischer Basis, wiederholte Hungersnöte, die schlechte wirtschaftliche Situation in der Heimat die Hauptgründe für das Verlassen der Heimat. Hinzu kamen die positiven Berichte über das Leben in Amerika und die Angst vor dem Wehrdienst (Schwartzkopff 1987: 14ff.).

2.3 Dritte Einwanderungsphase

Die Einwanderer, die ab 1895 nach Amerika kamen werden als „new immigrants“ bezeichnet (Schwartzkopff 1987: 7). Allerdings ist die Hochzeit der deutschstämmigen Einwanderer in dieser Phase bereits vorbei. Ein letztes Hoch war 1923[9] zu verzeichnen. Die Zahlen und insbesondere die Stetigkeit aus der zweiten Phase wurden jedoch nicht mehr erreicht. Die Einwanderer stammen nun in der Mehrzahl aus Ost-, Südost- und Südeuropa.

3. Sprache der Pennsylvaniadeutschen

Für die Sprache der Pennsylvaniadeutschen gibt es viele Bezeichnungen: Pennsylvania German, Pennsylflaanisch, Pennsylvaniadeutsch oder auch Pennsylvania Dutch[10]. Da die vorliegende Arbeit die Sprecher als Pennsylvaniadeutsche bezeichnet, erscheint die Bezeichnung Pennsylvaniadeutsch am besten zu passen. Im Folgenden wird die Abkürzung PD verwendet.

3.1 Entstehung

PD ist die älteste Minderheitensprache der USA. Sie ist im 18. Jahrhundert durch deutschsprachige Einwanderer in Nordamerika entstanden. Zwischen 1750 und 1775[11] herrschten in den Siedlungsgebieten „linguistische Mischungen“ (Louden 2005: 253) und Phänomene des „Ausgleichs“ (Louden 2005: 253) der Unterschiede der verschiedenen Mundarten der einzelnen Einwanderer. Bereits 1780 kann laut Louden von einer „relativ einheitlichen Mundart“ ausgegangen werden. Hierzu Arter-Lamprecht: „Die charakteristische pennsylvaniadeutsche Mundart gibt es sicher seit 1800.“ (Arter-Lamprecht 1992: 28). Schwartzkopff behauptet, dass auch das Englische einen gewissen Einfluss auf diese Koiné hatte (Schwartzkopff 1987: 75), allerdings erklärt oder belegt sie diese Behauptung nicht. Im Gegenteil relativiert sie die Aussage, da sie zuvor bemerkt, dass die Englischkenntnisse der Einwanderer kaum existent waren (Schwartzkopff 1987: 74).

3.2 Verbreitung

Ursprünglich war das PD im Südosten Pennsylvanias angesiedelt. Doch nach den oben erwähnten Anpassungsprozessen und dem Ende des Unabhängigkeitskriegs im Jahre 1783 fand eine Öffnung zum Mittleren Westen hin statt. Von da an wurden auch die westlich des Ohio gelegenen Gebiete besiedelt. Denn die steigenden Einwandererzahlen waren selbstverständlich mit wachsendem Bedarf an Lebensraum verbunden. Es entstanden Siedlungen u. a. in Ohio, Indiana, Illinois und Iowa sowie im kanadischen Ontario (Arter-Lamprecht 1992: 28). Seinen Höhepunkt hatte das PD zwischen 1870 und 1890. In dieser Zeit sprachen rund 750.000 Menschen, von denen 600.000 in Pennsylvania lebten, diese Sprache[12] (Seel 1988: 3). Im Jahre 2005 gab es ca. 200.000 Sprecher (Louden 2005: 253).

[...]


[1] Schwartzkopff bezieht sich hier auf die Arbeit von Hawgood, J. A.: The tragedy of German-American. New York – London. 1940.

[2] Mit „deutschstämmig“ sind alle Personen, die deutschsprachig waren, gemeint. Also auch Personen aus der Schweiz, Österreich, dem Elsass, Luxemburg.

[3] Vereinzelte deutsche Namen lassen sich jedoch bereits 1607 in Jamestown finden (vgl. Schwartzkopff 1987: 7).

[4] Siehe Fußnote 4.

[5] Siehe Fußnote 4.

[6] Katholiken, Lutheraner und Reformierte. Wobei die beiden letzteren sich später zu den Evangelischen zusammenfanden.

[7] Diese Zahl machte elf Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung aus.

[8] Schwartzkopff bezieht sich hier auf die Arbeit von Eichhoff, J.: Deutsch als Siedlersprache in den Vereinigten Staaten von Amerika. In: Debus, F. und J. Hartig: Festschrift für Gerhard Cordes. Band 2. Neumünster. Seite 68 – 91. 1976.

[9] 75.000 Deutschstämmige wandern in diesem Jahr nach Amerika ein,

[10] Mit „Dutch“ ist nicht das heutige Niederländische gemeint. Vielmehr ist es eine falsche Wiedergabe der dialektalen Bezeichnung „Deitsch“ ( Seel 1988: 3).

[11] Anfang dieser Zeitspanne war der Höhepunkt der deutschsprachigen Einwanderer, das Ende war der Unabhängigkeitskrieg.

[12] Die Bezeichnung Sprache erscheint aus heutiger Sicht sinnvoller als die Bezeichnung Mundart, denn nach der Herausbildung des PD bestand kein Kontakt mehr zum Hochdeutschen. Auf Grund des Unabhängigkeitskrieges kamen auch kaum neue deutschsprachige Einwanderer nach Amerika, Kontakt zum deutschsprachigen Europa existierte ebenfalls kaum. PD war somit von den Veränderungen im Hochdeutschen getrennt (vgl. Louden 2005: 253).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Sprachkontakterscheinungen
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V172335
ISBN (eBook)
9783640935116
ISBN (Buch)
9783640935093
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachkontakterscheinungen, pennsylvaniadeutschen
Arbeit zitieren
Jessica Berger (Autor), 2011, Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172335

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