Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den
Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen. Es soll der
Frage nachgegangen werden, ob der Sprachkontakt des Pennsylvaniadeutschen zum amerikanischen Englisch den
Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen bewirken wird. Hierzu wird im
zweiten Kapitel die Einwanderungsgeschichte der
Deutschstämmigen geschildert. Im dritten Kapitel folgt die
Darstellung der Sprache. Es werden die Entstehung und Verbreitung
behandelt. Außerdem wird die Gruppe der Pennsylvaniadeutsch-
Sprecher genauer betrachtet. Im Anschluss sollen die verschiedenen
Phänomene der Sprachkontaktsituation theoretisch betrachtet
werden. Im folgenden fünften Kapitel werden dann konkrete
Beispiele des Lehnguts thematisiert. Die Betrachtung der
Auswirkungen des Sprachkontakts, bis hin zum möglichen
Sprachtod, erfolgt im sechsten Kapitel. Es folgt eine kurze
Schlussbetrachtung.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen
2.1 Erste Einwanderungsphase
2.2 Zweite Einwanderungsphase
2.3 Dritte Einwanderungsphase
3. Sprache der Pennsylvaniadeutschen
3.1 Entstehung
3.2 Verbreitung
3.3 Sprecher
4. Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen
4.1 Sprachkontakt
4.2 Bilingualismus bzw. Multilingualismus
4.3 Interferenz
4.4 Entlehnung
4.5 Integration
4.6 Mischsprache
5. Lehngut des Pennsylvaniadeutschen
5.1 Lehnwort
5.2 Hybrid
5.3 Lehnübersetzung, Lehnübertragung und Lehnbedeutung
5.4 Scheinentlehnung
6. Auswirkungen des Sprachkontakts des Pennsylvania-deutschen mit dem Amerikanischen Englisch
6.1 Verbreitung des Lehnguts
6.2 Verwendungskontext des Lehnguts
6.3 Möglicher Sprachtod
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen mit dem primären Ziel zu klären, ob der dauerhafte Kontakt zum amerikanischen Englisch den Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen herbeiführen wird. Hierfür wird die historische Einwanderungssituation beleuchtet, die Sprache linguistisch eingeordnet und insbesondere die lexikalische Ebene der Sprachkontakte analysiert.
- Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen in Amerika
- Linguistische Charakterisierung des Pennsylvaniadeutschen
- Theoretische Grundlagen von Sprachkontakt und Bilingualismus
- Kategorisierung und Analyse von Lehngut (Lehnwörter, Hybride, Lehnübersetzungen)
- Beurteilung der Vitalität und Gefahr des Sprachtods
Auszug aus dem Buch
4.2 Bilingualismus bzw. Multilingualismus
Auch der Terminus Bilingualismus ist in der Fachliteratur unterschiedlich definiert. Der vorliegenden Arbeit liegt eine relativ weit gefasste Definition zu Grunde. Diese beinhaltet, dass es nicht zwingend notwendig ist, beide Sprachen „perfekt“ zu beherrschen. Bereits die Fähigkeit zwei verschiedene Sprachen zu gebrauchen kann als Bilingualismus verstanden werden. Weinreich bezeichnet diesen Umstand als „die Praxis, abwechselnd zwei Sprachen zu gebrauchen“ (Weinreich: 1977: 15).
Wie unter 3.3 erläutert wird PD heute hauptsächlich von Anhängern der Amischen Alter Ordnung, den Mennoniten Alter Ordnung und den Hutterern gesprochen. Der Anteil der Amischen Alter Ordnung ist am größten (Vossen 1994: 14ff.), sodass sie im Folgenden als die stellvertretenden Sprecher des PD angenommen werden. Daher ist es sinnvoll auf ihren Multilingualismus einzugehen. PD ist die Erstsprache der AAO, sie wird ausschließlich in der Intragruppenkommunikation genutzt (Arter-Lamprecht 1982: 76). PD wird in der Regel nur mündlich produziert (Arter-Lamprecht 1982: 69).
Als Zweitsprache lernen die AAO Englisch in der Schule. Allerdings sprechen die meisten kleinen Kinder bereits vor der Einschulung ein wenig Englisch, das sie beispielsweise von den größeren Geschwistern und Eltern oder auch benachbarten Nicht-Amischen gelernt haben. Englisch ist die Schriftsprache der AAO, deshalb verwenden sie sie sowohl in der Intra- als auch in der Intergruppenkommunikation (Arter-Lamprecht 1982: 76). Der Schulunterricht findet auf Englisch statt.
Als Drittsprache der AAO ist Amisch-Hochdeutsch. Hierbei handelt es sich um eine Ritualsprache, die ausschließlich im Zusammenhang mit dem Glauben genutzt wird. Die Sprache wird im Normalfall nicht mehr aktiv genutzt. Die Kenntnisse der Männer sind zumeist besser, da jeder männliche AAO per Los zum Prediger ernannt werden kann (Vossen 1994: 101ff.). In den amischen Schulen wird Amisch-Hochdeutsch ab der fünften Klasse unterrichtet (Eggers 1995: 25ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich eines möglichen Sprachtods des Pennsylvaniadeutschen durch Sprachkontakt zum Amerikanischen Englisch.
2. Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen: Historische Darstellung der Einwanderungsphasen und der sozio-ökonomischen Beweggründe für die Auswanderung.
3. Sprache der Pennsylvaniadeutschen: Erläuterung der Entstehung, Verbreitung und der soziolinguistischen Gruppierungen der Sprecher.
4. Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen: Theoretische Herleitung von Sprachkontakt, Bilingualismus, Interferenz und Entlehnung innerhalb des Wortschatzes.
5. Lehngut des Pennsylvaniadeutschen: Konkrete Analyse und Kategorisierung von Lehnwörtern, Hybriden und Lehnübersetzungen basierend auf der Fachliteratur.
6. Auswirkungen des Sprachkontakts des Pennsylvania-deutschen mit dem Amerikanischen Englisch: Untersuchung der Lehngutverbreitung und der Vitalität der Sprache unter Berücksichtigung der konservativen Sprechergruppen.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur Sprachtod-Problematik.
Schlüsselwörter
Pennsylvaniadeutsch, Sprachkontakt, Amerikanisches Englisch, Lehngut, Lehnwort, Hybrid, Bilingualismus, Multilingualismus, Sprachwandel, Sprachtod, Amische, Mennoniten, Interferenz, Entlehnung, Soziolinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Sprachkontakts zwischen dem Pennsylvaniadeutschen und dem Amerikanischen Englisch auf den Wortschatz der erstgenannten Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Einwanderungsgeschichte, die soziolinguistische Struktur der Sprecher (insbesondere Amische und Mennoniten) sowie die lexikalischen Entlehnungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob der Sprachkontakt so stark ist, dass er den Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen bewirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Auswertung linguistischer Untersuchungen zum Lehngut im Pennsylvaniadeutschen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung, eine sprachtheoretische Grundlegung und eine detaillierte linguistische Untersuchung der verschiedenen Arten von Lehngut im Wortschatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Pennsylvaniadeutsch, Sprachkontakt, Lehngut, Bilingualismus und Sprachtod.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "sectarians" und "non-sectarians" eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Vitalität der Sprache, da die "sectarians" (Amische/Mennoniten) das Pennsylvaniadeutsche als funktionale Alltagssprache erhalten, während es bei den "non-sectarians" kaum noch genutzt wird.
Führt die hohe Anzahl an Lehnwörtern zwangsläufig zum Sprachtod?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Sprachkontaktphänomene auch Zeichen einer vitalen Sprache sein können und die soziale Bedeutung für die konservativen Gruppen erhalten bleibt.
- Citation du texte
- Jessica Berger (Auteur), 2011, Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172335