In dieser Arbeit soll die online-kommunikative Praxis zur Deutungskategorie „männliche Menopause“ untersucht werden und damit das Sprechen vom Altern des Mannes und dessen Bewertung und Einordnung. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, welche Begriffe dabei genutzt werden und welche Vorstellungen und Annahmen damit verknüpft werden. Dies zielt darauf, die dahinter stehenden Normalitätsvorstellungen zu erkunden. Das „männliche Klimakterium“ eignet sich aufgrund der als eher gering einzuschätzenden Bekanntheit in der breiten deutschen Öffentlichkeit für diese Fragestellungen. So bildet es das Spannungsfeld zwischen der von Hofer festgestellten Verbreitung durch die Pharmaindustrie einerseits und einer möglicherweise marginalisierten Lebenserfahrung andererseits. Hofers Arbeit bezieht sich auf den deutschsprachigen Raum, daher sollen auch hier nur deutschsprachige Positionen einbezogen werden. Dafür werden Webseiten herangezogen, die über eine Google-Suche zu diversen Suchbegriffen aufgefunden werden. Dahinter steckt die Überzeugung, dass ein Anteil der am Diskurs Beteiligten ebenfalls zunächst eine Suchmaschine nutzen, um zu Websites gelangen, die sie für ihre Position als relevant erachten.
Im Folgenden werde ich den Umgang mit Texten aus dem Internet skizzieren und aufzeigen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit Print-Publikationen bestehen. Es werden außerdem Schwierigkeiten aufgeführt, die sich bei Online-Publikationen für diese Arbeit ergeben. Anschließend werden die Analysemethoden vorgestellt, die hier zur Anwendung kommen werden. In einem weiteren Punkt wird das Feld der Medizin im Internet – die sogenannte „E-Health“ – sowie dessen Einordnung vorgestellt. Der kommende Abschnitt behandelt die „männliche Menopause“ aus medizinhistorischer und kulturwissenschaftlicher Sicht und anschließend werden einige Webseiten vorgestellt und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Internet
2.1 Theoretische Grundlagen zum www
2.2 Schwierigkeiten
2.3 Analysemethoden
2.3.1 Statische Websites
2.3.2 Interaktive Kommunikationsformen
2.4 E-Health: Internet & Medizin
3. Die „Männliche Menopause“
4. Analyse: Männliche Menopause im Netz
4.1 Recherche
4.2 Vorgehen
4.3 Webseiten
4.4 Zusammenfassung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die online-kommunikative Praxis zur Deutungskategorie „männliche Menopause“. Dabei steht im Zentrum, welche Begriffe zur Beschreibung des männlichen Alterns genutzt werden und welche Vorstellungen sowie gesellschaftlichen Annahmen mit diesem Phänomen verknüpft sind, wobei die Arbeit insbesondere analysiert, wie diese Inhalte im Internet medial aufbereitet und bewertet werden.
- Analyse von Online-Diskursen zum männlichen Klimakterium.
- Untersuchung der Differenz zwischen medizinischen und alltagssprachlichen Deutungsansätzen.
- Kritische Reflexion der Rolle der Pharmaindustrie und wirtschaftlicher Interessen bei der Verbreitung medizinischer Konzepte im Internet.
- Untersuchung von Internetangeboten (statische Websites vs. Foren) hinsichtlich ihrer kommunikativen Funktionen.
- Erkundung der Normalitätsvorstellungen hinter der Diagnose PADAM (partielles Androgen-Defizienzsyndrom).
Auszug aus dem Buch
2.2 Schwierigkeiten
Die Charakteristika von Online-Dokumenten als Quelle bringen verschiedene Schwierigkeiten mit sich, deren Bedeutung und Folgen für diese Arbeit im Folgenden kurz aufgeführt werden.
Bereits die Datenerhebung im Online-Bereich bringt problematische Aspekte mit sich: So ist die Verfügbarkeit der Medientexte nicht gesichert; damit können Texte, die aus dem Netz genommen sind, nachträglich nicht für die Analyse hinzugezogen werden. Darum wird in dieser Arbeit davon ausgegangen, dass nur Texte, die im Zeitraum dieser Arbeit online aufgefunden worden sind, rezipiert werden können. Für die lokale Archivierung empfiehlt Meier die kompletten Webseiten abzuspeichern, denn Screenshots würden aufgrund von Animation und Interaktivität nicht für die Darstellung des Korpus ausreichen.
Die Analyse bestehender Seiten kann nur einen zeitlichen und inhaltlichen Ausschnitt darstellen: Da stets neue Verknüpfungen – und damit Veränderungen – möglich sind, sei es nach Meier schwer, eine Diskursdiachronie abzuleiten - „alte“ Texte könnten in Teildiskurs zur Wirkung gelangen, obwohl sie in anderen Teildiskursen kaum noch eine Rolle spielten. Auch könne nie der aktuelle Stand in seiner Gänze berücksichtigt werden. Daher ist Meiers Vorschlag aus forschungspraktischer Sicht zuzustimmen, „anhand ausgewählter empirischer Einzelphänomene prototypische Spezifika online-kommunikatives Zeichenhandeln [zu] explizieren.“
Durch die flexible Textkonstitution von Websites ergeben sich weitere Schwierigkeiten für den analytischen Zugriff – u.a. durch Hypertextualität, Modularität, Multimodalität und Interaktivität ließen sich Einzeltexte „in ihrer kommunikativen Funktionalität nicht isoliert als kohärente Sinnangebote bestimmen.“ Meier plädiert daher für eine ganzheitliche Analyse einer Website: „Dabei reicht es auch nicht aus, mehrere Zeichenmodalitäten (…) in den Blick zu nehmen, sondern die kommunikative Funktionalität der Gesamtwebsite ist angesichts des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Propositionen und Illukutionen eines Auftritts in die Analyse der Einzeltexte bzw. Module einzubeziehen.“ Thome hat zudem eine gelungene Nutzerführung als einen der wichtigsten Aspekte der Webkommunikation ausgemacht. Die Analyse der Texte in dieser Arbeit wird daher neben dem Textinhalt auch dessen Einbettung in die Website und ihre Gestaltung mit berücksichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Online-Medien als Informationsquelle ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der diskursiven Praxis um die „männliche Menopause“ im Internet vor.
2. Das Internet: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten des Mediums Internet, klassifiziert verschiedene Website-Typen und diskutiert Herausforderungen bei der Analyse von Online-Texten sowie E-Health-Inhalten.
3. Die „Männliche Menopause“: Der Abschnitt skizziert medizinhistorische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das „Climacterium virile“ und problematisiert das Konzept als Deutungskategorie.
4. Analyse: Männliche Menopause im Netz: Hier erfolgt die empirische Untersuchung ausgewählter Webseiten hinsichtlich ihrer Darstellung des alternden Mannes, der Symptombeschreibungen und der empfohlenen Behandlungsmethoden.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, räumt methodische Grenzen der Arbeit ein und diskutiert die diskursive Einordnung der „männlichen Menopause“ in den untersuchten Online-Medien.
Schlüsselwörter
Männliche Menopause, Internet, Online-Kommunikation, E-Health, PADAM, Andropause, Klimakterium virile, Wissensgesellschaft, Männlichkeit, Testosteron, Gesundheitsinformation, Diskursanalyse, Midlife-Crisis, Hormonersatztherapie, Online-Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Thema „männliche Menopause“ in verschiedenen deutschsprachigen Online-Medien kommuniziert, bewertet und diskursiv verhandelt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die gesundheitliche Informationsvermittlung im Internet, die Konstruktion von Männlichkeitsbildern im Alter sowie die mediale Darstellung hormoneller Veränderungen beim Mann.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die online-kommunikative Praxis zur „männlichen Menopause“ zu analysieren und zu hinterfragen, welche Vorstellungen von Normalität und Krankheit hinter den Begriffen stehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine diskursanalytische Herangehensweise und nutzt Modelle zur Klassifikation von Website-Typen sowie der Öffentlichkeitsebenen nach Neidhardt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Webseiten, darunter eine Ratgeber-Community, ein journalistisches Online-Portal für Mediziner und ein Gesundheitsportal, um die dortigen Deutungsmuster zu erfassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Männliche Menopause, Internet, E-Health, Testosteron, Männlichkeit, Diskursanalyse und gesundheitliche Aufklärung.
Warum wird zwischen „statischen“ und „interaktiven“ Websites unterschieden?
Die Unterscheidung ist für die Analyse wichtig, da interaktive Formate (wie Foren) andere Kommunikationsstrukturen und Wissenszugänge ermöglichen als journalistisch geprägte, statische Informationsangebote.
Welche Rolle spielen kommerzielle Interessen in den untersuchten Texten?
Die Arbeit weist darauf hin, dass medizinische Inhalte im Internet oft in einen Absatzkontext eingebettet sind, wobei insbesondere Werbung für Hormonersatztherapien und die damit verbundenen ökonomischen Interessen kritisch hinterfragt werden.
- Citar trabajo
- Silvio Schwartz (Autor), 2009, Wie wird die „Männliche Menopause“ online-kommunikativ verhandelt?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172454