Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit, warum die Transformationsprozesse der europäischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion divergieren, wird mit einer politikwissenschaftlichen Analyse mittels einer vergleichenden Untersuchung der Ukraine, Estland und Belarus nachgegangen.
Dabei wird besonders der Zusammenhang des nation-buildings in den Fokus gerückt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Begriffsbestimmungen
2.1 Theoretische Grundlagen der Transformationsforschung
2.2 Einordnung von Regimetypen mit dem Konzept Embedded Democracy
3. Der Vergleich: Europäischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
3.1 Design des Vergleiches und Kriterien der Fallauswahl
3.2.1 Estland: Transformation als Schnellstraße?
3.2.2 Ukraine: Transformation als Schlingerkurs?
3.2.3 Belarus: Transformation als Sackgasse?
3.3 Zusammenfassung und Bewertung des Vergleiches
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Divergenzen in den Transformationsprozessen von Belarus, Estland und der Ukraine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welchen Einfluss der Umfang und die Qualität der Nationsbildung auf den Erfolg der Demokratisierung und die institutionelle Konsolidierung der jeweiligen politischen Systeme haben.
- Analyse der Transformationspfade in postsowjetischen Staaten
- Anwendung des Konzepts der "Embedded Democracy" nach Wolfgang Merkel
- Vergleichende Untersuchung der sozioökonomischen und soziokulturellen Ausgangsbedingungen
- Bedeutung der Nationsbildung für die politische Stabilität und Regimetypologie
- Rolle des internationalen Kontexts und des Einflusses der Russischen Föderation
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Estland: Transformation als Schnellstraße?
„Baltischer Weg“ wurde die Menschenkette genannt, die sich am 23. August 1989 von Litauen über Lettland bis Estland erstreckte, und deren Einwohner damit eindrucksvoll an die sowjetische Okkupation infolge des Molotow-Ribbentrop-Paktes erinnerten.
Doch die drei heute oft in einem Atemzug genannten Staaten durchlebten im Geschichtsverlauf unterschiedliche Phasen eigenstaatlicher Autonomie und wechselnder Fremdherrschaft und waren weder politisch noch sozial oder kulturell eine Einheit (vgl. Garleff 2001, S. 13). So bildete sich eine Nationalbewegung in Estland erst mit etwas Verzögerung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, durch einen Umschlag von der sozialen zur estnischen Identität und bildete „ein entscheidendes Gegengewicht zur Russifizierung“ (Tuchtenhagen 2005, S. 64). Wie später 1991 war die estnische Autonomiebewegung dagegen Vorreiter, um 1920 die ungeordneten Verhältnisse nach der Oktoberrevolution und dem 1. Weltkrieg zu nutzen und als erste der baltischen Staaten ihre Unabhängigkeit zu erklären (vgl. Tuchtenhagen 2005, S. 80 - 81).
Bis zu dem Zeitpunkt, als die Ostseerepubliken durch den Pakt erneut zwischen die Mühlen der beiden totalitären Großmächte Hitlers und Stalins gelangten, hatte sich in Estland eine demokratische Verfassungsmäßigkeit entwickelt, zu der sie auch nach einer für die damalige Zeit nicht untypischen autoritären Phase als einziger Staat durch eine neue Verfassung 1938 aus eigener Kraft zurückfanden (vgl. Garleff 2001, S. 121).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Zäsur des Sowjet-Zusammenbruchs ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Divergenz der Transformationsprozesse in Belarus, Estland und der Ukraine.
2. Allgemeine Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Transformationsforschung, insbesondere die Modernisierungstheorie und das Konzept der „Embedded Democracy“ nach Wolfgang Merkel.
3. Der Vergleich: Europäischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion: Der Hauptteil analysiert die drei Fallbeispiele Estland, Ukraine und Belarus vergleichend anhand von Regimetypen und soziokulturellen Faktoren.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass der Umfang und die Qualität der Nationsbildung einen maßgeblichen Einfluss auf den Transformationserfolg haben.
Schlüsselwörter
Transformationsforschung, Demokratisierung, Embedded Democracy, Postsowjetische Staaten, Estland, Ukraine, Belarus, Nationsbildung, Regimetypologie, Autoritarismus, Modernisierungstheorie, politische Transformation, osteuropäische Geschichte, politische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen politischen Entwicklungen von Estland, der Ukraine und Belarus nach dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1991.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Transformationsprozess, der Aufbau von Demokratien oder autokratischen Regimen sowie der Einfluss von nationaler Identität und gesellschaftlicher Integration.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, warum die Transformationsprozesse dieser drei Staaten so stark divergieren und welchen Einfluss die Nationsbildung dabei ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer, vergleichender Ansatz gewählt, das sogenannte „most similar systems design“, ergänzt durch eine theoretische Einordnung mittels des Modells der „Embedded Democracy“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Pfade der drei Länder, wobei insbesondere die Rolle historischer Identität, wirtschaftlicher Faktoren und die Interaktion mit der Russischen Föderation betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Transformationsforschung, Nationsbildung, Embedded Democracy und Systemwechsel beschreiben.
Warum wird Estland als „Schnellstraße“ in der Transformation bezeichnet?
Estland konnte aufgrund einer bereits vorhandenen nationalen Identität und einer konsequenten Westorientierung zügig demokratische Institutionen etablieren und den Übergang zu einem rechtsstaatlichen System vollenden.
Welche Rolle spielte Russland bei der Entwicklung in Belarus?
Russland fungiert für Belarus als enger Partner und stabilisierender Faktor des autoritären Regimes, was maßgeblich dazu beitrug, dass dort keine demokratische Konsolidierung stattfand.
Inwiefern beeinflusste die "Orangene Revolution" die Ukraine?
Die Orangene Revolution wird als Wendepunkt betrachtet, der zwar demokratische Teilbereiche wie Wahlen verbesserte, aber aufgrund mangelnder institutioneller Konsolidierung nicht zu einem vollständigen Bruch mit autokratischen Tendenzen führte.
- Citar trabajo
- Reno Veit (Autor), 2011, Warum divergieren die Transformationsprozesse der europäischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion? , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172545