Leiharbeit: Brücke zum Arbeitsmarkt oder moderne Sklaverei?


Hausarbeit, 2010

29 Seiten, Note: 1,0

Tobias Kulick (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Funktionslogik der Arbeitnehmerüberlassung
1.1 Reformen und Entwicklung der Arbeitnehmerüberlassung

2 Betriebliche Nutzungsstrategien von Leiharbeit
2.1 Quantitative Nutzung von Leiharbeit
2.2 Tarifverträge und gewerkschaftliche Vertretung von Leiharbeitern

3 Beschäftigungszuwachs oder Substitution durch Leiharbeit ?

Zusammenfassung

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Wesentliche Änderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes

Abbildung 2: Entwicklung der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland

Tabelle 1: Entwicklung der Anzahl an Leiharbeitskräften nach Branchen (1998=100) und in Personen

Tabelle 2: Einstiegstarife in Zeitarbeitstarifverträgen 2007/2008 (brutto pro Stunde und relativ zum Median 2006)

Abbildung 3: Anteil der Zeitarbeit (in Vollzeitäquivalenten) an der aktiven Erwerbsbevölkerung in Ausgewählten Ländern (2007 und Entwicklung seit 200), in Prozent

Abbildung 4: OECD-Indikator für die Strenge der Regulierung der Zeitarbeit (2008 und Veränderung seit 1995)

Abbildung 5: Entwicklung der Arbeitnehmerüberlassung (Monatswerte) und des Bruttoinlandsprodukts (Quartalswerte)

Einleitung

Die Arbeitnehmerüberlassung, auch Leiharbeit oder Zeitarbeit genannt, ist in den letzten Jahren zu einer der großen Erfolgsbranchen der deutschen Wirt- schaft geworden, die durch zweistellige Wachstumsraten auf sicht aufmerksam gemacht hat. Führte diese Beschäftigungsform lange Zeit, nicht zuletzt auf- grund sozialkritischer Reportagen wie Günther Wallraffs „Ganz unten“ (1985), ein negativ stigmatisiertes Nischendasein, hat sich die Zahl der Leiharbeiter in den letzten 25 Jahren mehr als versechzehnfacht (Eigene Berechnung; Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2010). International agierende Personaldienstleister wie Randstad, Adecco und Manpower haben inzwischen auch den deutschen Markt erobert und pflegen beispielsweise durch Stadionwerbung in der Fußball- bundesliga ihr Image. Auch aufgrund ihrer tarifpolitischen Einbindung ist die Branche offensichtlich in den letzten Jahren salonfähiger geworden. Dennoch entstehen, auch vor dem Hintergrund der aktuell (wieder) positiven Arbeits- marktsituation, immer wieder Kontroversen über Ausmaß und Arbeitsbedingungen.

Ihre Befürworter schreiben ihr eine Schlüsselstellung bei dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu. So hielt die Hartz-Kommission im Jahr 2002 die Eingliederung von bis zu 780.00 Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt durch Leiharbeit für möglich (vgl. Promberger et al. 2006: 1). Die Vorschläge der Kommission zur Deregulierung sind in die „Hartz-Reformen“ eingeflossen und seit dem Jahr 2004 rechtskräftig. So wird die Leiharbeit nach den Reformen gerne von Befürwortern als Brücke zum Arbeitsmarkt dargestellt.

Ihre Kritiker, zu denen nicht nur die Gewerkschaften und Die Linke, son- dern mittlerweile auch die damals reforminitiierende SPD gehört, prangern hin- gegen negative Entwicklungen an. Lohndumping, die Verdrängung regulärer Beschäftigungsverhältnisse sowie die schlechten Arbeitsbedingungen sind da- bei die Hauptargumente, die sich in der Kampfparole „Leiharbeit ist moderne Sklaverei“ manifestieren.

Dabei wird die öffentliche und politische Debatte immer wieder durch Skandale befeuert. So sorgte im Jahr 2008 das Buch „Arm durch Arbeit“ von Markus Breitscheidel für Aufsehen, dass, ähnlich wie Wallraffs „Ganz unten“, anhand eines Selbstversuchs offen legt, wie schlecht Arbeitsbedingungen und Bezahlung von Leiharbeitnehmern im Einzelfall sind. Den jüngsten Skandal lie- ferte die Drogeriekette Schlecker, als bekannt wurde, dass sie durch Leiharbeit gezielt den hauseigenen Tarifvertrag unterläuft, um Lohnkosten zu senken. Fernab der öffentlichen Debatte soll im Folgenden geklärt werden, inwie- fern die Argumente der Befürworter und Gegner stichhaltig sind. Hierzu wird eingangs erläutert wie Leiharbeit funktioniert (1) um anschließend den Reform- pfad des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und die Entwicklung der Zeitarbeit nachzuzeichnen (1.1). Anschließend werden auf betrieblicher Ebene qualitative Nutzungsstrategien (2), die quantitative Entwicklung (3.1) sowie die tarif- und gewerkschaftspolitische Situation (2.2) betrachtet, um eine, den vorliegenden Zahlen entsprechende, aktuelle Situation des Leiharbeitsmarktes zu illustrieren. Nachfolgend sollen mögliche positive oder negative Effekte auf den Arbeits- markt untersucht werden (3), um abschließend die Ergebnisse zusammenzu- fassen und möglicherweise politischen Handlungsbedarf zu verdeutlichen.

1 Funktionslogik der Arbeitnehmerüberlassung

Arbeitnehmerüberlassung bezeichnet ganz allgemein die gewerbliche Überlassung eines Arbeitnehmers durch seinen Arbeitgeber an einen Dritten.1 Die gesetzliche Grundlage für dieses Vorgehen bildet das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Kennzeichnend für diese Form der Beschäftigung ist die Entkoppelung von Arbeitsvertrag und Beschäftigungsverhältnis:

Leiharbeitnehmer schließen ihren Arbeitsvertrag mit dem Verleiher ab, mit dem sie auch Lohn und Arbeitszeit vereinbaren. Die Arbeitgeberrolle bleibt beim Verleiher. Die zu erbringende Arbeitsleistung definiert jedoch der Entleiher, der das Weisungsrecht und damit partiell Arbeitgeberfunktionen ausübt. (Seifert/Bremer 2008: 336)

Diese zeitarbeitsspezifische Dreieckskonstellation zwischen Verleiher bzw. Ar- beitgeber, Entleiher und dem Arbeitnehmer, ist in allen 15 EU-Mitgliedsstaaten anzutreffen (vgl. Nienhüser/Matiaske 2003: 467). Der Verrechnungssatz für die Überlassung des Arbeitnehmers wird unabhängig vom Lohn vertraglich zwi- schen Verleiher und Entleihbetrieb geregelt. Die Lohnzahlung erfolgt folglich durch die Zeitarbeitsfirma, das Salär variiert abhängig von Tätigkeit und Qualifi- kation des Leiharbeiters. Der vom Verleihbetrieb zu entrichtende Verrech- nungssatz liegt über dem Lohn des Leiharbeiters, da er zusätzlich die verein- barte Provision der Zeitarbeitsfirma enthält (vgl. Seifert/Bremer 2008: 336). Die- se betragen schätzungsweise das 1,5 bis 2,5 fache des Stundenlohns der Leih- arbeitskräfte (Dörre et al. 2008: 21). Das Zustandekommen der Überlassung erfordert zum Einen die Zustimmung des Arbeitnehmers, zum Anderen ein an- gemeldetes Gewerbe sowie eine dem AÜG entsprechende Lizenz, die von den Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit (BA) vergeben werden (vgl. ebd.: 470).2

Zu den Zeitarbeitsfirmen zählen neben den gewerblichen Verleihern auch die Personal-Service-Agenturen (PSA), die im Zuge des „Ersten Geset- zes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ (Hartz I Reform) ins Leben gerufen wurden. Diese stellen Arbeitslose auf Vorschlag der BA in sozialversi- cherungspflichtige Beschäftigung ein. Die vormals Arbeitslosen werden durch die PSA an Unternehmen weiter verliehen. Oberstes Ziel ist die Übernahme der Arbeitnehmer durch die entleihenden Unternehmen (Klebeeffekt). Gelingt dies, erhält die PSA eine Provision von der BA. Sollte eine Vermittlung des Arbeit- nehmers nicht möglich sein, obliegt es der PSA diesen weiterzuqualifizieren (vgl. Promberger et al. 2006: 41). Als „Herzstück“ der Hartz I Reform (ebd.: 40) sollten die PSA die Reintegration schwer vermittelbarer Arbeitsloser in den ers- ten Arbeitsmarkt forcieren. Folglich ist zwischen gewerblichen bzw. gewinnori- entierten Verleihern, den PSA sowie gemeinnützigen regionalen bzw. kommu- nalen Projekten zu differenzieren. Im Folgenden wird das Hauptaugenmerk auf die gewerblichen Verleiher gerichtet.

1.1 Reformen und Entwicklung der Arbeitnehmer ü berlassung

Die Arbeitnehmerüberlassung wurde erstmals 1972 durch das AÜG gesetzlich geregelt und dadurch legalisiert. Die Erstfassung des Gesetzes sah starke Be- schränkungen der Vermittlungs- und Einstellungspraxis vor. Die vergleichswei- se restriktive Formulierung des AÜG sollte einerseits die Substitution von Nor- malarbeitsverhältnissen verhindern und die Beschäftigungsstabilität der Leihar- beitnehmer fördern, andererseits sollte dem Arbeitgeber ein Flexibilisierungsin- strument zur Bewältigung von Auftragsspitzen und Personalengpässen zur Ver- fügung gestellt werden (vgl. Antoni/Jahn 2006: 1). Durch Reformen in den fol- genden Dekaden wurden Restriktionen bzw. der Schutz der Leiharbeitnehmer durch das AÜG zu Gunsten von Flexibilität sukzessive gelockert, teilweise so- gar ganz abgeschafft (vgl. Abbildung 1). Die Intention des Gesetzgebers war es, besonders im Hinblick auf die Hartz Reformen, gestiegenen Flexibilitätsan- sprüchen seitens der Arbeitgeber gerecht zu werden und dadurch eine effekti- vere Eingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen (vgl. Dörre et al. 2008: 27).

Ursprünglich war die Beschäftigung eines Leiharbeitnehmers nur mit ei- nem unbefristeten Arbeitsvertrag möglich, die Verleihhöchstdauer war auf 3 Monate begrenzt. Synchronisation- und Wiedereinstellungsverbot sollten die Umgehung dieser Regelung unterbinden (vgl. Mai 2008: 471). Das Synchroni- sationsverbot untersagt die Gleichschaltung des ersten betrieblichen Einsatzes und dem Leiharbeitsverhältnis, das Wiedereinstellungsverbot schließt eine Kündigung durch den Verleiher und die erneute Wiedereinstellung binnen 3 Monaten aus. Zudem galten ab 1982 besondere Restriktionen für das beson- ders durch Lohndumping gefährdete Baugewerbe, die jedoch 1994 und 2004 gelockert wurden (vgl. ebd.: 471).

Die Überlassungshöchstdauer, deren ursprüngliche Intention der Schutz von Stammbelegschaften vor der Substituierung durch Leiharbeiter war (vgl. ebd.: 471), wurde schrittweise ausgeweitet, bis sie schließlich 2003/2004 abge- schafft wurde. Im Jahr 1997 wurde erstmals die einmalige Befristung des Ar- beitsvertrags ohne Angabe einer speziellen Begründung, sowie die Synchroni- sation der Dauer des ersten befristeten Arbeitsvertrags auf die Dauer des Ent- leiheinsatzes erlaubt. Im Jahr 2003/2004 wurde schließlich das Synchronisati- ons- und Wiedereinstellungsverbot im Zuge des Ersten Gesetzes f ü r moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt („Hartz I“) ganz abgeschafft (vgl. Abbildung 1).

Stattdessen wurde der Gleichstellungsgrundsatz im neuen Gesetz verankert, der die finanzielle Gleichstellung der Leiharbeitnehmer („equal-pay-Prinzip“) garantieren und Diskriminierung („equal-treatment-Prinzip“) unterbinden soll (vgl. Abbildung 1). Die finanzielle Gleichstellung der Leiharbeitnehmer kommt allerdings nur zum Zuge, sofern kein geltender Tarifvertrag einen anderen Lohn als den der Stammbelegschaft vorsieht (vgl. Weinkopf/Vanselow 2008: 10).

Bei der Betrachtung von Abbildung 1 wird die Reichweite der Reform von 2003/04 deutlich. An die Stelle inkrementeller Modifikation bestehender Regelungen tritt deren Abschaffung, was die Intention der Arbeitmarktstrukturreform Hartz I widerspiegelt. Der Leiharbeit wurde in diesem Kontext eine Schlüsselstellung in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zugeschrieben:

Durch die Deregulierung der kommerziellen Leiharbeit und durch Personal-Service-Agenturen (PSA) der Arbeitsämter sollten nach diesem Szenario bis zu 780.000 Arbeitslose in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. (Promberger et al. 2006: 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wesentliche Änderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes

Quelle: Weinkopf/Vanselow 2008: 11.

Die schrittweise Deregulierung des AÜG hat seit 1980 zu einem dynamischen Wachstum der Zahl der Leiharbeiter geführt. Abbildung 2 verdeutlicht dies und illustriert den Zusammenhang zwischen Deregulierung und Zunahme der Leih- arbeit. Zwischen den Jahren 1980 und 2008 hat sich die Zahl der Leiharbeiter im Jahresdurchschnitt von 47.000 auf 760.000 mehr als versechzehnfacht, al- lein zwischen den Jahren 2004 und 2006 , also kurz nach der Reform des AÜG, wuchs die Zahl der Leiharbeiter um über 50 % (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2010), während im selben Zeitraum die Zahl aller Sozialversicherungspflichti- gen Beschäftigten leicht zurück ging (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2010a).3

Abbildung 2: Entwicklung der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Antoni / Jahn 2006: 2.

Der Anteil der Leiharbeit am gesamten Arbeitsmarkt ist mit knapp 1,6% im Jahr 2007 (Eichhorst/Marx/Thode 2010: 20; nur Vollzeit) relativ gering.4 Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit einen Platz im Mittelfeld, Spitzenreiter des Vergleichs sind Großbritannien (4,8%), gefolgt von den Niederlanden (2,8%) und Frankreich (2,5%) (ebd.: 21).

Gleichwohl ist das dynamische Wachstum der Zeitarbeit bemerkenswert, dass auf eine weitere Ausbreitung hindeutet (vgl. ebd.: 19). Diese Dynamik ist im Wesentlichen auf die bereits oben beschriebene Deregulierung des AÜG, als auch, auf der Nachfrageseite, die positive konjunkturelle Entwicklung der Deutschen Volkswirtschaft vor der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 zurück zu führen (vgl. Bellmann/Kühl 2007: 48). Hinzu kommen die im Zuge der HartzReformen verschärften Bedingungen für Arbeitslose zur Arbeitsaufnahme (Zumutbarkeitsregelungen), die den Druck zur Annahme niedrig entlohnter Beschäftigung erhöht haben und somit ein entsprechendes Angebot an Arbeitskräften unterstützen (vgl. Seifert/ Bremer 2008: 337).

Starke Deregulierung der Zeitarbeit fand seit 1995 ebenfalls in Frank- reich, den Niederlanden, Japan und in Südeuropa statt (vgl. Abbildung 3 im An- hang). Auch in diesen Ländern ist seit dem Jahr 2000 eine sehr dynamische Entwicklung zu beobachten (vgl. Abbildung 4 im Anhang). Bedingt durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ging die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland zwi- schen 2008 und 2009 im Jahresmittel um 21,62% zurück (Bundesagentur für Arbeit 2010). Aufgrund der konjunkturellen Erholung ist jedoch wieder mit einem raschen Wachstum der Zeitarbeit zu rechnen (vgl. Abbildung 5 im Anhang).

2 Betriebliche Nutzungsstrategien von Leiharbeit

Leiharbeit stellt in erster Linie ein Flexibilisierungsinstrument dar, mit dem sich der quantitative Einsatz von Arbeit variieren lässt. Sie gilt als moderne, flexible Beschäftigungsform, die sich dem allgemeinen Trend der Flexibilisierung von Arbeit zuordnen lässt (vgl. Promberger 2006: 61). Damit einher geht die ten- denzielle Erosion des traditionellen Normalarbeitsverhältnisses und das ver- mehrte Auftreten des modernen „Arbeitskraftunternehmers“, dass aus dem ge- steigerten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und staatlichen Flexibilitätsbe- dürfnis, vor dem Hintergrund kontingenter Weltmärkte, entspringt (Voß/Pongratz 1998). Insgesamt ist der Trend zur Deregulierung und das Wachstum atypischer Beschäftigung und besonders der Zeitarbeit nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen kontinentaleuropäischen Staaten fest- zustellen (vgl. Eichhorts et al. 2010: 10). Dabei lässt sich im Verhältnis zu ei- nem relativ stabilen, hoch regulierten Kernarbeitsmarkt die kontinuierliche Aus- dehnung flexibler Randzonen beobachten (vgl. ebd.: 10), deren Expansion und Kontraktion stärker an die Konjunktur gekoppelt ist (vgl. Abbildung 5 im An- hang).

Betriebliche Personalanpassungsstrategien ergeben sich aus einem Kostenkalkül, dass sich aus Anpassungserfordernissen und Anpassungsbedingungen (vgl. Seifert/Brehmer 2008: 335) zusammensetzt.5 Die Spannbreite möglicher Anpassungsstrategien bilden verschiedene Spielarten intern-numerischer und extern-numerischer Flexibilität (vgl. Atkinson 1985; zit. nach Seifert/Brehmer 2008: 335). In der betrieblichen Praxis ergänzen bzw. ersetzen sich beide Flexibilitätsformen (vgl. Promberger et al. 2006: 72).

[...]


1 Der Gesetzgeber verwendet die Begriffe „Arbeitnehmerüberlassung“, „Leiharbeitnehmer“, „Leiharbeitsverhältnis“ und „Verleiher“. Die Branche selbst spricht von „Zeitarbeit“. Der Begriff „Leiharbeitnehmer“ wird im Folgenden auf die Personenebene angewandt, die Begriffe „Leiharbeit“, „Zeitarbeit“ und „Arbeitnehmerüberlassung“ werden synonym verwendet.

2 Erlaubnisfrei ist hingegen die nichtgewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung. Diese erfolgt unregelmäßig oder nicht gewinnorientiert (vgl. Mai 2008: 2).

3 Verglichen wurden die Zeiträume September 2004 und September 2008.

4 Im Jahr 2009 betrug der Anteil an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhält- nissen 2,3% (eigene Berechnung). Grundlage der Berechnung ist die Gesamtzahl aller Leihar- beitnehmer im Dezember 2009 (Bundesagentur für Arbeit 2010) im Verhältnis zu allen sozial- versicherungspflichtigen Beschäftigten im Dezember 2009 (Bundesagentur für Arbeit 2010a). Die errechnete Leiharbeitnehmerquote differenziert nicht zwischen Teil- und Vollzeit.

5 Unter Anpassungserfordernisse sind z.B. saisonale, konjunkturelle Schwankungen, Urlaubsoder Krankheitsvertretungen etc. zu verstehen. Anpassungsbedingungen sind Faktoren wie Qualifikationsstruktur, Verfügbarkeit der Arbeitskräfte, Rekrutierungs- und Entlassungskosten etc. (vgl. Seifert/Brehmer 2008: 335).

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Leiharbeit: Brücke zum Arbeitsmarkt oder moderne Sklaverei?
Hochschule
Universität Osnabrück  (Wirtschaftssoziologie)
Veranstaltung
Arbeit und Arbeitsbeziehungen: Wandel der Erwerbsarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V172816
ISBN (eBook)
9783640928637
ISBN (Buch)
9783640928576
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leiharbeit, brücke, arbeitsmarkt, sklaverei
Arbeit zitieren
Tobias Kulick (Autor), 2010, Leiharbeit: Brücke zum Arbeitsmarkt oder moderne Sklaverei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172816

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