Ein junger Mensch begeht Selbstmord; und die Gesellschaft ist erschüttert, denn er hatte doch noch sein ganzes Leben vor sich. Ein alter Mensch begeht Selbstmord; und die Gesellschaft kann es in gewisser Weise nachvollziehen. Aussagen wie "Er hatte sein Leben gelebt" oder "Jetzt muss er zumindest nicht mehr leiden" bergen eine gewisse und stille Akzeptanz, wenn es um Suizid im Alter geht. Hierbei erscheint der Alterssuizid als eine rationale oder wenigstens vernünftige Entscheidung, ganz im Gegensatz zu Suiziden in jüngeren Jahren. Der Alterssuizid muss aber als eine eigenständige Form des Suizides angesehen werden, denn ihm liegen andere Motivationen zugrunde als in den übrigen Lebensphasen. Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern das Phänomen des Alterssuizides mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung auf ihre schwächsten Mitglieder zu tun haben mag: Unsere moderne und junge
Leistungsgesellschaft sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass es immer mehr alte Menschen geben wird, für die weder Rollen noch Aufgaben oder Funktionen vorgesehen sind, und die mit Eintritt in das Rentenalter von der Gesellschaft schlechthin für "tot" erklärt werden. Das Phänomen des Alterssuizids wird in Zukunft zu einem erheblichem Problem werden. Es stellt sich daher die Frage, ob Altern und Alterssuizid rein individuelle oder eben vor allem gesellschaftliche Probleme sind?
GLIEDERUNG
1 Einleitung
2 Alter als eine besondere Lebensphase
3 Suizid im Alter
3.1 Merkmale des Alterssuizids
3.2 Motive nach Diekstra
3.3 Das präsuizidale Syndrom nach E. Ringel
3.4 Der „Bilanzsuizid“
4 Alterssuizid und Gesellschaftlicher Wandel
4.1 Das Altersbild in der Leistungsgesellschaft
4.2 Theorien und Aussichten
5 Zusammenfassung
6 Hinweis auf Eigenständigkeit
7 Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Warum wird Suizid im Alter oft anders wahrgenommen als bei jungen Menschen?
In der Gesellschaft herrscht oft eine „stille Akzeptanz“, da der Tod im Alter als rationaler oder folgerichtiger angesehen wird („Er hat sein Leben gelebt“).
Was ist das „präsuizidale Syndrom“ nach E. Ringel?
Es beschreibt einen psychischen Zustand der Einengung, gehemmter Aggression und Suizidphantasien, der einer suizidalen Handlung vorausgeht.
Welche Rolle spielt die „Leistungsgesellschaft“ beim Alterssuizid?
Alte Menschen fühlen sich oft nutzlos, da für sie in einer auf Leistung fixierten Gesellschaft nach dem Renteneintritt kaum Rollen oder Aufgaben vorgesehen sind.
Was versteht man unter einem „Bilanzsuizid“?
Es bezeichnet einen Suizid, dem eine scheinbar rationale Abwägung der Lebensumstände und eine negative Lebensbilanz vorausgehen.
Ist Alterssuizid ein rein individuelles Problem?
Die Arbeit argumentiert, dass es sich auch um ein massives gesellschaftliches Problem handelt, das durch den sozialen Wandel und die Ausgrenzung schwächerer Mitglieder verstärkt wird.
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- Anne Deremetz (Author), 2011, Suizid im Alter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172884