Prostitution – also der Vollzug sexueller Handlungen gegen ein entsprechendes Entgelt –
zählt neben dem Beruf des Priesters zu den ältesten Berufen der Welt und ist in allen Völkern
und Gesellschaften zu finden1. Mindestens genauso alt sind auch die gesellschaftlichen
Stigmata und Denkweisen von unmoralischen, kriminellen oder abartigen Personen, die in
diesem Gewerbe tätig sind – um nur einige zu nennen. Trotzdem übt die Prostitution - oder
besser gesagt - üben die männlichen und weiblichen Prostituierten einen gewissen Reiz und
eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Diese Faszination bzw. Reize können sowohl
positiv wie auch negativ sein.
Doch was sind die Gründe respektive unter welchen Voraussetzungen prostituieren sich
Menschen? Dieser Frage möchte ich in dem folgenden Essay auf der Grundlage der
Fallstudie, die Roland Girtler über das Wiener Prostitutionsmilieu durchgeführt und in seinem
Buch ,,Der Strich – Solziologie eines Milieus“ veröffentlicht hat, versuchen zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Was sind die Gründe respektive unter welchen Voraussetzungen prostituieren sich Menschen?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der Fallstudie von Roland Girtler das Wiener Prostitutionsmilieu, um die soziologischen Hintergründe und Motive für den Einstieg in die Prostitution zu beleuchten sowie die Mechanismen der Abhängigkeit und des Stigmas zu analysieren.
- Sozioökonomische Faktoren und finanzielle Beweggründe für Prostituierte
- Der Einfluss von Herkunftsmilieus, insbesondere Heimerziehung
- Die Rolle von Zuhältern und informellen sozialen Netzwerken
- Psychische Belastungen und der Teufelskreis der Sucht
- Selbstbild der Prostituierten und Legitimationsstrategien gegenüber der Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Was sind die Gründe respektive unter welchen Voraussetzungen prostituieren sich Menschen?
Zunächst kann man von drei wesentlichen Gründen ausgehen, die den Weg in die Prostitution ebnen bzw. die zur Prostitution führen können. 1. Kann man - auch ohne einen Beruf erlernt zu haben - auf diese Weise schnell und vor allem viel Geld verdienen. 2. Der erwartete Profit bringt die Prostitution in Gang. 3. Wenn man Schulden oder Kredite abzahlen muss, kann man oft nicht der Verlockung des schnellen Geldes widerstehen.
Man wird jedoch nicht einfach so Prostituierte, vielmehr bedarf es bestimmter Kontakte zum Milieu oder mit Personen des Milieus. Diese sozialen Kontakte ergeben sich wenn man Girtler folgt, dadurch, dass die Mädchen aus solchen Milieus stammen oder dort hin gelangen. Oft arbeiten sie als Serviererinnen und werden dort von den Zuhältern angesprochen, wenn sie nicht schon in einem einschlägigem Lokal servieren.
Typisch für die Herkunft der Mädchen ist, dass sie zu einem Großteil aus Heimen stammen, in denen laut einem Interview mit einem Freier, die Mädchen sich alles selbst bei brächten was man braucht, um eine Prostituierte zu werden. Der Grund, warum viele Mädchen die aus Heimen stammen und praktisch in die Arme der Zuhälter fallen, könnte die Unerfahrenheit mit der Außenwelt, insbesondere mit Männern sein, sowie die Sehnsucht nach Zuneigung und das Verlangen, schnell Geld zu verdienen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Prostitution und führt in die Fragestellung nach den Gründen und Voraussetzungen für den Einstieg in dieses Milieu unter Bezugnahme auf Roland Girtlers Fallstudie ein.
Was sind die Gründe respektive unter welchen Voraussetzungen prostituieren sich Menschen?: Dieses Kapitel analysiert finanzielle Anreize, soziale Kontakte sowie die prägende Rolle von Herkunftsmilieus wie Heimen und diskutiert die psychischen Belastungen und die daraus resultierende Gefahr von Sucht und Abhängigkeit.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Prostitution als "Kopfsache" und Überlebensstrategie fungiert, betont jedoch die Schwierigkeit, diesem Teufelskreis zu entkommen, sobald körperliche Abhängigkeiten und soziale Zwänge greifen.
Schlüsselwörter
Prostitution, Soziologie, Milieu, Roland Girtler, Zuhälter, Armut, Stigma, Abhängigkeit, Sucht, Prekariat, soziale Kontakte, Entgelt, Fallstudie, Geschlechterrollen, Ausstieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologischen Strukturen des Prostitutionsmilieus in Wien und hinterfragt die Ursachen, die Menschen dazu bewegen, diesen Beruf auszuüben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Einstiegsgründe, die Rekrutierungsmechanismen durch das Milieu, die Rolle von Zuhältern und die psychischen Folgen der Tätigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Entscheidung für die Prostitution aufzuzeigen und zu klären, warum der Ausstieg aus diesem Milieu oft so schwierig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der kritischen Auswertung der empirischen Fallstudien von Roland Girtler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die ökonomischen Motive, die Herkunft der Frauen, insbesondere aus Heimen, sowie die Mechanismen, durch die Prostituierte in Abhängigkeiten und Suchtstrukturen geraten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Prostitution, Milieusoziologie, Abhängigkeit, soziale Stigmatisierung, finanzielle Notlagen und der Einfluss von Zuhältern.
Warum wird im Text oft von "Heimkindern" gesprochen?
Der Autor führt aus, dass junge Frauen aus Heimen aufgrund mangelnder sozialer Netzwerke und fehlender Erfahrung mit der Außenwelt eine Zielgruppe für Zuhälter darstellen.
Inwiefern spielt der Konsum von Drogen und Alkohol eine Rolle?
Der Konsum wird als notwendiges Mittel beschrieben, um die psychischen Belastungen und die Ekelgefühle während der Arbeit zu unterdrücken, was oft in eine körperliche Sucht führt.
- Citation du texte
- Daniel Rahn (Auteur), 2010, Der Strich - Soziologie eines Milieus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172965