Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Interkulturalität und Humor. Es wird analysiert, wie Humor und Interkulturalität in den literarischen Werken zum Ausdruck kommen, und die Verbindung zwischen den beiden aufzeigen. Es wird davon ausgegangen, dass die interkulturellen Konstellationen die Infragestellung starrer Normsysteme implizieren und deswegen entsprechende literarische Formen brauchen, die diese Infragestellung zum Ausdruck bringen. Indem der Kern des Komischen die Abweichung von der stabilen Norm ist, erscheint Komik ein besonders passendes literarisches Stilmittel für den Ausdruck interkultureller Konstellationen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Interkulturalität und Literatur
1.1. Zum Begriff der Interkulturalität
1.2. Interkulturelles Potential der Literatur
1.3. Interkulturelle Erzählverfahren
2. Zum Begriff des Humors
2.1. Allgemeine Vorbemerkungen
2.2. Humor bzw. Komik-Theorien
2.2.1. Überlegenheitstheorie
2.2.2. Entlastungstheorie
2.2.3. Inkongruenztheorie
2.3. Zusammenfassung
3. Interkulturelle Komik in den Werken von ausgewählten Autoren
3.1. Kriterien für die Auswahl von Autoren und Werken
3.2. Kurzbiographien
3.2.1. Osman Engin
3.2.2. Wladimir Kaminer
3.2.3. Ephraim Kishon
3.3. Das Gesellschaftlich-Komische
3.3.1. Allgemein zur Satire
3.3.2. Satire als Mittel der kritischen Auseinandersetzung mit der Migrationswirklichkeit
3.3.3. Satire als Tabubruch
3.4. Kulturkomik
3.5. Komik als Mittel der Darstellung nationaler und kultureller Stereotype
3.6. Komik als Mittel der Infragestellung kultureller Homogenität
3.7. Intertextuelle Komik
3.8. Zusammenfassung
4. Humor in der interkulturellen Literatur: Ein Erfolgskonzept?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Verbindung zwischen Interkulturalität und Humor als literarisches Gestaltungsmittel. Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie interkulturelle Autoren Humor und Komik einsetzen, um starre Normsysteme infrage zu stellen und Erfahrungen des Fremden und der Migration darzustellen, anstatt den Opferstatus von Migranten zu betonen.
- Die theoretischen Grundlagen von Interkulturalität und Humor als Schreibweise.
- Die Analyse von Werken ausgewählter Autoren: Osman Engin, Wladimir Kaminer und Ephraim Kishon.
- Die Funktion von Satire und Komik zur kritischen Auseinandersetzung mit Migrationswirklichkeit und kulturellen Stereotypen.
- Die Bedeutung von Humor als Instrument zur Überwindung von Stresssituationen und zur Förderung von Distanz gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen.
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Allgemein zur Satire
Eine allgemeine Definition der Satire bestimmt sie als eine „überzeichnende und oft indirekte Abbildung einer außerliterarischen Realität, um diese als defizitär in Bezug auf eine bestimmte Norm zu entlarven“. Durch Satire kommt eine negative Haltung bzw. Aggression zum Ausdruck. Für die Vermittlung der Aggression benutzt Satire ästhetische Mittel, was sie von den direkten Beleidigungen unterscheidet. Die Aggression richtet sich meistens gegen die zeitgenössische gesellschaftliche Realität, wie beispielsweise politische oder gesellschaftliche Organisationsformen, Institutionen, bestimmte Personen, Verhaltensweisen, Diskurse usw. Um seine Botschaften zu transportieren, führt der Satiriker in seine Texte einen satirischen Sprecher bzw eine satirische persona ein, die mit der Instanz des Erzählers gleichgesetzt werden kann.
Ein wichtiger Zug der Satire ist, dass sie Themen indirekt anspricht, wobei die intendierten Rezipienten über bestimmtes Vorwissen verfügen, um ersehen zu können, was der Satiriker meint. Es handelt sich um eine Aktivierung des Vorwissens bei den Rezipienten, die durch bestimmte Merkmale im Text verursacht werden kann. Das können möglicherweise Kommunikationsstörungen sein, so wie zum Beispiel wenn der Satiriker einen für eine bestimmte Textform unpassenden Stil verwendet oder eine unangemessene Wortwahl. Als Signal im Text kann auch die Tatsache stehen, dass die satirische persona als unzuverlässig erscheint. Jedoch garantiert das Vorhandensein bestimmter Textmerkmale nicht hundertprozentig, dass das, was der Satiriker sagen will, vom Rezipienten verstanden wird. Ob die Kommunikation zwischen Satiriker und Leser erfolgreich ist, hängt auch von textexternen Faktoren ab und vor allem von der Präsenz des Vorwissens beim Leser.
Ein weiteres wichtiges Merkmal der Satire ist die Tatsache, dass sie über einen diskurskritischen Charakter verfügt, d.h. dass sie Diskurse kritisch befragt. Diese Aussage entspricht dem karnevalistischen Literaturkonzept von Michail Bachtin, in dem Satire die „vielschichtige und widersprüchliche Wirklichkeit [...] bewusst macht“. In einer Widersprüchlichkeit und Problematik wird auch die Migrationswirklichkeit in der interkulturellen Literatur dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Interkulturalität und Literatur: Dieses Kapitel definiert Interkulturalität als dynamisches Konzept und untersucht das interkulturelle Potenzial von Literatur, insbesondere in Bezug auf Erzählverfahren.
2. Zum Begriff des Humors: Es werden verschiedene Humor- und Komiktheorien wie die Überlegenheits-, Entlastungs- und Inkongruenztheorie erörtert, um eine Grundlage für die Analyse der interkulturellen Literatur zu schaffen.
3. Interkulturelle Komik in den Werken von ausgewählten Autoren: Dieser Hauptteil analysiert, wie Osman Engin, Wladimir Kaminer und Ephraim Kishon Komik und Satire nutzen, um gesellschaftliche Realitäten, Stereotype und kulturelle Identitäten zu reflektieren.
4. Humor in der interkulturellen Literatur: Ein Erfolgskonzept?: Das Kapitel diskutiert die Rezeption der ausgewählten Autoren in Deutschland und untersucht, wie humorvolle Schreibweisen zu ihrem Erfolg beitragen.
Schlüsselwörter
Interkulturalität, Humor, Komik, Literatur, Satire, Migrationsliteratur, Osman Engin, Wladimir Kaminer, Ephraim Kishon, Stereotype, kulturelle Hybridität, Intertextualität, Deutschlandbild, Gesellschaftskritik, Migrationswirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen Interkulturalität und Humor in der modernen Literatur und analysiert, wie diese Verbindung als interkulturelles Erzählverfahren eingesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Interkulturalität, die Theorie des Humors und der Komik sowie deren Anwendung in der Migrationsliteratur zur Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Funktion des Humors als Stilmittel in der interkulturellen Literatur zu verdeutlichen und aufzuzeigen, dass humorvolles Schreiben ein effektives Mittel ist, um komplexe interkulturelle Konstellationen darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der theoretische Konzepte (wie Kulturtheorien und Humor- bzw. Komiktheorien) auf ausgewählte primärliterarische Texte angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse der Werke von Osman Engin, Wladimir Kaminer und Ephraim Kishon, wobei spezifische Formen der Komik wie Kulturkomik, intertextuelle Komik und der Einsatz von Satire untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Interkulturalität, Komik, Satire, Migrationsliteratur und interkulturelle Erzählverfahren.
Wie unterscheidet sich der Humor von Ephraim Kishon von den anderen Autoren?
Kishon nutzt Humor, um die israelische Gesellschaft und Bürokratie zu kritisieren, wobei er das Judentum nicht unter einem Opferaspekt, sondern menschlich und humorvoll darstellt, was für die deutsch-jüdische Literatur dieser Zeit neu war.
Warum spielt das Motiv des Traums bei Osman Engin eine besondere Rolle?
Das Motiv des Traums dient bei Engin oft dazu, die Diskrepanz zwischen der Lebensrealität von Migranten in Deutschland und ihren Vorstellungen von der ursprünglichen Heimat (oder ihrer Integration) satirisch zuzuspitzen.
- Citation du texte
- Ievgeniia Bogomolova (Auteur), 2010, Interkulturalität und Humor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173138