Die vorliegende Portfolioprüfung analysiert die psychische Belastungslage im operativen Rettungsdienst und evaluiert die Wirksamkeit eines achtwöchigen Resilienztrainings. Auf Grundlage einer diagnostischen Baseline-Erhebung von N=350 Einsatzkräften wird die psychische Symptomlast mittels der SCL-90® und die Resilienz durch die ReRe-Skala operationalisiert.
Den methodischen Kern der Untersuchung bildet eine Interventionsstudie mit n=65 Probanden. Durch ein quasiexperimentelles Längsschnittdesign (Prä-Post-Vergleich) wird die Wirksamkeit der Maßnahme hinsichtlich der Reduktion klinisch relevanter Symptome (GSI) sowie der Stärkung der Regenerations- und Resistenzorientierung geprüft. Die empirischen Befunde verdeutlichen die Notwendigkeit evidenzbasierter Schutzmaßnahmen angesichts einer hohen psychischen Belastungsdichte im Rettungswesen.
Über die Evaluation hinaus entwickelt die Arbeit das „Künkel-Modell“ als systemischen Reformansatz. Dieses adressiert strukturelle Defizite durch die Forderung nach einer kaskadierenden Akademisierung der rettungsdienstlichen Ausbildung sowie der Implementierung einer obligatorischen Eignungsdiagnostik gemäß DIN 33430. Die Arbeit liefert damit einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur notwendigen Verzahnung von arbeitspsychologischer Forschung und rettungsdienstlicher Praxis zur nachhaltigen Sicherung der operativen Leistungsfähigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Leitfragen
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Teil
2.1 Theorie / Konzept 1: Psychische Belastung und klinische Diagnostik
2.1.2 Die Symptom-Checkliste (SCL-90®)
2.2 Theorie / Konzept 2: Resilienz und Regeneration
2.2.1 Grundlagen der Resilienz und ReRe-Skala
3 Methode
3.1 Untersuchungsdesign: Quasiexperimentelles Längsschnittdesign
3.2 Sichtprobe und Rekrutierung
4 Das Evaluationskonzept
4.1 Das Logic Model der Resilienzintervention
4.2 Begründung der Effektivität und Effizienz
5 Ergebnisse
5.1 Deskriptive Analyse der Belastungs- und Ressourcenwerte
6 Fazit und Ausblick
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse und Limitationen
6.2 Reformbedarf der RS- und NFS-Ausbildung: Das Künkel-Modell
6.3 Charakterliche Eignung und Kollegenschutz
6.4 Ethische Forschung und Mitarbeitersicherheit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit evaluiert die Wirksamkeit einer achtwöchigen Resilienzintervention bei Einsatzkräften im Rettungsdienst, um die psychische Symptomlast zu reduzieren und die Regenerationsfähigkeit des Personals nachhaltig zu stärken.
- Klinische Belastungsmessung mittels SCL-90®
- Anwendung des Resilienzkonzepts und der ReRe-Skala
- Evaluation durch ein quasi-experimentelles Längsschnittdesign
- Strukturelle Reformvorschläge für die Ausbildung im Rettungsdienst (Künkel-Modell)
- Ethische Aspekte der Forschung im Kontext der Mitarbeitersicherheit
Auszug aus dem Buch
3.1 Untersuchungsdesign: Quasiexperimentelles Längsschnittdesign
Die vorliegende Evaluation folgt einem quasiexperimentellen Längsschnittdesign. Ein solches Design wurde gewählt, da keine zufällige Zuordnung (Randomisierung) der Teilnehmenden zu Versuchs- und Kontrollgruppen erfolgte, sondern eine bestehende Belegschaft innerhalb einer natürlichen Arbeitsumgebung untersucht wurde (Baur & Blasius, 2019, S. 125–142; Helfrich, 2024, S. 123–164).
Die Untersuchung gliedert sich in drei wesentliche Messzeitpunkte:
1. Baseline (T0): Als Referenzwert dienen die Ergebnisse der Bachelorarbeit der Autorin aus dem Jahr 2024 (N = 350). Diese Daten liefern den Ausgangswert für die allgemeine psychische Belastung (GSI) im Rettungswesen vor der spezifischen Intervention im Detail (n=65) (Du Prel et al., 2010, S. 343–348; Künkel, 2024b; Thome & Müller-Benedict, 2021, S. 15–32; siehe Anhang A + C).
2. Prä-Test (T1): Erhebung der aktuellen Belastungswerte (SCL-90-®) und der Ausprägung von Resistenz- und Regenerationsorientierung (ReRe-Skala) unmittelbar vor Beginn des Resilienztrainings (Baur & Blasius, 2019, S. 349–356; Steyer et al., 1997, S. 1–14).
3. Post-Test (T2): Erneute Erhebung derselben Kennwerte nach Abschluss der achtwöchigen Intervention, um die kurzfristigen Effekte und Veränderungen in der Regenerationskompetenz zu messen (Immerz et al., 2025, S. 1–9; Pauls et al., 2016, S. 105–117; Steyer et al., 1997, S. 1–14).
Durch den Vergleich dieser Zeitpunkte kann evaluiert werden, ob die Intervention zu einer signifikanten Steigerung der Regenerationsorientierung und einer Senkung der klinischen Symptomlast geführt hat (Immerz et al., 2025, S. 1–9; Pauls et al., 2016, S. 105–117).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der psychischen Belastungssituation im Rettungsdienst und Definition der Forschungsfragen zur Evaluation der Resilienzintervention.
2 Theoretischer Teil: Fundierung der klinischen Diagnostik mittels SCL-90® und Erläuterung der Resilienz sowie der ReRe-Skala zur Erfassung von Regenerationsstrategien.
3 Methode: Beschreibung des quasi-experimentellen Längsschnittdesigns sowie der Rekrutierungsprozesse innerhalb der untersuchten Stichprobe.
4 Das Evaluationskonzept: Grafische Darstellung der Wirkzusammenhänge der Intervention durch ein Logic Model sowie Begründung der wissenschaftlichen Fundierung.
5 Ergebnisse: Analyse der empirischen Befunde durch den Vergleich der Belastungsdaten zu drei Messzeitpunkten und Prüfung der Leitfragen.
6 Fazit und Ausblick: Kritische Diskussion der Ergebnisse sowie Herleitung von Reformvorschlägen durch das Künkel-Modell und ethische Implikationen der Forschung.
Schlüsselwörter
Rettungsdienst, Resilienz, Regeneration, SCL-90, GSI, ReRe-Skala, psychische Belastung, Intervention, Dienstfähigkeit, Künkel-Modell, Notfallsanitäter, psychische Gesundheit, Arbeitsplatzbelastung, Prävention, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Evaluation einer speziellen Resilienzintervention zur Verbesserung der psychischen Widerstandskraft von Rettungsdienstpersonal in Süddeutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die psychische Belastungsdiagnostik, das Konzept der Resilienzförderung, der Einsatz von Regenerationsstrategien und der strukturelle Reformbedarf im deutschen Rettungswesen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob eine achtwöchige Intervention die klinische Symptomlast senken und die Regenerationsorientierung bei den Einsatzkräften nachhaltig steigern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein quasi-experimentelles Längsschnittdesign verwendet, bei dem Daten zu drei Zeitpunkten (Baseline, Prä-Test, Post-Test) anonymisiert verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Vorgehensweise, die Konzeption des Evaluationsmodells, die Präsentation der Ergebnisse sowie eine abschließende kritische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind Resilienz, Regeneration, Rettungsdienst, SCL-90-Diagnostik und das durch die Autorin entwickelte Künkel-Modell zur Reform der Ausbildung.
Welche Rolle spielt das „Künkel-Modell“ in der Arbeit?
Es dient als zukunftsorientierter Lösungsvorschlag zur strukturellen Entlastung des Rettungsdienstpersonals durch ein neues Berufsbild und eine spezifische Akademisierungskaskade.
Warum ist die Anonymität bei der Studie so entscheidend?
Aufgrund der sensiblen Natur psychischer Gesundheitsdaten ist Anonymität zwingend erforderlich, damit die Teilnehmenden ehrlich und ohne Angst vor beruflichen Konsequenzen reflektieren können.
- Quote paper
- Ramona Künkel (Author), 2026, Psychische Belastung und Resilienz im Rettungsdienst. Eine empirische Evaluation von Interventionsmaßnahmen und strukturellen Reformansätzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1738357