Aufgrund der Vielfältigkeit von Menschenbildern stellt sich die existentielle Frage, ab wann ein
Mensch als Mensch gilt und ab wann dieses Menschenleben auch Würde besitzt. Dazu bedarf es zunächst
der Fragestellung, in wie weit ein Mensch der nicht fähig ist selbstbestimmt zu leben, ein
Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft hat. Nicht nur das, sondern vielmehr die Autonomie an sich
spielen in dem Vergleich des Bioethik-Diskurses mit dem der Geistigbehindertenpädagogik eine
wichtige Rolle. Im Folgenden will ich versuchen die zentralen Aussagen des Textes „Diskursives Ereignis
„Selbstbestimmung“: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich“
von Anne Waldschmidt zu beschreiben und die Art und Weise der Argumentation
anschaulich zu machen. Des Weiteren werde ich Bezüge zu Inhalten des Moduls „Ethik in der integrativen
Heilpädagogik“ und dem Text versuchen herzustellen. Abschließend werde ich eine eigene
Stellungnahme zur Thematik der Selbstbestimmung entwickeln und diese fachlich begründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zentrale Aussagen des Textes
Vorgehensweise und Argumentation
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Rahmenbedingungen der individuellen Selbstbestimmung
Grenzen
Selbstbestimmung als Handlung
Freiheitsbegriff
Adressaten
Subjektivität
Kritik und Appelle
3. Bezüge zum Modul „Ethik in der integrativen Heilpädagogik“
Anthropologie und ethische Fragestellungen
Subjektivität und Dialog
Heilpädagogische Professionalität zwischen Fremd- und Selbstbestimmung
Aktuelle (bio)ethische Fragestellungen
4. Eigene Stellungnahme zur Thematik Selbstbestimmung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den Text „Diskursives Ereignis ‚Selbstbestimmung‘: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich“ von Anne Waldschmidt. Ziel ist es, die zentralen Argumentationslinien der Bioethik und der Geistigbehindertenpädagogik kritisch gegenüberzustellen, Bezüge zur heilpädagogischen Ethik herzustellen und eine eigene Position zur Bedeutung der Selbstbestimmung bei Menschen mit Behinderung zu beziehen.
- Vergleich bioethischer und behindertenpädagogischer Diskurse zur Autonomie
- Kritische Reflexion der Begriffe Personenstatus, Subjektivität und Menschenwürde
- Bedeutung von Assistenz und Empowerment für die Gestaltung selbstbestimmter Lebenswelten
- Die Rolle der Heilpädagogik als dialogische Instanz in der Behindertenhilfe
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Rahmenbedingungen der individuellen Selbstbestimmung
Waldschmidt schreibt von der Selbstbestimmung als heute wichtigem „Schlüsselbegriff“ (vgl. S. 138) für viele Gruppen der Behindertenhilfe, wie der Lebenshilfe und People First. Der Selbstbestimmungsgedanke gilt als ambivalent und offen für unterschiedliche Inhalte (vgl. S.139). Sie stellt die Selbstbestimmung mit einer Konstruktion, einem Denkmodell gleich, das variabel und veränderbar scheint und auf die Historik verweist (vgl. S. 139). Die praktizierte Selbstbestimmung ist nach Waldschmidt abhängig von der Gesellschaft und der Institution (vgl. S. 139). Mit dieser Aussage weist sie auf die Rahmenbedingungen hin, die deutliche Unterschiede in beiden Diskursen ausmachen.
Nach ihrer Ansicht weist die Bioethik nicht auf die Rahmenbedingungen hin. Eine Ausnahme stellt Harris Aussage dar, der von authentischen Entscheidungen spricht, die nicht beeinflusst von der Außenwelt getroffen werden sollen (vgl. S. 141). Sie zitiert Harris, der davon überzeugt ist, dass die Selbstbestimmung durch vier Typen von Mängeln eingeschränkt wird. Diese betreffen die Kontrolle der Person über ihre Wünsche und Handlungen, ihre praktischen Überlegungen, die Bewertung der Informationen, die ihr bei der Entscheidung zur Verfügung stehen und die Stabilität ihrer Wünsche (vgl. S. 142). Dies hat zur Folge, dass die Person weder zwischenmenschliche Beziehungen noch materielle Mittel, sondern nur Informationen benötigt um selbstbestimmt entscheiden zu können (vgl. S. 142).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz des Vergleichs zwischen bioethischen und behindertenpädagogischen Perspektiven auf die Selbstbestimmung dargelegt.
2. Zentrale Aussagen des Textes: Dieses Kapitel arbeitet das Kategorienschema von Anne Waldschmidt heraus und vergleicht die Autonomiekonstruktionen in der Bioethik und Geistigbehindertenpädagogik.
3. Bezüge zum Modul „Ethik in der integrativen Heilpädagogik“: Es werden anthropologische, dialogische und professionalisierungstheoretische Aspekte der Vorlesung auf die Analyse des Textes angewendet.
4. Eigene Stellungnahme zur Thematik Selbstbestimmung: Die Autorin begründet ihre Haltung zur Notwendigkeit eines inklusiven Autonomiebegriffs und der Ablehnung eines utilitaristischen Personenbegriffs.
Schlüsselwörter
Selbstbestimmung, Bioethik, Geistigbehindertenpädagogik, Autonomie, Menschenwürde, Personenbegriff, Diskurs, Inklusion, Exklusion, Assistenz, Empowerment, Subjektivität, Dialog, Martin Buber, Heilpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Vergleich von Anne Waldschmidt zwischen bioethischen und behindertenpädagogischen Konstruktionen von „Selbstbestimmung“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Autonomie, der Personenstatus, die Rolle der Gesellschaft bei der Konstruktion von Behinderung sowie ethische Dilemmata in der Medizin.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie unterschiedlich die beiden Diskurse das Recht auf Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit (schweren) Behinderungen definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Textarbeit, die auf einem vergleichenden Kategorienschema basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Analyse des Waldschmidt-Textes und die Verknüpfung der dortigen Aussagen mit den theoretischen Inhalten des Moduls „Ethik“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Selbstbestimmung, Autonomie, Inklusion, Bioethik und Personenbegriff.
Wie unterscheidet sich die Bioethik von der Geistigbehindertenpädagogik laut Analyse?
Während die Bioethik oft auf einem individualistischen und utilitaristischen Personenbegriff aufbaut, betrachtet die Behindertenpädagogik Autonomie als relationales Konzept innerhalb sozialer Bezugssysteme.
Warum spielt das Dialogische Prinzip nach Martin Buber eine Rolle?
Es dient dazu, das Menschsein als wechselseitige Beziehung („Ich und Du“) zu definieren, was als notwendiger Gegenpol zur rein instrumentellen Betrachtungsweise der Bioethik verstanden wird.
- Citar trabajo
- Master of Arts in Inclusive Education Inna Doms (Autor), 2006, Analyse des Textes von Annen Waldschmidt: "Diskursives Ereignis „Selbstbestimmung“: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173997