Die Konvergenzhypothese in der heutigen Betrachtung am Beispiel der Late Night Show "Schmidt & Pocher"

Ein Bindungsglied zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem TV?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Thema
1.2 Grund für Themenwahl & Forschungsdiskussion
1.3 Zielder Arbeit
1.4 Methode

2. Vorbemerkungen
2.1 Das duale Rundfunksystem
2.1.1 Definition “Duales Rundfunksystem”
2.1.2 Definition „Öffentlich- rechtliche Sender”
2.1.3 Definition „private Sender“
2.1.4 Marktanteil derSender
2.2. DieKonvergenzhypothese
2.2.1 Was ist die Konvergenzhypothese?
2.2.2 Forschungsstandpunkt
2.3. Sparten und Sendungsformen im deutschen Fernsehen
2.3.1 Darstellung der Formate
2.3.2 DieLateNightShow
2.4 Über Schmidt und Pocher
2.4.1 Harald Schmidt
2.4.2 Oliver Pocher
2.4.3 Das Format „(Harald) Schmidt”
2.4.4 Schmidt vor Pocher (Einschaltquoten + Zielgruppe)
2.4.5 Schmidt mit Pocher (Einschaltquoten + Zielgruppe)

3. Analyse
3.1. Sprachliche Unterschiede im dualen System
3.1.1 Ein Vergleich am Beispiel zweier Nachrichtensendungen
3.2 Sprachliche Unterschiede bei Pocher und Schmidt
3.2.1 Ein Beispiel für Oliver Pocher
3.2.2 Ein Beispiel für Harald Schmidt
3.3 Konvergenzhypothese & Schmidt - Pocher
3.3.1 Unterschiede zwischen Schmidt und Pocher in der Zusammenfassung
3.3.2 Vereint “Schmidt & Pocher” beide Bereiche des dualen Systems?

4. Auswertung
4.1 Auswertung der Ergebnisse in Bezug auf die Konvergenzhypothese
4.2 Fazit
4.3 Ausblick

5. Anhang - Sendungsformen nach Programmsparten

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Thema

Das Thema der folgenden Arbeit lautet: „Die Konvergenzhypothese in der heutigen Betrachtung am Beispiel der Late Night Show „Schmidt & Pocher” - Ein Bindungsglied zwischen öffentlich rechtlichem und privatem TV?”

1.2 Grund für Themenwahl & Forschungsdiskussion

In der heutigen Zeit wird immer wieder davon gesprochen, dass sich die öffentlich- rechtlichen und die privaten Sender in ihren Programmen immer weiter annähern.

Vor kurzer Zeit wurde nun der Komiker und Moderator Oliver Pocher, welcher aus vielen Sendungen der Sender Viva und ProSieben bekannt ist, als Co-Moderator für die etablierte Late Night Show “Harald Schmidt” angeworben, wobei die Frage offen blieb, welchem Zweck dies dienlich gewesen ist.

Des weiteren herrscht in der Medienforschung keine Einheit über eine mögliche Konvergenz innerhalb der Medien. Zusätzlich gibt es kaum aktuelle Untersuchungen zu diesem Thema.

1.3 Zielder Arbeit

Diese Arbeit soll hauptsächlich den momentanen Forschungsstand zum Gegenstand der Konvergenz im dualen Rundfunksystem aufzeigen und gleichzeitig untersuchen, ob die Late Night Show “Schmidt & Pocher” als Bindeglied zwischen den Formaten öffentlich- rechtliche und private Sender dienen kann.

1.4 Methode

Zunächst einmal werden die Begriffe “Konvergenz” und “Duales Rundfunksystem” genauer beschrieben um eine Grundlage zu schaffen.

Des weiteren wird die aktuelle Forschungslage, so wie die Entwicklung der Sendung rund um Harald Schmidt und deren Charaktere dargestellt.

Um eine genaue Analyse durchführen zu können werden Ausschnitte aus Nachrichtensendungen in Skriptfomr untersucht, ebenso spezifische Ausschnitte aus der Show. Zusätzlich dienen Medienbeispiele aus der Sendung zur Anschauung.

Letztendlich werden die Ergebnisse in einem Vergleich gegenübergestellt und ausgewertet.

Ein Ausblick, welcher die Entwicklung der Medienkonvergenz präsentiert, schließt diese Arbeit ab.

2. Vorbemerkungen

2.1 Das duale Rundfunksystem

2.1.1 Definition “DualesRundfunksystem”

Der Begriff “Duales Rundfunksystem” beschreibt das Nebeneinander der öffentlich- rechtlichen und der privaten Programmanbieter, welche sich durch Organisation und Finanzierung unterscheiden. (vgl.Stuiber 1998, S.497)

Als Beginn der Dualisierung sind die frühen 80er Jahre zu sehen, denn zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Privatsender durch das sogenannte „FRAG-Urteil“ des Bundesverfassungsgericht genehmigt, mit der Begründung, dass ein „Außenpluralismus“, welcher eine Meinungsvielfalt durch ergänzende Programme bietet.

(vgl. Urteil des Bundesverfassungsgerichts, BverfGE 73, 118)

Ein wichtiger Begriff ist hierbei der „Binnenpluralismus“, der bereits im 1. Rundfunkturteil 1961 geprägt wurde. Die öffentlich- rechtlichen Sender werden hier aufgefordert, dass alle gesellschaftlich relevanten Kräfte zu Wort kommen und dass die Freiheit der Berichterstattung unangetastet bleibt.“ (vgl. Urteil des Bundesverfassungsgerichts, BverfGE 12, 205)

2.1.2 Definition “Öffentlich- rechtliche Sender”12

Bei den öffentlich- rechtlichen Sendern handelt es sich um eine Organisationsstruktur welche Hörfunk- und Fernsehprogramme umfasst.

Die verschiedenen Sender arbeiten als gebührenfinanzierte Anstalten des öffentlichen Rechts, welchejedoch staatsfern bleiben müssen.[1] [2]

Die Finanzierung wird monatlich von jedem Staatsbürger mit einem Radio, Fernseher oder neuartigem Rundfunkgerät durch die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) eingetrieben, Werbung im Sendeverlauf ist nur bis 20 Uhr genehmigt.

Durch das Landesrundfunkgesetz sind die öffentlich- rechtlichen Sender verpflichtet ein ausgewogenes Programm zu gestalten, welches Bildung, Kultur, Unterhaltung und Information enthält. Dabei müssen auch Randgruppenthemen mit einbezogen werden, die Gesamtheit aller Zuschauer soll angesprochen werden, dies wird als „Grundversorgung“ bezeichnet (vgl. Stuiber 1998, S.499)

Überwacht wird dies durch den Rundfunkrat, welcher durch Vertreter aus Gewerkschaften, Sozialverbänden, politischen Parteien und Kirchenvertreten gebildet wird.

Bekannte Rundfunkanstalten sind zum Beispiel der „Westdeutsche Rundfunk“ (WDR), der „Mitteldeutsche Rundfunk“ (MDR) der „Hessische Rundfunk“ (hr), aber auch Programme wie „Das Erste“ (ARD), „Zweite Deutsche Fernsehn“ (ZDF), Arte, Phoenix und der Kinderkanal gehören zu ihnen.

2.1.3 DefiinitionPrivateSender

Im großen Unterschied zum öffentlich- rechtlichem Fernsehn sind die privaten Sender ausschließlich durch Werbeeinnahmen, Televoting und Call-in Gewinnspiele finanziert und gehören somit dem Privatwirtschaftlichen Zweig an (vgl. Meyers Universallexikon 2007).[3]

Gesellschafter sind vor allem Medienkonzerne, wie z.B. Die RTL Group/ Bertelsmann ( RTL, RTL II, Super RTL, VOX, N-Tv) und ProSieben Sat.1 Media AG/ Saban-Gruppe (, ProSieben, Sat.1, Kabel 1, Neun Live, N24) , welche durch die Landesmedienanstalt kontrolliert werden. (vgl. Eric Karstens/Jörg Schütte 2005, S.14)

Die Landesmedienanstalt hat allerdings nach einer Programmzulassung nur noch die Möglichkeit mit Sanktionen gegen Verstöße vorzugehen (vgl. Röper 1994)

Den privaten Sendern ist also in ihrer Programmfreiheit keine Grenze gesetzt.

Allerdings haben sie auf Grund der Grundversorgerstellung der öffentlich- rechtlichen Sender nur die Rolle des „Zusatzversorgers“ (vgl.Röper 1994), ohne die Basis der Grundversorger hätten sie keine Existenzberechtigung.

2.1.4 Marktanteil der Sender

Obwohl die Zahl der öffentlich- rechtlichen Sender weit unter dem der Privaten liegt besitzen sie fast 50 Prozent des Marktanteils im deutschen Fernsehen.

Hier dominieren vor allem ARD, ZDF und die „Dritten Programme“ (Zusammen 39,8%) bzw. RTL, Sat.l und ProSieben (Zusammen 28,5%) .

Zur Veranschaulichung folgt eine Grafik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: AGFVG1K Fernsehforaching, pcAlv; Femsehpanel D*EU

2.2. Konvergenzhypothese

2.2.1 Was ist dieKonvergenzhypothese?

Um etwaige missverständliche Gedankengänge auszuschließen möchte ich zunächst den Begriff „Konvergenz“ genauer definieren.

Michael Latzer beschreibt in seinem Werk „Mediamatik“ sechs Punkte zur Eingrenzung des Begriffs:

1. Konvergenz ist nicht mit Fusion (Verschmelzung) gleichzusetzen
2. Die Transformation (Verschiebung und Umwandlung etablierter Systeme) steht im Vordergrund
3. Konvergenz führt sowohl zu Integrations-, als auch zu Desintegrationsprozessen
4. Konvergenz ist kein additiver Prozess, Durch eine Vermehrung von vormals getrennten Teilen entsteht qualitativ Neues
5. Konvergenz muss im Kontext analysiert werden
6. Es müssen auch immer die Gegenbewegungen analysiert werden (vgl. Latzer, M. 1997, S. 16)

Den Ausdruck „Konvergenzhypothese” prägten die Duisburger Wissenschaftler des „Rhein-Ruhr­Institut für Sozialforschung und Politikberatung“ (RISP) Marcinkowski, Immer und Schatz durch ihre Untersuchung zwischen 1985 und 1988, welche im Rahmen der Einführung von Kabelprogrammen als neues Medium, die angekündigte Erweiterung der “Dualisierung”, eine Erläuterung des Begriff folgt in 2.1, der Rundfunkprogramme durch die privaten Sender untersuchten.

Untersucht wurde dabei die politische, die sozio- kulturelle und die ökonomische Funktion der Fernsehprogramme durch eine Inhaltsanalyse von knapp 7000 Stunden in 39 Programmen. (vgl. Schatz, H. u.a. 1989 S. 5 -24)

Die politische Funktion soll die Zuschauern auf politische Aktivitäten von Regierungen und Gruppen aufmerksam machen, sowie eine Kritikschärfung der Konsumenten in Bezug auf ihre Regierung bilden.

Bildung, Erziehung, Integration und gesellschaftliche Innovation soll die sozio- kulturelle Funktion darstellen, allerdings soll hier auch gleichzeitig Unterhaltung für den Zuschauer geboten werden.

Eine kapitalistische Funktion und die Vermarktung durch Werbung untersucht der ökonomische Bereich der Inhaltsanalyse.

Zusätzlich versuchen sie durch die weiteren Kategorien Breite (Vielfalt), Tiefe (Informationsgehalt) und Attraktivität eine qualitative Veränderung zu erfassen.

2.2.2 Forschungsstandpunkt

Eine erste Grundannahme formulier bereits Marcinkowski und Kollegen in ihrer Untersuchung: dass sich durch das Hinzutreten der privat-kommerziellen Anbieter eine Funktionsverschiebung von den politischen und den sozio-kulturellen zu den ökonomischen Funktionen des Rundfunks ergibt.“ (vgl. Schatz,H. u.a. 1989, S.20)

Unter Einbeziehung der drei qualitativen Kategorien kommen sie zu dem Schluss, dass der Informationsanteil auf Kosten eines Unterhaltungsübermaßes zurücktritt (vgl. ebd. S.20), und widerlegen so die vorausgesagte Vielfaltssteigerung und stellen dar, dass es ,,[...] eine ganze Reihe konvergenter Entwicklungen zu beachten gilt, die die heute noch bestehenden Unterschiede zwischen den beiden Anbietergruppen tendenziell verringern.“ (vgl. ebd. S.21)

Nach Marcinkowski, Immer und Schatz kopieren also private Sender die Qualitätsstandards der öffentlich- rechtlichen Sender, wobei sich Letztere im Bereich der Unterhaltung des Zuschauers an die Konkurrenz anpassen.

Einen aktuellen Untesuchungsansatz bietet Udo Michael Krüger im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Rundfunkwerbung (ARW).

Krüger untersucht seit mehreren Jahren in Programmanalysen Veränderungen in den Spartenprofilen der privaten bzw. öffentlich- rechtlichen Sender, beschränkt sich jedoch auf ARD, ZDF & RTL, Sat.1 und ProSieben.

Seine Untersuchungen stellen dar, dass die öffentlich- rechtlichen Sender starke Ähnlichkeiten in ihren Profilen besitzen und führende Informationsanbieter sind, wogegen sich die Privatsender als führende Unterhaltungsanbieter stärker voneinander unterscheiden. (vgl. Krüger 2002, S.188)

Im Jahr 2005 wird der Unterschied nach Krüger sogar noch größer: „ARD und ZDF bestreiten ihr Angebot fast zur Hälfte mit Informationssendungen [...] Bei RTL, Sat.1 und ProSieben [...] sind die Sparten Fiction, nonfiktionale Unterhaltung, Information und Werbung annähernd gleich gewichtet.“ (vgl. Krüger 2005, S221)

Krüger versucht somit aufzuzeigen, dass es, im Gegensatz zum Standpunkt von Marcinkowski, Immer und Schatz, sehr wohl eine Programmprofiltrennung zwischen öffentlich- rechtlichen und privaten Sendern im TV gibt.

Wie man an diesen beiden Perspektiven sehen kann herrscht in der aktuellen Forschungslage keine Einheit in Bezug auf die Konvergenz der Medien.

[...]


[1] Quelle: http://www.lfm-nrw.de/

[2] Quelle: http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs19980220_1bvr066194.html

[3] Quelle: http://www.alm.de

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Konvergenzhypothese in der heutigen Betrachtung am Beispiel der Late Night Show "Schmidt & Pocher"
Untertitel
Ein Bindungsglied zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem TV?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Medienlinguistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V174009
ISBN (eBook)
9783640943425
ISBN (Buch)
9783640943197
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konvergenzhypothese, betrachtung, beispiel, late, night, show, schmidt, pocher, bindungsglied
Arbeit zitieren
Falk Przybilla (Autor:in), 2008, Die Konvergenzhypothese in der heutigen Betrachtung am Beispiel der Late Night Show "Schmidt & Pocher", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174009

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