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Vom "Hinterhältigen" zum "Helden". Wie veränderte sich die öffentliche Rezeption, Wahrnehmung und Würdigung von Georg Elser von 1939 bis heute?

Titel: Vom "Hinterhältigen" zum "Helden". Wie veränderte sich die öffentliche Rezeption, Wahrnehmung und Würdigung von Georg Elser von 1939 bis heute?

Seminararbeit , 2025 , 27 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Geschichte Deutschlands
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die folgende Seminararbeit befasst sich mit der Veränderung der öffentlichen Rezeption, Wahrnehmung und Würdigung Georg Elsers von 1939 bis in die Gegenwart. Dabei wird insbesondere vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Umgang mit der Erinnerung an Elser analysiert.

„Kennen Sie den Namen Claus Schenk Graf von Stauffenberg?“ – ‚Ja‘ lautete die Antwort von 59 % der knapp 100 Umfrageteilnehmenden. Mit Blick in die Geschichtsbücher unserer Zeit zum Thema Widerstand im Nationalsozialismus scheint diese Antwortrate wenig überraschend. Es stellt sich die Frage, weshalb rund 67 % der Befragten den Namen Georg Elser nicht kannten, obwohl sein Attentat am 8. November 1939 mehr Todesopfer forderte als spätere bekannte Anschläge. Dieses Ergebnis verdeutlicht einerseits die Defizite, andererseits den bewusst gelenkten Fokus der öffentlichen Erinnerung auf bestimmte Persönlichkeiten des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Dies kann entsprechend des zeitlich-historischen Kontexts mit bestimmten Verhaltensmustern in Politik, Medien und Gesellschaft verbunden werden. Wenngleich Zeitabschnitte dabei stets ineinandergreifen, sind es davon unabhängig vor allem Einzelne, die durch ihr Interesse und ihre Unnachgiebigkeit mit entscheidenden Impulsen zur Widerstandsforschung beigetragen haben. Ein gemeinsamer Konsens über die Bedeutung und Auslegung des Widerstands bestand dabei jedoch nicht, vielmehr wurde dieser von Person zu Person unterschiedlich verstanden. Dass oftmals Widerstand auf Widerstand trifft, hat insbesondere der wechselvolle Verlauf Georg Elsers öffentlicher Wahrnehmung über die letzten Jahrzehnte deutlich gemacht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Historischer Kontext und Täterprofil

2.1 Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen im nationalsozialistischen Deutschland

2.2 Biografische Hintergründe und Motive Georg Elsers

3. Das Attentat vom 8. November 1939

3.1 Vorbereitung und Durchführung des Attentats

3.2 Verhaftung und Verhör Georg Elsers

4. Langfristiger Wandel der medialen Rezeption und öffentlichen Wahrnehmung

4.1 NS-Zeit: Darstellung Elsers

4.2 Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung

4.3 Rezeption Elsers nach 1990

4.4 Gegenwart: Würdigung als Widerstandskämpfer

5. Nachwort

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht den historischen Wandel der öffentlichen Wahrnehmung und Würdigung von Georg Elser von seinem Attentat im Jahr 1939 bis in die heutige Zeit, wobei insbesondere der Einfluss politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Erinnerungskultur analysiert wird.

  • Historische Einordnung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus
  • Biografische Analyse und Motivlage von Georg Elser
  • Analyse der nationalsozialistischen Propaganda nach dem Attentat
  • Wandel der Rezeption vom "Attentäter" zum Widerstandskämpfer
  • Rolle der Erinnerungskultur in der modernen Demokratie

Auszug aus dem Buch

4. Langfristiger Wandel der medialen Rezeption und öffentlichen Wahrnehmung

„Elsers Anschlag hinterließ zwei Schutthaufen: den ersten im Bürgerbräukeller, den zweiten in den Köpfen der Deutschen.“39 Der 8. November 1939 markierte den Start der Instrumentalisierung Georg Elsers durch die NS-Propaganda und somit den Grundstein für den Umgang mit der öffentlichen Erinnerung an ihn. Die Wiener Ausgabe des Völkischen Beobachters vom 10. November 1939 polemisierte, dass mit dem Bekanntwerden des Attentats – jedoch nicht des Attentäters – „jeder Deutsche instinktiv [fühlte], daß England hinter dieser Gräueltat steht […]“.40 Diese Demagogie, die britische Regierung für das Attentat verantwortlich zu machen, zielte darauf, die Bevölkerung für den kurz zuvor begonnenen Krieg gegen Großbritannien zu mobilisieren.41 Mit welcher Präzision das RMVP den Hitlerkult zu stärken suchte, fällt auch bei weiterer Betrachtung der von der NSDAP gesteuerten Tagesszeitung vom 10. November auf. „Noch standen wir gestern Abend unter dem tiefen Eindruck der Rede [des Führers] […]“ und „[…] [vor uns] stand wieder die unbeugsame Kämpfernatur, die uns […] so wohl vertraut geworden war.“42, ist in dem Bericht zu lesen.

Die seit Kriegsbeginn 1939 zerbrochenen Hoffnungen der deutschen Bevölkerung in Hitler als „[…] der von der Vorsehung Geschickte, der alle negativen Folgen des Weltkriegs beseitigen konnte und dennoch die Deutschen von einem neuen Krieg bewahrte […]“43, sollten nun durch die strategische Nutzung des Attentats wiederhergestellt werden. Dafür wurden beispielsweise Karikaturen eingesetzt, die ohne konkrete Hinweise den britischen ‚Intelligence Service‘ des Attentats bezichtigten. Mit Bekanntgabe des Attentäters Elser am 22. November 193944 erschien von Himmler die Verschwörung, dass der nationalsozialistische Politiker Otto Strasser Organisator und der britische Geheimdienst Auftraggeber des Attentats gewesen sein soll. Indessen wurde der am 9. November 1939 stattgefundene Venlo-Zwischenfall propagandistisch ausgenutzt.45 Dabei präsentierte man die entführten britischen Geheimdienstoffiziere Stevens und Best der internationalen Presse als ‚Hintermänner‘ Georg Elsers.46 Im Rahmen der nationalsozialistischen Hegemonialpolitik sollte die Nutzbarkeit des Attentats für Propagandazwecke gegen Großbritannien gesichert werden – dem Elser als vermeintlicher Alleingänger entgegengestanden hätte.47

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführende Darstellung der Forschungsfrage zur Rezeption von Georg Elser im Vergleich zu anderen Widerstandskämpfern.

2. Historischer Kontext und Täterprofil: Analyse der NS-Machtstrukturen sowie der persönlichen Hintergründe und Motive von Georg Elser.

3. Das Attentat vom 8. November 1939: Detaillierte Schilderung der Planung, Durchführung sowie der anschließenden Verhaftung und Ermordung Elsers.

4. Langfristiger Wandel der medialen Rezeption und öffentlichen Wahrnehmung: Untersuchung der verschiedenen Phasen der Wahrnehmung Elsers von der NS-Propaganda bis zur modernen Gedenkkultur.

5. Nachwort: Reflexion über die Bedeutung der Erinnerungskultur und die Verantwortung des Einzelnen für eine lebendige Demokratie.

Schlüsselwörter

Georg Elser, Attentat, 8. November 1939, Nationalsozialismus, Erinnerungskultur, Widerstand, Bürgerbräukeller, NS-Propaganda, Geschichtswissenschaft, Rezeption, Widerstandskämpfer, Gedenkstätte, Deutsche Geschichte, Alleingang, Widerstand gegen Hitler.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Umgang der deutschen Öffentlichkeit mit der Figur Georg Elser und analysiert, wie sich seine Wahrnehmung über die Jahrzehnte hinweg gewandelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Aufarbeitung des Attentats vom 8. November 1939, der nationalsozialistischen Instrumentalisierung sowie der langfristigen Wandlungsprozesse in der deutschen Erinnerungskultur.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der historischen Tat Elsers und seiner verspäteten Anerkennung als Widerstandskämpfer unter dem Einfluss politischer Rahmenbedingungen darzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, wissenschaftlicher Fachliteratur sowie einer eigenen empirischen Umfrage basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, die detaillierte Darstellung des Attentats und eine chronologische Untersuchung der medialen und öffentlichen Rezeption bis in die Gegenwart.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Erinnerungskultur, Widerstand, NS-Propaganda, Rezeption und die historische Einordnung Georg Elsers.

Wie wirkte sich die NS-Propaganda unmittelbar nach dem Attentat auf Elsers Ruf aus?

Das NS-Regime nutzte das Attentat, um Elser als Werkzeug ausländischer Geheimdienste darzustellen, wodurch er diffamiert und seine Rolle als eigenständiger Widerstandskämpfer bewusst unterdrückt wurde.

Welche Rolle spielt die heutige digitale Erinnerungskultur, etwa durch Formate wie „Deepfake Diaries“?

Digitale Formate fungieren als moderne Träger der Erinnerungskultur, um vor allem jüngere Generationen durch technologische Aufbereitung historischer Quellen für das Thema zu interessieren.

Warum blieb der Widerstand von Georg Elser lange Zeit im Schatten bekannterer Widerstandsfiguren?

Aufgrund von Falschinformationen, der Abwertung durch NS-Propaganda und einer frühen Nachkriegspolitik, die den Fokus auf konservative Widerstandskreise wie den 20. Juli legte, wurde Elser lange Zeit marginalisiert.

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Details

Titel
Vom "Hinterhältigen" zum "Helden". Wie veränderte sich die öffentliche Rezeption, Wahrnehmung und Würdigung von Georg Elser von 1939 bis heute?
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
27
Katalognummer
V1741087
ISBN (PDF)
9783389197202
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hinterhältigen helden rezeption wahrnehmung würdigung georg elser
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2025, Vom "Hinterhältigen" zum "Helden". Wie veränderte sich die öffentliche Rezeption, Wahrnehmung und Würdigung von Georg Elser von 1939 bis heute?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1741087
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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