Das Bildungscontrolling-Konzept

Fiktion einer Einheitlichkeit


Seminararbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Inhaltliche Grundlagen
2.1 Begriffsverständnis
2.2 Bildungs-Controlling
2.3 Handlungsfelder

3. Controlling-Konzept
3.1 Dimensionen des Bildungscontrollings
3.2 Wahl eines Konzeptes
3.3 Einführung eines Konzeptes

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

„ Sind die Teilnehmer am Seminarende zufrieden, ist das Ziel erreicht, und der Transfer gelingt von allein. “ (Grote 2010, S. 1)

Seit den achtziger Jahren wurde begonnen Mitarbeiter ernsthaft als „Human- Ressource“ zu sehen und entsprechend als Erfolgsfaktor für Unternehmen zu bewer- ten. Hierbei stehen nicht die körperliche Leistungsfähigkeit im Vordergrund der Be- trachtung, sondern die kognitiven Fähigkeiten und der wirtschaftlich nutzbare Ausbau dieser Fähigkeiten. Fort- und Weiterbildung wurden also zu einer neuen entschei- denden Maßnahme, um sich auf dem hart umkämpften Markt zu etablieren. Dabei entwickelte sich ein tiefgreifender Dualismus zweier Disziplinen, die sich nur schwer zusammenbringen lassen. Die Ökonomie auf der einen Seite und die Bildungsarbeit auf der anderen Seite entwerfen unterschiedliche Ziele ihrer Arbeit und werden den- noch gleichermaßen für den Erfolg eines Unternehmens benötigt.

Die interdisziplinäre Aufgabe die sich hier entwickelt war kürzlich Themenschwerpunkt auf dem „8. deutschen Fachkongress für Bildungscontrolling“ und wird zunehmend als Notwendigkeit in Unternehmen erkannt und angewendet. Das Bildungscontrolling soll die Möglichkeit bieten, Bildungsarbeit zielführend und weitestgehend wirtschaftlich zu steuern. Die Problematik zeigt Sven Grote in der Darstellung der oben aufgeführten „Legende“. Grote zufolge wird zu viel Wert auf die Zufriedenheit gelegt und zu wenig auf den Lerntransfer, der mit solchen Seminaren erzielt wird. Wenn es also diese Unterschiede, zum Beispiel in der Messung von Lerntransfer und Zufriedenheit gibt, stellt sich für diese Arbeit insbesondere eine Frage. Warum gibt es kein einheitliches Konzept des Bildungscontrollings?

Um diese Frage im Rahmen dieser kurzen Arbeit ausreichend klären zu können, wird in erster Instanz der Terminus des Bildungscontrollings herausgearbeitet und gegen weitere geläufige Termini abgegrenzt. Anschließend soll versucht werden, anhand der Leitfäden von Schöni, Heeg & Jäger, die Auswahl eines individuellen Konzeptes und dessen Einführung zu erläutern und Unterschiede heraus zu stellen, die ein einheitliches Konzept wirkungslos machen könnten.

2. Inhaltliche Grundlagen

2.1 Begriffsverständnis

Controlling in Bildungsbereichen sieht sich auch heute noch einer Dualität von Pädagogik und Ökonomie gegenüber, die äußerlich betrachtet manchmal schwer verständlich erscheint. Notwendigerweise muss genau dieser Dualismus für die Verständlichkeit dieser Arbeit genauer betrachtet werden.

Der häufigste Fehler, der dieses Missverständnis zwischen Ökonomen und Pädagogen steigert, ist die Übersetzung des Begriffs „Controlling“. Es ist auffällig, dass „Controlling“ gern mit „Kontrolle“ übersetzt wird und so eine Einschränkung der freien Bildung und Forschung suggeriert, die pädagogisch nicht gewünscht ist.

„ Controlling ist leider für viele Menschen ein erschreckendes Wort, das nach Kon trolle und ihrer schlechtesten Konnotation klingt, nach Ü berwachung bis hin zur De nunziation und Bestrafung “ (Kappler 2006, S. 10)

Kappler gibt dieser fehlerhaften Übersetzung sogar noch eine erschreckende Note und bezieht die Bestrafung in seine Ausführung mit ein. Er erklärt im Verlauf, dass es selbstverständlich einen Teil von Kontrolle gibt, der im Controlling allerdings als Überprüfung des Soll/Ist-Zustandes auftritt (vgl. Kappler 2006, S. 10). Es wird eine Überwachung des Prozesses angestrebt, der helfen soll, geplante Ziele zu erreichen und Abweichungen zwischenzeitlich zu korrigieren.

Während der Bearbeitung dieses zuvor geschilderten Missverständnisses, lässt sich ein weiterer Autor finden, der sich diesem annimmt. Prof. Dr. Georg von Landsberg ist Mitglied des betriebswissenschaftlichen Instituts Gummersbach und sieht das Problem in der „ Willk ü rlichkeit des Bezuges zum Angels ä chsischen “(Landsberg & Weiß 1995, S. 13). Nach Landsberg existieren folgend die vier Begriffe „Control“, „Controls“, „Controlling“ und „Controllership“, die sich unterschiedlich entwickelt ha- ben.

„ Nach Ansicht des Harvard- Ö konomen Robert N. Anthony schwankt die Bedeutung der Vokabel zwischen >>little more than bookkeeping<< und >>de facto general ma- nagement<<. Uneinheitlichkeit also h ü ben und dr ü ben. “ (Landsberg & Weiß 1995, S. 13)

Es zeigt sich in der Ausführung Landsbergs, dass sich die Begriffe in zwei Gruppen teilen lassen. Die erste umfasst die „Controls“, die sich als Steuerungsgrößen und Kennzahlen darstellen und das „Controllership“, das die Gestaltung der Systemsteuerung deklariert (vgl. Landsberg & Weiß 1995, S. 14). Die erste Gruppe kann also als Werkzeug des eigentlichen Systems aufgefasst werden. Erst die zweite Gruppe erzeugt die eigentliche Unstimmigkeit.

Laut Landsberg haben sich zwei Denkrichtungen entwickelt. Die erste ist vorwiegend im amerikanischen Raum in Gebrauch und versteht sich als „Control“. „Control“ be- schreibt hier eine verhaltenssteuernde Kraft, um das dynamische System beständig korrigieren zu können (vgl. Landsberg & Weiß 1995, S. 14). Die zweite hingegen ist die vorwiegend im deutschensprachigen Raum als „Controlling“ bekannte Inter- pretation der Kontrolle.

„ Im Deutschen wird >>Controlling<< mehr und mehr als Gewinn- oder Erfolgssteuerung verstanden und mit der operativen Aufgabe der Schaffung betriebswirtschaftlicher Transparenz des betrieblichen Gebarens unterlegt. “ (Landsberg & Weiß 1995, S. 13)

Er verweist, zur nachhaltigen Darstellung, auf die Definition des Controller Vereins e.V. dem zu entnehmen ist, dass die Verantwortung der erzielten Ergebnisse immer Angelegenheit des Managers ist und lediglich die Verantwortung für die Transparenz an den Controller abgegeben werden kann (vgl. Landsberg & Weiß 1995, S. 14).

Zusammenfassend existieren zwei Gruppen von Begriffen, die sich einmal als Hilfsmittel der Systeme darstellen und in der zweiten Gruppe die Ansätze aufnehmen. Bestandteil dieser Arbeit wird der hier dargestellte Begriff „Controlling“ sein und sich daher auf die Ausführung von Landsbergs Begriffsverständnis stützen.

2.2 Bildungscontrolling

Während sich die erste Begriffsabgrenzung dieser Arbeit noch mit dem „Controlling“ im Allgemeinen beschäftigte, soll nun versucht werden die Sonderform des „Bildungscontrollings“ genauer abzugrenzen.

Der enthaltene Terminus „Bildung“ legt schon vorab eine Vermutung nah, worum es sich hier handelt. „Bildungscontrolling“ wird als interdisziplinäre Disziplin verstanden, um den Bildungsbereich wirtschaftlicher, vorwiegend transparenter aber auch regu- lierbarer zu machen.

Diese Definition kann jedoch in keinem, gerade wissenschaftlichen Punkt zufrie- denstellend sein. Walter Schöni beschreibt das Problem in der Fachdiskussion als flexible Disziplin mit kaum anerkannten Standards (vgl. Schöni, 2001 S. 17). Eine Konsensdefinition über den Gegenstandsbereich des Bildungscontrollings sei die einzige mögliche Verallgemeinerung des Begriffs. „ Bildungscontrolling befasst sich mit der Planung, Kontrolle und Steuerung von Bildungsprozessen. “(Schöni 2001, S. 17) Diese sehr allgemeine Form der Definition ist wenig zielführend. Daher wird ver- sucht, den Begriff durch die Darstellung der Gründe, Zugänge und Probleme näher zu beschreiben.

Worin besteht die Notwendigkeit für Bildungscontrolling? Zur Klärung dieser Frage sind vier Begriffe nötig. Druck, Legitimation, Effektivität und Effizienz. Viele Unter- nehmen sind sich, nach Schöni, über die Notwendigkeit von Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen bewusst. Sie haben aber das Problem, dass sich der wirt- schaftliche Nutzen für diese Maßnahmen schwer nachvollziehen lässt (vgl. Schöni 2001, S. 11). Daher wächst in wirtschaftlich marginalen Zeiten der Druck für die Ab- teilungen solche Maßnahmen zu rechtfertigen und im schlimmsten Fall für die Bil- dungsabteilungen selbst, ihre eigene Daseinsberechtigung zu stützen. Deshalb wird versucht, mit wirtschaftlichen Verfahrensweisen, Bildungsprozesse zielgerichtet zu steuern und messbar zu machen.

„ Die befragten TopmanagerInnen kritisieren die mangelnde Effektivit ä t und Effizienz der Trainingsprogramme in ihren Unternehmen; zugleich beklagen sie den generellen Mangel an gesichertem Wissen ü ber Kosten und Nutzen der Massnahmen. <<Corporate Training ist wie Werbung: Die H ä lfte unserer Ausgaben ist wahrscheinlich vergeudet, wir wissen leider nur nicht, welche … >>, wird einer der Befragten zitiert. “ (Schöni 2001, S. 11)

Anders ausgedrückt fehlen dem Management die Instrumente, verlässliche Informationen aus dem Prozess zu extrahieren, bereit zu stellen und entsprechend darauf zu reagieren. Erst dann kann, gemäß Schöni, bewertet werden ob das Geld wirklich vergeudet ist (vgl. Schöni 2001, S. 11).

[...]


Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Bildungscontrolling-Konzept
Untertitel
Fiktion einer Einheitlichkeit
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Veranstaltung
Bildungsmanagement
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V174458
ISBN (eBook)
9783640951697
ISBN (Buch)
9783640951604
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungscontrolling, Controlling, Bildungsmanagement, Pädagogik, Bildungswissenschaften
Arbeit zitieren
Gordon Ziemann (Autor), 2011, Das Bildungscontrolling-Konzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174458

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