1.) Einleitung
In der vorliegenden Ausarbeitung soll zum Einen ein geschichtlich begründeter Zusammenhang zwischen dem Protagonisten Eneas und dem deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa aufgezeigt werden. Dazu werden im Folgenden die beiden Stauferpartien des Eneasromans hinsichtlich des historischen Gehaltes und eventueller textueller oder symbolischer Bezüge näher beleuchtet. Ferner soll in Ansätzen erläutert werden, ob (und gegebenenfalls wie) Heinrich von Veldeke diese Abschnitte, die von ihm erst nachträglich in sein Werk eingebracht wurden, gezielt einsetzte und was eine potentielle Absicht seiner Umsetzung sein könnte. Um den wahren Gehalt der Partien zu verstehen und die daran geknüpfte Intention(en) besser beurteilen zu können, muss auch das Verständnis der mittelalterlichen Herrschaftslegitimation berücksichtigt werden, wie Barbarossa es in seiner Regierungszeit zum Ausdruck brachte, wobei ein zentraler Aspekt die Art der Verknüpfung des Deutschen Reiches mit dem (antiken) Römischen Reich sein wird.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Die Stauferpartien im Eneasroman
2.1) Die 1. Stauferpartie
2.2) Die 2. Stauferpartie
2.2.1) Demonstration des Erbkaisertums
2.2.2) Barbarossas „sacrum imperium“
3.) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den geschichtlich begründeten Zusammenhang zwischen dem Protagonisten Eneas und dem deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa, wobei insbesondere die Stauferpartien im Eneasroman von Heinrich von Veldeke auf ihre historischen und symbolischen Bezüge hin analysiert werden.
- Historische und symbolische Verknüpfung von Eneas und Friedrich Barbarossa
- Analyse der Stauferpartien im Eneasroman
- Untersuchung der herrschaftslegitimatorischen Aspekte im 12. Jahrhundert
- Die symbolische Bedeutung der Pallas-Grabauffindung und des Mainzer Hoffestes
- Konstruktion von Kontinuität zwischen antikem Römischen Reich und dem Deutschen Reich
Auszug aus dem Buch
2.1) Die 1. Stauferpartie
Die erste Stauferpartie (ER, V. 8374-8419) berichtet von der Auffindung des Pallasgrabes und der Kaiserweihe Friedrich Barbarossas im Jahre 1155. Besonders auffällig ist, dass Veldeke hier wie auch in der zweiten Stauferpartie explizit den Wahrheitsgehalt seiner Ausführungen bestätigt. Die Tatsache der Grabauffindung untermauert er mit „Das ist nicht erfunden.“ (ER, V. 8387). Dennoch kann heute als gesichert gelten, dass die Grabstätte tatsächlich niemals gefunden worden ist. Unabhängig vom historischen Wahrheitsgehalt verfolgt Veldeke demnach eine tiefere Intention, indem er dem Leser des Weiteren mitteilt, dass das bei der Grablegung entfachte Feuer in der aufgehängten Grablampe, das als unauslöschlich galt, dann doch bei der Öffnung des Grabes erlischt. Und das Ganze ereignete sich laut Veldeke kurz nach der Kaiserweihe Friedrich I.. Diese zeitliche Nähe lässt Raum zu der Annahme, dass das Erlöschen des Lichtes und die Kaiserkrönung in einer bestimmten Beziehung zu einander stehen, die hier symbolhaft zum Ausdruck gebracht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die Fragestellung nach dem Zusammenhang zwischen dem Protagonisten Eneas und Kaiser Friedrich Barbarossa sowie die Intention des Autors Heinrich von Veldeke.
2.) Die Stauferpartien im Eneasroman: In diesem Hauptteil werden die zwei relevanten Textpassagen, die explizit Bezug auf die Staufer nehmen, detailliert analysiert und in einen historischen Kontext gesetzt.
2.1) Die 1. Stauferpartie: Es wird die Bedeutung der Pallas-Grabauffindung und deren symbolische Verknüpfung mit der Kaiserkrönung Friedrich Barbarossas untersucht.
2.2) Die 2. Stauferpartie: Dieses Kapitel beleuchtet das Mainzer Hoffest von 1184 und dessen Funktion für die genealogische Absicherung des Erbkaisertums.
2.2.1) Demonstration des Erbkaisertums: Die Analyse konzentriert sich hier auf die Rolle des Mainzer Hoffestes bei der Etablierung des Erbrechts und der dynastischen Nachfolge.
2.2.2) Barbarossas „sacrum imperium“: Es wird erörtert, wie unter Barbarossa die göttliche Legitimierung der Herrschaft und der Begriff des „sacrum imperium“ neu definiert wurden.
3.) Schlussbetrachtung: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Frage diskutiert, ob Veldeke mit dem Eneasroman bewusst herrschaftspropagandistische Ziele verfolgte oder eher persönliche Verehrung ausdrückte.
Schlüsselwörter
Eneasroman, Heinrich von Veldeke, Friedrich Barbarossa, Stauferpartien, Erbkaisertum, Herrschaftslegitimation, Mainzer Hoffest, sacrum imperium, Pallasgrab, Reichsidee, Mittelalter, genealogische Kontinuität, imperium romanum, Herrschaftspropaganda, Überlieferung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Verknüpfung zwischen dem Eneas des Eneasromans und dem zeitgenössischen Kaiser Friedrich Barbarossa durch Heinrich von Veldeke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Herrschaftslegitimation, die Genealogie des Kaiserhauses, das Konzept des „sacrum imperium“ und die historische Einordnung der sogenannten Stauferpartien im Roman.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Veldeke durch geschichtliche Anspielungen das staufische Kaiserhaus in eine direkte Linie mit antiken Helden wie Eneas stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische Vorgehensweise gewählt, die literarische Stellen im Eneasroman mit historischen Fakten des 12. Jahrhunderts vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die zwei Stauferpartien: die Pallas-Grabauffindung und das Mainzer Hoffest von 1184 sowie deren politisch-symbolische Bedeutung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Eneasroman, Stauferpartien, Friedrich Barbarossa, Herrschaftslegitimation, Erbkaisertum und sacrum imperium.
Wie deutet der Autor das Erlöschen des Lichts im Pallasgrab?
Das Erlöschen wird als symbolische Verknüpfung mit der Kaiserkrönung Barbarossas interpretiert, um eine Zeitenwende oder den Übergang einer Ära zu markieren.
Warum war das Mainzer Hoffest von 1184 so bedeutend für das Kaisertum?
Es diente als demonstrative Bekräftigung der Erbfolge und der Macht des staufischen Geschlechts vor einer Vielzahl anwesender Adliger und Fürsten.
Inwiefern änderte Barbarossa das Verständnis des "imperium romanum"?
Barbarossa definierte die Herrschaft durch das Attribut "sacrum" direkt durch Gott legitimiert, wodurch die Notwendigkeit der päpstlichen Bestätigung formal an Bedeutung verlor.
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- Aron Jährig (Autor), 2010, Die Stauferpartien im Eneasroman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174572