1.) Einleitung
Lernerfolg und Motivation liegen eng beieinander. Deshalb ist es als angehender Lehrkörper von großer Bedeutung, über die Möglichkeiten zur Schülermotivation informiert zu sein, zugleich aber auch zu wissen, wo die Grenzen liegen und wie man denn im Detail Motivation in der Berufspraxis fördern kann.
Der Klasse ohne Rücksicht auf Verluste kognitives Wissen an den „Kopf zu werfen“, wo die einzige Schülermotivation in der Vermeidung von schlechten Klausurergebnissen liegt, kann und darf nicht das Unterrichtsprinzip eines Berufschullehrers der heutige Zeit sein. Vielmehr sollte er darauf gesinnt sein, den Schüler auf ein mögliches Maximum von Motivation in der Be- und Verarbeitung von Wissen hin zuführen. Als Ergebnis dieser Mühen wird ein qualitativ optimaler Lernerfolg stehen.
In enger Anknüpfung an den Inhalt des Seminars „Leistungsmotivation im beruflichen Lernen“ und die praktische Berufsbildung möchte ich im folgenden Untersuchen, ob und in wieweit die Lernfeldstrukturierung des Berufsschulunterrichtes einen positiven Einfluss auf extrinsische und intrinsische Motivation der Schüler ausübt. Es wird daher auch zu klären sein, ob intrinsische Motivation überhaupt durch ein didaktisches Konzept oder besondere Methodik in irgendeiner Weise gefördert werden kann.
Da das Gegensatzpaar „extrinsische“ und „intrinsische Motivation“ in der Fachliteratur in den verschiedensten semantischen Variationen vorkommt, wird vorab eine klare Bestimmung der Begriffsbedeutung für die Ausführungen dieser Arbeit erfolgen. Zur weiteren Verdeutlichung, ob und in welcher Weise speziell die intrinsische Motivation durch den Lehrkörper beeinflusst und gegebenenfalls verstärkt werden kann, wird im Anschluss an die erste Betrachtungen eine Darstellung und Untersuchung einer konkreten Lernsituation erfogen. Besondere Berücksichtigung findet hierbei die Projektmehode nach dem Verständnis von Karl Frey.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Definitionen
2.1) Motivationsformen
2.1.1) Extrinsische Motivation
2.1.2) Intrinsische Motivation
2.2) Der Begriff des Lernfelds
3.) Das Lernfeldkonzept und extrinsische Motivation
4.) Das Lernfeldkonzept und intrinsische Motivation
5.) Ist intrinsische Motivation für Schüler im beruflichen Lernen möglich?
5.1) Konkretisierung am Beispiel einer Lernsituation
5.2) Die Projektmethode
Instrument zur intrinsischen Motivationsförderung?
6.) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Lernfeldstrukturierung im Berufsschulunterricht einen positiven Einfluss auf die extrinsische und insbesondere die intrinsische Motivation von Schülern ausüben kann, um so die Lernprozesse nachhaltig zu optimieren.
- Grundlagen der Motivationspsychologie (intrinsisch vs. extrinsisch)
- Didaktisches Konzept der Lernfeldorientierung
- Einfluss der Lernfeldstrukturierung auf die Schülermotivation
- Analyse der Projektmethode als Instrument zur Motivationsförderung
- Praktische Konkretisierung anhand beruflicher Lernsituationen
Auszug aus dem Buch
5.2) Die Projektmethode - Instrument zur intrinsischen Motivationsförderung?
Eine Möglichkeit, intrinsische Motivation in heterogenen Schülergruppen positiv zu beeinflussen, bietet die Projektarbeit. Projektarbeit bedeutet, dass ein bestimmtes Themengebiet von einer Gruppe (Schulklasse) innerhalb einer bestimmten Frist zu bearbeiten ist und am Schluss ein repräsentatives Ergebnis vorliegt. Die persönlichen Interessen und auch Neigungen spielen bei der Projektfindung und Umsetzung eine große Rolle. Meist werden hierbei mehrere Themenbereiche oder Schulfächer eingebunden. Der Bezug zur Praxis soll immer gegeben werden, so dass durch die Projektmethode versucht wird, die Diskrepanz zwischen theoretischem, schulischen Fachwissen und dem eigentlichen Praxisbezug zu verringern. Weiterhin fördert die Projektarbeit die Kooperation. Durch eine geeignete Verteilung der Aufgaben kann jeder Schüler sein Aufgabengebiet nach persönlichen Interessen und Fähigkeiten ordnen.
Karl Frey gibt durch sein Stufenmodell eine Möglichkeit, wie man solche Projekte im Unterricht organisieren und verwirklichen kann. Unter Einbeziehung der gegebenen Lernsituation soll jetzt ermittelt werden, ob intrinsische Motivation durch eine Projektarbeit ermöglicht werden kann.
Das Stufenmodell gliedert sich in folgende Abschnitte: 1.Projektinitiative; 2.Projektskizze; 3.Projektplanung; 4.Projektdurchführung und den Abschluss.
An der Projektinitiative nehmen alle beteiligten Schüler als Verantwortliche teil. Sie tauschen ihre Ideen und Erwartungen untereinander aus. Die Schüler befinden sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung und haben praktische Erfahrungen gesammelt, so dass schon einige theoretische Ansätze zur Funktionsweise eines Niedrigenergiehauses und zur Ermittlung einer Energiebilanz vorhanden sind. Motivationssteigerung kann hierbei erreicht werden, indem die vorgesehenen Lerninhalte nicht nur von den Lehrern vorgegeben werden. Schüler sollen selbst Schwerpunkte im Lernstoff bestimmen können, um ihre persönlichen Interessen zu befriedigen. Die Aufgabenstellung ist dann für die Schüler/innen in irgendeiner Weise attraktiv; sie haben einen persönlichen Bezug, der sie zum Handeln motiviert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den engen Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Motivation und stellt die Frage, ob Lernfeldorientierung die Motivation in der Berufsschule steigern kann.
2.) Definitionen: Es werden die zentralen Begriffe der extrinsischen und intrinsischen Motivation sowie das Konzept des Lernfeldes theoretisch bestimmt.
3.) Das Lernfeldkonzept und extrinsische Motivation: Dieses Kapitel analysiert, wie durch Zielformulierungen, neue Lehrerrollen und handlungsorientierte Aufgaben extrinsische Motivationsanreize gesetzt werden können.
4.) Das Lernfeldkonzept und intrinsische Motivation: Hier wird erörtert, wie Identifikation mit dem Lerngegenstand und angemessene Anforderungsprofile die intrinsische Motivation fördern.
5.) Ist intrinsische Motivation für Schüler im beruflichen Lernen möglich?: Anhand einer konkreten Lernsituation aus der Bautechnik wird die Anwendbarkeit des Konzepts sowie die Bedeutung der Projektmethode untersucht.
6.) Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass intrinsische Motivation durch geeignete Methoden zwar begünstigt, aber nicht durch den Lehrer allein erzwungen werden kann.
Schlüsselwörter
Lernfeldorientierung, Berufsschule, intrinsische Motivation, extrinsische Motivation, Projektmethode, Schülermotivation, Lernsituation, Handlungskompetenz, berufliches Lernen, pädagogisches Konzept, Fachkompetenz, Selbstkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten, die Motivation von Berufsschülern durch das Konzept der Lernfeldorientierung positiv zu beeinflussen.
Welche zwei Motivationsformen werden unterschieden?
Es wird zwischen extrinsischer Motivation (Anreize von außen, z.B. gute Noten) und intrinsischer Motivation (Freude an der Sache selbst) unterschieden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob und wie die Lernfeldstrukturierung und didaktische Methoden wie die Projektmethode die Motivation der Schüler steigern können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse in Kombination mit der theoretischen Untersuchung einer konkreten Lernsituation aus der Baupraxis.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Motivation, der didaktischen Gestaltung von Lernfeldern und der praktischen Anwendung der Projektmethode nach dem Stufenmodell von Karl Frey.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Lernfeldorientierung, intrinsische/extrinsische Motivation, Projektmethode, Handlungsorientierung und berufliche Kompetenzentwicklung.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Lehrers im Lernfeldkonzept?
Der Lehrer wandelt sich vom reinen Wissensvermittler zum Prozessbegleiter, der die Selbstständigkeit der Schüler und die problemorientierte Auseinandersetzung mit dem Lernstoff fördert.
Warum ist die Identifikation der Schüler mit dem Lerngegenstand so wichtig?
Identifikation ist eine Grundvoraussetzung für intrinsische Motivation; nur wenn ein persönlicher Bezug zur Aufgabe besteht, wird der Lernprozess als befriedigend und sinnvoll empfunden.
- Quote paper
- Aron Jährig (Author), 2008, Positive Beeinflussung der Schülermotivation durch Lernfeldorientierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174584