Kosten und Nutzen von Joint Audits


Seminararbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rechtliche Rahmenbedingungen
2.1 Definition
2.2 Bestellung mehrerer Personen zum gesetzlichen Abschlussprüfer
2.3 Prüfungsergebnis

3. Anwendung in verschiedenen Ländern

4. Kosten & Nutzen von Joint Audits
4.1 Ergebnisqualität
4.2 Bilanzpolitik
4.3 Prüfungskosten
4.4 Agency Kosten
4.5 Unabhängigkeit
4.6 Reputation
4.7 Wettbewerb & Systemrelevanz

5. Reaktionen auf das Grünbuch

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Enron, Worldcom, Parmalat, Hypo Real Estate, Fannie Mae und viele mehr. Immer wiederkehrende Bilanzskandale und die Finanzkrise vor zweieinhalb Jahren erschüttern das Vertrauen in die Finanzmärkte und auch in die Qualität von Abschlussprüfungen. Dabei kommt der Richtigkeit von Finanzabschlüssen eine ebenso essentielle Bedeutung für das Vertrauen sowie die Stabilität von Finanzmärkten zu, wie Banken, Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen.

Mit dem Grünbuch „ Audit Policy: Lessons from the Crisis” leitete die Europäische Kommission im Oktober 2010 öffentliche Konsultationen ein, die tiefgreifende Änderungen für den europäischen Markt der Abschlussprüfung bedeuten, das Vertrauen in die Märkte wiederherstellen und die Qualität von Abschlussprüfungen verbessern sollen1. Neben der Verpflichtung zu Prüferrotationen und dem Verbot Nichtprüfungsleistungen zu erbringen, ist unter anderem auch die Schaffung obligatorischer Audit-Konsortien, so genannter Gemeinschaftsprüfungen oder auch Joint-Audits, eine Maßnahme, um die Qualität der Abschlussprüfungen zu verbessern. In solch einem Joint Audit soll mindestens eine systemunrelevante Prüfungsgesellschaft einbezogen sein. Die Europäische Kommission erhofft sich dadurch auch, dass der Markt für Prüfung dynamischer gestaltet und zukünftige Störungen verhindert werden, falls eine der großen Prüfungsgesellschaften ausfallen sollte2. Ziel der Arbeit ist es zu überprüfen, welche Kosten und Nutzen ein Joint Audit in der Empirie verursacht, um so besser über die Eignung von Joint Audits als ein Instrument der Kommission zu urteilen.

In Kapitel zwei dieser Arbeit wird zunächst auf die rechtlichen Rahmenbedingungen von Joint Audits eingegangen. Kapitel drei beschäftigt sich mit der Anwendung von Joint Audits in verschiedenen Ländern, um dann in Kapitel vier, die verschiedenen Kosten und Nutzen zu beleuchten. Kapitel fünf thematisiert die Reaktionen wichtiger Akteure im Bereich der Wirtschaftsprüfung auf das von der Europäischen Kommission veröffentlichte Grünbuch, um schließlich in Kapitel sechs, dem Fazit, Joint Audits anhand ihrer Vor- und Nachteilen zu bewerten.

2. Rechtliche Rahmenbedingungen

2.1 Definition

Gemeinschaftsprüfungen bzw. Joint Audits sind solche Prüfungen, bei denen mehrere WP oder WPG gleichzeitig zum gesetzlichen Abschlussprüfer eines Einzel- oder Konzernabschlusses bestellt werden3.

Ein Joint Audit ist nicht zu verwechseln mit einem sogenannten „double audit”, bei dem die Prüfung nicht gemeinsam, sondern parallel durchgeführt wird4. Bei einem Joint Audit ist die Prüfungsplanung und durchführung von beiden Abschlussprüfern aufeinander anzupassen, ein gemeinsamer Prüfungsbericht zu verfassen und die Verständigung auf ein gemeinsames Urteil notwendig5.

Grundgedanke eines Joint Audits ist das Vier-Augen Prinzip, das zu gegenseitiger Kontrolle und so zu höherer Qualität führen soll6.

2.2 Bestellung mehrerer Personen zum gesetzlichen

Abschlussprüfer

In den gesetzlichen Bestimmungen ist von „dem” oder „einem” Abschlussprüfer die Rede (§ 316ff. HGB u. §268ff. UGB). Dies schließt die Bestellung mehrerer Prüfer zum gesetzlichen Abschlussprüfer jedoch nicht aus. Jeder bestellte Prüfer bildet ein eigenes Prüfungsurteil und übernimmt die Gesamtverantwortung für die Prüfung. Dadurch ist der Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit nicht eingeschränkt7.

Bei der Wahl von Gemeinschaftsprüfern müssen die zum Abschlussprüfer zu wählenden Personen eindeutig bezeichnet werden. Eine Wahl, bei der der Wahlbeschluss vorsieht zwischen verschiedenen Personen einen Abschlussprüfer auszuwählen, ist ungültig8. Jeder Gemeinschaftsprüfer entscheidet eigenverantwortlich über die Annahme des Prüfungsauftrages9.

2.3 Prüfungsergebnis

Das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung setzt sich aus den Prüfungsergebnissen der Gemeinschaftsprüfer zusammen. Daher ist es sachgerecht, dass die Gemeinschaftsprüfer ihre Ergebnisse in einem gemeinsamen Prüfungsbericht, zwecks eindeutigerer Informationsvermittlung, darlegen10. In den gemeinsamen Prüfungsbericht sind Angaben über die Bestellung mehrerer Personen zum Abschlussprüfer aufzunehmen. Dadurch dass jedoch die jeweiligen Prüfer die Gesamtverantwortung für das Prüfungsergebnis haben, soll der Prüfungsbericht keine Darstellung über die Aufteilung und den Anteil an der Prüfung enthalten. Abweichende, im Vorfeld nicht auszuräumende

Prüfungsfeststellungen sind in geeigneter Weise im Prüfungsbericht zu vermerken11. Besteht über das Gesamturteil Einvernehmen werden die Gemeinschaftsprüfer den Bestätigungsvermerk bzw. den Vermerk über dessen Versagung gemeinsam unterzeichnen12. Falls dies nicht der Fall sein sollte, hat jeder Gemeinschaftsprüfer sein Urteil in einem eigenen Bestätigungsvermerk bzw. Versagungsvermerk niederzulegen. Erteilt ein Gemeinschaftsprüfer einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk führt dies zwangsläufig dazu, dass auch der Bestätigungsvermerk des anderen Prüfers eingeschränkt ist, obwohl dieser den Bestätigungsvermerk unter Umständen uneingeschränkt erteilt hätte. Abweichende Ergebnisse der beteiligten Abschlussprüfer sind gesondert zu vermerken13.

3. Anwendung in verschiedenen Ländern

In Deutschland sind Gemeinschaftsprüfungen nicht verpflichtend und werden nur auf freiwilliger Basis durchgeführt. Die Bestellung der Abschlussprüfer erfolgt hierbei üblicherweise jährlich14.

Joint Audits sind im Inland durch den IDW PS 208 geregelt. Die Normen der IFAC beinhalten keinen entsprechenden Standard15. Joint Audits finden jedoch in der Praxis kaum Bedeutung. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist ThyssenKrupp, resultierend aus der Fusion von Thyssen, geprüft durch KPMG, und Krupp, die von PWC geprüft wurden.

In Frankreich sind Joint Audits seit dem Jahre 1966 mit der Einführung des Handelsgesetzbuches „Code de Commerce” für alle konsolidierungs- und publizitätspflichtigen Unternehmen, also alle börsennotierten Gesellschaften und solche, die zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen

- Bilanzsumme über 15 Millionen Euro,
- Nettoumsatz über 30 Millionen Euro, und/oder
- 500 oder mehr Mitarbeiter

Pflicht16. Diese Verpflichtung gilt auch für ausländische Tochtergesellschaften französischer Unternehmen17. Die Bestellung des Abschlussprüfers erfolgt im Gegensatz zu Deutschland für sechs Jahre, in denen die Abschlussprüfer dieses Mandat nur unter besonderen Umständen niederlegen oder abtreten können18. Dieses lange Vertragsverhältnis garantiert eine bestimmte Stabilität und verhindert eine Situation, in der Verhandlungen über Geschäftsbeziehungen die Unabhängigkeit des Prüfers beeinflussen könnten19. In Österreich erfolgt die Bestellung, ebenso wie in Deutschland, jährlich. Es gibt jedoch keine Verpflichtung zur Durchführung von Joint Audits. Gemeinschaftsprüfungen finden dort größtenteils im Bankenbereich durch eine Big 4 WPG und dem jeweiligen Banken-Prüfungsverband statt20. Des Weiteren sind Joint Audits auch in Indien und Dänemark üblich. Letztere haben die Joint Audit-Pflicht jedoch im Jahre 2005 wieder abgeschafft21. Daraufhin haben zwei Drittel der Unternehmen nur noch eine Prüfungsgesellschaft beauftragt22. In den USA und Großbritannien existierten Joint Audits vor dem Konzentrationsprozess des Berufsstandes.

Weitere Länder diskutieren aktuell über die Einführung von Joint Audits23.

Die im nächsten Kapitel aufgeführten Kosten und Nutzen von Joint Audits sind in erster Linie Erkenntnisse empirischer Untersuchungen aus Frankreich und Dänemark.

4. Kosten & Nutzen von Joint Audits

4.1 Ergebnisqualität

Ausgehend von DeAngelos These, dass bei Prüfungen von nur einer WPG die Qualität von Prüfungen durch große WPG („Big-4”) höher ist als durch die von kleineren WPG („Nicht-Big-4”)24, dürfte somit die Ergebnisqualität erwartungsgemäß bei Gemeinschaftsprüfungen durch zwei Big-4 WPG höher sein als bei einer Big-4 und einer Nicht- Big-4 oder durch zwei Nicht-Big-4 Gesellschaften25. Studien aus Frankreich kommen jedoch zu keinem einheitlichen Ergebnis. Marmousez untersuchte die Ergebnisqualität bei 177 in Frankreich an der Börse notierten Unternehmen hinsichtlich zweier Kriterien: „ Conservatism” und „ timeliness”, also die asymmetrische Erfassung von potenziellen Gewinnen und Verlusten26. Entgegen der anfangs aufgestellten Hypothese, dass die Ergebnisqualität bei zwei Big-4 WPG größer sein dürfte, zeigt sich jedoch das Gegenteil. Nämlich eine geringere Ergebnisqualität bei gleichzeitig weniger konservativer Bilanzierung27.

Marmousez geht davon aus, dass zwei Big-4 WPG weniger produktiv sind als bei anderen Konstellationen. Aufgrund vergleichbarer Methoden sowie Reputationsrisiken vertrauen beide gegenseitig auf ihr Urteil und haben geringere Anreize maximale Leistung zu erbringen28.

[...]


1 Vgl. Europäische Kommission (2010), S.3.

2 Vgl. Europäische Kommission (2010), S.18.

3 Vgl. Marten et al. (2007), S.503.

4 Vgl. Severus (2007), S.96.

5 Vgl. IDW PS (2006), S.1.

6 Vgl. Severus (2007), S.4.

7 Vgl. IDW (2006), S.2153.

8 Vgl. Severus (2007), S.90.

9 Vgl. Marten et al. (2007), S.504.

10 Vgl. IDW (2006), S.2154.

11 Vgl. IDW PS (2006), S.5ff.

12 Vgl. Marten et al. (2007), S.504.

13 Vgl. IDW (2006), S.2154.

14 Vgl. HGB (2010), § 318 Abs. 1, S.3.

15 Vgl. Marten et al. (2007), S.503.

16 Vgl. Severus (2007), S.97.

17 Vgl. Rufin (2005), S.8.

18 Vgl. Marmousez (2008), S.3.

19 Vgl. Vanstraelen (2000), S.438.

20 Vgl. Severus (2007), S.97.

21 Vgl. Francis et al. (2009), S.35.

22 Vgl. Berndt (2011), S.31.

23 Vgl. Rufin (2005), S.8.

24 Vgl. DeAngelo (1981), S. 197.

25 Vgl. Marmousez (2006), S.2.

26 Vgl. Basu (1997), S.4ff.

27 Vgl. Marmousez (2008), S.8.

28 Vgl. Marmousez (2006), S.15.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Kosten und Nutzen von Joint Audits
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Empirische Forschung im Bereich der Wirtschaftsprüfung
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V174768
ISBN (eBook)
9783640954285
ISBN (Buch)
9783640954155
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grünbuch, Wirtschaftsprüfung, Empirische Wirtschaftsprüfung, Joint Audit, Gemeinschaftsprüfung, Europäische Kommission, PS 208, BIG4, BIG-4, Non-Big4, Non-Big-4, Joint Audits, Greenbook, Lessons from the crissis, Audit policy, Empirie, Frankreich, France, Dänemark, Denmark
Arbeit zitieren
Andreas Haufert (Autor), 2011, Kosten und Nutzen von Joint Audits, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174768

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