Lautliche Erscheinungen im gesprochenen Spanisch


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

17 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kurzer Einblick in die Phonetik

3. Lautliche Erscheinungen im segmentalen Bereich
3.1. Methoden der lautlichen und silbischen Abschwächung
3.2. Überbrückungsphänomene
3.3. Eigene Unterbrechung mit nachfolgender Selbstkorrektur

4. Lautliche Merkmale im suprasegmentalen Bereich
4.1. Betonte Aussprache
4.2. Intonation

5. Paralinguistischer Bereich – Interjektionen

6. Zusammenfassung

1. Einleitung

Sprechen und Schreiben sind zwei grundverschiedene Prozesse, die unter völlig unterschiedlichen Produktionsbedingungen ablaufen. Daher weichen auch die jeweiligen Produkte deutlich voneinander ab: Spontan gesprochene Äußerungen und schriftlich Niedergelegtes unterscheiden sich eklatant in ihrer sprachlichen Form und insbesondere auch in ihrer grammatischen Struktur. Dennoch wird häufig so getan, als gäbe es eine einzige, universell gültige und verbindliche Grammatik […] - tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nur um eine Grammatik der Schriftsprache, die keinesfalls auch für mündliche Äußerungen absolute Verbindlichkeit beanspruchen darf. (http://www. deutschservice.de/felix/daf/ gesprochen.html)

Vielfach wird auch irrtümlich die Schriftsprache des Alltags, in unserem Falle also Zeitungs- und Kaufmannsspanisch, deren Kenntnis gewiß nützlich und erwünscht ist, in den Begriff der Umgangssprache mit hineinverflochten. Zu ihr ist aber nur die lebendige Sprache, das natürliche, ungezwungene Sprechen zu rechnen und unter ihren Ausdrucksmitteln sind nicht nur Vokabeln und Redensarten, also lexikologische und syntaktisch-stilistische Mittel zu verstehen, sondern auch solche, die in rein sinnfälliger Weise dazu dienen, die sprachliche Mitteilung deutlich und eindringlich zu gestalten, nämlich Tonfall, Geste und Mimik. (Beinhauer, V)

Diese beiden Zitate veranschaulichen sehr gut, warum der gesprochenen Sprache lange Zeit keine Beachtung geschenkt wurde. Es bestand nämlich die vorherrschende Meinung, dass es, wie es in dem ersten Zitat heißt, eben nur eine gültige Norm für eine Sprache geben kann. Es wird bei diesen Belegstellen aber auch deutlich darauf hingewiesen, dass Schrift- und Sprechsprache sich stark voneinander unterscheiden. Allgemein bekannt ist, dass die gesprochene Sprache natürlich schon viel länger existiert als die geschriebene, sprich, es wurde schon vor einer festgesetzten Norm kommuniziert, und das scheinbar ohne Probleme. Doch in der Vergangenheit wurde die Umgangssprache, die „natürliche spontane Rede der Konversation“ (Beinhauer, V), ganz im Gegensatz zu der Schriftsprache, nicht näher betrachtet und wurde auch nicht als ein belangreicher Bestandteil der Linguistik gesehen. Eine weitere Erklärung dafür findet sich in Michael Hallidays Buch Spoken and written language:

In a literate culture, we tend not to take the spoken language seriously. This is not surprising, since not only has writing taken over many oft he high prestige funcitons of language in our society, but also our highly valued texts are now all written ones (S.97)

Man konnte gegenwärtig allerdings besonders in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse an der gesprochenen Sprache erkennen, wodurch auch dem gesprochenen Spanisch in der Linguistik eine gewisse Beachtung zukam.

Der Unterschied zur geschriebenen Sprache ist, dass eine Unterhaltung, wie bereits erwähnt wurde, einen spontane Charakter hat. Sie beinhaltet Fehler, normalerweise sind die Sätze eher kurz gehalten und die Ausformulierung ist voll mit Verzögerungen und Pausen, um nur einige Beispiele zu nennen. Zudem kommt noch hinzu, dass die gesprochene Sprache sich nicht an eine vorgegebene Norm hält und jeder mehr oder weniger eine individuelle Form des Sprechens hat. Das Besondere der gesprochenen Sprache ist allerdings auch ihre Vielschichtigkeit, denn man kann diese auf unterschiedlichen Ebenen untersuchen, so zum Beispiel im Bereich der Phonetik, der Transkription, der Paralinguistik, oder auch im Bereich der Pragmalinguistik. Diese Arbeit wird sich nun mit den lautlichen Erscheinungen innerhalb des transkribierten Gesprächs [RB.37.B.1] (S.224 – 231) aus dem Korpus von Antonio Briz Corpus de conversaciones coloquiales auseinandersetzen und dessen Besonderheiten herausarbeiten, die eben bei der natürlichen, spontanen, ungezwungen Rede der Konversation auftauchen.

2. Kurzer Einblick in die Phonetik Die Lautlehre, die meist als Phonetik bezeichnet wird, wird in drei Bereiche geteilt, nämlich den segmentalen, den suprasegmentalen und den paralinguistischen Bereich. Im segmentalen Bereich finden sich die Phänomene der segmentalen Lautbildung ein, nämlich Phoneme und Allophone, Klassifizierung von Vokalen und Konsonanten, Minimalpaare und Überbrückungsphänomene, die sämtliche Arten an Pausen, lautlichen Dehnungen, Artikulationsschwächen und Wieder-holungen beinhalten (Koch/Oesterreicher, S.60). Für die Arbeit interessant sind natürlich vor allem die Merkmale der Pausen, der Lautdehnungen und der Artikulationsschwächen während einer Unterhaltung. Im suprasegmentalen Bereich beschäftigt man sich nicht nur mit einzelnen Segmenten, sondern mit ganzen, komplexeren Segmentketten, das heißt mit Silben, Worten und Sätzen (Navarro, S.17). In der suprasegmentalen Phonetik behandelt man aber auch die Erscheinungen wie Akzent, Lautstärke, Rhythmus und Intonation.[1] Im dritten Teilbereich, nämlich in der Paralinguistik, werden solche Phänomene untersucht, die nonverbale Äußerungen einer Kommunikation begleiten, nämlich Gestik, Mimik, Interjektionen, Lautstärke, und besondere Formen der Artikulation und Phonation, so zum Beispiel Flüstern, Lachen oder Hauchen. Des Weiteren umfasst dieses Gebiet Sprachintensität und Stimmlage (Bußmann, S. 557).

3. Lautliche Erscheinungen im segmentalen Bereich 3.1. Methoden der lautlichen und silbischen Abschwächung Bei einer Äußerung der Person A heißt es: 'y yo digo/ pos claro digo si ya entonces nos costó → y empezó el hombre a mirarlo →/ dice roto no está / lo único que tiene es quee / el engarci ese de en medio↑ ' (RB.37.B.1, 85-88).[2] Bei engarci handelt sich um eine Abschwächung des halbgeschlossenen /e/ in engarce, welches zu dem geschlossenen Vokal /i/ in der gesprochenen Sprache wird. Diese zwei Vokale entstehen im vorderen Mundraum, der Unterschied liegt in der jeweiligen Öffnung des Mundes bei der Realisierung des entsprechenden Vokales. Bei der schnellen Ausführung während des Sprechens wird der e-Laut jedoch mit dem i-Laut ersetzt, da dieser einfacher zu realisieren ist. In diesem Satz der Person A kann man aber zusätzlich eine weitere vokalische Abschwächung feststellen: 'y yo digo/ pos claro digo si ya entonces nos costó → y empezó el hombre a mirarlo →/' (85 – 87). So wird der Diphthong in pues in der schnellen Rede einfach durch den Monophthong /o/ ersetzt, da dieser natürlich eine gewisse Erleichterung der Aussprache mit sich bringt. Was in dem behandelten Gespräch auffällt, ist, dass jedoch in den meisten Fällen pues dem Standard entsprechend ausgesprochen wird: ' pues dijo que era un reloj buenísimo' (143) oder auch bei 'yo digo pues estoha debido ser → /' (219). In Verbindung mit claro realisiert Sprecher A pues jedoch immer mit pos , was man an dem obigen Beispiel sehen kann, aber zusätlich an diesem hier: '[((pos claro))]' (167/168) Es gibt allerdings nicht nur bei Vokalen eine Abschwächung in der gesprochenen Sprache, sondern natürlich auch bei Konsonanten, was deutlich häufiger im español hablada vorkommt. Bei Navarro heißt es: „Uno de los más frecuentes es, obviamente, el de debilitación de -d- intervocálica, tanto de la que aparece en los participios en -ado/-ido “ (S.37). Man stellt fest, dass vor allem die Konsonanten, die von Vokalen umschlossen sind, sogenannte intervokalische Konsonanten, in der gesprochenen Sprache anfällig dafür sind, dass ihre Aussprache geschwächt wird, oder sie durch diese Lautreduktion teilweise ganz entfallen können (Koch/Oesterreicher, S.122). Selbstverständlich gibt es für dieses Phänomen einige exemplarische Textstellen, vor allem bei den Partizipien: 'y si noo ↑ Pepita ↑ cuando lo tengas arreglao llévaloo' (196) oder 'que si me lo había encontrao en la basura ↑' (216). Etwas seltener findet man in der Unterhaltung den Entfall des intervokalischen /d/ bei –ido: 'digo hay que ver e – y yo no he tenío nunca relojes ASI' (272). Doch der Entfall des intervokalischen /d/ kann jedoch nicht nur bei Partizipien vorkommen, sondern hauptsächlich dann, wenn das /d/ eben von zwei Vokalen umgeben ist. Folglich wird cuñado zu cunao: 'y luego ↑ vimos a mi cuñao y a mi cuñá↑' (57). Navarro spricht hier von einem analogischen Prozess, bei dem alle Endungen mit –ado zu –ao angeglichen werden (S.38) Wie man an den oben aufgezeigten Beispielen gesehen hat, bezieht sich die Schwächung nur auf einzelne Laute. Doch im español hablado gibt es nun auch eine Abschwächung bei Silben, überwiegend bei finalen Silben: 'y mi cuñá - mi cuñao → ‘ ¿QUÉ vale poco verdá ?' (96/97). In diesem Satz wird deutlich, dass das intervokalische /d/ ausgelassen wird, und somit gleich die ganze Silbe wegfällt. Dementsprechend heißt es dann nicht mehr cuñada, sondern cuñá. Ein weiteres Beispiel hier für ist folgender Äußerung: ‚parece que to (do) nos venga rodando‘ (38/39), oder auch ‚ doscientos pesetasserán ↓ dice oigadice doscientos MIL pesetas le voy a dar yoSIN ponerle la saetay sin na (da)‘ (114/115). Die letzten Silben werden beim Sprechakt einfach eingespart und das Wort wird dadurch um eine ganze Silbe verkürzt. Bei Navarro heißt es, dass diese Silbenschwächung auch durch den Prozess der Apokope erklären kann (S.42), das heißt, am Ende des Wortes entfallen ein oder mehrere Sprachlaute (Bußmann, S.90) Aber es gibt noch eine weitere Form der Silbenschwächung, welche auch in dem Gespräch zu finden ist:

Este procedimiento es relativamente frecuente y puede ir acompañado de contracción, motivada por fonética sintáctica (sandhi).[3] […] A tal efecto recurre a elementos como la contracción de vocales final e inicial […] En tales procesos de contracción se ven afectadas, por lo demás diversas clases de palabras átonas, ya sean preposiciones […] (S.40).

[...]


[1] Es ist jedoch äußerst schwierig, beispielsweise Phänomene der Rhythmik in einer Unterhaltung so zu transkribieren, dass diese genau wiedergegeben werden könnte, wie dies tatsächlich stattgefunden hat, und somit zufriedenstellende Untersuchungen gemacht werden könnten.

[2] In den kommenden Ausführungen werde ich nur noch die entsprechenden Zeilenzahlen des Gesprächs angeben.

[3] Als Sandhi bezeichnet man das Aufeinandertreffen zweier Wörter und deren daraus resultierende phonologische Veränderung. Bei den Beispielen hier spricht man vom externen Sandhi, das heißt, der Vorgang passiert zwischen zwei aufeinanderfolgende Wörter (Bußmann, S.656)

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Details

Titel
Lautliche Erscheinungen im gesprochenen Spanisch
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Romanistik)
Veranstaltung
Gesprochenes Spanisch
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V175260
ISBN (eBook)
9783640961528
ISBN (Buch)
9783640961580
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesprochenes Spanisch, Spanisch, Lautliche Erscheinungen, Sprachwissenschaft, Interjektionen, Betonung, Phonetik, Intonation, Überbrückungsphänomene
Arbeit zitieren
Anna-Lena Storch (Autor), 2008, Lautliche Erscheinungen im gesprochenen Spanisch , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175260

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