[...] Die vorliegende Hausarbeit stellt sich genau dieser Herausforderung und wurde hierbei von
folgenden Schwierigkeiten inspiriert, welche sich in meiner nur kurzen Berufserfahrung
bereits unentwegt ergaben:
Wie kann ich den verschieden stark ausgeprägten und unterschiedlich verteilten
Begabungen meiner Schüler gerecht werden? Gibt es befriedigende Alternativen zur zur
Unterteilung meiner Arbeitsbögen in leichte und schwierige Aufgaben, der Versorgung mit
viel und wenig Hilfestellung oder der Bereitstellung vieler, einiger oder gar keiner Beispiele?
Wie kann ich den sprachlich weniger begabten Schülern zu Erfolgserlebnissen verhelfen?
Wie kann ich die sich unweigerliche ergebende Aufteilung der Klasse und "Gute" und
"Schlechte" abmildern? Ich erhoffe mir, indem ich den Pfad der konventionellen Differenzierung verlasse und mich
an einem nach den multiplen Intelligenzen ausgerichteten Unterricht versuche, Antworten
auf diese Fragen zu finden. Abzugrenzen ist die durchzuführende Einheit vom Begriff des
mehrdimensionalen Lernen, der die Einbeziehung verschiedener Sinne beinhaltet. Es soll
hier nicht um eine Verbesserung der Motivation und Lernerfolge durch abwechslungsreiche
Benutzung verschiedener Lernkanäle gehen11, sondern sollen auf die Begabungen der
einzelnen Schüler zugeschnittenen Aufgabentypen auf ihre Tauglichkeit zur
Motivationssteigerung und Differenzierung untersucht werden.
Konkret bedeutet dies, dass die Schüler zunächst einen Einstufungsfragebogen ausfüllen,
anhand dessen ich sie einem Intelligenz-Typ zuordnen kann. Dann werde ich mithilfe einer
Short Story einen gemeinsamen thematischen Rahmen aufspannen und die Schüler nach
der Lektüre und einer kurzen Leseverständniseinheit in ihren Intelligenzgruppen an auf sie
zugeschnittenen Aufgaben bearbeiten lassen. Abgeschlossen wird die Unterrichtseinheit
mit Kurzpräsentationen der einzelnen Gruppen und einer Feedback-Stunde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Modulbezug
1.3 Bezug zu den Ausbildungsstandards
1.4 Leitfragen
1.5 Lehrplanbezug
1.6 Bezug zu den Bildungsstandards
2 Unterrichtspraxis
2.1 Die Klasse und ihre Lernvorraussetzungen
2.2 Skizzierung der Unterrichtseinheit
2.3 Methodisch-didaktische Überlegungen
2.3.1 Multiple Intelligenzen
2.3.2 Thematischer Rahmen: Short Story
2.4 Ausgewählte Aspekte des Unterrichtsgeschehens
2.4.1 Darstellung und Reflexion: Einführung in die Einheit "What are you good at?"
2.4.2 Darstellung und Reflexion: Die Arbeit in den Gruppen (Stunde I)
3 Evaluation
3.1 Verfahren
3.2 Auswertung
3.2.1 Ergebnisse der Gruppenarbeit
3.2.2 Auswertung der Zielscheiben
3.3 Beantwortung der Leitfragen
4 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Theorie der multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner als Alternative zur herkömmlichen Differenzierung nach Schwierigkeitsgrad im Englischunterricht der Sekundarstufe I dienen kann, um die Lernmotivation und den Lernerfolg in einer heterogenen Klasse zu steigern.
- Anwendung der Theorie der multiplen Intelligenzen in der Lektürearbeit
- Individuelle Förderung in heterogenen Lerngruppen
- Überwindung der Differenzierung nach Schwierigkeitsgrad
- Steigerung der Lernmotivation durch stärkenorientierte Aufgaben
- Evaluation von Unterrichtsprozessen mittels Zielscheiben-Methode
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Die in dem Cartoon angedeutete Problematik lässt sich vorzüglich auf die durch heterogene Lerngruppen entstehenden Herausforderungen übertragen. So steht der Verschiedenartigkeit der Lernenden der beständige Wille der Lehrenden nach gleichen und somit vermeintlich gerechten Anforderungen gegenüber. Bleibt man bei der Abbildung, ist schnell zu erkennen, dass die gestellte Aufgabe nur dem Affen gut gelingen wird und somit auch nur er eine gute Leistung erzielen kann. Auf Schule bezogen lässt sich hier eine weitere Analogie ziehen: So wird auch dort nur ein begrenztes Spektrum an Fähigkeiten angestrebt und zur Bewertung herangezogen. Es handelt sich hierbei mehrheitlich um die Leistungen, zu deren Bewältigung man im Allgemeinen über ein Mindestmaß an Intelligenz verfügen muss. Ähnlich wie der Affe können auch hier nur diejenigen Schülerinnen und Schüler Erfolge erzielen, deren Begabungen mit dem Intelligenzkonzept der Lehrenden und Prüfenden übereinstimmt. Welche Qualifikation beinhaltet also dieser allgegenwärtige Begriff 'Intelligenz'?
Neben der Untersuchung von Schulaufgaben oder Klassenarbeiten bietet sich zur Beantwortung dieser Frage auch eine genauere Betrachtung der gängigen Intelligenztests an: So werden im Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE) oder im Intelligenz-Struktur-Test (IST) primär sprachliche, logisch-mathematische und räumliche Fähigkeiten abgefragt, die Ergebnisse in Punkteskalen umgerechnet, woraus man schließlich einen schließlich einen Wert erhält, der die Testpersonen beispielsweise für hochbegabt, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich intelligent erklärt. Es sind daher diese drei Bereiche, welche in unserer Kultur den Begriff Intelligenz mit Inhalt versehen und als maßgebliche Bewertungskriterien in Schule, Studium und Beruf bezeichnet werden können. Um gut in der Schule, viel versprechend an der Universität und erfolgreich im Beruf sein zu können, muss man sich daher entweder als sprachlich herausragend, als räumlich oder logisch begabt erweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik heterogener Lerngruppen ein und begründet die Relevanz der multiplen Intelligenzen als alternative Differenzierungsform.
2 Unterrichtspraxis: Dieses Kapitel erläutert die Lerngruppe, skizziert die zehntätige Unterrichtseinheit und stellt die methodisch-didaktischen Entscheidungen inklusive der verschiedenen MI-Aufgabentypen dar.
3 Evaluation: Hier werden das Evaluationsverfahren sowie die Ergebnisse der Gruppenarbeit und der schülerzentrierten Zielscheiben-Abfragen analysiert und die zentralen Leitfragen beantwortet.
4 Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Fazit bewertet den Ansatz der multiplen Intelligenzen kritisch, benennt Herausforderungen bei der Materialerstellung und plädiert für eine stärkere kollegiale Zusammenarbeit.
Schlüsselwörter
Multiple Intelligenzen, Individuelle Förderung, Differenzierung, Heterogene Lerngruppen, Englischunterricht, Lernmotivation, Howard Gardner, Unterrichtspraxis, Evaluation, Zielscheiben-Methode, Schüleraktivierung, Leistungsniveau, Begabung, Lektürearbeit, Kurzgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der praktischen Anwendung der Theorie der multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner, um eine alternative Differenzierungsmöglichkeit im Englischunterricht der 6. Klasse zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die individuelle Förderung in heterogenen Klassen, die Abkehr von rein schwierigkeitsbasierten Aufgaben sowie die methodische Gestaltung von Lektürearbeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel ist die Steigerung der Lernmotivation und die Verbesserung der individuellen Erfolgserlebnisse der Schüler durch Aufgaben, die an ihre spezifischen Stärken (Intelligenzprofile) angepasst sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Aktionsforschung: Sie plant eine Unterrichtseinheit, führt diese durch, evaluiert den Erfolg mittels Beobachtung, Arbeitsbögen und anonymen Schüler-Zielscheiben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Skizzierung der Unterrichtseinheit, der Erstellung von Aufgaben für unterschiedliche Intelligenzgruppen sowie der detaillierten Reflexion über das Arbeitsverhalten der Schüler.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Begriffe Multiple Intelligenzen, individuelle Förderung, Leistungsdifferenzierung und Aktionsforschung beschreiben den Kern der Untersuchung am präzisesten.
Wie reagierten die Schüler auf die Einteilung nach Intelligenz-Typen?
Die Schüler zeigten sich überwiegend positiv gegenüber der Idee, ihre Talente zu berücksichtigen, und hatten das Gefühl, in den entsprechenden Gruppen die Aufgaben besser bewältigen zu können als im herkömmlichen Unterricht.
Welche Schwierigkeiten traten bei der Umsetzung auf?
Die Autorin stellt fest, dass das verfügbare Lehrmaterial für diesen Ansatz unzureichend ist und der Aufwand für die selbst erstellten Materialien sehr hoch war; zudem war die Bewertung der vielfältigen Arbeitsergebnisse eine didaktische Herausforderung.
- Arbeit zitieren
- Hanna Heller (Autor:in), 2010, Die Theorie der multiplen Intelligenzen in der Lektürearbeit als Alternative zur Differenzierung nach Schwierigkeitsgrad, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175582