Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Polis als Ziel der einzelnen Gemeinschaften
3. Der Sklave in der Polis
3.1 Aristoteles‘ Rechtfertigung der Sklaverei
3.2 Kann ein Sklave frei sein?
4. Anwendung von Aristoteles‘ Sklavenbegriff auf die heutige Zeit
4.1 Exkurs: Sind kolumbianische Hausmädchen (empleadas) moderne Sklaven?
4.2 Exkurs: Sklaven im afrikanischen Land Elfenbeinküste
5. Nachwort
6. Quellenangabe
7. Versicherung der eigenständigen Leistung
1.Vorwort
Seitdem es Menschen gibt, seitdem gibt es auch das Bedürfnis der Menschen Herrschafts- oder Machtverhältnisse in Form von Sklaverei zu schaffen.
Die vorliegende Arbeit soll den Sklavenbegriff bei Aristoteles näher beleuchten und die Position des Philosophen stark machen um in einem nächsten Schritt zu prüfen, inwiefern Sklaverei befürwortet werden kann. Zunächst gilt es, den Sklaven auch als Einzelperson, vor allem aber in der Interaktion mit den Menschen in seiner direkten Umgebung zu betrachten. Dabei soll das Augenmerk zuallererst auf die Gemeinschaft, genannt Polis, und ihre einzelnen Bestandteile gerichtet werden, auf die der Sklave Einfluss hat. Interessant für die Fragestellung der Arbeit ist der gesellschaftliche Stand, den ein Sklave in der Polis einnimmt. In Verbindung damit sollen Möglichkeiten bzw. Einschränkungen im seinem Leben erörtert und der Freiheitsbegriff geklärt werden. Kann ein Sklave nur als Unfreier bezeichnet werden, der seinem Herrn gehorchen muss oder fällt ihm eine wichtigere Aufgabe im Zusammenleben der Gemeinschaft zu? Die Untersuchung des „Herrenwesen“, also die Herrschaft zwischen dem Sklaven und dem Herrn, ermöglicht die Beurteilungen von etwaiger Gegenseitigkeit und potenziellem Handlungsspielraum als Indizien für eine mögliche Freiheit. Vor der Betrachtung der drei Herrschaftsformen ist es allerdings sinnvoll sich die Polis in ihrem Aufbau und ihren wechselseitigen Beziehungen anzuschauen, und den Sklaven anschließend dort einzuordnen. Aristoteles‘ Rechtfertigung der Sklaverei soll die Basis für eine tiefere Auseinandersetzung mit der Thematik sein und sich der Beantwortung der Frage nähern, ob ein Sklave frei sein kann. Im Anschluss erfolgt die Anwendung des aristotelischen Sklavenbegriffs auf die heutige Zeit. Dabei soll ein Vergleich des antiken mit dem modernen Verständnis anhand zwei aktueller Beispiele erfolgen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Polis als Ziel der einzelnen Gemeinschaften
3. Der Sklave in der Polis
3.1 Aristoteles‘ Rechtfertigung der Sklaverei
3.2 Kann ein Sklave frei sein?
4. Anwendung von Aristoteles‘ Sklavenbegriff auf die heutige Zeit
4.1 Exkurs: Sind kolumbianische Hausmädchen (empleadas) moderne Sklaven?
4.2 Exkurs: Sklaven im afrikanischen Land Elfenbeinküste
5. Nachwort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Sklavenbegriff bei Aristoteles im Kontext der antiken Polis, um zu prüfen, inwieweit Sklaverei philosophisch gerechtfertigt wurde und welche Rolle der Sklave in der sozialen Hierarchie einnahm. Zudem wird kritisch hinterfragt, ob sich das antike Verständnis von Sklaverei und die damit verbundene soziale Abhängigkeit auf moderne Phänomene der Ausbeutung übertragen lassen.
- Analyse des Sklavenbegriffs und der Rechtfertigung der Sklaverei bei Aristoteles.
- Untersuchung der sozialen Stellung und Handlungsspielräume von Sklaven in der Polis.
- Klärung des Freiheitsbegriffs und der Abhängigkeit zwischen Herr und Sklave.
- Kritische Anwendung des aristotelischen Sklavenbegriffs auf moderne Beispiele der Arbeitsausbeutung (Haushaltshilfen in Kolumbien und Kindersklaven in Afrika).
- Gegenüberstellung von antiken und heutigen Beweggründen für unfreie Arbeitsverhältnisse.
Auszug aus dem Buch
3. Der Sklave in der Polis
Denkt man an die Erscheinung eines Sklaven, so verbinden viele damit Eigenschaften wie unfrei, schlecht behandelt oder rechtlos.
Bei der Beschäftigung mit Aristoteles sollte man den Sklaven allerdings im damaligen Kontext seiner Philosophie betrachten. Hat man die Existenz der Polis als eine wichtige Voraussetzung auf dem Weg zur Glückseligkeit der Bürger im Hinterkopf, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass man dem Sklaven einen besonderen Stellenwert zugesteht, da dieser einen Beitrag zur Entstehung der Polis leistet. Will ein Bürger der Glückseligkeit näher kommen, ist ein Sklave ein notwendiges „Werkzeug“ dazu.
Das Verhältnis zwischen dem Sklaven und seinem Herrn vergleicht Aristoteles an einer Stelle mit der Seele: „Denn die Seele übt über den Körper eine Herrenherrschaft aus, die Verstandeseinsicht aber über das Streben eine staatsmännische und königliche. Dabei ergibt sich offenbar, daß es naturgemäß und zuträglich ist, daß der Körper von der Seele beherrscht wird, und ebenso, daß der affektive Seelenteil von der Verstandeseinsicht […] beherrscht wird.13“
Der Sklave nimmt hierbei die Rolle des affektiven Seelenteils ein, welcher der Verstandeseinsicht und der Vernunft des Herrn unterlegen ist. Nun könnte man Mitleid mit dem Sklaven haben und dem Bürger Egoismus unterstellen, denn ein Sklave ist unfrei, hat keine Rechte und wird nur als Mittel zum Zweck benutzt. Dieses Mitleid ist jedoch dann unbegründet, wenn der Sklave naturgemäß ein Sklave ist. Der natürliche Sklave ist von Geburt an mit Eigenschaften ausgestattet, die einen Sklaven ausmachen. Er ist körperlich so gebaut, dass er schwere Arbeiten verrichten kann und hat zusätzlich die Gabe sich beherrschen zu lassen.14 Dabei ist es notwendig, dass er Anweisungen von seinem Herren erhält, welcher sich der Vernunft bedienen und über jemanden herrschen kann. Ein Sklave von Natur ist daher jener, „der nur soweit Anteil an der Vernunft hat, als er sie wahrnimmt, ohne aber über sie zu verfügen.“15 Charakteristisch für ihn ist also ein Mangel an der Gebrauchskompetenz der Vernunft oder ein Fehlen an vorausschauendem Verstand. Ohne diese Vernunft kann ein Mensch seine politische Natur, zu deren Realisierung er als politisches Wesen (zoon politicon) strebt, nicht verwirklichen.16 Ein natürlicher Sklave im aristotelischen Sinne könnte also, selbst wenn man ihm Freiheit zugestehen würde, mit dieser nichts anfangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Arbeit erläutert das Ziel, den aristotelischen Sklavenbegriff zu beleuchten, die gesellschaftliche Stellung des Sklaven in der Polis zu analysieren und einen Bogen zur modernen Ausbeutung zu spannen.
2. Die Polis als Ziel der einzelnen Gemeinschaften: Aristoteles beschreibt die Entstehung der Polis als natürlichen Prozess, bei dem Herrschaftsverhältnisse im Haus notwendig sind, um das Überleben zu sichern und den Bürgern ein glückliches Leben zu ermöglichen.
3. Der Sklave in der Polis: Dieses Kapitel erörtert die Rolle des Sklaven als "Werkzeug" und affektiver Seelenteil, dessen Unfreiheit durch einen Mangel an Vernunft legitimiert wird.
3.1 Aristoteles‘ Rechtfertigung der Sklaverei: Es wird dargelegt, dass Aristoteles die Sklaverei durch die natürliche Bestimmung des Sklaven rechtfertigt, der für das Ausführen von Befehlen und die physische Arbeit geschaffen ist.
3.2 Kann ein Sklave frei sein?: Die Untersuchung zeigt, dass nach Aristoteles für den Sklaven keine Freiheit vorgesehen ist, während stoische Ansätze Freiheit im moralischen oder geistigen Sinne diskutieren.
4. Anwendung von Aristoteles‘ Sklavenbegriff auf die heutige Zeit: Der Autor hinterfragt, ob aristotelische Kategorien zur Analyse moderner Ausbeutung beitragen können.
4.1 Exkurs: Sind kolumbianische Hausmädchen (empleadas) moderne Sklaven?: Anhand eigener Praktikumserfahrungen wird der Status von Haushaltshilfen in Kolumbien im Kontext von Abhängigkeit und sozialer Ungleichheit beleuchtet.
4.2 Exkurs: Sklaven im afrikanischen Land Elfenbeinküste: Das Beispiel der Kindersklaven auf Kakaoplantagen dient als Kontrast, um die fortdauernde Aktualität unfreier Arbeit zu verdeutlichen.
5. Nachwort: Das Fazit fasst zusammen, dass Aristoteles‘ Positionen durch ihre Zeitgebundenheit heute kaum haltbar sind, aber die Untersuchung der Abhängigkeitsstrukturen weiterhin von Bedeutung ist.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Politika, Sklaverei, Polis, Sklavenbegriff, Freiheit, Eudaimonia, Natürliche Sklaven, Herrschaftsverhältnis, Ausbeutung, Hausgemeinschaft, Soziale Abhängigkeit, Vernunftdefizit, Ethik, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Aristoteles das Phänomen der Sklaverei in seinem Werk "Politik" begründet, und stellt diesen antiken Sklavenbegriff der heutigen Realität von Arbeitsausbeutung gegenüber.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Rechtfertigung der natürlichen Sklaverei, dem Aufbau der antiken Polis, der Rolle des Sklaven als "lebendiges Werkzeug" und der kritischen Reflexion über moderne, unfreie Arbeitsverhältnisse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Sklavenbegriff bei Aristoteles tiefergehend zu beleuchten und zu prüfen, inwiefern seine Argumente zur Rechtfertigung der Sklaverei standhalten und ob sie auf heutige soziale Phänomene übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine analytische Herangehensweise an, die den Textbestand der aristotelischen "Politik" im historischen Kontext interpretiert und durch aktuelle Beispiele aus der modernen Gesellschaft in einen neuen Bezugsrahmen stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der Polis, der Rechtfertigung der Sklaverei durch das Fehlen von Vernunft beim Sklaven, dem Verhältnis zum Herrn und der Anwendung dieser Erkenntnisse auf moderne Hausangestellte und Kindersklaven.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen zählen Aristoteles, Sklaverei, Polis, Freiheit, soziale Abhängigkeit und Ausbeutung.
Wie bewertet die Autorin die aristotelische Sichtweise auf Sklaverei?
Sie kommt zu dem Schluss, dass Aristoteles' Argumentation stark von den Traditionen und gesellschaftlichen Gegebenheiten seiner Zeit geprägt ist und an Überzeugungskraft verliert, da er selbst einräumt, dass die Sklaverei dem Herrn meist mehr nützt als dem Sklaven.
Was unterscheidet moderne Haushaltshilfen in Kolumbien grundlegend von antiken Sklaven?
Der Autorin zufolge sind moderne Haushaltshilfen in der Regel Bürgerinnen mit Wahlrecht und theoretischer Freiheit, den Arbeitgeber zu wechseln, während die antike Sklaverei einen permanenten, rechtlosen Status darstellte.
Inwieweit lässt sich das Beispiel der Elfenbeinküste mit Aristoteles vergleichen?
Das Beispiel der Kindersklaven zeigt eine drastische Form der Abhängigkeit und Ausbeutung, die das Thema Sklaverei wieder hochaktuell macht, auch wenn Aristoteles den spezifischen Kontext von Kindersklavenarbeit nicht behandelte.
- Citar trabajo
- Gundi Doll (Autor), 2011, Der Sklave in Aristoteles 'Politika', Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176170