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Sozialistisches Schweigen im moralischen Morast

Seghers und Janka im Spannungsfeld politischer Ideologie und moralischer Verpflichtung

Title: Sozialistisches Schweigen  im moralischen Morast

Seminar Paper , 2010 , 35 Pages , Grade: 1

Autor:in: Anneliese Rieger (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ ist der Titel Walter Jankas verschriftlichter Memoiren aus der DDR –Zeit. Im Zentrum stehen der gegen ihn geführte Schauprozess, seine Gefangenschaft in Bautzen, vor allem aber seine Enttäuschung gegenüber seiner Schriftstellerkollegin Anna Seghers. Als Janka angeklagt wurde, widersprach sie nicht den gegen ihn angeführten, ungerechtfertigten Anschuldigungen, die Regierung stürzen zu wollen.
Dennoch blieb Janka bis zuletzt seinen Idealen, die ihn an den gelebten Sozialismus glauben ließen, treu.
Wahr ist, was dem sozialistischen Ideal entspricht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Philosophische Grundlegung zur marxistischen Parteipolitik der SU und der DDR

2. Die Anziehung des totalitären Systems und deren Machtmechanismen

2.1. „Die große Sehnsucht des freischwebenden Intellektuellen ist es, zur Masse zu gehören.“

2.2. Ketman und Murti-Bing

2.3. Der Geständniszwang in Schauprozessen und deren Parallelen zur Psychoanalyse

3. Die sozialistische Ideologie als moralisches Spannungsfeld

3.1. Die moralische Verpflichtung des Einzelnen gegenüber sich selbst und gegenüber dem Staat

3.2. Walter Janka und Anna Seghers moralische Positionierung

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das moralische Dilemma von Intellektuellen in totalitären Systemen am Beispiel von Walter Janka und Anna Seghers. Dabei wird analysiert, wie politische Ideologie und staatlicher Druck die moralische Autonomie des Einzelnen beeinflussen und welche Rolle dabei Konstrukte wie „Ketman“ oder der stalinistische Geständniszwang spielen.

  • Philosophische Grundlagen der marxistisch-leninistischen Parteipolitik
  • Machtmechanismen totalitärer Systeme und die Rolle der Intellektuellen
  • Der Geständniszwang als Instrument der politischen Unterdrückung
  • Moralische Konflikte zwischen individuellem Gewissen und staatlicher Loyalität
  • Fallanalyse: Walter Janka und Anna Seghers im stalinistischen Diskurs

Auszug aus dem Buch

2.3. Der Geständniszwang in Schauprozessen und deren Parallelen zur Psychoanalyse

Die geringste Abweichung von der Parteilinie musste folglich sanktioniert werden. Gängiges Mittel dafür waren Schauprozesse, wie jener gegen Walter Janka, welches sich als ein Gerichtsverfahren in autoritären oder totalitären Regierungssystemen versteht, die zum Zweck des politischen Demonstrationseffektes vor einer breiten oder ausgewählten Öffentlichkeit gehalten werden. Diese „Säuberungen“ dienen der Einschüchterung der Bevölkerung, Als Mittel des Terrors wird ein Schauprozess zur Beseitigung politisch missliebiger Personen oder um Sündenböcke für wirtschaftliche Schwierigkeiten zu finden, gebraucht. Charakteristisch für die Vorgangsweise sind weitgehende, oft durch Gehirnwäsche oder Folter erpresste Schuldbekenntnisse der Angeklagten.23

Wie bereits in Zeiten der Hexenverbrennungen, sind Schauprozesse als öffentliches zur Schau stellen eines Sündenbockes dienlich und waren Instrument zur Reinwaschung des eigenen Gewissens und der vermeintlichen Sicherstellung der Bewahrung der vorherrschenden Gesellschaftsverhältnisse.

„Repressalien waren diesem System, immanent; sie sind keineswegs etwa als „Betriebsunfälle“ zu verharmlosen. Die Ideologie des Stalinismus brauchte stets ein Feindbild, ständig mußten „Feinde“ aufgespürt und verfolgt werden. Einschüchterungen und Angst gehörten als elementare Methoden (neben materiellen Privilegien) zur Disziplinierung von Anhängern und Funktionären. Damit wuchs den politischen Säuberungen eine zentrale Bedeutung zu. Sie sollten das Parteisystem der SBZ/DDR verändern, vor allem aber die SED entsprechend den stalinistischen Vorstellungen zur Hegemonialpartei umformen.“24

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Schauprozess gegen Walter Janka und die daraus resultierende moralische Auseinandersetzung mit der Rolle von Anna Seghers in einem totalitären System.

1. Philosophische Grundlegung zur marxistischen Parteipolitik der SU und der DDR: Dieses Kapitel erläutert die marxistische Philosophie als Basis des stalinistischen Machtanspruchs und die darin inhärenten Paradoxien.

2. Die Anziehung des totalitären Systems und deren Machtmechanismen: Es wird analysiert, wie totalitäre Staaten durch Ideologie und Zwang die kognitive Gleichschaltung der Bürger und Intellektuellen sicherstellen.

2.1. „Die große Sehnsucht des freischwebenden Intellektuellen ist es, zur Masse zu gehören.“: Die Analyse von Samjatins Roman „Wir“ zeigt die visionäre Darstellung staatlicher Kontrolle und der Unterordnung des Einzelnen.

2.2. Ketman und Murti-Bing: Hier wird Milosz’ Konzept des Ketman eingeführt, welches beschreibt, wie Individuen ihre Überzeugungen hinter einer Maske verbergen, um in totalitären Strukturen zu überleben.

2.3. Der Geständniszwang in Schauprozessen und deren Parallelen zur Psychoanalyse: Das Kapitel untersucht Schauprozesse als Instrument des Terrors und zieht Parallelen zwischen politischer Schuldbekenntnis und psychoanalytischer Beichte.

3. Die sozialistische Ideologie als moralisches Spannungsfeld: Diese Sektion diskutiert das moralische Spannungsfeld zwischen individuellem Ethos und staatlichem Gehorsam.

3.1. Die moralische Verpflichtung des Einzelnen gegenüber sich selbst und gegenüber dem Staat: Es wird erörtert, inwieweit das Gewissen des Einzelnen gegenüber staatlichen Gesetzen eine vorrangige moralische Instanz bleibt.

3.2. Walter Janka und Anna Seghers moralische Positionierung: Abschließend werden die unterschiedlichen moralischen Haltungen von Janka und Seghers gegenüber der Partei und ihren ethischen Pflichten kontrastiert.

Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Inkompatibilität von transzendental begründeter Moralität mit einem totalitär organisierten kommunistischen Staat zusammen.

Schlüsselwörter

Stalinismus, DDR, Walter Janka, Anna Seghers, Marxismus, Totalitarismus, Schauprozess, Ketman, moralische Verpflichtung, Gewissen, Ideologie, Konformismus, Widerstand, Selbstkritik, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das moralische Handeln von Intellektuellen im Kontext der DDR-Diktatur, insbesondere anhand der unterschiedlichen Verhaltensweisen von Walter Janka und Anna Seghers während der stalinistischen Säuberungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Themen gehören die marxistische Philosophie als Machtinstrument, die Mechanismen staatlicher Einschüchterung sowie der Konflikt zwischen privatem Gewissen und politischer Loyalität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Ergründung des moralischen Dilemmas, in das der Einzelne durch totalitäre Systeme gerät, und die philosophische Bewertung der Entscheidung für oder gegen den Widerstand gegen staatliche Unrechtssysteme.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Vorgehensweise und bezieht philosophische sowie literarische Texte ein, um die Identitätskonflikte und moralischen Positionen der Akteure zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Fundierung, die Untersuchung totalitärer Machtstrukturen (inklusive psychologischer Instrumente wie dem Ketman) und eine detaillierte Gegenüberstellung der moralischen Positionierung von Janka und Seghers.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie totalitäre Machtmechanismen, moralisches Dilemma, stalinistischer Terror, Ketman, Konformismus und der kategorische Imperativ charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die moralische Position von Janka zu der von Seghers?

Janka wird als standhafter Charakter dargestellt, der seinem Gewissen auch unter Folter treu blieb, während Seghers als eine Autorin gezeichnet wird, die aus Loyalität zur Partei ihre moralische Verpflichtung gegenüber ihrem Freund verleugnete.

Warum zieht die Autorin Parallelen zwischen Schauprozessen und Psychoanalyse?

Die Autorin argumentiert, dass beide Institutionen erzwungene oder stimulierte Geständnisse nutzen, um eine vermeintliche „innere Wahrheit“ freizulegen, wobei das totalitäre System dies zur Einschüchterung der Bevölkerung instrumentalisiert.

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Details

Title
Sozialistisches Schweigen im moralischen Morast
Subtitle
Seghers und Janka im Spannungsfeld politischer Ideologie und moralischer Verpflichtung
College
University of Vienna
Grade
1
Author
Anneliese Rieger (Author)
Publication Year
2010
Pages
35
Catalog Number
V176336
ISBN (eBook)
9783640974429
ISBN (Book)
9783640974658
Language
German
Tags
sozialistisches schweigen morast seghers janka spannungsfeld ideologie verpflichtung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anneliese Rieger (Author), 2010, Sozialistisches Schweigen im moralischen Morast , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176336
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