Umgang mit Heterogenität. Ziele und Begründungen für individuelle Förderung


Essay, 2010
6 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Seminar Individuelle Förderung – WS 10 (Conrady, Barbara)

Umgang mit Heterogenität – Ziele und Begründungen für individuelle Förderung

Literaturangaben des ausgewählten Textes:

Graumann, Olga (2008): Förderung und Heterogenität: Die Perspektive der Schulpädagogik. In: Karl-Heinz Arnold, Olga Graumann und Anatoli Rakhkochkine (Hrsg.): Handbuch Förderung. Weinheim und Basel: Beltz.

Hinz, Renate (2009): Altersgemischtes Lernen. In: Renate Hinz und Renate Walthes (Hrsg.): Heterogenität in der Grundschule. Den pädagogischen Alltag erfolgreich bewältigen. Weinheim und Basel. Beltz.

Hinz, Renate (2009): Bildungspolitische Analyse. In: Renate Hinz und Renate Walthes (Hrsg.): Heterogenität in der Grundschule. Den pädagogischen Alltag erfolgreich bewältigen. Weinheim und Basel. Beltz.

1 Einleitung

An deutschen Schulen zeigt sich eine zunehmende Heterogenität. Im Folgenden wird untersucht, in wieweit ein Lernen in altersgemischten Gruppen auf die Heterogenität Einfluss nehmen kann.

Heterogenität kann auf verschiedene Weisen in Gruppen erzeugt werden: nicht nur Leistungsunterschiede oder Behinderungen spielen eine Rolle, sondern auch Multikulturalität, soziale Herkunft, Begabung, Interesse, Geschlecht, Krankheit oder Altersunterschiede.

Die Einteilung in Jahrgangsklassen hat an deutschen Schulen eine lange Tradition. In keinem anderen europäischen Land werden Kinder so spät in die Grundschule eingeschult wie in Deutschland.

Da ich meine Erfahrung bisher ausschließlich in Grundschulen gesammelt habe, werde ich im Folgenden meine Betrachtungen auf die Grundschule beziehen.

2 Was ist Heterogenität?

Um die genaue Bedeutung von altersgemischten Lernen als Heterogenität einschätzen zu können, muss eine genaue Begriffsdefinition vorgenommen werden. So wird deutlich, was unter dem Begriff Heterogenität verstanden wird.

2.1 Begriffsdefinition „Heterogenität“

Der Wortstamm von „Heterogenität“ ist das griechische Wort „heteros“, was im Deutschen mit der „Andere“ zu übersetzen ist. Das Gegenteil von „Heterogen“ ist „Homogen“, es bedeutet „gleichartig“.

Mit Blick auf die Schule geht es bei „Heterogenität“ um die Frage nach den unterschiedlichen Voraussetzungen (dem Alter der Schülerinnen und Schüler, den Kenntnissen, Fähigkeiten oder der Motivation). Unterrichtet werden sie jedoch gemeinsam in einem Klassenverband. In Deutschland werden die Schülerinnen und Schüler in Altersklassen und Leistungen eingeteilt. Durch eine äußere Differenzierung werden sie in Schulformen eingeteilt, wie dem Gymnasium, der Real-, Gesamt- oder Hauptschule. Diese Leistungseinteilung wird nach dem Kriterium des Alters in Jahrgangsstufen wiederum unterteilt. So wird versucht, ein homogenes Lern- und Leistungsniveau innerhalb der Klassen zu schaffen.

2.2 Begriffsdefinition „Lernen in altersgemischten Gruppen“

„Lernen in altersgemischten Gruppen“ bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler unterschiedlichem Alter gemeinsam unterrichtet werden. Es werden die Klassengrenzen aufgehoben, sodass Kinder aus verschiedenen Altersklassen zusammen lernen. Es gibt verschiedene Ansätze, wie dies in Grundschulen umgesetzt wird. Häufig wird die Frage der Stichtagsregelung innerhalb der Umstrukturierung integriert: die Einschulung von Kindern ist nicht mehr von ihrem Geburtsdatum abhängig, sonder kann auf Wunsch der Eltern bereits mit fünf Jahren erfolgen.

In vielen Bundesländern wurde eine individuelle Verweildauer innerhalb der gemischten Gruppen eingeführt. Ihr Ziel ist es, die zweijährige Eingangsstufe flexibler und demnach individueller anzupassen. Bei leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern kann die Schulbesuchszeit verkürzt werden, leistungsschwächere vermeiden eine Klassenwiederholung.

2.3 Bedeutung/Verständnis von Heterogenität in der Schule

Die Kultusministerkonferenz nahm 2004 Stellung zur Wachsenden Heterogenität an Deutschen Schulen: im Schwerpunkt „Differenzierung, Integration und Förderung. Heterogenität und Vielfalt als Bedingung von Schule und Unterricht“ wird den Lehrern folgende Kompetenz zugesprochen: „Lehrer kennen die sozialen und kulturellen Lebensbedingungen von Schülern und nehmen im Rahmen der Schule Einfluss auf deren individuelle Entwicklung“. Zudem „diagnostizieren [Lehrer] Lernvoraussetzungen und Lernprozesse von Schülern; sie fördern Schüler gezielt und beraten Lernende und deren Eltern.“

3 Heterogenität in der Schule – Lernen in altersgemischten Klassen

Bisher gelten in unseren Schulen fast ausschließlich Alter und Leistung als Kriterien zur Einteilung von Jahrgangsklassen, Versetzungen sowie Zuweisung zu Lerngruppen. Doch das es homogene Lerngruppen in Schulen gibt, ist eine Utopie. Auf die unterschiedlichen Lernleistungen, -motivationen sowie –typen muss die Schule eingehen. Eine Art des Aufbrechens der Homogenitätsversuche an Schulen sind die altersgemischte Klassen. Im Folgenden sollen die Vor- und Nachteile dieser Option erörtert werden. Die Aussagen basieren auf empirischen Befunden, die auf internationaler und nationaler Ebene erhoben wurden (Vgl. Hinz 2004, S. 137ff.).

Natürlich lassen sich die Chancen und Schwierigkeiten von „Lernen in altersgemischten Gruppen“ nicht vollständig und klar voneinander trennen. Dennoch versuche ich, das Für und Wider gegeneinander abzuwägen, um zu einem Resümee zu kommen.

3.1 Gefahren von „Lernen in altersgemischten Gruppen“

Eine große Hoffnung bei jahrgangsgemischten Lernen ist, dass die Kinder besser werden. Empirische Beobachtungen zeigen aber, dass keine leistungssteigernde Wirkung erkennbar ist. Kognitiv haben altersgemischte Gruppen so gut wie keine Vorteile, aber auch keine Nachteile.

In der Berliner Modellschule zur „Einführung einer verlässlichen Halbtagsschule“ wurde untersucht, wie die Interaktion der Kinder auf sachlichem Austausch über eine Aufgabenstellung und die Unterstützung bei Bearbeitungen dieser abläuft. Es zeigte sich, dass leistungsschwächere Jungen Hilfe bei jüngeren Kindern suchen, jedoch selten selber Hilfestellungen geben. Leistungsschwächere Mädchen nehmen gegenüber jüngeren Kindern eine Helferrolle ein und gewinnen dadurch Selbstbestätigung. Leistungsstarke Jungen orientieren sich an gleichaltrigen leistungsstarken Kindern, wogegen leistungsstarke Mädchen engagiert im Unterricht mitarbeiten und ihren Mitschülern helfen.

Es besteht die Gefahr, dass sich leistungsstarke Kinder zusammen finden, ohne Hilfestellungen ihren Klassenkameraden zu geben. Meiner Meinung nach kann es so zu einer Entmutigung bei den leistungsschwächeren Kindern kommen. Dies zeigt sich in diversen Beispielen aus der Praxis, die belegen, dass die Lernmotivation bei Kindern nachlässt, die 3 Jahre anstatt der geplanten 2 Jahren in der Schuleingangsphase bleiben müssen. Hier ist meinem Verständnis nach die Lehrkraft gefordert, die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler wieder aufzubauen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Für den Unterricht bedeutet dies, dass er hinreichend differenziert angelegt sein muss. „Negative Auswirkungen stellen sich vor allem dann ein, wenn leistungsschwache und sozial belastete Kinder zu homogenen Gruppen am „unteren Ende“ zusammengefasst werden“ (Hinz 2004, S. 29). Auch hier kommt dem Lehrkörper eine tragende Rolle zu.

Empirische Evaluationen zeigen uns, dass ältere Kinder, die eigenverantwortlich lernen, Vorteile gegenüber jüngeren Schülerinnen und Schülern haben. Auch hier muss meiner Meinung nach der Lehrer eingreifen, um den Kindern selbstständiges Lernen zu erleichtern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Umgang mit Heterogenität. Ziele und Begründungen für individuelle Förderung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V176344
ISBN (eBook)
9783640974450
ISBN (Buch)
9783656883647
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Individuelle Förderung;, Heterogenität;
Arbeit zitieren
Barbara Conrady (Autor), 2010, Umgang mit Heterogenität. Ziele und Begründungen für individuelle Förderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176344

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