Ein Hauptanliegen der Autoren Horkheimer und Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ war nicht weniger als die Tatsache zu erklären, „warum die Menschheit, anstatt in einen menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“. Das heißt nicht, dass Aufklärung wegen dieses Unheils von den Autoren verdammt wird. Nein, darin hegen sie eine Dichotomie, die zum einen daraus besteht, dass „die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Denken unabtrennbar ist“ , allerdings „der Keim zu jenem Rückschritt“ bereits enthalten ist. Diesem Enthaltensein des Rückschritts gilt es durch gedankliche Reflexion entgegenzuwirken, wobei die Methode der Reflexion ihrerseits eine typische Methode der Aufklärung ist. Bleibt die Frage, ob hier nicht der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird? Die Autoren jedenfalls lassen in ihrer Vorrede erkennen, über dieses im Bilde zu sein.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Versuch das Einzelne zu retten
III. Das Nichtidentische
IV. Schlussteil
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Dialektik der Aufklärung und des von Adorno entwickelten Konzepts der „negativen Dialektik“, um die Herrschaft des identifizierenden Begriffs kritisch zu hinterfragen und die Bedeutung des „Nichtidentischen“ für die Rettung des Besonderen zu erörtern.
- Kritik an der instrumentellen Vernunft und dem identifizierenden Denken
- Die Dialektik als Vernunftkritik bei Horkheimer und Adorno
- Untersuchung des Begriffs der Nichtidentität als Schutz vor dem begrifflichen Zugriff
- Die Rolle der Konstellation von Begriffen als alternative Erkenntnisform
Auszug aus dem Buch
II. Der Versuch das Einzelne zu retten
Vor was und wem zu retten?
Dieser Identität zu entfliehen und die Dinge nicht schematisch in Schubladen von Begriffen abzulegen, ist ein Anliegen Adornos. Er sucht in seiner „Negativen Dialektik“ den Weg, das „Nichtidentische“ vor diesem identifizierenden Denken zu wahren, das Einzelne zu retten. Der Begriff ermöglicht lediglich nur zu sagen worunter etwas fällt, wovon also etwas Exemplar oder Repräsentant ist, aber zu sagen, was etwas ist, das gerade eben verhindert er. Dies beschreibt Adorno in seiner negativen Dialektik genauer. Als grundlegende Begriffe gelten der der Identität und der Nichtidentität.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Dialektik der Aufklärung ein, erläutert die Dichotomie zwischen Freiheit und Barbarei und skizziert das Problem des identifizierenden Denkens.
II. Der Versuch das Einzelne zu retten: Hier wird Adornos Anliegen analysiert, durch die "Negative Dialektik" das Nichtidentische vor einer rein schematischen Begriffsbildung zu bewahren.
III. Das Nichtidentische: Dieses Kapitel vertieft den Begriff der Nichtidentität und setzt sich kritisch mit der Deutung von Identität und Gleichheit in der Philosophie Adornos auseinander.
IV. Schlussteil: Das abschließende Kapitel fasst die Lösungsansätze Adornos zusammen und reflektiert über die Möglichkeiten einer philosophischen Alternative zum herrschenden Rationalitätsverständnis.
Schlüsselwörter
Dialektik der Aufklärung, Adorno, Horkheimer, Negative Dialektik, Identität, Nichtidentisches, instrumentelle Vernunft, Begriff, Subjekt, Objekt, Mimesis, Rationalität, Naturbeherrschung, Vernunftkritik, Konstellation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Kritik an der Herrschaft des Begriffs und untersucht, wie Adorno durch seine negative Dialektik versucht, das Nichtidentische vor der totalen Erfassung durch das identifizierende Denken zu bewahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Dialektik der Aufklärung, das Verhältnis von Mensch und Natur, die Rolle des Subjekts in der Moderne sowie die kritische Reflexion des Rationalitätsbegriffs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Rekonstruktion von Adornos Ansatz, mittels einer "Negativen Dialektik" die Grenzen des identifizierenden Denkens aufzuzeigen und einen Raum für das zu öffnen, was sich der begrifflichen Vereinnahmung entzieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Textanalyse und interpretative Rekonstruktion, wobei insbesondere Adornos Werke sowie zeitgenössische Konferenzbeiträge zur Adorno-Forschung kritisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Identitätsbegriffs, die Rettung des Einzelnen vor begrifflicher Schematisierung und die detaillierte Analyse der Bedeutung des Nichtidentischen sowie der Konstellation von Begriffen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dialektik, Identität, Nichtidentisches, instrumentelle Vernunft, Naturbeherrschung und negative Dialektik maßgeblich charakterisiert.
Wie wird die "Neutralität" der wissenschaftlichen Sprache kritisiert?
Der Autor argumentiert, dass die vermeintliche Neutralität der wissenschaftlichen Sprache bei Adorno als ein metaphysisches Werkzeug verstanden wird, das Unpassendes aussortiert und somit eine spezifische Weltsicht stützt.
Inwiefern spielt der Begriff des "Grand Hotel Abgrund" eine Rolle?
Dieses Zitat von Georg Lukács wird im Schlussteil herangezogen, um die Distanz der damaligen Intelligenz und Adornos zur gesellschaftlichen Realität und deren drohendes Versinken im Bedeutungslosen zu illustrieren.
- Citar trabajo
- Peter Faulstich (Autor), 2003, Herrschaft des Begriffs und das Nichtidentische bei Adorno, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17685