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Interessierte Selbstgefährdung im Homeoffice

Indirekte Steuerung als Führungsrisiko bei mobil-flexibler Arbeit. Eine empirische Auswertung und Ableitung von Handlungsempfehlungen für die öffentliche (Finanz-)Verwaltung

Titel: Interessierte Selbstgefährdung im Homeoffice

Hausarbeit , 2026 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Maximilian Braun (Autor:in)

Organisation und Verwaltung - Öffentliche Verwaltung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen mobil-flexiblen Arbeitsformen, indirekter Zielsteuerung und interessierter Selbstgefährdung im Homeoffice. Ziel ist es, anhand zweier peer-reviewter empirischer Studien zu untersuchen, wie organisationale Rahmenbedingungen und individuelle Nutzungspraxen des Homeoffice das Auftreten selbstgefährdenden Verhaltens beeinflussen und welche Konsequenzen sich daraus für die Personalführung in der öffentlichen (Finanz-)Verwaltung ergeben. Dabei werden zunächst die empirischen Befunde der beiden Studien ausgewertet und zusammengeführt. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Frage, welche Rolle indirekte Zielsteuerung, das organisationale Umfeld und die konkrete Nutzung des Homeoffice für gesundheitlich riskantes Arbeitsverhalten spielen. Auf dieser Grundlage wird ein daraus resultierendes Führungsproblem für die öffentliche (Finanz-)Verwaltung herausgearbeitet und es werden konkrete Handlungsempfehlungen für eine gesundheitsorientierte Gestaltung mobil-flexibler Arbeit abgeleitet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorstellung der empirischen Führungsevidenzen

2.1 Studie I: Krause et al. (2014) – Konzept und Messung

2.1.1 Zielsetzung und Forschungsfrage

2.1.2 Methodik und Stichprobe

2.1.3 Ergebnisse

2.1.4 Limitationen

2.2 Studie II: Gerich (2025) – Kompensatorische Nutzung

2.2.1 Zielsetzung und Forschungsfrage

2.2.2 Methodik und Stichprobe

2.2.3 Ergebnisse

2.2.4 Limitationen

2.3 Zusammenführung und Übertragung auf die Verwaltung

3 Vorstellung des praktischen Führungsproblems

4 Handlungsempfehlungen

4.1 Formale Homeoffice-Policies

4.2 Reflexion der Zielsteuerung

4.3 Sensibilisierung der Führungskräfte

5 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung und Themenschwerpunkte

Das primäre Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, anhand zweier empirischer Studien die Mechanismen interessierter Selbstgefährdung im Homeoffice zu analysieren und zu untersuchen, wie indirekte Zielsteuerung als Führungsrisiko wirkt. Auf dieser Basis werden praxisnahe Handlungsoptionen für die Personalführung in der öffentlichen Verwaltung, insbesondere der Finanzverwaltung, abgeleitet.

  • Konzeptualisierung und empirische Messung interessierter Selbstgefährdung anhand von sechs Verhaltensfacetten
  • Differenzierung der Homeoffice-Nutzungsformen in reguläre, adaptive und kompensatorische Arbeit
  • Analyse der Wirkungskette von Fristendruck, Kennzahlensteuerung und unsichtbarer Mehrarbeit im häuslichen Arbeitszimmer
  • Identifikation behördlicher Risikofaktoren wie strikte Erledigungsfristen und implizite Leistungserwartungen
  • Entwicklung eines dreidimensionalen Interventionsansatzes auf struktureller, prozessualer und kultureller Ebene

Auszug aus dem Buch

3 Vorstellung des praktischen Führungsproblems

Die in Kapitel 2 dargestellten Befunde lassen sich unmittelbar auf die Führungspraxis der öffentlichen Verwaltung übertragen, in der das Homeoffice überdurchschnittlich verbreitet ist. Diese Verbreitung ist nicht nur ein Pandemie-Effekt, sondern Ausdruck einer breiteren Modernisierungsbewegung im Sinne des NPM, dessen Grundprinzip Output statt Input und Ziele statt Anwesenheit lautet. In der Finanzverwaltung erfolgt die Steuerung konkret über ein Controlling mit Systemkennzahlen wie Erledigungs-, Durchlaufzeit-, Mehrergebnis- und Beanstandungsquoten, über jährliche Zielvereinbarungen auf allen Ebenen sowie über monatliche und vierteljährliche Auswertungen. Mit der teilautomatisierten Veranlagung verbleiben den Bearbeitenden zunehmend die komplexen, risikobehafteten Fälle, was die qualitative Anforderungsdichte zusätzlich erhöht. Schubert betont allerdings, dass das MbO in öffentlichen Organisationen wegen der häufig breiten Zieldimensionen nicht „technokratisch und zwanghaft“ betrieben werden darf. Dass die indirekte Steuerung empirisch mit psychischen Belastungen und selbstgefährdendem Verhalten einhergeht, belegen Krause et al. bereits 2012 anhand einer repräsentativen Befragung der Schweizer Erwerbsbevölkerung sowie mehrerer betrieblicher Fallstudien.

Aus Führungssicht ergibt sich daraus ein strukturelles Spannungsfeld. Einerseits ermöglicht MbO ein hohes Maß an Autonomie über Ort und Zeit der Arbeit, ein Aspekt, der angesichts der Fachkräftekonkurrenz auf dem öffentlichen Arbeitsmarkt wichtig ist. Andererseits verschiebt sich die Verantwortung für die Bewältigung der Arbeitsanforderungen weitgehend in die Sphäre der einzelnen Beschäftigten. Die Führungskraft sieht primär das Ergebnis, also den erledigten Fall und die gewahrte Frist, nicht jedoch den Weg dorthin. Ob ein Fristfall am Sonntagabend im häuslichen Arbeitszimmer abgeschlossen wurde oder ob eine Kollegin trotz Krankheit am häuslichen Arbeitsplatz saß, entzieht sich der Wahrnehmung. Genau in dieser Unsichtbarkeit liegt das Risiko. Die kompensatorische Nutzung des Homeoffice im Sinne Gerichs bleibt verborgen, solange das Ergebnis stimmt.

Dabei zeigt sich ein Spannungsverhältnis zwischen dem organisatorischen Anspruch und der Steuerungsrealität. Die organisatorischen Vorgaben verpflichten die Sachgebietsleitung zur Fürsorge für die Beschäftigten und zu deren gleichmäßiger Auslastung. Gleichwohl entfalten Fristen und Kennzahlen einen faktischen Leistungsdruck, der sich im Homeoffice der Wahrnehmung der Führungskraft entzieht. Daraus ergibt sich die zentrale Wirkungskette des Führungsproblems: Frist- und Ergebnisdruck führt zu kompensatorischer Mehrarbeit im Homeoffice und diese mündet in Selbstgefährdung.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Das Kapitel führt in die zunehmende Verbreitung von Homeoffice und mobiler Arbeit in der öffentlichen Verwaltung ein und beschreibt das Spannungsfeld zwischen New Public Management, indirekter Zielsteuerung und gesundheitlicher Selbstgefährdung.

2 Vorstellung der empirischen Führungsevidenzen: Auf Basis zweier Studien von Krause et al. (2014) und Gerich (2025) werden die Messung interessierter Selbstgefährdung sowie die Wirkungen kompensatorischer Homeoffice-Nutzung herausgearbeitet und auf den Verwaltungskontext bezogen.

3 Vorstellung des praktischen Führungsproblems: Dieses Kapitel analysiert das behördliche Spannungsfeld aus gesetzlichen Fristen, quantitativer Kennzahlensteuerung, mangelnder Sichtbarkeit von Überlastung und impliziten Leistungserwartungen.

4 Handlungsempfehlungen: Vorgestellt wird ein dreiteiliger Handlungsansatz, der formale Homeoffice-Policies auf Strukturebene, dialogorientierte Zielsteuerung auf Prozessebene und die Sensibilisierung von Führungskräften auf Kulturebene umfasst.

5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Schlusskapitel bündelt die zentralen Erkenntnisse, beantwortet die Forschungsfrage und formuliert weiterführenden Forschungsbedarf für den öffentlichen Sektor.

Schlüsselwörter

Interessierte Selbstgefährdung, Homeoffice, Indirekte Steuerung, Öffentliche Verwaltung, Finanzverwaltung, Management by Objectives, Kompensatorische Nutzung, Präsentismus, Führungsverantwortung, Tele-psychologischer Kontrakt, Dienstvereinbarung, Arbeitszeitgrenzen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem arbeitspsychologischen Phänomen der interessierten Selbstgefährdung bei Beschäftigten, die im Homeoffice tätig sind und über indirekte Ergebnissteuerung geführt werden, insbesondere innerhalb der öffentlichen Verwaltung.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören moderne Führungs- und Steuerungsmodelle im öffentlichen Dienst, die arbeitswissenschaftliche Erfassung selbstgefährdenden Verhaltens, Belastungsfaktoren der Telearbeit sowie Führungs- und Gestaltungsoptionen für Dienststellen.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung geht der Forschungsfrage nach, wie sich indirekte Zielsteuerung auf das Auftreten interessierter Selbstgefährdung im Homeoffice auswirkt und welche konkreten Handlungsoptionen sich daraus für die Personalführung in der öffentlichen (Finanz-)Verwaltung ergeben.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Untersuchung angewendet?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Literatur- und Sekundärauswertung zweier einschlägiger empirischer Studien, deren quantitative Befunde und methodische Ansätze synthetisiert und auf die organisatorischen Rahmenbedingungen der Verwaltungspraxis übertragen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische und inhaltliche Auswertung der Studien von Krause et al. und Gerich, die detaillierte Beschreibung des praktischen Führungsproblems in Behörden sowie die Formulierung gezielter Handlungsempfehlungen.

Welche Schlüsselbegriffe kennzeichnen die Publikation?

Prägend für die Untersuchung sind Begriffe wie interessierte Selbstgefährdung, indirekte Steuerung, kompensatorische Homeoffice-Nutzung, Management by Objectives, Präsentismus und tele-psychologischer Kontrakt.

Was versteht die Forschung unter kompensatorischer Nutzung des Homeoffice?

Unter kompensatorischer Nutzung wird das Erledigen zusätzlicher dienstlicher Aufgaben in den Abendstunden, an Wochenenden oder an freien Tagen verstanden, um Arbeitsüberlastung oder Fristendruck abzufedern, was signifikant mit psychischen Belastungen und verminderter Erholung korreliert.

Welche Schutzwirkung entfalten formale Homeoffice-Policies laut den Befunden?

Schriftliche Dienstvereinbarungen mit klar geregelten Erreichbarkeits- und Ruhezeiten fungieren als verlässlicher tele-psychologischer Kontrakt; sie reduzieren kompensatorische Mehrarbeit signifikant und mindern Technostress sowie Konflikte zwischen Berufs- und Privatleben.

Warum ist die Führungskraft im Homeoffice einem besonderen Informationsdefizit ausgesetzt?

Bei mobiler Arbeit bleibt der eigentliche Arbeitsprozess weitgehend unsichtbar; Führungskräfte sehen bei ergebnisorientierter Steuerung lediglich die termingerechte Aufgabenerledigung, wodurch selbstgefährdende Bewältigungsstrategien wie Krankheitsarbeit oder Nachtschichten unentdeckt bleiben.

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Details

Titel
Interessierte Selbstgefährdung im Homeoffice
Untertitel
Indirekte Steuerung als Führungsrisiko bei mobil-flexibler Arbeit. Eine empirische Auswertung und Ableitung von Handlungsempfehlungen für die öffentliche (Finanz-)Verwaltung
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Veranstaltung
Master of Public Management
Note
1,3
Autor
Maximilian Braun (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
21
Katalognummer
V1771272
ISBN (PDF)
9783389206980
ISBN (Buch)
9783389206997
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interessierte Selbstgefährdung Selbstgefährdung Homeoffice Indirekte Steuerung mobil-flexible Arbeit öffentliche (Finanz-)Verwaltung öffentliche Verwaltung Finanzverwaltung Management by Objectives New Public Management Personalführung indirekte Zielsteuerung tele-psychologischer Kontrakt Homeoffice-Policie NPM MbO Pandemie COVID-19 Führungskultur Betriebliches Gesundheitsmanagement BGM Behördliches Gesundheitsmanagement Gesundheitsforschung Gestaltung mobil-flexibler Arbeit Frühindikatoren-Monitoring
Produktsicherheit
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Arbeit zitieren
Maximilian Braun (Autor:in), 2026, Interessierte Selbstgefährdung im Homeoffice, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1771272
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Leseprobe aus  21  Seiten
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