Gastarbeiterwanderung nach Deutschland seit 1950


Seminararbeit, 2011
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung und Einordnung
2.1 Definition Gastarbeiter
2.2 Typisierung der Gastarbeiterzuwanderung
2.3 Einordnung in das Push-& Pull-Faktoren-Modell

3 Gründe für die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland
3.1 Pull-Faktoren am Beispiel Deutschlands
3.2 Push-Faktoren am Beispiel Italiens

4 Die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland
4.1 Die Anwerbeabkommen seit 1955
4.2 Die Zuwanderung
4.3 Anwerbestopp, Remigration und Integration

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Deutschland in den 1950er Jahren. Der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg ist im Gange, das Wirtschaftswunder beginnt. Das Problem: in der jungen Bundesrepublik fehlt es an Arbeitskräften.

Die damalige Bundesregierung beschließt ausländische Arbeitskräfte für befristete Arbeitsverhältnisse anzuwerben: Gastarbeiter.

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Gastarbeiterzuwanderung in der Bundes- republik Deutschland ab den 1950er Jahren bis zum Anwerbestopp 1973 geben. Auf die Situation in der Deutschen Demokratischen Republik wird bewusst verzichtet, um den Umfang dieser Arbeit nicht zu sprengen, obwohl es auch hier Arbeitsmigrati- on - insbesondere aus Vietnam - gab. Ebenso wird auf die aktuelle Diskussion über den Fachkräftemangel und deren Anwerbung aus dem Ausland nicht eingegangen. Die Arbeit befasst sich zunächst mit dem Begriff des Gastarbeiters und ordnet diesen anhand einer Gegenüberstellung der ökonomischen Situation Deutschlands und Ita- liens dieser Zeit, in das gängige Push- und Pull-Faktoren Modell ein. Weiter werden die Anwerbeabkommen zwischen den jeweiligen Staaten behandelt. Es wird außerdem auf die damals vorgesehene Remigration und das Rückkehrhilfe- gesetz, sowie kurz auf die Integration der Gastarbeiter und die aktuelle Integrations- debatte eingegangen.

2 Begriffsbestimmung und Einordnung

2.1 Definition Gastarbeiter

Gastarbeiter sind Erwerbspersonen, die ihr (meist wirtschaftlich weniger entwickeltes) Heimatland für einen befristeten Zeitraum verlassen, um im Ausland zu arbeiten und zu wohnen (Leser 2005: S. 264).

Der Begriff des „Gastarbeiters“ entstand in den 1960er Jahren. Ausländische Arbeitskräfte wurden in Deutschland bis 1962 „Fremdarbeiter“ genannt. Dieser Begriff hatte einen eher abweisenden Beiklang und war zudem durch die Bezeichnung von Zwangsarbeitern als Fremdarbeiter, während der Zeit des Nationalsozialismus belastet (Borelli et. al. 1973: S. 17).

Er wurde daraufhin durch den Begriff „Gastarbeiter“ ersetzt: ein Gast besitzt einen gewissen Schutz und ist zumindest geduldet, jedoch beschreibt das Wort auch einen temporären Aufenthalt (ebd.).

2.2 Typisierung der Gastarbeiterzuwanderung

Die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland war ursprünglich zeitlich befristet. Eine Rückkehr in die Heimatländer der ausländischen Arbeitskräfte war grundsätzlich vorgesehen. Der Wechsel des Wohnsitzes war also nur vorübergehend, weshalb die die Wanderung zunächst den Charakter einer langfristigen Zirkulation besaß (Bähr 2010: 240).

Erst im Jahr 1979 wird die Gastarbeiterzuwanderung durch das sogenannte „KühnMemorandum“ (von Heinz Kühn im ersten Bericht des Amtes des Ausländerbeauftragten veröffentlicht) offiziell eine Immigration, da das Rückkehrverlangen der Gastarbeiter immer stärker abnahm. „Damit wird Deutschland erstmalig von Seiten der Regierung als Einwanderungsland bezeichnet“ (bpb 2010).

2.3 Einordnung in das Push-& Pull-Faktoren-Modell

Die Zuwanderung von Gastarbeitern nach Deutschland lässt sich als Arbeitsmigrati- on generell mit dem Modell der Pull- und Push-Faktoren beschreiben (siehe auch Abb. 2-1).

Wichtigster Pull-Faktor war hierbei der Arbeitskräftemangel in Deutschland als Zielland und die Aussicht auf höhere Löhne; wichtigster Push-Faktor in den Herkunftsländern war eine Überbeschäftigung in den meist ländlichen bzw. wenig industrialisierten und wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten (Borelli et al. 1973: 18). Ferner gab es auch sekundäre Motive, die im sozialen Bereich einzuordnen sind (Franzen 1978: 12). Auf letztere wird hier nicht näher eingegangen.

Wie zuvor dargestellt, ist dabei das Motiv Geld zu verdienen besonders hervorzuhe- ben (siehe hierzu auch Kap. 3)(Borelli et al. 1973: 18, Peters 1972: 308). So wurde durch die Aussicht auf höhere Löhne im Ausland die Arbeitsmigration für die Betroffenen attraktiv. Verstärkt wurde dies zusätzlich durch die deutsche Ar- beitsmarktpolitik - nämlich durch die bilateralen Anwerbeabkommen mit den jeweili- gen Herkunftsländern (siehe hierzu Kap. 4.1), durch welche die Zuwanderung er- leichtert wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1: Modell der Pull- und Push-Faktoren in Bezug auf die Zuwanderung nach Deutschland (eigene Darstellung; nach Gebhardt et al. 2007: 791).

3 Gründe für die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland

Wie in Kapitel 2.2 bereits dargestellt, existiert eine Reihe von (wirtschaftlichen) Pull- und Push-Faktoren im Zielland bzw. in den Herkunftsländern. Diese werden im fol- genden Kapitel an den Beispielen Deutschland und Italien kurz näher dargestellt.

3.1 Pull-Faktoren am Beispiel Deutschlands

Nach dem zweiten Weltkrieg entstand eine „chaotische Lage auf dem [deutschen] Arbeitsmarkt“ (Bade 1984: 621).

Die Arbeitsmarktentwicklung wurde durch verschiedene Faktoren gesteuert. Zum Einen fehlten durch die Verluste der beiden Weltkriege große Teile (überwiegend Männer) von 42 Jahrgängen (1886-1927); weiter wirkten sich ebenfalls kriegsbeding- te, langfristig wirksame Faktoren der Bevölkerungsstruktur (z.B. der Geburtenrück- gang in Folge des Krieges) auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes aus. Zum Anderen setzte in den 1950er Jahren das „Wirtschaftswunder“ ein. Der damit verbundene Aufschwung löste einen Arbeitskräftemangel aus (Bade 1984: 621 f.). Durch das rasante Wachstum in Deutschland wurde die Erschöpfung des einheimi- schen Arbeitskräfteangebots deutlich.

Zwar strömten seit Ende des zweiten Weltkriegs rund acht Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten und der sowjetischen Besatzungszone (bzw. später DDR) nach Westdeutschland, wodurch auch die Zahl der Erwerbsper- sonen stieg (Wehler 2010: 34), dennoch meldeten 1955 25% der befragten Unter- nehmen Produktivitätseinbußen auf Grund eines Arbeitskräftemangels - und das, obwohl die Arbeitslosenzahl zu diesem Zeitpunkt bei noch 1,07 Millionen Arbeitslo- sen lag (Bade 1984: 622).

Die Bundesregierung, die Bundesanstalt für Arbeit, die Arbeitgeberverbände sowie die Gewerkschaften sahen hier als Übergangslösung, um wieder eine stärkere Pro- duktivität zu erreichen, eine höhere Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland vor (ebd.). Aus diesen Überlegungen entstanden daraufhin die jeweili- gen Anwerbeabkommen zur Vermittlung von ausländischen Arbeitskräften.

3.2 Push-Faktoren am Beispiel Italiens

Einer der Push-Faktoren, war unter anderem die Motivation, ein höheres Einkommen zu erzielen. Am Beispiel der wirtschaftlichen Situation Italiens soll dies nun näher dargestellt werden.

Italiens Ökonomie basierte auf einem dualistischen System (Franzen 1978: 35, Bathelt/Glückler 2003: 183). Die Theorie des wirtschaftlichen Dualismus besteht in einem unverbundenen „Nebeneinander von stagnierenden traditionellen nationalen Bereichen und modernen internationalen Bereichen“ (Kulke 2008: 214).

Das heißt konkret im Falle Italiens, dass eine getrennte Entwicklung zwischen Norden und Süden einsetzte: im Norden konzentrierte sich der sekundäre Sektor - der schlecht entwickelte Mezzogiorno im Süden Italiens war landwirtschaftlich geprägt (Bathelt/Glückler 2003: 183).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3-1: Pro-Kopf-Einkommen der BRD und der Herkunftsländer der Gastarbeiter 1968 (eigene Darstellung; verändert nach Franzen 1978: 34).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gastarbeiterwanderung nach Deutschland seit 1950
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Grundseminar Stadt- und Bevölkerungsgeographie
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V177142
ISBN (eBook)
9783640986507
ISBN (Buch)
9783640986521
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gastarbeiterwanderung, deutschland, wirtschaft
Arbeit zitieren
Heiko Lindner (Autor), 2011, Gastarbeiterwanderung nach Deutschland seit 1950, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177142

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