Deutschland in den 1950er Jahren. Mit dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg beginnt das Wirtschaftswunder. Das Problem: in der jungen Bundesrepublik fehlt es an Arbeitskräften.
Die damalige Bundesregierung beschließt ausländische Arbeitskräfte für befristete Arbeitsverhältnisse anzuwerben: Gastarbeiter.
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Gastarbeiterzuwanderung in der BR Deutschland bis zum Anwerbestopp geben.
Grundlegend wird zur weiteren Erläuterung auf dazugehörige Wanderungsmodelle eingegangen. Insbesondere werden räumliche aber auch soziale Aspekte hervorgehoben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung und Einordnung
2.1 Definition Gastarbeiter
2.2 Typisierung der Gastarbeiterzuwanderung
2.3 Einordnung in das Push-& Pull-Faktoren-Modell
3 Gründe für die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland
3.1 Pull-Faktoren am Beispiel Deutschlands
3.2 Push-Faktoren am Beispiel Italiens
4 Die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland
4.1 Die Anwerbeabkommen seit 1955
4.2 Die Zuwanderung
4.3 Anwerbestopp, Remigration und Integration
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Gastarbeiterzuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland von den 1950er Jahren bis zum Anwerbestopp 1973. Dabei analysiert der Autor die ökonomischen Beweggründe hinter dieser Arbeitsmigration, die politischen Rahmenbedingungen der Anwerbeabkommen sowie die darauffolgenden gesellschaftlichen Integrationsherausforderungen, die bis in die Gegenwart hineinwirken.
- Historischer Wiederaufbau und Arbeitskräftemangel in Deutschland
- Anwendung des Push- und Pull-Faktoren-Modells auf Migrationsströme
- Bilaterale Anwerbeabkommen und ihre administrative Umsetzung
- Entwicklung der Zuwanderungszahlen und Herkunftsregionen
- Soziopolitische Auswirkungen von Remigration, Integration und Segregation
Auszug aus dem Buch
3.1 Pull-Faktoren am Beispiel Deutschlands
Nach dem zweiten Weltkrieg entstand eine „chaotische Lage auf dem [deutschen] Arbeitsmarkt“ (Bade 1984: 621).
Die Arbeitsmarktentwicklung wurde durch verschiedene Faktoren gesteuert. Zum Einen fehlten durch die Verluste der beiden Weltkriege große Teile (überwiegend Männer) von 42 Jahrgängen (1886-1927); weiter wirkten sich ebenfalls kriegsbedingte, langfristig wirksame Faktoren der Bevölkerungsstruktur (z.B. der Geburtenrückgang in Folge des Krieges) auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes aus.
Zum Anderen setzte in den 1950er Jahren das „Wirtschaftswunder“ ein. Der damit verbundene Aufschwung löste einen Arbeitskräftemangel aus (Bade 1984: 621 f.). Durch das rasante Wachstum in Deutschland wurde die Erschöpfung des einheimischen Arbeitskräfteangebots deutlich.
Zwar strömten seit Ende des zweiten Weltkriegs rund acht Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten und der sowjetischen Besatzungszone (bzw. später DDR) nach Westdeutschland, wodurch auch die Zahl der Erwerbspersonen stieg (Wehler 2010: 34), dennoch meldeten 1955 25% der befragten Unternehmen Produktivitätseinbußen auf Grund eines Arbeitskräftemangels - und das, obwohl die Arbeitslosenzahl zu diesem Zeitpunkt bei noch 1,07 Millionen Arbeitslosen lag (Bade 1984: 622).
Die Bundesregierung, die Bundesanstalt für Arbeit, die Arbeitgeberverbände sowie die Gewerkschaften sahen hier als Übergangslösung, um wieder eine stärkere Produktivität zu erreichen, eine höhere Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland vor (ebd.). Aus diesen Überlegungen entstanden daraufhin die jeweiligen Anwerbeabkommen zur Vermittlung von ausländischen Arbeitskräften.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert den zeitgeschichtlichen Kontext des Wiederaufbaus in Deutschland und definiert den Fokus der Untersuchung auf die Gastarbeiteranwerbung bis 1973.
2 Begriffsbestimmung und Einordnung: Dieses Kapitel klärt den umstrittenen Begriff des „Gastarbeiters“ und verortet die Arbeitsmigration theoretisch innerhalb des Push- und Pull-Faktoren-Modells.
3 Gründe für die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland: Hier werden die ökonomischen Notwendigkeiten des deutschen Arbeitsmarktes den wirtschaftlichen Gegebenheiten der Herkunftsländer, exemplarisch dargestellt an Italien, gegenübergestellt.
4 Die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert die Anwerbeabkommen, die zeitliche Entwicklung der Migrationsströme sowie die politischen Maßnahmen wie den Anwerbestopp und Rückkehrhilfen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Transformation von der ursprünglich geplanten temporären Zirkulation hin zur dauerhaften Einwanderungsgesellschaft zusammen.
Schlüsselwörter
Gastarbeiter, Arbeitsmigration, Wirtschaftswunder, Anwerbeabkommen, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Remigration, Integration, Bundesrepublik Deutschland, Arbeitskräftemangel, Segregation, Parallelgesellschaften, Ausländerbeschäftigung, Bevölkerungsgeographie, Migrationsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Gastarbeiterzuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland, ausgehend vom Arbeitskräftemangel der Nachkriegszeit bis hin zu den Integrationsdebatten der späteren Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf ökonomische Push- und Pull-Faktoren, die Chronologie der Anwerbeabkommen, die statistische Entwicklung der Zuwanderung und die sozio-ökonomischen Folgen für die deutsche Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die Ursachen und den Verlauf der Arbeitsmigration nach Deutschland zu geben und aufzuzeigen, wie aus einer ursprünglich temporären Strategie eine dauerhafte Einwanderung wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Wanderungsdaten und ökonomischer Modelle (Push- und Pull-Faktoren) zur Erklärung von Migrationsbewegungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die wirtschaftliche Lage im Deutschland der 1950er Jahre, die ökonomischen Disparitäten in den Herkunftsländern, die vertraglichen Vereinbarungen zur Anwerbung und die Auswirkungen politischer Maßnahmen auf das Migrationsverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Gastarbeiter, Anwerbeabkommen, Migration, Integration und Arbeitsmarktpolitik charakterisieren.
Wie wirkten sich die Anwerbeabkommen auf die Herkunftsländer aus?
Sie ermöglichten Arbeitskräften den Zugang zu höheren Löhnen, was eine Reaktion auf die ökonomische Unterentwicklung und den Arbeitskräfteüberschuss in Regionen wie Süditalien darstellte.
Warum blieb die Remigration hinter den Erwartungen der Politik zurück?
Trotz finanzieller Anreize und befristeter Arbeitsverträge wuchs der Wunsch vieler Gastarbeiter nach einem dauerhaften Verbleib in Deutschland, was durch den Familiennachzug weiter verstärkt wurde.
Welche Rolle spielte die Rezession der Jahre 1966/67?
Sie verdeutlichte die Abhängigkeit des deutschen Bedarfs an ausländischen Arbeitskräften von der konjunkturellen Lage und führte zu einem ersten, temporären Rückstrom von ausländischen Arbeitnehmern.
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- Heiko Lindner (Autor), 2011, Gastarbeiterwanderung nach Deutschland seit 1950, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177142