In Deutschland leben etwa 717.000 pflegebedürftige Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Welche Vorstellungen haben Menschen vom Leben in einer Pflegeeinrichtung, bevor sie in eine solche umziehen? Bestätigen sich diese Vorstellungen nach dem Umzug oder eher nicht? Auf diese Fragen soll die vorliegende empirische Studie Antworten geben.
Zu diesem Zweck wird eine qualitative Studie in einer stationären Pflegeeinrichtung durchgeführt. In einem kontrastiven Vergleich werden Bewohner mit möglichst unterschiedlichen Umzugsvoraussetzungen ausgewählt. Dieses Auswahlverfahren wird angewendet, um eine große Bandbreite an Antworten zu erhalten. Anschließend werden die Probanden in Einzelinterviews, die eine Mischung aus narrativem und problemzentriertem Interview darstellen, befragt.
Die Ergebnisse der Interviews werden anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Hierbei wird die Technik der Zusammenfassung gewählt, wobei der Text zunächst paraphrasiert und dann reduziert wird.
Mit einer Zusammenfassung der Kernelemente und der Diskussion mit der Theorie schließt die Studie ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlagen der Studie
1.1 Grundsätzliche Fragestellung
1.2 Konkretisierung der Fragestellung
1.3 Theoretischer Hintergrund
2 Hypothese und Methoden
2.1 Hypothese
2.2 Methoden
2.2.1 Auswahlverfahren
2.2.2 Auswertungsverfahren
3 Durchführung und Auswertung
3.1 Das Untersuchungsfeld
3.2 Die Probanden
3.3 Durchführung
3.4 Auswertung
3.4.1 Interview 1
3.4.2 Interview 2
3.4.3 Interview 3
4. Zusammenfassung und Diskussion
4.1 Zusammenfassung der Kernelemente
4.2. Diskussion mit der Theorie
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die subjektiven Vorstellungen pflegebedürftiger Menschen über das Leben in einer stationären Einrichtung vor und nach dem Umzug zu untersuchen. Dabei wird der Fokus darauf gelegt, verdeckte Belastungen und Diskrepanzen zwischen der individuellen Wahrnehmung und der tatsächlichen Lebenssituation herauszuarbeiten, da Bewohner oft eine Tendenz zur Beschönigung zeigen.
- Phänomenologie des Umzugs in eine stationäre Pflegeeinrichtung
- Vergleich von Erwartungshaltungen und gelebter Realität
- Qualitative Erhebung mittels narrativer und problemzentrierter Interviews
- Kritische Reflexion der Eignung quantitativer Befragungen im Pflegekontext
- Bedeutung des Einzugsmanagements unter Berücksichtigung psychischer Belastungen
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Interview 1
Frau W. antwortet auf die Frage, ob sie sie vom Leben in der Pflegeeinrichtung bestimmte Vorstellungen hatte und ob sich diese bestätigt haben:
„Ich kann nur von mir sagen, ich fühlte mich hier gleich wohl, ich kannte ja hier auch Leute.“ […] „Lange bevor ich hier einzog, habe ich schon Besuche hier gemacht, da lagen Bekannte von mir auf der Pflegestation, ich kannte mich im Haus aus. […] Ich wusste, dass ich irgendwann in Pflege komme, dass ich die Hilfe brauche. Den Umzug hat ja mein Sohn, der Sohn und die Schwiegertochter, die haben das gemacht, da war ich im Krankenhaus, und dann bin ich hierher. Hier hab ich meine Umgebung, das ist viel wert.“
Auf die Nachfrage, ob es länger gedauert hat, bis sie sich eingelebt hat, antwortet sie:
„Nein, gar nicht. Das war gleich so eine schöne Gemeinschaft hier im Haus, mit den anderen, man hat viel gemacht zusammen, wo ich noch besser konnte, jetzt ist das auch nicht mehr so.“ […] „Die ganze Umgebung war überhaupt nicht fremd für mich. Da ich hier zu Hause war, habe ich keine Probleme gehabt mit dem Umzug. Ich kann da aber nur für mich sprechen, ich weiß, dass da andere Probleme mit hatten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundlagen der Studie: Dieses Kapitel erläutert die demografische Notwendigkeit sowie die theoretischen Ausgangsüberlegungen zum Umzug in eine vollstationäre Pflegeeinrichtung.
2 Hypothese und Methoden: Hier wird die Forschungsfrage in eine Hypothese überführt und die Entscheidung für ein qualitatives Forschungsdesign auf Basis von Interviews begründet.
3 Durchführung und Auswertung: Das Kapitel beschreibt das spezifische Untersuchungsfeld sowie die Reduktion der geführten Experteninterviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.
4. Zusammenfassung und Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert, mit der vorliegenden Theorie verglichen und Implikationen für das professionelle Pflegemanagement abgeleitet.
Schlüsselwörter
Pflegebedürftigkeit, Stationäre Altenpflege, Umzug, Subjektperspektive, qualitative Forschung, Experteninterview, Heimvertrag, Einzugsmanagement, Lebensqualität, psychische Belastung, Selbstständigkeit, Pflegemanagement, Altenpflege, Bewohnerzufriedenheit, Anpassungsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studie untersucht, welche Vorstellungen pflegebedürftige Menschen vor einem Einzug in ein Pflegeheim haben und inwieweit diese durch die tatsächlichen Erfahrungen nach dem Umzug bestätigt oder revidiert werden.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt steht der Übergang vom selbstbestimmten Leben in der eigenen Wohnung hin zu einem reglementierten Heimalltag sowie der Einfluss der gesundheitlichen Situation auf die Bewältigung dieses Lebenswandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die subjektiven Erfahrungen und verdeckten Belastungen der Bewohner zu erfassen, da standardisierte Zufriedenheitsbefragungen oft keine tiefgehenden Einsichten in die tatsächliche Gefühlslage der Bewohner liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es wurde eine qualitative Forschungsstrategie gewählt. Dabei wurden Interviews geführt, die einen Mittelweg aus narrativen und problemzentrierten Techniken darstellen, um eine authentische Auseinandersetzung mit der Lebenssituation zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Beschreibung des Untersuchungsfeldes sowie der detaillierten Auswertung der drei geführten Interviews anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Stationäre Altenpflege, Umzug, Subjektperspektive, qualitative Forschung und das Einzugsmanagement.
Warum neigen die Befragten laut der Studie zu Beschönigungen?
Die Probanden versuchen, ihre Situation als selbstbestimmte Entscheidung darzustellen, um den Verlust der Unabhängigkeit zu kompensieren und sich selbst zu bestätigen, dass der Umzug in das Heim die einzig gangbare und richtige Lösung war.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für das Pflegemanagement?
Der Autor fordert eine sensiblere Gestaltung des Einzugsmanagements, da der Schritt in eine Pflegeeinrichtung ein einschneidendes Lebensereignis ist, das über standardisierte Fragebögen nicht adäquat in seiner psychischen Dimension abgebildet werden kann.
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- Benjamin Böhme (Author), 2011, Überprüfung der Vorstellungen über Pflegeeinrichtungen bei Bewohnern vor und nach dem Umzug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177398