Die Masterthesis setzt sich grundlegend mit der Frage auseinander, welche Auswirkungen die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) auf die sozialpolitischen Gegebenheiten in Deutschland und auf die Angebote der Träger der Behindertenhilfe haben kann. Zunächst werden in Kapitel 3 die historischen Grundlagen der UN-BRK skizziert, wobei insbesondere Vorarbeiten verschiedenster internationaler Institutionen nach 1945 betrachtet werden, um aufzuzeigen, dass die UN-BRK in ihrer Konzeption sicherlich als Novum betrachtet werden kann - den Rechten von Menschen mit Behinderungen wurde jedoch auch schon vorab internationale Aufmerksamkeit geschenkt. Aufgrund dieser Sachlage wird anschließend kurz erläutert, inwiefern sich die bereits verabschiedeten Empfehlungen, Beschlüsse und Verträge von der Verfasstheit der UN-BRK unterscheiden. Kapitel 4 setzt sich mit der Frage nach den Auswirkungen der Ratifizierung der UN-BRK auseinander. Grundsätzlich werden hierbei zwei verschiedene Perspektiven eingenommen: Zum einen werden die durch die Implementierung der Konvention ausgelösten Impulse aufgezeigt und in ihrer derzeitigen Umsetzung beurteilt, zum anderen werden drei Kernbereiche der UN-BRK - Wohnen, Arbeiten und Bildung - betrachtet und auf der Grundlage aktueller sozialpolitischer Tendenzen reflektiert. Kapitel 5 nimmt abschließend eine Beurteilung der Bedeutung der UN-BRK vor. In Kapitel 6 werden die Ergebnisse der einzelnen Ausführungen zusammengefasst und offene Fragen, die für die weitere Umsetzung der UN-BRK in Deutschland relevant erscheinen, benannt.
Im Anhang befindet sich eine Version der Arbeit in leichter Sprache. Für Menschen mit Sehbehinderungen oder Leseschwierigkeiten gibt es den Text auch als Hörbuch.
1. Abkürzungsverzeichnis
2. Einleitung
3. Geschichte der Rechte von Menschen mit Behinderungen
3.1. Rechtliche und politische Grundlagen nach 1945
3.2. Die Entwicklung der UN-Behindertenrechtskonvention: Von der Erarbeitung bis zu ihrem Inkrafttreten
3.3. Zusammenfassung
4. Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention
4.1. formale Konsequenzen
4.1.1. Staatliche Umsetzung
4.1.2. Staatliche Koordinierung
4.1.3. Überwachung
4.1.3.1. UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen
4.1.3.2. Rolle der Zivilgesellschaft
4.1.3.3. Institutionalisiertes unabhängiges Monitoring
4.2. inhaltliche Konsequenzen
4.2.1. Selbstbestimmt Leben und Einbeziehung in die Gemeinschaft
4.2.2. Bildung
4.2.3. Arbeit und Beschäftigung
4.3. Zusammenfassung
5. Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention
6. Zusammenfassung/ Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention auf die sozialpolitischen Rahmenbedingungen sowie auf die Angebotsstrukturen der Träger der Behindertenhilfe in Deutschland.
- Historische Entwicklung der Rechte von Menschen mit Behinderungen
- Analyse der formale Konsequenzen und Umsetzungsstrukturen
- Untersuchung inhaltlicher Konsequenzen in den Bereichen Wohnen, Bildung und Arbeit
- Reflektion der Bedeutung der Konvention als Instrument zur Etablierung eines Menschenrechtsstandards
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Entwicklung der UN-Behindertenrechtskonvention: Von der Erarbeitung bis zu ihrem Inkrafttreten
Wie der vorangegangene Abschnitt aufzeigt, wurde dem Thema Behinderung schon vor der Verabschiedung der UN-BRK rechtliche und politische Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl zunächst keine exklusive Rechtsgrundlage für Menschen mit Behinderungen angedacht war. Bereits 1987 forderte jedoch Italien in einer Sitzung der Generalversammlung der UN84 die Erarbeitung einer eigens auf die Bedarfe von Menschen mit Behinderungen zugeschnittenen internationalen Regelung, scheiterte jedoch mit diesem Vorschlag an den finanziellen und inhaltlichen Bedenken einiger Mitgliedsstaaten85. 1989 wurde dieser Vorschlag erneut von Schweden eingebracht86, ebenfalls ohne Ergebnis87. Stattdessen wurde 1993 zum Abschluss der Behindertendekade von den Vereinten Nationen die „Rahmenbestimmungen für die Herstellung der Chancengleichheit für Behinderte“ erlassen, die jedoch aufgrund ihres Status‘ keine rechtliche Verbindlichkeit haben.88
2001 verabschiedete die UN-Generalversammlung auf Initiative Mexikos eine Resolution89, die einen Ad Hoc Ausschuss damit beauftragte, Vorschläge für eine Konvention zum Schutz der Rechte behinderter Menschen zu erarbeiten. In den Jahren 2002 bis 2006 tagte der Ad Hoc Ausschuss insgesamt acht Mal und formulierte auf der Grundlage einer weiteren entsprechenden UN-Resolution90 einen Konventionstext sowie das dazugehörige Fakultativprotokoll. Der Einfluss, den die Zivilgesellschaft bei der Erstellung der Konvention einnahm, kann dabei als besonderes Qualitätsmerkmal betrachtet werden: „Der Slogan ›Nichts über uns ohne uns‹ (Nothing about us without us) steht für eine moderne Behindertenpolitik, in der Betroffene als Experten in eigener Sache anerkannt sind und Stellvertreterpolitik der Geruch der Bevormundung anhaftet. Dass die Zivilgesellschaft dann aber tatsächlich eine so weitgehende, fast paritätische Rolle innerhalb des Ad-hoc-Ausschusses einnehmen würde, war nicht vorhersehbar und ist in der Geschichte der Menschenrechtsübereinkommen wohl bislang einmalig. […] Auch inhaltlich wurde den Stimmen der Zivilgesellschaft im Rahmen der Entstehung dieses Übereinkommens außerordentlich viel Gewicht beigemessen“91.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abkürzungsverzeichnis: Auflistung der im Text verwendeten Abkürzungen.
2. Einleitung: Einführung in die Problematik der weltweiten Menschenrechtsverletzungen an Menschen mit Behinderungen und Vorstellung der UN-Behindertenrechtskonvention.
3. Geschichte der Rechte von Menschen mit Behinderungen: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Rechte für Menschen mit Behinderungen von 1945 bis zum Inkrafttreten der UN-BRK.
4. Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention: Untersuchung der formalen und inhaltlichen Konsequenzen der Ratifizierung für Deutschland, insbesondere in den Feldern Wohnen, Bildung und Arbeit.
5. Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention: Beurteilung der Bedeutung des Dokuments als universelles Menschenrechtsinstrument und globaler Paradigmenwechsel.
6. Zusammenfassung/ Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Benennung offener Fragen für die zukünftige Umsetzung.
7. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
UN-Behindertenrechtskonvention, Menschenrechte, Inklusion, Behindertenhilfe, Sozialpolitik, Diskriminierung, Teilhabe, Selbstbestimmung, Monitoring, Deutschland, Bildung, Arbeit, Barrierefreiheit, Menschenwürde, Disability Mainstreaming
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Masterthesis behandelt das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und dessen Auswirkungen auf die deutsche Sozialpolitik und Behindertenhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Behindertenrechte, die formale Umsetzung in staatliche Strukturen (Monitoring) sowie inhaltliche Schwerpunkte in Wohnen, Bildung und Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die UN-BRK als Menschenrechtsinstrument den Paradigmenwechsel von der Fürsorge zur selbstbestimmten Teilhabe in Deutschland unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Literaturanalyse sowie der Auswertung von rechtlichen Instrumenten, Resolutionen und Berichten im Kontext der völkerrechtlichen Entwicklung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen, die formalen Konsequenzen wie staatliche Koordinierung und Monitoring sowie die inhaltliche Umsetzung in den Bereichen selbstbestimmtes Leben, inklusive Bildung und Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie UN-BRK, Inklusion, Menschenrechte, Monitoring, Diskriminierungsschutz und Teilhabe charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Situation in Deutschland?
Der Autor konstatiert ein zwiespältiges Bild: Während die UN-BRK als Motor für den gesellschaftlichen Wandel begriffen wird, mangelt es in Deutschland oft an einer konsequenten, ressourcengerechten Umsetzung.
Was ist die Bedeutung des "Monitoring"?
Monitoring ist ein zentraler Prozess der unabhängigen Überwachung der Umsetzung der Konvention, um staatliche Stellen zur Einhaltung der Menschenrechte zu bewegen.
- Citar trabajo
- Florian Demke (Autor), 2011, Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177550