Kann die SWOT-Analyse auch für die persönliche Weiterentwicklung eines Studenten nutzbringend herangezogen werden?

SWOT-Analyse erklärt und in uniSWOT transformiert: ein Selbstversuch


Seminararbeit, 2010
19 Seiten, Note: 5,5/1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Die SWOT-Analyse - ein Strategieinstrument für den Studierenden?

2 Die herkömmliche SWOT-Analyse
2.1 Geschichte, Methodik und Ziele
2.2 Aktualität und Einsatzgebiete

3 Die Abwandlung zu uniSWOT
3.1 Untersuchung der externen Faktoren
3.1.1 Politische (und rechtliche) Faktoren
3.1.2 Wirtschaftliche Faktoren
3.1.3 Soziale Faktoren
3.1.4 Technologische Faktoren
3.1.5 Der Faktor Konkurrenz
3.2 Untersuchung der internen Faktoren
3.2.1 Stärken
3.2.2 Schwächen

4 Der Selbstversuch

5 Auswertung

6 Schluss: uniSWOT für den LWA-Unterricht?

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung: Die SWOT-Analyse - ein Strategieinstrument für den Studierenden?

„ Nichts ist so erschreckend, wie nicht wissen und doch handeln. “

Johann Wolfgang von Goethe

Schon Goethe impliziert in seinem Sprichwort, wie fatal es sein kann, wenn jemand einfach agiert und weder Folgen noch Risiken bedenkt. Deswegen besitzen alle Un- ternehmen etwas, was wir heute meist Strategie nennen. Sie machen sich Gedanken über die Zukunft und planen so gut es geht voraus, wie sie sich positionieren, um möglichst gut dazustehen. Es ist der Prozess eines ständigen Wandels, der an den Bedürfnissen der potentiellen Kunden ausgerichtet ist. Doch sollte sich nicht auch ein Student darüber Gedanken machen, was er erreichen will und wie er es erreichen will? Dabei gibt die Universität einen Rahmen - mehr allerdings auch nicht. Neben den Noten sind immer mehr auch andere Dinge wichtig, wie zum Beispiel Sozial- kompetenz oder andere Führungsqualitäten (vgl. Bruch & Wunderer, 2009, S. 85 ff.). Deshalb soll in dieser Arbeit untersucht werden, wie die SWOT-Analyse als Strate- gieinstrument auch auf einen Studenten nutzbringend angewandt werden kann, um ihm zu helfen sich persönlich in jeder Hinsicht weiterzuentwickeln. Zunächst wirft der Autor einen Blick auf die herkömmliche SWOT-Analyse und den aktuellen For- schungsstand in Sachen Geschichte, Methodik und Ziele der SWOT-Analyse. Mithilfe verschiedener Modelle werden dann die einzelnen Faktoren in der SWOT-Analyse umgedeutet, sodann im Selbstversuch angewandt und danach ausgewertet.

2. Die herkömmliche SWOT-Analyse

2.1 Geschichte, Methodik und Ziele

Der Autor möchte zunächst die Aufgaben und Ziele der SWOT-Methode aufzeigen. Dazu begab er sich auf die Suche nach Grundlagenliteratur über die SWOT-Analyse und nach der Antwort auf die Fragen, wo die SWOT-Analyse eigentlich herkommt und wer sie entwickelt hat. Webseiten wie die Wikipedia-Enzyklopädie schreiben die SWOT-Analyse Albert Humphrey zu. Sie wurde angeblich in den 60er Jahren durch ein Forschungsteam an der Stanfort University unter seiner Leitung entwickelt. Doch man findet dort keine einzige Quellenangabe, um diesen Sachverhalt zu prüfen. Andere Quellen behaupten, sie habe ihren Ursprung als ein Instrumentarium der Designschule (vgl. Mintzberg, 1999, S. 38; Chermack, 2007, pp. 383-399). Tim Friesner, senior lecturer an der University of Chichester, ist der Sache auf den Grund gegangen und schreibt: „There is no documented history of SWOT . . .“ (Es gibt keine dokumentierte Entstehungsgeschichte der SWOT-Analyse; Friesner, 2010) und beruft sich dabei auf die vielen unterschiedlichen Meinungen über den Ursprung der SWOT-Analyse (Koch, 2000, pp. 217-239; Mintzberg, 1999, S. 38; s. auch King, 2004). Da der Autor dieser Seminararbeit sich also nicht sicher auf einen „geistigen Vater“ berufen kann, um die SWOT-Analyse ursprungsgetreu zu rekonstruieren, wird auf den allgemeinen wissenschaftlichen Konsens gebaut, der die SWOT-Analyse fast einheitlich als einfaches und schnelles Werkzeug aus dem strategischen Management beschreibt, um die gegenwärtige Unternehmensstrategie auf ihre Eignung und Handlungsfähigkeit im wirtschaftlichen Wettbewerb hin zu untersuchen (vgl. Rufo, Zerres, C. & Zerres, M., 2010, S. 3; Homburg, 1998, S. 126-129). Das Akronym SWOT setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der vier Wörter Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats zusammen (Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren/Risiken), also einer Analyse der internen Faktoren (Stärken und Schwächen) und der externen Faktoren (Chancen und Risiken). Beispielsweise kann man mithilfe einer Umweltanalyse die externen Faktoren bestimmen und mit einer Unternehmensanalyse die internen Faktoren, um sie dann in der SWOT-Matrix in Beziehung zueinander zu setzen (vgl. Dubs, Euler, Rüegg-Stürm & Wyss, 2009, S. 56-57). Aus oben genannten Gründen gibt es keine einheitliche SWOT-Matrix. In den meisten Lehrbüchern findet man eine Grafik im folgenden Stil (Dubs et al., 2009, S. 56-57):

Grafik 1: SWOT-Matrix

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Aktualität und Einsatzgebiete

Kaum ein Lehrbuch im Bereich des Strategischen Managements oder Marketings verzichtet auf die SWOT-Analyse, da sie den Anwender zwingt, sich sofort mit den wesentlichen Aspekten einer Unternehmung zu beschäftigen. Trotzdem wurde sie im Laufe der Zeit mehrmals weiterentwickelt und diversifiziert (z.B.: Extended SWOT, vgl. Lombriser & Abplanalp, 1997), büßte dadurch jedoch immer mehr an Einfachheit ein, sodass das Original bis heute relevant ist. Einfachheit sollte man dabei nicht missverstehen, denn für den Nutzer ist es durchaus schwierig, eine qualitativ hochwertige SWOT-Analyse zu erstellen. Die Qualität der einzelnen Daten beeinflusst natürlich maßgeblich die Qualität der SWOT-Analyse und so müssen die einzelnen Punkte am besten durch gründliche Recherchen ausgearbeitet werden (vgl. Recklies, 2003). Denn obwohl die SWOT-Analyse selbst auch einige Mängel hat, wie zum Beispiel, dass Abhängigkeiten und Wechselwirkungen nicht berücksichtigt werden, ergibt sich allein bei ProQuest1 bei einer Suche nach dem Wort „SWOT“ eine Ergebnisliste mit knapp 10000 Treffern. Auch bei den meisten Universitäten steht die SWOT-Analyse im Lehrplan (z.B. die Universitäten in Dortmund, Linz, Berlin, St. Gallen). Da sich SWOT gut für die Analyse der aktuellen Situation (Situationsanalyse) eignet, setzen sowohl kleine als auch große Unternehmungen gerne auf die SWOT-Analyse, was sie bis heute zu einer der am häufigsten eingesetzten Methoden macht (King, 2004, S. 1).

3. Die Abwandlung zu uniSWOT

UniSWOT ist ein Neologismus des Autors zur Unterscheidung zwischen der herkömmlichen SWOT-Analyse und der SWOT-Analyse, die auf Studenten anwendet wird. Bei beiden Systematiken bleiben die wesentlichen Strukturen (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) bestehen; lediglich werden die internen und externen Faktoren umgedeutet, um so auch für den Studierenden relevant und damit nutzbringend zu sein. Allerdings wird die neue Matrix konkrete Punkte beinhalten, die man sozusagen abarbeiten kann. Dadurch soll uniSWOT einen schnellen Praxiseinstieg für eine persönliche Strategieentwicklung bieten. Im Folgenden wird untersucht, wie das gelingen kann.

Wie auch eine Unternehmung, die sich in ihrer Gesamtheit einer SWOT-Analyse unterzieht, wird auch der Student in seiner Gesamtheit einbezogen. Das Ziel der SWOT-Analyse in einer Unternehmung ist, wie auf Seite 5 bereits erwähnt, die Unternehmensstrategie zu überprüfen oder gar neu zu erstellen, um sich im Markt gut zu positionieren und der Konkurrenz überlegen zu sein. Natürlich haben verschiedene Studenten ganz unterschiedliche Ziele in ihrem Leben. Wer nur studiert, um dort eine/n Mann/Frau fürs Leben zu finden, legt andere Schwerpunkte, als ein Studierender, der sich am Arbeitsleben beteiligen will. Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt haben die meisten Studenten und Studentinnen aber ein ähnliches Ziel: Er oder sie versucht sich so gut wie möglich auszubilden, um daraus einen Wettbewerbsvorteil (im (Selbst-)Marketing: Unique Selling Proposition, vgl. Hillestad & Berkowitz, 2004, S.43) zu ziehen und sich so später erfolgreich im (Wirtschafts)leben zu positionieren, also einen guten Job zu bekommen, in dem er sich wohl fühlt, Anerkennung bekommt und genug Geld verdient, um das Leben genießen zu können2. Um diese Ziele optimal zu erreichen, ist eine Strategie sicherlich hilfreich. Daher wird der Autor nun zunächst die externen und danach die internen Faktoren für eine Unternehmung umdeuten, um danach einen Selbstversuch durchzuführen. Dabei beschränkt er sich darauf, dass der Studierende darauf hinarbeitet, seinen „Wunschjob“ zu bekommen.

3.1 Untersuchung der externen Faktoren

Als externe Faktoren werden die Faktoren angesehen, auf die eine Unternehmung selbst keinen direkten Einfluss hat. Dabei kann man z.B. das PEST-Modell3 anwenden, um mit dessen Hilfe vorgegebene Themenfelder strukturiert abzuarbeiten (R]ufo et al., 2010, S. 4; Venzin, Rasner & Mahnke, 2003, S.75ff.). Im Folgenden werden die Themenfelder angesprochen und gleich auf ihre Relevanz für uniSWOT untersucht.

3.1.1 Politische (und rechtliche) Faktoren

Im Unternehmensumfeld können damit Dinge wie Wettbewerbsaufsicht, Gesetzgebung, Steuerrichtlinien und Subventionen, politische Stabilität, Handelsabkommen, Umweltschutzrichtlinien oder Sicherheitsvorgaben gemeint sein. Für einen Studierenden gibt es hier sogar zwei Ebenen. Die politische Ebene, wie sie auch für Unternehmen relevant ist, und die umgedeutete politische Ebene: die Universität. Die politische Ebene ist für Studenten weit weniger wichtig als für Unternehmen. Handelsabkommen, Umweltschutzrichtlinien oder Behördengänge für rechtliche Rahmenbedingungen spielen eher eine untergeordnete Rolle, doch gerade für Studierende im Ausland gilt es Dinge wie Aufenthaltsbewilligung oder Krankenkassenbefreiung zu meistern. Subventionen können direkt als Stipendien umgedeutet werden, Sicherheitsvorgaben können bezogen auf den eigenen Transport (Anschnallen, Motorradhelm) uminterpretiert werden und die Steuerrichtlinien müssen bei beruflicher Tätigkeit neben dem Studium ebenfalls beachtet werden. Die zweite Ebene ist die Universität, die für einen Studenten eine Art politischen Rahmen darstellt. Dort muss man sich ebenfalls an Richtlinien halten und Regeln befolgen. Die Prüfungsordnung, die Studiengebühren oder die Parkplatzordnung für Zweiräder sind alles Beispiele für externe Faktoren, die im Studentenleben beachtet werden müssen, um nicht zu scheitern (Risiken). Chancen könnten da der Wegfall von Studiengebühren oder eben ein Stipendium sein.

3.1.2 Wirtschaftliche Faktoren

Die wirtschaftlichen Faktoren sind beispielsweise die Inflation, Arbeitslosenrate, verfügbares Einkommen, Energievorrat und Kosten, Wirtschaftszyklen, BIP-Trends, Zinsraten oder der Geldvorrat zu nennen. Der Studierende hat oft ein monatliches Einkommen, meist durch die Eltern, und muss damit haushalten.

[...]


1 ProQuest ist eine Datenbank, die wissenschaftliche Publikation enthält.

2 Laut einer Umfrage der Hochschul-Informations-System-GmbH im Jahre 2009 ist das Genießen des Lebens eines der wichtigsten Ziele von über 80% der Studenten. Über 78% geben ebenfalls die Anerkennung im Beruf an.

3 PEST ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben: Political (politische), Economic (wirtschaftliche), Social (soziale/soziokulturelle), and Technological (technologische) Analyse.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kann die SWOT-Analyse auch für die persönliche Weiterentwicklung eines Studenten nutzbringend herangezogen werden?
Untertitel
SWOT-Analyse erklärt und in uniSWOT transformiert: ein Selbstversuch
Hochschule
Universität St. Gallen
Veranstaltung
Formen und Methoden des Lernens und des wissenschaftlichen Arbeitens
Note
5,5/1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V177959
ISBN (eBook)
9783640999149
ISBN (Buch)
9783640998920
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine 5,5 in der Schweiz entspricht einer 1,5 (oder laut Schweizern etwas besser,-) ) in Deutschland.
Schlagworte
kann, swot-analyse, weiterentwicklung, studenten, selbstversuch
Arbeit zitieren
Tobias Blum (Autor), 2010, Kann die SWOT-Analyse auch für die persönliche Weiterentwicklung eines Studenten nutzbringend herangezogen werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177959

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kann die SWOT-Analyse auch für die persönliche Weiterentwicklung eines Studenten nutzbringend herangezogen werden?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden