Die Anforderungen an Leitungskräfte in Organisationen sozialer Arbeit haben sich im letzten Jahrzehnt aus den unterschiedlichsten Gründen stark verändert. Während die früheren Leitungsgenerationen sich in vielen Fällen als „Knoten- und Kommunikationspunkte“ des kultur- und bildungspolitischen Handelns“ der Stadt verstanden, deren zentrales Aufgabengebiet die Sicherung der pädagogischen Qualität des Angebots war , so sind die Leitungskräfte heute mit der Forderung nach Managementdenken konfrontiert um Umwelterwartungen und Ressourcenknappheit gerecht zu werden.
Vielerorts kämpfen Leitungspersonen mit geringeren Freiräumen, veränderten Arbeitsmilieus, größerem Zeitdruck, einem veränderten Leitungsverständnis sowie steigenden Bildungs- und Integrationsaufgaben.
Wo früher Teamhandeln im Vordergrund stand und Leitung aufgrund tradierter Abneigung gegen Hierarchie eher entfunktionalisiert stattfand, gewinnt heute die Bedeutung der Steuerungsfunktion von Leitung durch Beeinflussung und Gestaltung von Organisations- und Kommunikationsstrukturen an Relevanz. (Merchel 2004a, S.10)
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den modernen Anforderungen an Leitungskräfte, ein angemessenes Leitungsverhalten zu entwickeln sowie den Schwierigkeiten und Möglichkeiten, Organisation funktions- und lernfähig zu erhalten.
Wo ich kann, werde ich die Erläuterungen mit Beispielen aus meinem Arbeitsalltag beim sozialen Dienst im Altenheim belegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problematik intentionaler Steuerbarkeit von Organisationen
3 Personenbezogene Leitungsfunktionen
3.1 Persönlichkeitsmerkmale von Leitungspersonen
3.2 Verhaltensorientierte Ansätze
3.2.1 Demokratischer und autoritärer Leitungsstil
3.2.2 Transaktionaler und transformativer Leitungsstil
3.3 Situationsorientierte Ansätze
3.3.1 Kontingenzmodell nach Fiedler
3.3.2 Modell der situationsbezogenen Leitung von Hersey und Blanchard
3.3.3 Situationsorientiertes Entscheidungsmodell nach Vroom/Yetton
3.3.4 Leiten durch Zielvereinbarungen
3.4 Macht als Gestaltungsmittel von Leitung
4 Strukturbezogene Leitungsfunktionen
4.1 Strukturierung von Organisation
4.2 Beobachtung und Gestaltung des Umweltbezugs
4.3 Gestaltung von Organisationskultur
4.4 Sozialmanagement
4.5 Qualitätsmanagement
4.6 Organisationsentwicklung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die modernen Anforderungen an Leitungskräfte in der sozialen Arbeit und untersucht, wie diese den Spagat zwischen notwendiger Steuerung und dem Umgang mit der Unvorhersehbarkeit komplexer sozialer Systeme meistern können.
- Wandel von Leitungsaufgaben unter Managementdruck
- Grenzen der Steuerbarkeit von Organisationen
- Personenbezogene vs. strukturbezogene Leitungsfunktionen
- Bedeutung von Partizipation und Zielvereinbarungen
- Strategische Gestaltung von Organisationsumwelten
Auszug aus dem Buch
3.3.4 Leiten durch Zielvereinbarungen
Auch wenn Merchel ausdrücklich darauf hinweist, dass es sich bei „Leiten durch Zielvereinbarungen“ nicht um einen Leitungsstil, sondern vielmehr um einen Leitungsmodus handelt, der weit über die mehr oder minder deutliche Ausprägung bestimmter Verhaltensstile hinausgeht, soll dieser Verhaltenmodus hier eingereiht werden, gewissermaßen schon als Zwischenresümee, da Merchel bei aller vorangehender Vorsicht und Skepsis hier nun gewissermaßen der sozialen Arbeit angemessene Verhaltensprinzipien als Optimum den vorhergehenden Untersuchungen und Ansätzen gegenüberstellt, bzw. auch deren funktionierende Essenzen mit einbezieht. (vgl. ebd., S.93ff)
„Leiten durch Zielvereinbarungen“ basiert auf 3 Prinzipien: Partizipation, Transparenz und Leistungsorientierung. Es umfasst sowohl Personalführung als auch Strukturbildung. (vgl. ebd.)
Den höchsten Stellenwert hat dabei Partizipation. Die Beteiligung und Einbeziehung von Mitarbeitern ist eine wertvolle Quelle für Leitungskräfte um wichtige Informationen und Wahrnehmungen zu gewinnen, die in Entscheidungsprozessen eine wertvolle Rolle spielen können. Ebenso können Organisationsmitglieder eine wichtige Ressource in der Vermittlung „dezentral angesiedelter Handlungsressourcen und Problemlösungskapazitäten“ (ebd., S.94) spielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt den Wandel der Anforderungen an Führungskräfte in der sozialen Arbeit hin zu einem stärkeren Managementdenken und umreißt die Zielsetzung der Arbeit.
2 Problematik intentionaler Steuerbarkeit von Organisationen: Dieses Kapitel kritisiert den sogenannten Steuerungsoptimismus, der Organisationen als mechanische Systeme betrachtet, und betont stattdessen deren Komplexität und Eigendynamik.
3 Personenbezogene Leitungsfunktionen: Hier werden verschiedene Führungsstile und theoretische Ansätze zur Leitung von Mitarbeitern sowie die Rolle der Persönlichkeit und Macht als Gestaltungsmittel untersucht.
4 Strukturbezogene Leitungsfunktionen: Dieses Kapitel widmet sich der Gestaltung von Organisationsstrukturen, der Umweltbeziehung, der Unternehmenskultur sowie Managementkonzepten wie Sozialmanagement und Qualitätsentwicklung.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine moderne Leitungskraft vor allem über Selbstreflexion, Bescheidenheit und die Fähigkeit verfügen muss, Unsicherheiten im Organisationsalltag aktiv zu handhaben.
Schlüsselwörter
Leitung, Soziale Arbeit, Organisationsgestaltung, Führungsstil, Steuerungsoptimismus, Systemtheorie, Zielvereinbarungen, Partizipation, Organisationskultur, Sozialmanagement, Qualitätsmanagement, Organisationsentwicklung, Selbstreflexion, Komplexität, Managementdenken
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den modernen Herausforderungen an Leitungskräfte in Organisationen der sozialen Arbeit und untersucht, wie Führung unter den Bedingungen hoher Komplexität gestaltet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die begrenzte Steuerbarkeit von Organisationen, personenbezogene Führungsansätze, strukturbezogene Gestaltungsmöglichkeiten sowie spezielle Managementmethoden wie das Leiten durch Zielvereinbarungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Leitungskräfte ein angemessenes Verhalten entwickeln können, um Organisationen in einem dynamischen Umfeld funktions- und lernfähig zu halten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, insbesondere unter Einbezug systemtheoretischer Ansätze und einschlägiger Fachliteratur zur Leitung in der sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit der Steuerbarkeit, eine ausführliche Betrachtung von Führungsstilen (personenbezogen) und eine Analyse der strukturellen Gestaltungsebene (strukturbezogen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Organisationsgestaltung, Steuerungsoptimismus, Partizipation und die Notwendigkeit zur Selbstreflexion der Leitungsperson.
Welche Rolle spielt die Partizipation bei der Zielvereinbarung?
Partizipation ist laut der Arbeit das wichtigste Prinzip, da sie die Einbeziehung der Mitarbeiter als Wissensquelle nutzt und deren Motivation sowie Eigenverantwortung innerhalb komplexer Aufgaben fördert.
Warum wird der "Steuerungsoptimismus" kritisiert?
Er wird kritisiert, weil er Organisationen fälschlicherweise als mechanische Maschinen betrachtet, anstatt ihre "innere Logik" und die Unvorhersehbarkeit menschlicher Systeme anzuerkennen.
- Citar trabajo
- L. Lauprecht (Autor), 2009, Leitung als Form der Organisationsgestaltung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178073