Die Bedeutung des Empowerment-Konzepts für die sozialpädagogische Gesundheitsförderung


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung:

1 Einleitung

2 Die Entstehung der Gesundheitsförderung

3 Handlungsfelder der Gesundheitsförderung

4 Empowerment - ein strategischer Schlüsselpunkt der Gesundheitsförderung
4.1 Ziele von Empowermentprozessen:
4.2 Handlungsebenen von Empowerment
4.3 Empowerment und Salutogenese
4.4 Determinanten von Gesundheit
4.5 Zwischenfazit: Empowerment im Bereich der Gesundheitsförderung

5 Kritik, Grenzen
5.1 Überforderung von Hilfesuchenden
5.2 Unbestimmtheit des Konzepts
5.3 Weltfremdheit des Empowermentkonzepts in Bezug auf Partizipation und Machtverteilung
5.4 Institutionelle Grenzen
5.4.1 Sparzwang
5.4.2 Defizitsicht und Trägheit
5.5 Gefährdung der Integrität

6 Anforderungen an Gesundheitsförderer
6.1 Selbstreflexivität und „sharing power“ (Gutierrez u.a 1995. In Herriger 2006, S.209)
6.2 Prozesskompetenzen
6.3 Interdisziplinäre Kompetenzen

7 Umsetzung in Modellen guter Praxis
7.1 MIGES - MIgrantinnenGESundheit
7.2 Projekt Kiezdetektive in Berlin-Friedrichshain

8 Fazit:

Die Bedeutung des Empowermentkonzepts für die sozialpädagogische Gesundheitsförderung

1 Einleitung

Den Konzepte und Methoden Sozialer Arbeit kommt im Gesundheitsbereich unterschiedlich viel Bedeutung zu, vergleichbar m it dem Stellenwert, den soziale Arbeit innerhalb der verschiedenen Bereiche der Gesundheitsarbeit unter der Hierarchie der dort vertretenen Berufsgruppen innehat. Am problematischsten gestaltet sich die Etablierung effektiver und professioneller Soziale Arbeit m it Schlüsselfunktionen in den Institu tionen des Gesundheitswesens, wie Krankenh äusern, Rehakliniken, öffentlichem Gesundheitsdienst, Hospiz, Pflege, Suchthilfe und -prävention et c. (vgl. Franzkowiak/Kuhn 2009, S.9). Soziale Arbeit agiert dort eher in A ssistenzbereichen, da ihre Positionen und Gesundheitskonzepte kaum vereinbar sind m it den Zielen und Me thoden der traditionellen m edizinischen Prävention, Kuration,Rehabilitation undPflege. (vgl. ebd.)De mentsprechend schwierig ist es, in diesen Bereichen echtes Em powerment entstehen zu lassen, Hospitalisierung, Institutionskontrolle und Expertentum entgegenzuwirken.

In dieserArbeit möchte ichjedochdenäuße rst erfolgreichenundineinerSchlüsselrolle innerhalb des Gesundheitswesens agiere nden Bereich der sozialpädagogischen Gesundheitsförderung und die Bedeutung, die de m Ansatz des Em powerments in diesem Bereich zukommt vorstellen.

2 Die Entstehung der Gesundheitsförderung

"Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können(Ottawa Charta 1986)

Die Entstehung der Gesundheitsförderung mit ihrem dem Schwerpunkt der Partizipation, lässt sich in ihren W urzeln laut Kickbuch auf den Einfluss sozialer Selb sthilfebewegungen, die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft, aber auch au f die medizinkritischen Werke Ivan Illichs und Michel F oucaults und auf den profe ssionskritischen Ansatz gemeindeorientierter Gesundheitsprojekte in den USA und Lateinamerika zurückführen. (vgl Kickbusch 2003, S.182f)

Als Geburtsstunde der organis ierten Gesundheitsförderung gilt das ,,L alonde-Papier“, eine politische Erklärung des kanadischen Gesundheitsministers Marc Lalonde von 1974, „in dem gesundheitsfördernde Lebensweisen zum legitimen Ziel der Gesund heitspolitik erklärt wurden. (ebd. S.183, vgl. ebd.) Diese Denkwei se und die oben genannten Einflussfaktoren wurden von der W HO aufgegriffen, zusamm engefasst und in der Ottawa-Charta als Gesundheitskonzept für eine neue Ausrichtung im Gesundheitswesen ausformuliert. Diese ist geprägt von Em powermentgedanken wie „Bef ähigung zur Gesundheit, Partizipation und Abbau gesellschaftlicher Ungleichheit in bezug auf Zugang zur Gesundheit“ (ebd.) sowie von einer salutogenetischen Sichtweise (vgl.ebd., vgl. Herriger 2002, S.11f)

Bezeichnend auf der sprachlichen Ebene der Ottawa-Charta ist, dass konsequent im Sinne von Empowerment auf typische W ortfelder, die einer defizitären Sichtweise entstammen verzichtet wird, wi e z. B. Krankheitsursachen, Ri siko- oder Fehlverhalten. (vgl. Trojan/Legewie, S.33f)Aus der Ottawachartahatdie Gesundheitsförderung ihre Handlungsfelder und Prinzipien abgeleitet, die ich im Folgenden vorstellen möchte

3 Handlungsfelder der Gesundheitsförderung

Aus der Ottawa Charta lassen sich folgende Handlungsbereiche ableiten, die letztlich auch die verschiedenen Elemente und Ebenen, auf dene n sich individuelles E mpowerment mit dem sozialen und politischen Kontext verbindet, widerspiegeln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle: vgl.: http://www.euro.who.int/AboutWHO/Policv/2001Q827 2?language=German, vgl. Kickbusch2003, S.183f

Als Handlungsprinzipien, die fü r gesundheitsfördernde Maßna hmen richtungweisend sein sollen, formuliert Kickbusch: „Strategien an Determinanten ausrichten, Gesundheit in all ihren Dimensionen verstehen (Stärkung von Ress ourcen und Potentialen), salutogenetische Sichtweise, sozialraumbezogene, nachhaltige Svstemlösunge n anstreben, partizipativ vorgehen, interdisziplinär, resso rtübergreifend handeln.“ All di ese Bereiche und Prinzipien finden sich im Empowerment-Konzept wieder. (ebd. S.185)

4 Empowerment - ein strategischer Schlüsselpunkt der Gesundheitsförderung (vgl. ebd. S.182)

Empowerment als präventionskritisches Konzept derUS-Gemeindepsychologie entstand aus der Kritik an der experten dominierten appellativ-beeinflussenden gesundheitlichen Aufklärung über,,richtige“und,,falsc he“ Verhaltensweisenzugunstenvon lebensweltorientierten und ku ltursensiblen Interventionen, be i denen Betroffene aktiv und gestaltend im Vordergrund stehen. (vgl. Engel/Siekendick/Nestmann 2005, S.10Í)

Der Ansatz geht davon aus, dass Ressourcen u nd Fähigkeiten im Menschen angelegt sind, vorausgesetzt, es sind ausreichend Handlungsm öglichkeiten gegeben. Defizite w erden als Struktur- und Ressourcenmangel erklärt unter welcher die Entfaltung dieser Fähigkeiten nicht zulässt. Nicht der Mensch, sondern die Rahmenbedingungen sind defizitär. (vgl. ebd.)

Fähigkeiten sollen sich in der Leb enswelt entfalten und entwickeln, nicht in kü nstlichen expertengeleiteten Programmen. (vgl. ebd.)

4.1 Ziele von Empowermentprozessen:

Empowerment-Interventionen haben folgende Zielsetzungen:

1. Motivation: „positives und aktives Gefühl von ,in der Welt sein’“ (Stark 1996, S.221)
2. Handlungskompetenz: „EntwicklungvonFähigkeiten, StrategienundRessourcenzur aktiven und gezielten Gestal tung individueller wie auch gem einschaftlicher Ziele.“ (ebd.)
3. Emanzipation: „ErwerbvonW issen undKomp etenzen, sowohlfüreinkritisches Verständnis der sozialen und politischenVerhältnisse, wie auch der sozialen Umwelt.“ (ebd.)

In den Aspekten der Aktivierung, Teilhabe und Emanzipation des Klienten liegt eine der besonderen StärkenvonEm powerment. DasKonzept verringertdasMach tgefälle zwischen Helfer und Klient. Prof essionelle geben Macht ab, um "einen Prozeß zu ermöglichen und anzustoßen, durch den Klientinnen (persönliche, organisatorische und gemeinschaftliche) Ressourcen erhalten, die sie befähigen, größere Kontrolle über ihr eigenes Leben (...) auszuüben und gemeinschaftliche Ziele zu erreichen” (Stark, 1996, S.118f)

Ansonsten kann ein Zuviel an Hilfe beim Empfänger zu Passivität und erlernter Hilflosigkeit führen. Top-downProblemlösestrategien gehen weniger aufdiePotent iale der Klientinnen ein (...), sondern versuchen vielmehr dieMöglichkeiten der jeweiligen Institution unddes sozialpolitischen Kontextes auszuschöpfen." (Stark, 1996, S.26)

4.2 Handlungsebenen von Empowerment

Empowerment-Prozesse lassen sich auf 3 Ebenen feststellen (vgl. Engel/Siekendick/Nestmann2005, S:15f, 27ff).:

1. Mikroebene: HiermitistEm powerment auf individuellerEbene,psychologisches Empowerment von Einzelpersonen gemeint (vgl. ebd.) Auf derVerhältnisebene bedeutet dies für den Einzelnen erhöhte Möglichkeiten der Einflussnahme auf den eigenen Haushalt, die familiären Beziehungen, Partnersch aft, Erziehung der Kinder, den Beruf, Freizeit etc. und Kompetenzsteigerungen hinsichtlich des Um gangs mit sich selbst, z. B. „Um gang mit Belastungen, Annahme sozialer Unterstützung, Bewusstsein für das eigene W ohlbefinden, Erlernen und Anwendung von Entspannungstechniken, Fähigkeit sich selbst abzugrenzen und Probleme sowie Gefühle zu artikulieren. (vgl. Sperlich 2009, S.57) innerhalb des Gesundheitssystems sollte der P atient nicht mehr nur als passiver Empfänger von Leistungen betrachtet werden, sondern „als Partner im therapeutischen Prozess, als Ko­Produzent undLeistungserbringer.“(Trojan 2003, S.331.)Erkannfürsichselbs t gesundheitserhaltendes Verhalten einbringen, aber auch als pflegender Angehöriger oder ehrenamtlicher Helfer in Aktion treten. (vgl. ebd.) Partizipation fin det u.a. statt durch Information und Beratung, m it dem Ziel, den Patienten zu Autonom ie und Beteiligung zu befähigen. (vgl. ebd.) W ichtig ist hierbei die Qualität von Information, was Transparenz der Quellen (Handelt es ich um eine schl eichende Produktwerbung oder um „neutrale Informationen) undVerständlichkeitsowiem edizinisch-wissenschaftliche Qualitätangeht. (vgl. Dierks/Diel/Schwartz 2003, S.339)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Empowerment-Konzepts für die sozialpädagogische Gesundheitsförderung
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)  (FB Sozialwesen)
Veranstaltung
Modul O14: Empowerment, Anwaltschaft, Netzwerke, Öffentlichkeitsarbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V178075
ISBN (eBook)
9783656000969
ISBN (Buch)
9783656000525
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empowerment, Gesundheitsförderung, Gesundheitssystem
Arbeit zitieren
BA Soziale Arbeit L. Lauprecht (Autor), 2010, Die Bedeutung des Empowerment-Konzepts für die sozialpädagogische Gesundheitsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178075

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