Die portugiesische Zeichensetzung


Hausarbeit, 2004

16 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Linguistische Grundlagen
2.1. Sprechen, Hören - Schreiben, Lesen
2.2. Suprasegmentalia
2.3. Der Text

3. Herausbildung einer Schriftkultur
3.1. Die Anfänge der lateinischen Schrift
3.2. Die Erfindung des Buchdrucks

4. Punkt, Komma, Strich ...
4.1. Der Punkt
4.2. Fragezeichen und Ausrufezeichen
4.3. Das Komma
4.4. Das Semikolon
4.5. Der Doppelpunkt
4.6. Die Anführungszeichen
4.7. Bindestrich und Gedankenstrich
4.8. Der Gedankenstrich

5. Schluss

6. Bibliographie

1. Einleitung

Schlägt man ein Buch auf und fängt an zu lesen, fällt es einem nicht sonderlich schwer, die einzelnen Wörter auf dem Papier im Kopf wieder zu fortlaufenden sinnvollen Aussagen zusammenzufügen. Lesen ermöglicht es uns, die Gedanken, die der Autor des Buches niedergeschrieben hat, in unserem Geiste nachzuvollziehen und zu verstehen.

Einen - gesprochenen - Text erschließen wir uns, z.B. während eines Gespräches unter Freunden, indem wir aufmerksam zuhören und auf die Mimik und Gestik unserer Gesprächspartner achten. Wie schnell wir das Gesagte begreifen, hängt aber nicht nur von unserer eigenen Auffassungsgabe ab, sondern eben auch vom Sprechtempo unseres Gegenübers. Im Gegensatz dazu können wir, wenn wir lesen, einen - geschriebenen - Text viel schneller erfassen. Dabei kommt es nicht darauf an, wie viel Zeit der Verfasser des Textes gebraucht hat, um ihn zu schreiben, sondern nur darauf, wie geübt wir selbst im Lesen sind.

Dass das Lesen ein recht bequemer und vor allem schneller Weg ist, um Wissen zu erwerben, ist insbesondere einer verblüffenden Erfindung zu verdanken, den Satzzeichen. Auch wenn sie so unscheinbar wirken, dass man sie beim Lesen meist nur unterschwellig wahrnimmt, sind es doch letztendlich sie, die einem Text erst seine volle Aussagekraft verleihen: Sie geben ihm Struktur, gliedern ihn in sinnvolle Einheiten, machen ihn zusammenhängend lesbar. In ihnen spiegeln sich außerdem Klangfarbe und Rhythmus gesprochener Sprache wider. Das alles macht die Satzzeichen in schriftlichen Texten zu unverzichtbaren Lese- und Verständnishilfen.

Hauptgegenstand meiner Arbeit ist die Zeichensetzung und ihre Besonderheiten im Portugiesischen. Zunächst möchte ich kurz auf die für die Verwendung von Satzzeichen ausschlaggebenden Aspekte der Artikulation und Rezeption sprachlicher Äußerungen eingehen. Wesentlich für das Verständnis der Zeichensetzung scheinen mir außerdem der Begriff des Textes und seine einzelnen Bestandteile zu sein. Anschließend will ich in knapper Form die historische Entwicklung der Schreibtraditionen in lateinischer Schrift von der Antike bis in die Neuzeit beleuchten, bevor ich mich schließlich mit den einzelnen Satzzeichen auseinandersetze.

An bestimmten Stellen möchte ich zum Vergleich die deutsche Zeichensetzung heranziehen, um die Besonderheiten der portugiesischen Zeichensetzung herauszuarbeiten.

2. Linguistische Grundlagen

Die geschriebene Sprache galt lange Zeit als Vorbild für guten und richtigen Sprachgebrauch. Der gesprochenen Sprache hingegen fehlten angeblich Sorgfalt und organisierte Struktur, es wurde sogar behauptet, sie sei völlig regellos. „Richtig” sprechen hieß demnach, so zu sprechen, wie man schreiben würde. Sprechen und Schreiben sind jedoch zwei Kommunikationssysteme, die jeweils ganz spezifische Bedürfnisse der menschlichen Kommunikation in verschiedenen Situationen befriedigen und daher eine unterschiedliche Struktur aufweisen (müssen!).

Die Erfindung der Schrift hat die Möglichkeiten der Realisierung sprachlicher Äußerungen zwar enorm erweitert, aber das Primat der gesprochenen Sprache lässt sich nicht bestreiten. Dementsprechend richtet sich auch die geschriebene Sprache in erster Linie nach der gesprochenen, indem sie einzelnen Lauten Buchstaben oder Buchstabenfolgen zuordnet, oder wenn der Klang der gesprochenen Sprache durch die Zeichensetzung verdeutlicht werden soll.

2.1. Sprechen, Hören - Schreiben, Lesen

Der amerikanische Linguist Leonard Bloomfield (1887 - 1949) äußerte sich einmal wie folgt: „Schreiben ist nicht gleichbedeutend mit Sprache, sondern lediglich ein Verfahren, mit sichtbaren Zeichen Sprache festzuhalten” (David Crystal: S. 178). Damit räumt er der gesprochenen Sprache ausdrücklich Priorität in der linguistischen Forschung ein, was vor ihm nur wenigen in den Sinn gekommen ist. Diese Ansicht ist zu unterstützen, denn die gesprochene Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel aller Völker und nicht alle verfügen auch über Schriftsysteme. Jedoch sollte man deshalb die Vorzüge und die spezifischen Eigenschaften geschriebener Sprache nicht einfach übergehen.

Das Schreiben hat in erster Linie den Vorteil, dass Fakten in übersichtlich strukturierter, kompakter Form dauerhaft fixiert werden können. Wird etwas aufgeschrieben, prägt es sich außerdem besonders gut ein: das, was man sagen will, wird zum einen für die Augen sichtbar und zusätzlich formt man mit der eigenen Hand die Buchstaben zu Wörtern und Sätzen. Später lässt sich das Geschriebene immer wieder durch- oder auch laut vorlesen.

Die Spezifik des Sprechens und Schreibens ist vor allem der jeweiligen Kommunikationssituation geschuldet. Gesprochene Sprache ist Teil einer Interaktion zwischen dem Sprecher und einem Adressaten, wobei beide Gesprächspartner anwesend sind. In dieser Situation sind die Möglichkeiten der Vorausplanung begrenzt: Sprachliche Äußerungen müssen als spontane Reaktionen erfolgen und sind daher eher einfach gestrickt. „[In] der gesprochenen Sprache [sind] Produktion und Rezeption direkt miteinander verzahnt: Produzent und Rezipient handeln miteinander Fortgang und auch Inhalt der Kommunikation aus” (Koch / Oesterreicher: S. 19 / 20). Der geschriebenen Sprache fehlt hingegen ein direkter Bezug zu einem Adressaten: Sender und Empfänger sind voneinander getrennt, letzterer häufig gar unbekannt. Deshalb verzichtet die geschriebene Sprache auf situationsgebundene Elemente (z.B. deiktische Mittel wie „hier” oder „jetzt”), die, sofern sie nicht näher erläutert werden, vom potentiellen Leser nicht eindeutig zugeordnet werden könnten. Geschriebenes ist meist sorgfältig geplant und weist eine kompliziert strukturierte Ausdrucksweise auf. Im Unterschied zur gesprochenen Sprache müssen die Sätze so aufgebaut, angeordnet und miteinander verknüpft sein, dass der Text in sich schlüssig ist und alle Unklarheiten von vornherein beseitigt werden. Ein notwendiges Mittel zur optischen Aufbereitung eines solchen geschriebenen Textes sind die Satzzeichen. Sie tragen in hohem Maße zu seiner besseren Verständlichkeit bei, da sie das Lesen erleichtern.

2.2. Suprasegmentalia

Vokale und Konsonanten die „Segmente” der Wörter. Sie kann der Mensch mit verschiedenen Stimmfärbungen artikulieren. Diese Stimmfärbungen werden als suprasegmentale Elemente oder auch Suprasegmentalia bezeichnet. Dazu gehören Phänomene wie die Tonhöhe oder die Dauer der Artikulation eines Lautes, die Lautstärke, mit der er artikuliert wird, und auch das Tempo und der Rhythmus des Sprechens. Werden einzelne Silben mit unterschiedlicher Lautstärke (Druckakzent) oder Tonhöhe (Tonakzent) ausgesprochen, so spricht man von Betonung. Der Druckakzent liegt auf derjenigen Silbe eines Wortes, die beim Sprechen betont wird, wobei er auch bedeutungsunterscheidend wirken kann.1 Die Betonung sagt darüber hinaus viel über die Mitteilungsstruktur einer Äußerung aus: So kennzeichnet ein Sprecher, indem er einzelne Wörter besonders betont, was in seiner Äußerung neu und was bereits bekannt ist. Der Tonakzent wird in manchen Sprachen, wie z.B. dem Chinesischen oder Vietnamesischen, ebenfalls zur Bedeutungsunterscheidung verwendet, im Deutschen und Portugiesischen kommt er jedoch nur auf Satzebene zum Einsatz. In diesem Fall spricht man von Intonation. Ihre Funktionen können emotionaler, aber auch grammatikalischer Art sein.2

Doch über welche Mittel verfügt die geschriebene Sprache, um suprasegmentale Merkmale gesprochener Sprache deutlich zu machen? Zum einen kann der Verfasser eines Textes, mit eigenen Worten die Stimmfärbung beschreiben. Noch besser jedoch, wenn auch nicht allzu genau, erfüllt die Zeichensetzung diesen Zweck. Sie ordnet bestimmten Intonationsmustern einzelne Satzzeichen zu. Mit ihrer Hilfe lassen sich geschriebene Texte später auch einfacher mündlich vortragen.

[...]


1 so z.B. bei den beiden Varianten des deutschen Verbs unterstellen: Er fragte einen Freund, ob er sein Motorrad für den Winter bei ihm unterstellen könnte. ['unterƒtelÖn] Er wollte ihm keine bösen Absichten unterstellen. [unter'ƒtelÖn] - selbstgewähltes Beispiel -

2 Die Intonation verdeutlicht, dass jemand aufgeregt, erstaunt, gelangweilt oder wütend ist. Außerdem kennzeichnet sie in vielen Sprachen größere Einheiten wie Satz oder Satzteil, und dient der Unterscheidung zwischen einer Frage (man hebt die Stimme) und einer Aussage (man senkt sie).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die portugiesische Zeichensetzung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Note
2.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V178151
ISBN (eBook)
9783640999262
ISBN (Buch)
9783640999156
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Portugiesisch, Interpunktion, Zeichensetzung, Linguistik
Arbeit zitieren
Patrick Roesler (Autor:in), 2004, Die portugiesische Zeichensetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178151

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