Obwohl nach Meinung von Kritikern für die Leistungsbewertung durch Noten keine sachliche Rechtfertigung besteht, stellt sie heute und wahr-scheinlich auch in Zukunft das am häufigsten angewandte Verfahren zur Vergabe von schulischen Zertifikaten dar. Aus der Grundschule sind außerdem noch die Wortzeugnisse oder Verbalberichte als weitere Mitteilungsform der Leistungsbewertung bekannt. In dieser Arbeit werden die Besonder-heiten dieser beiden Mitteilungsformen herausgearbeitet und im Hinblick auf ihre pädagogische Vertretbarkeit gegenübergestellt.In Kapitel 2 wird zunächst näher auf den Begriff Leistung mit den zugehörigen Bezugsnormen ein-gegangen. Dann werden die rechtlichen Regelungen zur Leistungsbewertung dargestellt. Mit der Berechtigungsfunktion und der Anreizfunktion werden im folgenden Abschnitt ausgewählte Funk-tionen der Leistungsbewertung beschrieben, die für die Diskussion um Leistungsbewertung an sich und für den Vergleich von Noten und Verbalberichten grundlegend sind.Die Analyse der Leistungsbewertung erfolgt in Kapitel 3. Gegenstand des ersten Abschnitts sind die Gütekriterien und grundlegende Kritikpunkte von Leistungsmessung und -bewertung. Dabei werden subjektive Fehlerquellen und systembedingte Schwachstellen unterschieden. Im zweiten Abschnitt werden die Besonderheiten der ersten Mitteilungsform Noten herausgearbeitet. Hintergrund sind die Kritik durch die Vertreter des neuen, ganzheitlichen Lernens einerseits und die Anforderungen an die Leistungsbewertung, die sich durch die Berechtigungs- und Anreizfunktion ergeben, anderer-seits. Im letzten Abschnitt des dritten Kapitels erfolgt eine entsprechende Analyse der zweiten Mit-teilungsform Verbalberichte.In Kapitel 4 wird auf mögliche Verbesserungen im Zusammenhang mit der Leistungsbewertung ein-gegangen. Die Arbeit schließt mit einem Resümee in Kapitel 5.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Leistungsbewertung in Deutschland
2.1 Der Begriff Leistung
2.2 Regelungen zur Leistungsbewertung
2.3 Funktionen der Leistungsbewertung: Berechtigungsfunktion und Anreizfunktion
3 Analyse der Leistungsbewertung
3.1 Gütekriterien und grundlegende Kritikpunkte
3.2 Mitteilungsform Noten
3.3 Mitteilungsform Verbalbericht
4 Verbesserungsmöglichkeiten bei der Leistungsbewertung
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die pädagogische Vertretbarkeit der in Deutschland üblichen Formen der Leistungsbewertung, insbesondere den Vergleich zwischen Notenzeugnissen und Verbalberichten, vor dem Hintergrund ihrer Funktionen als Berechtigungs- und Anreizinstrumente.
- Der Begriff der Leistung und seine pädagogische Definition
- Rechtliche Grundlagen der Leistungsbewertung in Deutschland
- Gütekriterien und subjektive Fehlerquellen bei der Notengebung
- Vergleichende Analyse von Noten und Verbalberichten
- Pädagogische Auswirkungen von Selektion und Leistungsdruck
Auszug aus dem Buch
3.1 Gütekriterien und grundlegende Kritikpunkte
Bei der Messung von Schülerleistungen sind grundsätzlich die folgenden Gütekriterien zu berücksichtigen, die die Genauigkeit der Beurteilung verbessern. Denn nur auf der Basis präziser Beurteilungen können die richtigen pädagogischen und didaktischen Maßnahmen eingeleitet werden. Das Kriterium Objektivität dient zur Vermeidung von Auswirkungen subjektiver Einflüsse auf die Messung. Auch mit anderen Versuchspersonen und Auswertern soll die Messung zu den selben Ergebnissen führen. Dies soll durch Standardisierung von Messdurchführung und -auswertung erreicht werden. Die Reliabilität zielt auf die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse ab. Sie kann durch Paralleltests oder durch Wiederholungen der Messung verbessert werden. Die Validität prüft, ob tatsächlich auch das Gewünschte gemessen wurde, also etwa ein Intelligenztest auch tatsächlich die Intelligenz misst. Validität setzt Objektivität und Reliabilität voraus. Nach Langefeldt werden die für genaue Messungen notwendige hohe Objektivität, Reliabilität und Validität bei Schulleistungsmessungen jedoch näherungsweise erfüllt. Winter hält die bestehenden Mängel in der Messqualität für nicht behebbar.
Bei der Untersuchung der Leistungsbewertung durch Noten hat die Unterrichtsforschung verschiedene Kritikpunkte festgestellt. Diese lassen sich unterteilen in subjektive Fehlerquellen und systembedingte Schwachstellen.
Subjektive Fehlerquellen entstehen, weil jede Personenwahrnehmung durch meist unkontrollierte und unbewusste Erwartungen und Einstellungen des Beobachtenden beeinflusst ist. Die im Folgenden zusammengefassten „Urteiler-Fehler“ gelten bei der Beurteilung von Schülerleistungen als typisch:
(1) Milde- und Strengefehler
Mildefehler entstehen durch die besonders positive Bewertung guter Leistungen bei gleichzeitiger Vernachlässigung schwacher Leistungen desselben Schülers. Als Ursache wird zum einen der Lehrertyp („Mildbeurteiler“) gesehen, zum anderen fallen Beurteilungen bei bekannten und sympathischen Personen eher milde aus. Beim Strengefehler gilt entsprechend das Gegenteil.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Leistungsbewertung ein und stellt die Relevanz der Untersuchung im Hinblick auf pädagogische Vertretbarkeit und die Wahl der Mitteilungsform dar.
2 Leistungsbewertung in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert den Leistungsbegriff, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die zentralen Funktionen der Leistungsbewertung (Berechtigung und Anreiz).
3 Analyse der Leistungsbewertung: Hier werden Gütekriterien definiert, subjektive Fehlerquellen bei der Notengebung analysiert und die Vor- sowie Nachteile von Noten im Vergleich zu Verbalberichten kritisch gegenübergestellt.
4 Verbesserungsmöglichkeiten bei der Leistungsbewertung: Das Kapitel diskutiert Ansätze zur Optimierung der Lehrerprofessionalität, der Beobachtungsmethoden und die mögliche Ausweitung der schulischen Autonomie.
5 Resümee: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass beide bewerteten Formen (Noten und Verbalberichte) spezifische Vor- und Nachteile besitzen, die in der Praxis gegeneinander abgewogen werden müssen.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Noten, Verbalbericht, pädagogische Diagnostik, Berechtigungsfunktion, Anreizfunktion, Gütekriterien, Objektivität, Reliabilität, Validität, Schulleistung, Beurteilungsfehler, Lernmotivation, Selektion, Schulerfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die in Deutschland gängigen Formen der schulischen Leistungsbewertung (Noten und Verbalberichte) und hinterfragt deren pädagogische Vertretbarkeit und methodische Qualität.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen der Begriff der schulischen Leistung, die rechtlichen Regelungen, die Gütekriterien der Leistungsdiagnostik sowie die Auswirkungen von Noten auf die Motivation und den weiteren Lebensweg der Schüler.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Fragestellung lautet, ob die in Deutschland vorgeschriebene Art der Leistungsbewertung pädagogisch vertretbar ist und wie diese kritisch zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachliteratur, pädagogischer Theorien sowie einschlägiger rechtlicher Verordnungen und Forschungsergebnisse zur Notengebung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung des Leistungsbegriffs, die Analyse von Urteiler-Fehlern bei der Benotung und eine detaillierte Gegenüberstellung von Noten und Verbalberichten als Instrumente der Leistungsrückmeldung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leistungsbewertung, Berechtigungsfunktion, Gütekriterien, Verbalbericht, Notengebung und pädagogische Diagnostik charakterisiert.
Warum wird die Berechtigungsfunktion von Noten als so bedeutend eingestuft?
Noten fungieren als Selektionsinstrument für weiterführende Schulen und berufliche Laufbahnen, wodurch sie eine gesellschaftliche Relevanz erhalten, die weit über das pädagogische Feedback hinausgeht.
Welche typischen Beurteilungsfehler werden bei der Benotung identifiziert?
Zu den identifizierten Fehlern gehören unter anderem der Milde- bzw. Strengefehler, der Halo-Effekt, logische Fehler sowie bewusste oder unbewusste Tendenzen zur Mitte oder zu Extremen.
- Arbeit zitieren
- Peter Schlotmann (Autor:in), 2010, Ist die in Deutschland vorgeschriebene Art der Leistungsbewertung pädagogisch vertretbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178176