Wie hat sich in der Zeit der Postmoderne – als Zeit der Pluralität und grenzenlosen Vielfalt – die Führung der Wahlkämpfe in Deutschland verändert im Vergleich zu den Phasen zuvor? Fand tatsächlich ein Wandel zum amerikanischen „Vorbild“ hin statt, wie ihn die Amerikanisierungsthese beschreibt; kann man also von einer Amerikanisierung der deutschen Wahlkämpfe sprechen, oder bieten andere Konzepte; wie das der Modernisierung oder der Globalisierung hier nicht auch fundierte Erklärungsansätze?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Termini, Diskussion
2.1 Die Ausgangslage in der Bundesrepublik
2.2 Was ist „Wahlkampf“?
2.3 Vormoderne, Moderne, Postmoderne Wahlkämpfe
3. Vorstellung der Ansätze in der Wahlforschung zu Erklärung der postmodernen Phänomene
3.1 Amerikanisierung versus Modernisierung
3.1.1 Amerikanisierungsthese
3.1.2 Modernisierungsthese
3.1.3 Standardisierungs-/Globalisierungsthese
3.2 Gegenüberstellung und Fazit
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Debatte um die vermeintliche Amerikanisierung der deutschen Wahlkampfkultur im Zeitalter der Postmoderne. Dabei wird analysiert, ob der beobachtbare Wandel der politischen Kommunikation tatsächlich als Übernahme amerikanischer Modelle zu verstehen ist oder ob endogene Modernisierungsprozesse und globale Standardisierungstendenzen fundiertere Erklärungsansätze für die veränderte Strategiegestaltung der Parteien bieten.
- Phasenmodell der Wahlkampforganisation (vormodern, modern, postmodern)
- Differenzierung der Amerikanisierungs-, Modernisierungs- und Globalisierungsthese
- Struktureller Vergleich der Mediensysteme und politischen Rahmenbedingungen (USA vs. BRD)
- Analyse der Rolle von Massenmedien, Professionalisierung und Personalisierung
- Kritische Einordnung von Wahlkampftechniken und deren Auswirkungen auf die demokratische Kommunikation
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Amerikanisierungsthese
Der Begriff der Amerikanisierung wird zuallererst als Gegenpart zu dem der Modernisierung verstanden und in der politikwissenschaftlichen und publizistischen Literatur ebenso verwendet (vgl. Wagner:26). Es wird hierbei allerdings zwischen zwei Hauptströmungen unterschieden; zum einen kann Amerikanisierung in einem weiteren Verständnis benutzt werden, um so die Veränderung im Bereich des Politischen zu beschreiben (vgl. Pfetsch 2001:27). Der zweite Ansatz beschreibt die Übernahme von amerikanischen Methoden im politischen Prozess, hierbei sei vor allem die Übernahme von Wahlkampfmethoden zu nennen (Wagner 2005:26f.). Unabhängig davon, welche der beiden Strömungen favorisiert wird, ist der Begriff der Amerikanisierung eindeutig negativ belegt, so Wagner (ebd.:27). Dies belegt auch Kamps, der von der (vermeintlichen) Einseitigkeit spricht, „mit der sich der politische Transfer scheinbar vollzieht“ (Kamps 2000:14). Dadurch entsteht eine hierarchische Ordnung zwischen Amerika und einem Land X.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Epoche der Postmoderne ein und skizziert die Leitfrage, inwieweit deutsche Wahlkämpfe durch amerikanische Vorbilder geprägt wurden oder durch modernisierende Gesellschaftsprozesse erklärt werden müssen.
2. Termini, Diskussion: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Wahlkampfs und erläutert die Phasenmodelle, die den Übergang von vormodernen über moderne zu postmodernen Wahlkampfformen systematisieren.
3. Vorstellung der Ansätze in der Wahlforschung zu Erklärung der postmodernen Phänomene: Das Hauptkapitel diskutiert die drei zentralen Thesen der Amerikanisierung, Modernisierung und Globalisierung und vergleicht diese kritisch hinsichtlich ihrer Erklärungsgehalte für die deutsche Parteienlandschaft.
4. Resümee: Das Schlusskapitel bilanziert, dass die Amerikanisierungsthese den beobachtbaren Wandel der deutschen Wahlkampfführung nur unzureichend erklärt und dieser stattdessen durch endogene Modernisierung der Gesellschaft und Wählerstrukturen begründet werden sollte.
Schlüsselwörter
Amerikanisierung, Modernisierung, Globalisierung, Wahlkampf, politische Kommunikation, Postmoderne, Professionalisierung, Personalisierung, Medialisierung, Medienlogik, Parteienwettbewerb, Wahlkampfindustrie, pseudoereignisse, Wahlforschung, Mediendemokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der deutschen Wahlkampfkultur und prüft kritisch, ob dieser als "Amerikanisierung" bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung der Wahlkampfmethoden, die Professionalisierung politischer Kommunikation und der Vergleich politischer Systeme zwischen den USA und Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die Amerikanisierungsthese eine fundierte Erklärung für die Veränderungen in deutschen Wahlkämpfen bietet oder ob andere Konzepte wie die Modernisierungstheorie treffender sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturstudie, um verschiedene politikwissenschaftliche Erklärungsansätze gegenüberzustellen und auf ihre Anwendbarkeit auf die Bundesrepublik zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Vorstellung und Diskussion der Amerikanisierungs-, Modernisierungs- und Globalisierungsthese sowie einem strukturellen Vergleich des politischen und medialen Systems von USA und BRD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Amerikanisierung, Modernisierung, politische Kommunikation, Wahlkampf, Professionalisierung, Medialisierung und Postmoderne sind die prägenden Begriffe.
Warum wird die Amerikanisierungsthese von der Autorin kritisch betrachtet?
Die Autorin stellt fest, dass institutionelle Unterschiede und länderspezifische kulturelle Normen eine "blinde" Übernahme amerikanischer Modelle unmöglich machen und der Begriff deshalb analytisch zu kurz greift.
Welche Bedeutung haben die "Pseudoereignisse" für moderne Wahlkämpfe?
Pseudoereignisse dienen als inszenierte Maßnahmen, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Berichterstattung im Sinne der eigenen Medienstrategie zu beeinflussen.
- Quote paper
- Hannah Illgner (Author), 2009, Amerikanisierung der deutschen Wahlkämpfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178200