Entwicklung: Lesen und Schreiben unter Berücksichtigung von Legasthenie und funktionalem Analphabetismus


Hausarbeit, 2011

25 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung Lesen und Schreiben
2.1 Lesen und seine Vorläuferfähigkeiten
2.2 Schreiben und seine Vorläuferfähigkeiten
2.3 Resümee

3. Individuelle Unterschiede
3.1 Dyslexie
3.2 Aufmerksamkeitsstörung

4. Legathenie
4.1 Definition
4.2 Ursachen von Lese- und Rechtschreibschwächen
4.3 Folgen im sozialen, schulischen und beruflichen Umfeld

5. Funktionaler Analphabetismus
5.1 Definition
5.2 Ursachen

6. Fazit

1. Einleitung

Lesen und Schreiben lernt jeder Mensch, denn es bildet die Grundlage für die Verständigung mit und das Verstehen seiner Umwelt. Der Eine lernt es besser und der Andere halt weniger gut. Kinder verbringen von der ersten bis zur zwölften Klasse etwa 15000 Stunden in der Schule und lernen dort die verschiedenen Begriffe und Fähigkeiten um sich in unserer Welt zurecht zu finden, sie lernen Lesen und Schreiben.

Viele Kinder lernen ganz mühelos Lesen schon bevor sie in die Schule kommen oder nur nach kurzer Anleitung, doch anderen fällt der Lernprozess schwer und ist frustrierend. Die Entwicklung des Schreibens beginnt wie die des Lesens bereits vor dem Schuleintritt. Für diese beiden Fähigkeiten muss man zuerst einige Vorläuferfähigkeiten erlernen um den gewünschten Erfolg zu erzielen, auf die später noch eingeangen wird.

Wie bereits erwähnt gibt es auch Kinder denen dieser Lernprozess schwer fällt. Es kann sich daraus eine Legasthenie entwickeln, die umgangssprachlich genannte Lese- und Rechtschreibschwäche. Diese LRS (Lese- und Rechtschreibschwäche) wird durch die Umwelt des Kindes beeinflusst wodurch es zu einer Verbesserung sowie auch zu einer Verschlechterung dieser Schwäche kommen kann.

Ein weiteres Phänomen das in unserer Gesellschaft auftreten kann, welches bedingt ist durch den Grad des Schriftspracherwerbs der von der Person die in der Gesellschaft lebt erwartet wird, nennt sich funktionaler Analphabetismus. Dieses Phänomen bekommt meist erst im späteren Verlauf der Entwicklung eine größere Bedeutung.

2. Entwicklung Lesen und Schreiben

Anders als beim Erlernen der Sprache welches für die meisten Kinder recht mühelos abläuft ist das Erlernen der Schriftsprache meist eine größere Herausforderung. Hierbei müssen Kinder auf ihrem Weg begleitet und geführt werden. Kinder sind schon vor dem Schuleintritt mit den Schriftzeichen konfrontiert, und versuchen ihnen erst an groben Merkmalen wie z.B. Schriftzug oder Farbe eine Bedeutung zu geben. Das Vorlesen in der Familie spielt dabei eine wichtige Rolle. Kinder müssen zuerst eine gewisse Sensibilität für schriftliche Texte und seine Merkmale entwickeln. Sie haben Mühe den Vorgang des Lesens wenn sie ihn bei ihren Eltern beobachten zu erklären. Sie lernen dass Schrift die reale Welt wiederspiegelt und darüber hinaus mehr wiedergeben kann als Zeichnungen und Bilder es vermögen sowie bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt. Die Wörter bekommen mehr und mehr an Bedeutung und sind nicht willkürlich aneinander gereiht (Klicpera, Schabmann, & Gasteiger-Klicpera, Legasthenie, 2007).

2.1 Lesen und seine Vorläuferfähigkeiten

Der typische Weg der Leseentwicklung bringt für den einen oder anderen bestimmte Schwierigkeiten mit sich denn jeder kann sich bestimmt daran erinnern wie ein Mitschüler scheinbar ewig brauchte um einen einfachen Satz abzulesen. Für jedes Kind läuft diese Entwicklung unterschiedlich schnell ab (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008). Chall (1979) erstellte dazu ein Fünf-Stufen Modell welches einen guten Überblick über den typischen Weg bis zum Lesen können gibt:

Stufe 0 (von der Geburt bis zur Einschulung)

In dieser Stufe entwickeln sich die zentralen Voraussetzungen für das Lesen. Die Kenntnis der Buchstaben und der Erwerb phonologischer Bewusstheit sind hierbei am bedeutsamsten. Unter phonologischer Bewusstheit versteht man im Allgemeinen die Fähigkeit, die lautliche Struktur von Wörtern zu identifizieren.

Stufe 1 (erste und zweite Klasse)

Ein Kind entwickelt die Fähigkeit zur phonologischen Rekodierung. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit Buchstaben in Laute zu übersetzen und diese zu Wörtern zu verbinden (umgangssprachlich würde man sagen die Fähigkeit ein Wort laut auszubuchstabieren).

Stufe 2 (zweite und dritte Klasse)

Die Kinder erreichen Flüssigkeit beim Lesen einfacher sprachlicher Materialien.

Stufe 3 (vierte bis achte Klasse)

Die Kinder werden fähig aus Gedrucktem neue Informationen zu beziehen. Oder mit Chall (1979): „In den unteren Klassen lernen die Kinder zu lesen, in den höheren lesen sie zum Lernen.“

Stufe 4 (achte bis zwölfte Klasse)

Jugendliche sind nun nicht mehr nur fähig Informationen die aus einer Perspektive dargeboten werden zu verstehen, sondern auch mehrere Perspektiven zu koordinieren. Dies ermöglicht es Ihnen, sich an den Feinheiten großer Romane zu erfreuen, die fast immer mehrere Standpunkte enthalten.

Bestimmte Grundinformationen über das Lesen erlernen Kinder allein durch das Betrachten von Büchern oder sich vorlesen lassen. Sie lernen dass Texte von links nach rechts gelesen werden, man bei Erreichen des Zeilenendes links außen in der nächsten Zeile weiter liest oder dass Wörter durch Zwischenräume voneinander getrennt sind (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008). Kinder aus der Mittelschicht lernen meist auch schon die Namen der Buchstaben doch für die einkommensschwachen Mitglieder von Minderheitsgruppen gilt das im Allgemeinen nicht (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008). Die Kenntnis der Buchstaben korreliert positiv mit der späteren Leseleistung, es besteht aber kein kausaler Zusammenhang (Vellutino & Scanlon, 1987). Als wichtigste und erste Vorläuferfähigkeit ist jedoch die phonologische Bewusstheit zu nennen. Die phonologische Bewusstheit, also die Fähigkeit, die lautliche Struktur von Wörtern zu identifizieren korreliert nicht nur mit der Leseleistung sondern ist eine Ursache dafür (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008). Der Begriff phonologische Bewusstheit die sich laut Chall (1979) von der Geburt bis zur Einschulung entwickelt bezeichnet im Fachgebiet Entwicklungspsychologie und allgemein der Leseforschung eine bestimmte Form der Sprachbewusstheit und stellt den wichtigsten Teilbereich der sogenannten „phonologischen Informationsverarbeitung“ dar. Es bezeichnet die Fähigkeit, bei der Aufnahme, der Verarbeitung, dem Abruf und der Speicherung von sprachlichen Informationen Wissen über die lautliche Struktur der Sprache heranzuziehen. Kinder müssen sich hierzu vom Bedeutungsinhalt der Sprache lösen und begreifen dass Sätze aus Wörtern, Wörter aus Silben und Silben aus Lauten aufgebaut sind und dass manche Wörter länger und andere kürzer sind. Es geht darum zu erfassen, was der erste Laut eines Wortes ist, wie es endet und dass manche Wörter sich reimen. Man unterscheidet zwei wesentliche Aspekte: Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne bezieht sich auf den bewussten Umgang mit den kleinsten Einheiten der gesprochenen Sprache, den Phonemen (Lauten). Sie entwickelt sich üblicherweise erst unter Anleitung im Zusammenhang mit dem Schriftspracherwerb. Unter der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne versteht man die Wahrnehmung der gröberen sprachlichen Einheiten wie Wörter im Satz und Silben in Wörtern, den Klang der Wörter beim Reimen. Sie entwickelt sich in der Regel spontan, d.h. ohne äußere Anleitung schon im Vorschulalter (Jahn, 2007). Phonologische Bewusstheit ist ein Teilbereich der Vorläuferfähigkeiten die sich unter dem Hauptbegriff metalinguistische Bewusstheit zusammenfassen lassen. Die metalinguistische Bewusstheit ist die zunehmende Fähigkeit sprachliche Informationen aufzunehmen zu verarbeiten und gezielt zu steuern sowie hilfreiche Strategien zur Umsetzung anzuwenden. Bestehend aus der Wortbewusstheit womit die Fähigkeit gemeint ist das Wort als eine Grundeinheit der Sprache anzusehen (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008). Als Beispiel könnte man den Vergleich zwischen einem Hund und einem Regenwurm setzen. Als Antwort darauf welches Wort länger ist bekommt man von den meisten Kindern Hund als Antwort, da sich erst allmählich ein Wissen um das Wort als solches bildet. Das Wort Hund wird ist für das Kind das längere, weil der reale Hund ja auch viel größer ist! Weitere Fertigkeiten die sich mit der Zeit bilden betreffen die syntaktische Bewusstheit. Kindern fällt es schwer Sätze zu analysieren und damit auch Aufgaben zur Umstellung von Wörtern in Sätzen. Das Erfinden von Sätzen mit bestimmten Wörtern fällt ebenfalls schwer. Funktionswörter wie für oder jedoch haben für Kinder meist keine unmittelbare Bedeutung wenn diese für sich alleine stehen. Hinzu kommt noch die pragmatische Bewusstheit bei der es darauf ankommt auf die Verständlichkeit einer Äußerung und Struktur des gesamten Textes zu beachten (Klicpera, Schabmann, & Gasteiger-Klicpera, Legasthenie, 2007). Diese genannten Vorläuferfähigkeiten entwickelt sich alle mit fortschreitender Entwicklung und sind zeitlich nicht genau einzuschränken. Als nächste Fähigkeit in Chall´s (1979) Stufenmodell entwickelt sich die phonologische Rekodierung. Kinder versuchen Wörter mit verschiedenen Strategien wiederzuerkennen was ihnen das Lesen erleichtert. Es gibt zwei verschiedene Prozesse: zum einen den Prozess der phonologischen Rekodierung und den des direkt visuell gestützten Abrufens.

Phonologische Rekodierung ermöglicht es einem Kind die visuell dargebotene Form eines Wortes in eine verbale, phonologische Form zu übersetzen. Dadurch kann es die Bedeutung eines Wortes verstehen. Bei dem visuell gestützten Abruf wird die Bedeutung eines Wortes direkt aus dem Gedächtnis abgerufen während man es visuell wahrnimmt. Diese Worterkennungsstrategien unterscheiden sich in ihrer Geschwindigkeit. Für leichte Worte benutzen Kinder meist den direkt visuell gestützten Abruf und bei schwierigen Wörtern verlassen sie sich auf die langsamere aber sicherere Strategie der phonologischen Rekodierung. Zu Beginn des Lesen Lernens verlassen sich Kinder öfter auf die phonologische Rekodierung. Mit Zunahmen der eigenen Leseaktivität und Sicherheit rückt diese Strategie in den Hintergrund und das visuell gestützte Abrufen wird favorisiert (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008). Nach erfolgreicher Umsetzung dieser genannten Vorläuferfähigkeiten kann das Kind nach Chall (1979) bereits lesen und in den nächsten Stufen wird das Lesen und die Informationsverarbeitung aus gelesenen Texten ausgereifter und verbessert. Durch die Anwendung dieser genannten Vorläuferfähigkeiten und Strategien kommt es beim Kind zu einem Textverständnis. Es bildet sich ein so genanntes mentales Modell dass die im Text gegebenen Informationen zu einem großen Ganzen verknüpft. Dieses mentale Modell wird beim Lesen eines Textes immer wieder aktualisiert wenn neue Informationen die relevant für das Verständnis sind aufgenommen (gelesen) werden (Johnson-Laird, 1983); (Oakhill & Cain, 2000).

Die Entwicklung dieser Vorläuferfähigkeiten ist ein Prädikator für die spätere Leseleistung eines Kindes. Umso besser und früher sich das Kind mit dem Lesen auseinandersetzt desto größer wird sein späterer Erfolg darin. Die Entwicklung der phonologischen Bewusstheit gilt unter anderem als ein Indikator für den Schriftspracherwerb. Juel (1988) und andere stellten Erstklässlern Fragen nach den Lauten aus denen sich die Wörter zusammensetzen oder wie sich ein Wort beispielsweise anhören würde wenn man einen Laut weglassen würde. Die Leistung bei diesen Aufgaben zur phonologischen Bewusstheit ließ Vorhersagen zu wie gut sich die Kinder zu guten Lesern entwickeln würden. Diese Vorhersage ging über den IQ und das Hörverstehen hinaus. Andere eindrucksvolle Untersuchungen bei denen mit Kindern ein explizites Training zur phonologischen Bewusstheit durchgeführt wurde stützten diese Annahme (Bradley & Bryant, 1983); (Byrne & Fielding-Barnsley, 1995).

2.2 Schreiben und seine Vorläuferfähigkeiten

Die Entwicklung des Schreibens zeigt erstaunliche Parallelen zu der Entwicklung des Lesens. Sie beginnt wie die des Lesens bereits vor der Einschulung. Die ersten Versuche des Schreibens eines Vorschulkindes lassen erkennen dass es versucht immer eine Bedeutung in das Geschriebene einzubringen. Beispielsweise benutzt das Kind mehr Zeichen um das Wort „Wald“ wiederzugeben als für das Wort „Baum“ (Siegler, Deloache, & Eisenberg, 2008).

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Entwicklung: Lesen und Schreiben unter Berücksichtigung von Legasthenie und funktionalem Analphabetismus
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V178359
ISBN (eBook)
9783656003151
ISBN (Buch)
9783656003342
Dateigröße
1288 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, lesen, schreiben, berücksichtigung, legasthenie, analphabetismus
Arbeit zitieren
Peter Jarek (Autor), 2011, Entwicklung: Lesen und Schreiben unter Berücksichtigung von Legasthenie und funktionalem Analphabetismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178359

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