Argumentrealisierungen und -auslassungen bei monolingualen und bilingualen Kindern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung
1. Arbeiten zur Sprachentrennung und Sprachentrennung
2. Sprachentrennung
3. Subjektauslassungen
3.1 Betrachtung der Zielsprachen
3.2 Subjektauslassungen bei monolingualen Kindern
3.3 Subjektauslassungen bei bilingualen Kindern
4. Objektauslassungen
4.1 Betrachtung der Zielsprachen
4.1.1 Objektauslassungen in den Zielsprachen
4.1.2 Arten der Null-Komplemente
4.2 Sprachliche Betrachtung von monolingualen Kindern
4.2.1 Objektauslassungen bei monolingualen Kindern
4.2.1 Der Erwerb von Subjekt- und Objektklitika
4.3 Betrachtung der Objektrealisierung bei bilingualen Kindern

II. Schlusswort

III. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Seit mehreren Jahren widmet sich die Forschung dem simultanen Erwerb von zwei und mehreren Sprachen. Während zunächst davon ausgegangen wurde, dass auch bilinguale Kinder nur über ein einziges Sprachsystem verfügen, woraus Einflüsse der einen Sprache auf die andere zu resultieren schienen, konnten Forschungsergebnisse zeigen, dass zweisprachig aufwachsende Kinder bereits in der Einwortphase die grammatischen Systeme voneinander trennen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit sich diese gegenseitig beeinflussen.

In der aktuellen Fachliteratur werden drei Formen des Spracheneinfluss unterschieden: Der Transfer, die Beschleunigung und die Verlangsamung. Unter Transfer ist die Eingliederung einer grammatischen Eigenschaft der einen Sprache in die andere Sprache zu verstehen. Tritt eine grammatische Eigenschaft der betreffenden Sprache früher auf, als bei monolingualen Kindern, so wird von Beschleunigung gesprochen. Die Kontroverse der Beschleunigung ist die Verlangsamung, bei der eine grammatische Eigenschaft einer Sprache im Vergleich zu monolingualen Kindern zeitlich verzögert auftritt.

Von Interesse für diese Arbeit ist die durch Spracheneinfluss bedingte Verzögerung sein, die für die Subjekt- und Objektauslassung belegt werden soll. Hierfür wird beginnend das Wesen der Subjekt- und Objektauslassungen beschrieben. Der Betrachtung der zeilsprachlichen Argumentrealisierung und –Auslassung, folgt der Erwerb der Subjekt- und Objektklitika, um schließlich vor diesem Hintergrund den Spracheneinfluss bei bilingualen Kindern in diesem Bereich zu analysieren. Ziel ist es festzustellen, wie bilinguale Kinder den Objektbereich erlernen und inwieweit sich die beiden Sprachen beeinflussen.

1. Arbeiten zur Sprachentrennung und Spracheneinfluss

VOLTERRA und TAESCHNER (1977) gingen in ihren Untersuchungen von einem fusionierten Sprachsystem aus. Demnach erfolgt der simultane Zweitsprachenerwerb in drei Phasen. In der ersten Phase wird von einem einzigen Lexikon ausgegangen, das Wörter beider Sprachen beinhaltet. Erst in der zweiten Phase bilden sich zwei Lexika heraus, wobei weiterhin nur ein syntaktisches System besteht. Erst in der dritten Phase entwickelt das Kind auch für den Bereich der Syntax zwei verschiedene Systeme.

Die Behauptung, dass in Phase eins nur ein Sprachsystem existiert, begründen die Forscherinnen mit der Beobachtung, dass die Kinder keine bis sehr wenige Äquivalente kennen sowie die unterschiedliche Häufigkeit derer in den beiden Sprachen. Letzteres sollte vor dem Hindergrund der Sprachdominanz jedoch kritisch betrachtet werden. Darüber hinaus konnte CANTONE (2007) nachweisen, dass die bilingual deutsch-italienischen Kinder Äquivalente kennen. Die Abwesenheit einer Sprachform ist demzufolge kein Beleg dafür, dass das Kind diese Sprachform nicht verfügt.

Die zweite Phase, die durch zwei Lexika, aber ein einziges syntaktisches System gekennzeichnet ist, wird durch die Stellung der attributiven Adjektive belegt. Im italienischen werden diese postnominal im deutschen jedoch pronominal verwendet. In den Untersuchungen verwendeten die deutsch-italienischen Kinder diese Adjektive jedoch sowohl im deutschen als auch im italienischen ausschließlich postnominal.

Weiterhin wird die Negation als Evidenzbereich für ein einziges grammatikalisches System angeführt, die sich in den Zielsprachen unterscheidet. Während im Italienischen die Verneinung immer vor dem Verb steht, steht sie im deutschen entweder davor, wenn es sich um einen Nebensatz handelt, oder dahinter, wenn es sich um einen Hauptsatz handelt. Sätze, wie *nein, ich nicht will führen die Forscherinnen als Beleg für ihre Behauptung an. Allerdings treten auch im Italienischen ungrammatikalische Konstruktionen auf. Daher kann dieser Beleg nur eingeschränkt als Grund angeführt werden, dass die Kinder nur ein einziges Regelsystem verwenden. Zu kritisieren ist darüberhinaus, dass als Beleg für die Teilung des grammatikalischen Systems die zielsprachliche Verwendung der in Phase zwei beschriebenen Phänomene, zwischen denen jedoch eine Interferenz besteht. Die Autorinnen stellen hier dasselbe fest, wie in Phase zwei, deuten es nur anders.

GENESEE und MEISEL (1989) widersprachen dem fusionierten Sprachsystem, von dem die Forscherinnen Volterra und Taeschner ausgingen und plädierten für getrennte Lexika und Grammatiken. Beide zeigten anhand unterschiedlicher Phänome, dass Kinder sehr wohl in der Lage sind, ihre Sprachen voneinander zu trennen. Sie belegten dies anhand von Äußerungen, die sich aus Sprachelementen beider Sprachen zusammensetzen unter Berücksichtigung von Ein-Wort-Äußerungen. GENESEE (1989, S, 321 f) nutzte für ihre Erhebung gemischtsprachliche Äußerungen. Diese Sprachmischungen können in den unterschiedlichsten linguistischen Bereichen auftreten.

In ihrer Untersuchung konnte festgestellt werden, dass in früheren Erwerbsphasen mehr Sprachmischung auftreten als im fortgeschrittenen Spracherwerbsstadium. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Einfluss kann die Vorbildwirkung der Eltern haben, aber auch die mögliche Dominanz der einen Sprache über die andere. Darüber hinaus ist es möglich, dass im verwendeten Sprachsystem das notwendige grammatikalische Phänomen noch nicht ausgebildet ist und als Behelfsstrategie auf das andere Sprachsystem zurückgegriffen wird. Aber auch pragmatische Gründe können angeführt werden: Es ist möglich, dass ein Wort oder ein grammatikalisches Phänomen in der einen Sprache einfacher zu realisieren ist, als in der anderen.

MEISEL (1989) untersuchte im Gegensatz zu Genesee Äußerungen von bilingualen Kindern mit Elementen aus einer Sprache. Dabei wurden die beiden Zielsprachen der bilingualen Kinder untersucht und mit denen von monolingualen verglichen. Berücksichtigung fand besonders die Wortstellung und die Subjekt-Verb-Kongruenz. Es konnte festgestellt werden, dass bilinguale Kinder weniger Variabilität in der Wortstellung aufweisen, als monolinguale aber auch, dass französischsprachige Kinder häufiger die SV Abfolge nutzen. Dass grammatische Regularitäten wie die Verbzweitstellung des Finitums, die Objekt-Verb-Abfolge im Deutschen sowie die Verb-Objekt-Abfolge im Französischen von Beginn an genutzt werden, leistet den überzeugenden Beweis für die frühe Sprachentrennung.

In den Ansätzen von Volterra & Taeschner sowie bei Meisel und Genesee schlossen sich die Sprachentrennung und der Spracheneinfluss gegenseitig aus. Der dritte Ansatz überwindet diesen Bruch und geht von einer Sprachentrennung mit Spracheneinfluss aus. Allerdings wird eingeschränkt, dass nicht das gesamte, sondern nur bestimmte grammatische Phänomene von diesem Einfluss betroffen sind. Entscheidend ist dabei nicht die Sprachdominanz, sondern die Eigenschaften des grammatischen Phänomens.

Aufgrund der Forschungsergebnisse der beschriebenen Studien muss die Frage gestellt werden, welchen Einfluss die Sprachdominanz ausübt. Es konnte bereits nachgewiesen werden, dass die Sprachdominanz eine entscheidende Rolle bei Sprachmischungen spielt.

2. Spracheneinfluss

Wird von der Hypothese ausgegangen, dass bilinguale Kinder ihre Sprachen von Beginn an als zwei separate Systeme betrachten, muss daraus nicht zwingend eine Beeinflussung der Sprachen resultieren. In der Forschung wird vielmehr davon ausgegangen, dass es trotz getrennter Systeme möglich ist, dass sich die verschiedenen Sprachen, die von einem Kind simultan erworben werden, sich gegenseitig beeinflussen. (Hulk/Müller 2000: S. 227). Spracheinfluss ist thematisch vom Begriff der gemischtsprachlichen Äußerungen abzutrennen. Es handelt sich um Spracheinfluss, wenn die Grammatik der einen Sprache systematisch durch die Grammatik der anderen Sprache beeinflusst wird (Paradis/Genesee 1996: S.3). Dies kann als Beschleunigung, Verzögerung oder Transfer geschehen. Ermittelt wird der Spracheneinfluss durch einen Vergleich mit monolingualen Kindern. Es handelt sich um einen beschleunigenden Einfluss, wenn ein bilinguales Kind ein grammatikalisches Phänomen einer Sprache früher realisiert, als ein monolinguales Kind. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Verzögerung um ein Kind, dass eine Grammatikeigenschaft später als ein monolinguales Kind realisiert. Als Transfer wird die Übertragung von grammatikalischen Regeln einer Sprache in die andere bezeichnet (Vgl. Müller/Kupisch/Schmitz/Cantone 2007: S. 119 f.). Während Verzögerung und Beschleunigung einen quantitativen Vergleich zwischen bilingualen und monolingualen Kindern herstellen, in dem sie beschreiben, ob die Norm der Zielsprache früher oder später erreicht wird, handelt es sich beim Transfer um einen qualitativen Unterschied. Bilinguale Kinder machen in diesem Bereich Fehler, die bei monolingualen Kindern nicht auftreten (Vgl. Müller/Kupisch/Schmitz/Cantone 2007: S. 180 f.).

[...]

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Details

Titel
Argumentrealisierungen und -auslassungen bei monolingualen und bilingualen Kindern
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Mehrsprachigkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V178371
ISBN (eBook)
9783656003137
ISBN (Buch)
9783656003311
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
argumentrealisierung, kindern
Arbeit zitieren
Anja Peske (Autor:in), 2008, Argumentrealisierungen und -auslassungen bei monolingualen und bilingualen Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178371

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