Funktionsweise, Nutzen und Risiken der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora"


Facharbeit (Schule), 2010
14 Seiten, Note: 2
Martin Reinsch (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist „Amflora“ und was ist das Besondere an ihr?
2.1 Wie hat man es geschafft, das Gen der Amylose-Produktion auszuschalten?

3. Der Weg „Amfloras“ zur Zulassung

4. Die Befürchtungen der Gegner „Amfloras“ hinsichtlich negativer Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

5. Die Beurteilung der Risiken durch die BASF

6. Die Nutzen durch „Amflora“

7. Schlussbetrachtung der Thematik

8. Bildverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für meine Facharbeit habe ich das Thema „Funktionsweise, Nutzen und Risiken der gentechnisch veränderten Kartoffel `Amflora`“ gewählt. Durch die zahlrei- chen öffentlichen Diskussionen, die sich in den letzten Monaten nochmals ange- häuft haben, bin ich auf die Problematik der angesprochenen Pflanze aufmerksam geworden und mein Interesse wurde geweckt. Ziel meiner Arbeit ist es einerseits, die Funktionsweise von „Amflora“ darzustellen und andererseits auch über die Risiken und Nutzen aufzuklären, wie es schon die Themenangabe veranschau- licht. Zudem werde ich noch auf den Weg der Kartoffel zu ihrer Zulassung für den Anbau eingehen.

2. Was ist „Amflora“ und was ist das Besondere an ihr?

„Amflora“ ist von Forschern der BASF in Zusammenarbeit mit Experten der Stärkeindustrie entwickelt worden1.

Den Anstoß zur Entwicklung der Kartoffel gab folgende Tatsache: In Europa wer- den jährlich etwa 1 700 000 Tonnen Stärke aus Kartoffeln gewonnen. Diese besteht aus zwei Formen der Stärke: Amylopektin und Amylose. Dabei ist für die Industrie besonders ersteres von Bedeutung, da es verdickend und bindend wirkt2. Die beiden Stärkeformen Amylopektin und Amylose lassen sich prinzi- piell trennen, was „jedoch mit einem hohem Energieaufwand verbunden3“ ist. Dies wiederum steht in Zusammenhang mit einem Kostenaufwand und ist somit unwirtschaftlich. Dieses „Problem“ lässt sich nun nach der Entwicklung Amfloras vermeiden, denn: „BASF-Forscher haben [...] das Gen, das den Aufbau des uner- wünschten Stärkeanteils kontrolliert, mithilfe Grüner Gentechnik ausgeschaltet.4

Wie die Produktion der Amylose gestoppt wird und damit das Ausschalten des dafür vorgesehenen Gens funktioniert, werde ich im nächsten Schritt erläutern.

2.1 Wie hat man es geschafft, das Gen der Amylose-Produktion auszuschal- ten?

Das Abstellen der Produktion von Amylose funktioniert nach dem in der Pflanzenbiotechnologie klassischen Verfahren der Antisense.

Von zentraler Bedeutung für diesen Vorgang ist, dass die Erbinformationen der Gene von der m-RNA (m= messenger; engl. Nachricht, Botschaft) abgelesen und gemäß dieser Auskunft in den Ribosomen (Eiweißfabriken in der Zelle) der Zelle zu bestimmten Proteinen verarbeitet werden, die für den Aufbau der Zelle und auch des gesamten Organismus zuständig sind.

Man fängt nun beim Antisense-Verfahren die m-RNA (auch Boten-RNA) auf ihrem Weg zu den Ribosomen ab um die Produktion des Eiweißes zu stoppen, das für die Amylose-Produktion zuständig ist. Dazu bringt man ein für die BotenRNA komplementäres Gen (das Antisene-Gen) in die Pflanzenzelle. Die m-RNA dieses Gens passt nun genau auf die des ursprünglichen Gens der Pflanze. Aufgrund dieser Gegensinnigkeit der beiden m-RNA wird nun die natürlich vorgesehene Proteinproduktion unterbunden und damit gleichzeitig verhindert, dass in der Kartoffel „Amflora“ Amylose produziert wird5.

„Amflora“ trägt ein weit verbreitetes Antibiotikaresistenzgen um unempfindlich gegen die Antiobiotika Kanamycin und Neomycin zu sein6. Dieses nptll-Marker- gen, das in der frühen Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen eine entscheidende Rolle spielt, verhindert, dass die Zellen in ihren ersten Entwick- lungsstadien absterben. Der Einsatz von Antibiotika und damit auch der des Re- sistenzgens nptll ist notwendig um zu erkennen, ob die Zellen die neuen ge- wünschten Gene tragen und dient damit der Probe, ob die gentechnische Veränderung funktioniert hat7.

Die Problematik der Sicherheit dieses Markergens war einer der Hauptstreitpunkte bei der Debatte, ob Amflora zugelassen werden darf oder nicht. Diesen Weg zur Zulassung werde ich nun grob und in seinen Grundzügen darstellen.

3. Der Weg „Amfloras“ zur Zulassung

„Amflora“ wurde am 2. März 2010 „für die kommerzielle Nutzung in Europa genehmigt.8“ Dieser Zulassung ging ein dreizehnjähriges9Verfahren voraus, das seit 1996 immer wieder für politische Debatten gesorgt hat, sodass Amflora die „erste gentechnisch veränderte Pflanze [ist], die seit 1998 in der EU eine Anbau- Zulassung erhalten hat.10“ Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat mehrfach die Sicherheit von „Amflora“ geprüft11. Am 11.06.2009 hat EFSA schließlich „eine positive, abschließende Stellungnahme zur Verwendung von Antibiotikaresistenz-Markergenen in gentechnisch veränderten Pflanzen pub- liziert12“, sodass die Zulassung von dort an quasi gesichert war und schließlich, wie bereits gesagt, am 2. März 2010 auch rein rechtlich abgesegnet wurde.

Damit ist Amflora neben dem Mais MON810 erst die zweite gentechnisch bear- beitete Pflanze, dessen Anbau in Europa genehmigt wurde13, sodass man in der Entscheidung den Anbau von „Amflora“ zuzulassen möglicherweise sogar einen grundsätzlichen Entschluss für die Zukunft von Gentechnik in der Landwirtschaft sehen kann.

Neben der Verwendung „Amfloras“ für die Industrie darf die Kartoffel zusätzlich in Reststoffen als Futtermittel verwendet werden und zudem werden „`zufällige, technisch unvermeidbare` Beimischungen der Amflorakartoffel in Lebensmitteln bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent14“ toleriert.

Ausgehend von der Debatte um die Zulassung werde ich nun zunächst auf die bereits angedeuteten Befürchtungen der „Amflora“-Gegner hinsichtlich der Risiken der Knolle eingehen und danach die ebenfalls schon angerissenen Nutzen durch die „neue“ Kartoffel eingehen.

4. Die Befürchtung der Gegner „Amfloras“ hinsichtlich negativer Auswir-kungen auf Mensch und Umwelt

Von außen sieht „Amflora“ aus wie eine herkömmliche Speisekartoffel, sie dient allerdings der Stärkeindustrie und wird nicht zuletzt daher von ihren Geg- nern stark kritisiert.

Dabei ist die Umweltorganisation „Greenpeace“ einer der Gegner der Genkartoffel, der den meisten Protest leistet. So haben sich Aktivisten der Organisation zum Protest vor die Lagerhalle der zum Anbau bestimmten Kartoffeln gekettet15.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.basf.com/group/pressemitteilungen/P-10-179

[...]


1 vgl.: BASF (Hrsg.): Über Amflora. http://amflora.basf.com/?p=274, 12.05.2010: „BASF-Forscher haben sie gemeinsam mit Experten der Stärkeindustrie entwickelt, um technische Anwendungen zu erleichtern.“

2 Ebd. 3

3 biotechnologie.de. Die Informationsplattform. http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/Service/suche,did=108142.html?listBlId=74568&searchText=amflora, 03.04.2010: „Eine Trennung von Amylopektin und Amylose ist prinzipiell möglich, jedoch mit einem hohem Energieaufwand verbunden.“

4 BASF (Hrsg.): Über Amflora. http://amflora.basf.com/?p=274, 12.05.2010

5 vgl.: biotechnologie.de. Die Informationsplattform. http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/Service/suche,did=108142.html?listBlId=74568&searchText=amflora, 03.04.2010

6 vgl.: BASF (Hrsg.): Das Antibiotika-Resitenzgen. http://amflora.basf.com/?p=268, 12.05.2010: „Amflora trägt ein in der Natur weit verbreitetes Antibiotika-Resitenzgen. Dies verleiht der Pflanze in ihrer frühesten Entwicklungsphase einen Wachstumsvorteil bei Anwesenheit der Antibiotika Kanamycin oder Neomycin gegenüber Pflanzen, die diesen Marker nicht tragen.“

7 vgl.: BASF (Hrsg.): FAQ: die häufigsten Fragen. http://amflora.basf.com/?page_id=316, 12.05.2010: „Das Antibiotikare- sistenzgen nptll, das Pflanzenzellen unempfindlich gegen die beiden genannten Antibiotika macht, wurde Amflora als so- genanntes Markergen hinzugefügt. Dieses Markergen - auch Selektionsmarker genannt- ist in den frühen Stadien der Ent- wicklung gentechnisch veränderter Pflanzen von Bedeutung. Mit seiner Hilfe kann man in einer Vielzahl von Zellen dieje- nigen erkennen, die wie gewünscht die neuen Gene tragen: Zellen mit Marker können in Anwesenheit der Antibiotika über- leben und zu transgenen Pflanzen herangezogen werden. Zellen ohne Marker sterben bei Anwesenheit von Antibiotika ab.“

8 BASF (Hrsg.): EU-Kommission genehmigt Stärkekartoffel Amflora. http://www.basf.com/group/pressemitteilungen/P- 10-179, 14.05.2010: „Ludwigshafen - 2.März 2010 - Die Europäische Kommission hat heute Amflora, die gentechnisch optimierte Stärkekartoffel der BASF, für die kommerzielle Nutzung genehmigt.“

9 vgl.: TransGen (Hrsg.): Nachwachsende Rohstoffe: Stärkekartoffeln. Amflora-Kartoffel: Zulassung nach dreizehn Jahren. http://www.transgen.de/pflanzenforschung/nachwachsende_rohstoffe/706.doku.html, 03.04.2010: „Der erste Zulassungsan- trag für die gentechnische veränderte Amflora-Kartofell wurde schon 1996 eingereicht. Dreizehn Jahre später genehmigte die EU-Kommission sowohl den Anbau in Europa als auch die Verwendung von Futtermittel, die aus den bei der Stärkeverarbeitung anfallenden Reststoffen gewonnen werden.“

10 Ebd.

11 Ebd.

12 vgl.: BASF (Hrsg.): EU-Kommission genehmigt Stärkekartoffel Amflora. http://www.basf.com/group/pressemitteilungen/P-10-179, 14.05.2010

13 vgl.: biotechnologie.de. Die Informationsplattform. http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/Service/suche,did=108142.html?listBlId=74568&searchText=amflora, 03.04.2010

14 TransGen (Hrsg.): Nachwachsende Rohstoffe: Stärkekartoffeln. Amflora-Kartoffel: Zulassung nach dreizehn Jahren. http://www.transgen.de/pflanzenforschung/nachwachsende_rohstoffe/706.doku.html, 03.04.2010

15 vgl.: Bremer, Talassa: Amflora – Nein Danke!. http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/nachrichten/artikel/amflora_nein_danke/ , 18.05.2010: „Im Nebel des frühen Montagmorgen sind 25 Greenpeacer am Schuppen von Bauer Niehoff im mecklenburgischen Bütow zusammengekommen, in dem die heißen Kartoffeln lagern.[…]Um nicht gleich vom Hof gejagt zu werden, haben sich die Greenpeace-Aktivisten vor den Toren der Lagerhalle angekettet und ihre Arme und Beine an Ort und Stelle festzementiert.“

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Funktionsweise, Nutzen und Risiken der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora"
Hochschule
Private Gymnasien Schloss Buldern
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V178690
ISBN (eBook)
9783656013679
ISBN (Buch)
9783656018056
Dateigröße
1038 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
funktionsweise, nutzen, risiken, kartoffel, amflora
Arbeit zitieren
Martin Reinsch (Autor), 2010, Funktionsweise, Nutzen und Risiken der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178690

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