Ehrenamtliches/bürgerschaftliches Engagement von SeniorInnen aufgrund von oder durch Bildung

Eine Untersuchung der Forderung nach ehrenamtlichem/bürgerschaftlichem Engagement von Menschen nach der Erwerbstätigkeit als eine Aufgabe der Alter(n)spädagogik, dies mithilfe des skeptisch-transzendentalkritischen Einsatzes


Bachelorarbeit, 2011
25 Seiten, Note: 3,0
Teresa Jonathan (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Forschungsfrage

4. Methodik

5. Hermeneutische Bearbeitung der Texte von Bubolz-Lutz und Meyer-Wolters
5.1. Bubolz-Lutz (2000): Bildung im Alter – eine Chance zu persönlicher, sozialer und gesellschaftlicher Entwicklung
5.2. Forderung nach ehrenamtlichem und/oder bürgerschaftlichem Engagement der SeniorInnen bei Bubolz-Lutz und deren Begründung
5.3. Meyer-Wolters (2002): Altern als Aufgabe – oder wider die Narrenfreiheit der Alten
5.4. Forderung nach ehrenamtlichem und/oder bürgerschaftlichem Engagement der SeniorInnen bei Meyer-Wolters und deren Begründung

6. Transzendentalkritische Betrachtung der Forderung nach ehrenamtlichem/bürgerschaftlichem Engagement von SeniorInnen aufgrund von Bildung

7. Ergebnisse und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

2011 ist dasEuropäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerbeteiligung. Auf der Homepage des österreichischen Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (2011) wird der Zweck dieses Jahres beschrieben mit: „Die Förderung der aktiven Bürgerbeteiligung stellt ein zentrales Element bei der Förderung des Zusammenhalts und der Entwicklung der Demokratie dar.“ Vier Hauptziele werden genannt:

1. Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Freiwilligentätigkeiten in der EU,
2. Stärkung des Potenzials der Organisatoren von Freiwilligentätigkeiten zur Verbesserung der Qualität von Freiwilligentätigkeiten,
3. Anerkennung von Freiwilligentätigkeiten,
4. Sensibilisierung für den Wert und die Bedeutung von Freiwilligentätigkeiten.[1]

Als Trainerin für Erwachsenenbildung im Arbeitsmarktservicebereich gewinnt man den Eindruck, dass sehr viel Arbeit, auch nichtsoziale, heutzutage unbezahlt in Form von Praktika erledigt wird und staatliche Stellen dies zumindest nicht unterbinden. Im KollegInnenkreis wird dafür die in den Medien dargestellte Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht. Es scheint kein Geld vorhanden zu sein, nicht bei profitorientierten Unternehmen und noch weniger bei sozialen Organisationen.

Einerseits werden also Pflichtpraktika geleistet, andererseits liegt beim Arbeitsmarktservice Österreich eineEinladungzur Freiwilligentätigkeit an arbeitsuchende Menschen auf[2].

Mit der Erfahrung, dass arbeitsuchende Menschen zur Freiwilligenarbeit und zur diesbezüglichen Qualifizierungeingeladenwerden, möchte ich untersuchen, ob in unserer Gesellschaft eine ähnlicheEinladungauch in anderen Bereichen oder an andere Menschen ergeht. Denkbar wäre, dass eine derartige Einladung an SeniorInnen herangetragen wird, da sie ebenso qualifiziert sind und ebenso vielFreizeithaben - wenn nicht noch mehr aufgrund der wegfallenden Arbeitsuche - wie Arbeitsuchende.

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des SeminarsAlter(n)spädagogik – Warum und Wozu? Eine legitimationskritische Anfrage an Vorschläge zu Bildung, Lernen, Sozialisation von Menschen des 3. und 4. Lebensaltersdes Bachelorstudiums der Bildungswissenschaft an der Universität Wien im Wintersemester 2010/11 durchgeführt. Es werden pädagogische und geragogische Anregungen bzw. Forderungen zur Freiwilligentätigkeit pensionierter Menschen bzw. von Menschen im Alter nach der gesetzlichen Erwerbstätigkeit (im Folgenden: SeniorInnen) zu identifizieren versucht. Finden sich derartige Anregungen bzw. finden sich gar derartige Forderungen, werden sie legitimationskritisch hinterfragt: es wird also die Frage gestellt, unter welchen Bedingungen diese Anregungen bzw. Forderungen möglich wären, dies um eine möglicherweise direktive Haltung erkennen zu können.

3. Forschungsfrage

Einige PädagogInnen und insbesondere GeragogInnen schreiben in ihren Veröffentlichungen zum Thema Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement für Menschen im Alter nach der Erwerbstätigkeit. Explizit trifft dies auf Bubolz-Lutz (2000) und Meyer-Wolters (2002) in den bearbeiteten Texten zu, weshalb deren Artikel zur Untersuchung herangezogen wurden. Beim Textstudium, das die mehrfache Nennung beider Begriffe offenbarte, stellte ich mir die Frage, ob eine Einladung zur oder gar eine Forderung nach ehrenamtlichem und/oder bürgerschaftlichem Engagement dieser Altersgruppe in den Texten bestehe und, wenn ja, unter welchen Umständen diese Einladung oder Forderung überhaupt möglich wäre. Die Berechtigung und die Begründung einer Forderung, die an Menschen herangetragen wird, kann und soll transzendentalkritisch hinterfragt werden, da möglicherweise eine Bevormundung mündiger Menschen auftritt.

Welche impliziten Vorannahmen und welche Bedingungen/welche Menschenbilder liegen der Forderung – wenn sie tatsächlich hermeneutisch gefunden wird - nach ehrenamtlichem und/oder bürgerschaftlichem Engagement von SeniorInnen aufgrund von Bildung bei Bubolz-Lutz und Meyer-Wolters zugrunde?

Zur Beantwortung dieser Frage scheint die Transzendental- oder Legitimationskritik geeignet, die nach den Bedingungen der Möglichkeit frägt. Wird eine Möglichkeit als gegeben dargestellt, liegen dieser Bedingungen, Voraussetzungen, Vorannahmen und/oder Umstände, unter denen die Möglichkeit durchführbar ist, zugrunde. Sie zu finden und die Begründungszusammenhänge zu hinterfragen ist Aufgabe der Transzendentalkritik.

4. Methodik

„Transzendental ist […] eine Erkenntnis dann, wenn sie die Erfahrung übersteigt, nicht um sie zu verlassen, sondern um sie zu erklären und als Quelle der Erkenntnis richtig einzuschätzen.“ (Schurr 1982, S. 39) Transzendentale Kritik werde sie genannt, „weil sie nicht die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur die Berichtigung derselben zur Absicht hat und den Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse a priori abgeben soll“ (Kant: K.d.r.V. B26, zit. nach Breinbauer 1992, S. 226).

Nach Jaeggi/Wesche (2009) sei Kritik „immer gleichzeitig Dissoziation wie Assoziation. […] Noch die radikale Widerlegung ist in diesem Sinne eine Bezugnahme, und noch eine Kritik, die auf den Bruch mit einer bestehenden Ordnung setzt, stellt eine Beziehung zu der Situation her.“ (S. 8)

Eine hermeneutische Betrachtung der untersuchten Texte ist daher unerlässlich (vgl. auch Fischer 1983). Es ist nicht möglich, eine kritische Betrachtung durchzuführen, ohne den Gegenstand genau zu kennen. Im Folgenden wird daher zuerst eine Interpretation der Texte von Bubolz-Lutz (2000) und Meyer-Wolters (2002) durchgeführt, um die Inhalte, die einer kritischen Bearbeitung unterzogen werden sollen, zu kennen und zu verstehen. Hingewiesen wird darauf, dass nur die für die Beantwortung der Forschungsfrage relevanten Textteile hermeneutisch dargelegt werden. Um eine aus dem Zusammenhang gerissene Interpretation zu vermeiden, wird der Inhalt vorab zur Gänze dargelegt.

Möchte man kritisch hinterfragen, sei Voraussetzung, dass Spielräume, Deutungs- und Entscheidungsmöglichkeiten gegeben seien. Kritik sei nur dann gerechtfertigt, wenn sie sich auf Tatbestände beschränke, die auf menschliches Handeln zurückzuführen seien (vgl. Heid 1999).

Wird bei der hermeneutischen Betrachtung der Texte eine Forderung oder zumindest eine Anregung zu ehrenamtlichem/bürgerschaftlichem Engagement gefunden, ist zu prüfen, ob diese Forderung bzw. Anregung ein menschliches Handeln ist. Da sie einen von Menschen an Menschen gerichteten Appell darstellt, unterliegt sie der Handlungsentscheidung eines Menschen. Ohne die bewusste Entscheidung der Setzung dieser Forderung bzw. Anregung, würde sie nicht gestellt werden (können).

Stellt sich bei der Interpretation der Texte heraus, dass eine auf menschliches Handeln basierende Forderung bzw. Anregung nach bürgerschaftlichem/ehrenamtlichem Engagement an die SeniorInnen besteht, wird diese legitimationskritisch betrachtet. Nach Kant geht es „dem ‚Kritizismus‘ […] um die Vermeidung von Täuschungen, die sich im theoretischen Wissen als Dogmatismus und im praktischen Wissen als Bevormundung ausdrücken.“ (Kant: K.d.r.V. B26, zit. nach Breinbauer 1992, S. 226). Die Begründung dieser Forderung/Anregung wird darauf nach Anteilen von Vorurteilen, Ideologien und unreflektierten Annahmen untersucht, die eine Legitimationsproblematik beinhalten könnten.

Zur Gewinnung derartiger inhaltlicher Ungereimtheiten werden die folgenden Punkte benötigt:

- Gegenstand der Kritik
- Kriterium/Maßstab der Kritik
- Gültigkeit der Kritik
- Selbstreflexivität der Kritik (vgl. Breinbauer 2010, S. 80 f)

Kritik richtet sich an einen Gegenstand, wie vorab bereits ausgeführt, an einen von Menschen beeinflussbaren. Ebenfalls muss definiert werden, nach welchem Kriterium der Gegenstand beurteilt wird. Prüft man, wie in dieser Arbeit, die Legitimation einer Forderung bzw. Anregung, ist das Kriterium die Bedingung der Möglichkeit. Textkonsistenz und die logische Folge der gegebenen Begründungen bzw. die Betrachtung der Begründungen in ihrer Vollständigkeit werden ebenfalls als Kriterien herangezogen. Gültig ist ein Kriterium, wenn es relevant und berechtigt ist. Die Relevanz der Betrachtung einer derartigen Forderung, wenn sie gefunden wird, ist gegeben, um zu erkennen, wie sie begründet ist. Nach Kant könnte eine z.B. enthaltene Täuschung zur Bevormundung führen, was, wie oben ausgeführt, mündigen Menschen gegenüber als kritisch gewertet werden kann. Schließlich ist die gesamte Forschungsarbeit selbstkritisch zu hinterfragen: Der Gegenstand der Kritik sei definiert und die Kriterien seien gültig und immanent, denn eine normative Kritik, die externe Maßstäbe anlegen würde, wäre in wissenschaftlichen Zusammenhängen nicht tauglich (vgl. Breinbauer 2010,S. 105 f).

5. Hermeneutische Bearbeitung der Texte von Bubolz-Lutz und Meyer-Wolters

Zur Formulierung einer Forschungsfrage bezüglich einer allfälligen Forderung nach Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement in den Texten von Bubolz-Lutz und Meyer-Wolters wird vorab eine hermeneutische Betrachtung beider Texte durchgeführt, um diesbezügliche Inhalte zu identifizieren und ihre Begründungen zu erkennen.

Die untersuchten Texte von Bubolz-Lutz (2000) und Meyer-Wolters (2002) entstanden in Deutschland in einer Zeit der (sich abzeichnenden) wirtschaftlichen Krise, denn es gab - glaubt man den Medien - 2001 einen „drastischen Konjunktureinbruch“ und führende deutsche Unternehmen prognostizierten einen immensen Stellenabbau (vgl. Focus Magazin 2002).

„Alter“ wird in beiden Texten nicht explizit definiert, doch beschreibt Bubolz-Lutz schon in der Einleitung als vorzubereitenden Punkt des beginnenden Alters den Eintritt in den „Ruhestand“, das „Rentnerdasein“ (Bubolz-Lutz 2000, S. 21), und auch Meyer-Wolters beschreibt den „Eintritt ins Rentenalter“ (Meyer-Wolters 2002, S. 36) als einen gravierenden Lebenseinschnitt, weshalb in dieser Arbeit die Pensionierung bzw. das gesetzliche Pensionsalter als Altersbeginn gesehen wird.

5.1. Bubolz-Lutz (2000): Bildung im Alter – eine Chance zu persönlicher, sozialer und gesellschaftlicher Entwicklung

Prof. Dr. phil. Elisabeth Bubolz-Lutz lehrt Geragogik an der Universität Duisburg-Essen in Deutschland, ist Mitglied des AK Geragogik (Arbeitskreis Geragogik[3]), Direktorin des FoGera (Forschungsinstitut Geragogik[4]) und Leiterin der Bundesstelle Netzwerk pflegeBegleitung[5]. Seit ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem ThemaBildung und Alter.

Der bearbeitete Text (Bubolz-Lutz 2000) enthält eine zweiseitige Einführung, ein dreiseitiges geschichtliches Kapitel zurEntwicklung der Altenbildung, zwei Kapitel, die sich mit demerweiterten Verständnis von Bildungsarbeit im Alterund denChancen durch Bildungsarbeit im Alterbeschäftigen, gesamt etwa drei Seiten, und den ebenfalls etwa dreiseitigen HandlungsempfehlungenBildungsarbeit mit Älteren in der Zukunft.Abschließend erfolgt ein halbseitiges Fazit.

Untersucht wird der Text im Hinblick aufEhrenamtoder bürgerschaftliches Engagement imAlter, auf Anregungen zu bzw. Forderungen nach derartigem Engagement und auf diesen zugrunde liegende Begründungen.

In der Einleitung gibt Bubolz-Lutz drei Beispiele von SeniorInnen, die ihren persönlichen Umgang mit Erlebnissen des ThemasBildung im Altererläutern. Dazu nennt sie Statistiken, die zeigten, in welchem Umfang organisierte Bildungsarbeit und Bildung über das Internet nach der beruflichen Phase angenommen würden. Das letzte Beispiel bezieht sich direkt auf das Themaehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagementund nennt eine „Infratest-Studie, nach der 26 % der über 60jährigen ehrenamtlich tätig sind“ (ebd., S. 22).

Bubolz-Lutz summiert, dass die „neuen Freiräume“ und die mit dem Alter aufkommenden „Beschränkungen“ zu einem „geistigen Aufbruch“ herausforderten. Auch sieht sie einen „‘gesellschaftlichen Zugzwang‘ zum Dazulernen“, schon allein „um nicht den Anschluß an das ‚Leben‘ zu verlieren“ und um „sich auf dem Laufenden zu halten“. (vgl. ebd.)

Dasgeschichtliche Kapitelleitet Bubolz-Lutz mit der Erklärung ein, dass Menschen in Industrieländern immer länger bei guter Gesundheit lebten und „daß die ‚zweite Lebenshälfte‘ […] als eine Chance zu bewußter und selbstbestimmter Lebensführung begriffen wird.“ (ebd., S. 23). Anschließend beschreibt sie dieEntwicklungen der Altenbildungseit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts (vgl. Schneider 1993, zit. nach Bubolz-Lutz 2000, S. 23).

[...]


[1]http://www.freiwilligenweb.at, Abruf vom 20.05.2011

[2] http://www.ams.at, Abruf vom 20.05.2011

[3]http://www.ak-geragogik.de, Abruf vom 20.05.2011

[4]http://www.fogera.de, Abruf vom 20.05.2011

[5]http://www.netzwerk-pflegebegleitung.de, Abruf vom 20.05.2011

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Ehrenamtliches/bürgerschaftliches Engagement von SeniorInnen aufgrund von oder durch Bildung
Untertitel
Eine Untersuchung der Forderung nach ehrenamtlichem/bürgerschaftlichem Engagement von Menschen nach der Erwerbstätigkeit als eine Aufgabe der Alter(n)spädagogik, dies mithilfe des skeptisch-transzendentalkritischen Einsatzes
Hochschule
Universität Wien  (Bildungswissenschaft)
Veranstaltung
Theoretische Bachelorarbeit, Transzendentalkritik - Alter(n)spädagogik - warum und wozu?
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V178968
ISBN (eBook)
9783656014706
ISBN (Buch)
9783656014423
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit war eine von weniger als 10 % positiv beurteilten Arbeiten des Seminars.
Schlagworte
Transzendentalkritik, Ehrenamt für SeniorInnen, Geragogik, Bildungswissenschaft, Bachelorarbeit, Theoretische Bachelorarbeit
Arbeit zitieren
Teresa Jonathan (Autor), 2011, Ehrenamtliches/bürgerschaftliches Engagement von SeniorInnen aufgrund von oder durch Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178968

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