Kreisbetrieb zur Optimierung ausgewählter koordinativer Fähigkeiten im Fußball unter dem besonderen Aspekt der Schülerselbsttätigkeit


Unterrichtsentwurf, 2011

36 Seiten, Note: 13 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Lerngruppe
1.2 Lehrer-Schüler-Verhältnis
1.3 Äußere Bedingungen
1.4 Schlussfolgerungen für die Unterrichtsgestaltung

2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen
2.1 Stellung der Stunde in der Stoffeinheit
2.2 Auswahl und Begründung der Inhalte (Sachanalyse)
2.3 Auswahl und Begründung der Lernziele
2.4 Begründung der didaktischen Stufung des Unterrichts und des gewählten Methodenkonzeptes
2.5 Aussagen zu Schülerleistungen

3. Verlaufsplanung

4. Anhang

5. Literaturverzeichnis/ Abkürzungsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse

1.1 Lerngruppe

Im Kurs Fußball (2. Sportart) lernen derzeit 7 SuS[1] verschiedener Klassenstufen gemeinsam. Dabei zeichnet sich die Lerngruppe im koedukativen Unterricht mittlerweile durch eine 6:1 Jungen-Mädchen-Relation aus. Die Zusammensetzung des Fußball-Kurses ergibt sich aus dem Bedingungsgefüge dieses Spezialgymnasiums mit sportlicher Profilierung und den Anforderungen des obligatorischen Leistungskurses Sport in der Abiturstufe[2]: Letztere sehen für die SuS mit der Spezialprofilierung in einer Individualsportart die Belegung einer Mannschaftssportart vor (und umgekehrt). Dabei können sich die Individual­sportler dem schulischen Bedingungsgefüge entsprechend zwischen Volleyball und Fußball entscheiden. Unterricht in dieser 2. Sportart wird mit einer „verkürzten“ Doppelstunde wöchent­lich erteilt (netto ca. 75 min.). Die übrigen 4 Unterrichtsstunden erfolgen in der jeweiligen sportartspezi­fi­schen Spezialdisziplin. Die hohe Fluktuation sowie schwankende Teilnehmerzahle erwiesen sich als größtes Hindernis für die Planung und Durchführung des Unterrichts in dieser Lern­gruppe: So war die ohnehin recht geringe Kurs­stärke[3] zu keiner einzigen Veranstaltung voll­ständig vertreten, sondern variierte wettkampf- und verletzungs- sowie durch Kurswechsler bedingt personell sehr deutlich. Darüber hinaus gilt es, folgenden Sachverhalt anzumerken:

Im Vorfeld der langfristigen Planung vorliegender Examensstunde ergaben sich aufgrund von Umstrukturierungen der 2. Sportart relativ kurzfristig einige einschneidende Veränderungen, die durch die Adaptation an die Regularien der Oberstufenpläne der übrigen Thüringer Spezialschulen bedingt waren. Als deren Konsequenz kam es zu völligen Neuzusammen­setzungen von Lerngruppen, sodass infolge dieser Änderungen - bezogen auf die vorliegende Lerngrup­pe - lediglich noch die 6 Abiturienten verblieben (zzgl. des langfristig verhinderten Schülers xxx, den seit kurzem eine Entzündung im Fuß zur Sportbefreiung zwingt). Dadurch unter­schritt die Gruppengröße jedoch das Mindestmaß der im Vorfeld erfolgten Planungen und es wurde deshalb - in Absprache mit der Schulleitung, den betreffenden Sportlehrern und dem verantwortlichen Sportkoordinator - die Lerngruppe um 5 weitere Schülerinnen aus dem Oberstufenbereich für den Zeitraum von 4 Wochen (also bis zum Ende des verkürzten Schul­jahres für die Klassenstufe 12 hinsichtlich des obligatorischen und bevorstehenden Abiturvor­berei­tungs­zeitraumes) erweitert. Mit dieser Maßnahme ver­suchte ich, eine Unterstützung und Gewährleistung des Lernerfolgs der Abiturienten zu erreichen, um auch weiterhin diverse Zielspielformen dieser Mannschaftssportart reibungslos durch­führen zu können und auf diese Weise u.a. auch die Erteilung der zweiten Spielnote für die Zwölftklässler problemlos abzu­sichern. Bei der unterstützenden Schülerklientel handelt es sich um xxx, xxx und xxx, die neben ihrem sehr guten fußballeri­schen Fertigkeits­niveau (Technik, Taktik, Spielfähigkeit) auch bereits über ein gutes koordi­natives Fähigkeitsniveau verfügen. Über diesen Fakt hinaus zeichnen jedoch insbesondere die unter­schiedlichen individuellen Leistungs­voraussetzungen der übrigen SuS im pädagogi­schen Bedingungs­­gefüge als determi­nierender Ein­fluss­faktor für die Wahl der Unterrichts­inhalte verant­wortlich. Diesbezüglich rekrutiert sich aufgrund der spezialsport­lichen Ausrichtung des Gymnasiums die Zusam­mensetzung des Kurses aus nach­fol­gen­den Spezial­disziplinen: In dieser sog. „Ergän­zungs­sportart“Fußball lernen derzeit 1 Bogen­schützin, 1 Ringer und 5 Leichtathleten das „ABC“ jener popu­lären Mannschaftssport­art. Die unterschied­lichen Leistungsstrukturen der jewei­ligen Spe­zial­sportarten erweisen sich dabei als schwankende Einflussfaktoren auf die heterogenen Lernvoraussetzungen der SuS. Insbesondere der Leicht­athlet xxx offenbart dabei z.B. im Ver­gleich zu den übrigen Kursteil­nehmern in puncto Ballgefühl, Gewandtheit und Geschicklichkeit deutliche Defizite – wobei sich die übrigen Leichtathleten (als zahlen­mäßig stärkste Fraktion) in den genannten Rubriken im Gegensatz dazu recht leistungsstark präsentieren. Insbesondere im Bereich der „Laufko-ordi­nation“ verfügt jene Schülerklientel bereits über ein umfangreiches Vorwissen. Darauf aufbauend kann in den Übungen ohne und mit Ball an der Koordinationsleiter gewinn­bringend ange­knüpft werden. Auf motorische Vorerfah­rungen (d.h. die stundenthemenspezi­fisch fokus­sierten Fähigkeiten) kann insofern hinsichtlich der allgemeinen koordinativen Lernaus­gangslage aus der jewei­ligen Spezial­sportart eines jeden Sportlers bzw. Schülers in der Lehr­pro­benstunde nutzbringend zurück gegriffen werden. Als äußerst versiert und mit vergleichs­weise guter bis sehr guter Lernausgangslage im koordinativen Fähigkeitsbereich ausgestattet treten insbe­sondere xxx, xxx und xxx in Erscheinung. Die übrigen Schülerlei­stungen sind wiederum - mit einer jeweils natürlichen Streuung - im mittelmäßigen Leistungs­bereich einzuordnen. Jene Sportler be­müh­en und engagieren sich jedoch im Rah­men ihrer Mög­lichkeiten. Ungeachtet der skizzier­ten unter­schied­lichen Leistungs­voraus­­setzungen und Vor­er­fahrungen ist der insgesamt positiven Unterrichtsat­mosphäre durchaus zuträglich, dass sich die SuS über den Schulunter­richt hinaus auch aus zahlreichen Trainingseinheiten kennen. Die Lehrpro­benstunde aus dem Lernbereich „Sport­spiele“ ist in ihrer inhaltlichen Konzeption dem Schulsportunterricht zuzuordnen. Trotz der vergleichsweise höheren Sachkompetenz der hie­si­gen Schülerklientel im Unterschied zu allgemeinen Gymnasien gewichten einige SuS die Prioritäten z.T. deutlich in Richtung ihrer jeweiligen Spezialsportart und messen dem Sport­unterricht bedauerlicherweise nicht gleicher­maßen Bedeutung bei. Diesem Umstand gilt es aktiv entgegenzuwirken, indem durch einen freudbetonten, überwiegend selbstgesteuerten bzw. eigen­ver­ant­wortlichen Unter­richt immer wieder einerseits die Motivation geschürt und ander­erseits kognitiv auf die Einsicht einer ergänzenden Wechselwirkung und Gewich­tung von 2. Sportart und Spezialsportart abgezielt wird. Gelingt dies, so tragen eine entspre­chend positive Einstellung und Haltung den Lernge­gen­ständen gegenüber, enga­gierte Mitar­beit und das vor­handene Lei­stungs­vermögen sowie eine angemessene Würdigung der Mühen auf Seiten der SuS zu gelungenen Stunden mit bei.[4] Der Alters­spezifik und der Sportprofilierung ent­spre­chend präsentiert sich der Kurs insgesamt als motorisch und kognitiv schnell lernfähig – ist jedoch im Unterschied zu jüngeren Klassen­stufen manchmal etwas „träge“. Unmutsbe­kun­dungen aufgrund von monier­ten zu hohen Anforderungen seitens der Schülerklientel stellten in jüngster Vergangenheit zwar phasen­weise diszipli­nari­sche Herausforderungen für den Lehrer dar, konnten jedoch durch pädago­gische Interventionsmaßnahmen wieder besänf­tigt werden. Das fußballspezifische Koordinationstraining sollte bekanntlich in großem Um­fang auch die Ausbildung der Fußballtechniken mit einschließen, da beide Komponenten in enger Wechselwirkung miteinander stehen. In dieser Hinsicht lassen sich auch unter Berück­sichtigung des guten individuellen technischen Fertigkeitsniveaus der SuS sowohl hinsichtlich der zu Grunde liegenden personalen Lernausgangslagen in puncto „Gewandtheit“ und „Geschicklichkeit“ als auch im Hinblick auf die individuell erreichbaren Lernzuwächse Parallelen und Rückschlüsse ziehen.

1.2 Lehrer-Schüler-Verhältnis

Seit Schuljahresbeginn leite ich den Unterricht im Kurs Fußball und fühlte mich von Beginn an wohlwollend und freundlich aufgenommen. Daher schätze ich die überwiegend positive Unter­richtsatmosphäre und Akzeptanz meiner Person als verantwortliche Lehrkraft. Basierend auf dem guten Lehr-Lern-Klima sowie aufgrund der sportinteres­sierten Schülerklientel berei­tet mir das Unterrichten der SuS im Fußball-Kurs viel Freude. Insbesondere das positive Erleben des fairen und kooperativen Miteinander versuche ich dabei im Unterricht stets zu fokus­sieren, damit auf jene „spezialsportliche Individualisten“ zumindest in Ansätzen das typische Flair des mannschafts­sportlichen Handelns abfärbt. Ferner bin ich durch den Einsatz diverser Lern- und Arbeitsformen stets um eine variable und abwechslungsreiche Unterrichts­gestaltung bemüht, im Rahmen derer selbstgesteuertes Lernen nicht nur zugelas­sen, sondern auch bewusst gefordert und gefördert wird.

1.3 Äußere Bedingungen

Die Stunde findet in einer großräumigen Spielsporthalle statt - auch die übrige materielle Ausstattung wie beispielsweise das Vorhandensein interessanter und abwechslungsreicher Trainingsmittel entspricht vollends dem Anforderungsprofil einer sportprofilierten Spezial­schule. Die zur Verfügung stehende Dreifelderhalle bietet optimale Voraussetzungen für die Durch­führung der Unterrichtsstunde, sodass neben entsprechend großen Räumen auch technische Gerätschaften (wie z.B. Zeitmesser und Musikanlage) zur Nutzung bereit stehen. Darüber hinaus sind eine ausreichende Anzahl an Bällen sowie entsprechende Materialien für die einzelnen Stationen als notwendige Voraussetzung zur adäquaten Durchführung der Stun­den­inhalte vorhanden. Weitere Trainingsmittel, die zur erfolgreichen Durch­führung der Stun­de benötigt werden (z.B. Koordinationsleitern, Balance-Matte, etc.), jedoch üblicher­weise nicht zur Grundausstattung einer Schule zählen, vermag ich als Trainerin mühe­los aus dem Bestand meines Vereines (FF USV Jena) bzw. aus meinem Privatbesitz zu ergänzen. Da die Lehrprobenstunde nahezu unmittelbar nach der plan­mäßi­gen Mittagspause stattfindet, lässt sich die eingangs erwähnte Trägheit sowie das teilweise äußerst knappe bis unpünktliche Erschei­nen einiger Kursteilnehmer zum Stundenbe­ginn zwar erklären, jedoch nicht tolerieren.

1.4 Schlussfolgerungen für die Unterrichtsgestaltung

Hinsichtlich des klassenspezifischen inneren sowie äußeren Bedingungsgefüges ergeben sich einige Konsequenzen für die didaktisch-methodische Gestaltung des Unterrichts: Aufgrund der strukturellen, organisato­rischen und personalen Bedingungen (vgl. Punkt 1.1) erfordert dabei insbesondere die äußerst heterogene Lernausgangslage der Gruppe eine stetige Diffe­ren­­zierung der Unterrichtsinhalte und somit die kontinuierliche Stufung des Schwierig­keits­grades koordinativer Anforderungsprofile: Darüber hinaus ergeben sich aufgrund besag­ter temporärer Ergänzung der Lerngruppe durch die Spezialsportlerinnen weitere breitge­fächerte Lernerfahrungen. Um dem Anspruch an und der Notwendigkeit eines „guten“ Unterrichtes gleicher­­maßen gerecht zu werden, bilden unter­schiedliche Niveaustufen zur Ver­mei­dung von Unter- und Überforderung einen festen Bestandteil des Unterrichts sowohl in der Kursstufe im Allgemeinen als auch in der vorliegenden Stunde im Speziellen. Die SuS sollen dem­gemäß sowohl Erfolgserlebnisse im Sportunterricht vermittelt bekommen als auch Freude an den Lerngegenständen erfahren, um auf diese Weise ihr sportliches Interesse auch auf andere Sportarten – in Ergänzung und Unterstützung ihrer jeweiligen Sportprofi­lierung – auszuwei­ten bzw. den „Blick über den Tellerrand“ einer einseitigen Spezialisierung hinaus zu öffnen. Der jeweilige Entwicklungsstand der baldigen Absolventen gewährleistet die Annahme, dass sich die SuS im Rahmen ihrer nunmehr gut ausgeprägten positiv-realistischen Selbstein­schätzung den jeweils individuell angemessenen Schwierigkeitsgrad einer jeden Übung zur Sicherung des maximalen Lernerfolges wählen werden. Um der skizzierten Trägheit gleich zu Beginn der Unterrichtsstunde entgegenzuwirken, erfolgt die Erwärmung mittels der affektiv ansprechenden und bele­benden Videosequenz „BallKoRobics für Anfänger“ (Schreiner 1999) als Stundenein­stieg. Die Projektion mittels Beamer direkt in der Sporthalle stellt dabei ein Medium dar, welches für die Kurs­teilnehmer ein Novum verkörpern dürfte und insofern zusätzlich moti­vieren könnte. Nebst der optimalen und sukzessiv gesteigerten Bewegungs­intensität dieses professionellen und ausgeklügelten Programmes wird zeitgleich bereits in dieser Phase inhaltlich zielführend der Haupt­teil der Stunde angebahnt: Zur altersadäquaten Gewährung selbstgesteuerter Freiheits­grade erfolgt dessen Durchfüh­rung weitgehend schüler­ge­leitet, um deren Aktivität und Eigenverantwortlichkeit bei der Mitgestaltung des Lernpro­zesses zu fokus­sieren. Ferner bedarf es zur optimalen Stations­aus­lastung und damit Erhöhung der „echten Lernzeit“ (= effektive Bewe­gungs­zeit) einer paarweisen Besetzung. Die Formie­rung der jeweiligen Zweier­gruppen erfolgte dabei bereits auf Grundlage freiwillig geschlos­sener Kooperationen zwischen „Fußballer“ und „Nichtfuß­baller“ in der Vorstunde, um auch in dieser Hinsicht Motivation und das wohlwollende Miteinander während des Kreisbetriebes im Hauptteil unter­stützend zu stärken.

2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen

2.1 Stellung der Stunde in der Stoffeinheit

Die Unterrichtsstunden in der 2. Sportart Fußball müssen – gemäß den Anforderungen im Leistungskurs Sport – von den Abiturienten eingebracht werden. Den Orientie­rungen des Thüringer Lehrplans für Gymna­sien[5] folgend, integriert sich das Thema der Lehrprobenstunde in den übergeordneten Lern­bereich der „Sportspiele“. Die Sportart Fußball markiert darin einen eigenständigen, isoliert zu betrachtenden Teilbereich. Da es sich für die Abiturienten um eine „Ergänzungssportart“[6] handelt, ist eine Orientierung an den schulsportlichen Schwer­punkten für die Klassenstufen 11/12 sinnvoll, jedoch nicht zwingend notwendig. Die jewei­ligen Stundenschwerpunkte im Vorfeld und Nachgang der Lehrproben­stunde fasst die nach­folgende Übersicht noch einmal tabellarisch zusammen:

Doppelstunde Thema/ Inhalt/ Lernziele

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Lehrprobenstunde fügt sich nahtlos an die bereits in der Vorwoche begonnene Koordina­tions­schulung an: Jener Schwerpunkt aus der Leistungsstruktur des Fußballs schließt sich sinn­vollerweise gegen nunmehr Ende der fußballerischen Grundausbildung der Abiturienten an, nachdem bereits im Schuljahresverlauf auf methodisch vielfältige und freudbetonte Weise sämt­liche für die Sportart relevante Grundfertigkeiten (Passspiel/ Stoßart: In­nen­seitpass, Ball­an- und –mitnahmeformen, Finten, Ballfüh­rung/ Dribbling) gelehrt wurden und die SuS diese in ihrer Grobform sicher beherrschen. Ferner wurden jene Grundtechniken auch in zahlrei­chen Zielspiel- und Übungsformen zur Weiterent­wicklung der Spielfähigkeit erfolgreich ange­wendet. Folgerichtig darauf aufbauend schließt sich nach vorübergehender Akzentu­ierung der kognitiven Inhalte jener Sportart (fußballspezifische Theorieschulung) auch auf­grund ihrer sportart­über­greifenden Bedeu­tung und ergänzen­den Wirkung hinsicht­lich des Technik­er­werbs­­prozesses die Schulung ausge­wähl­­ter koordinativer Fähigkeiten in der vorlie­gen­­den Lehrprobenstunde an. Vor dem Hinter­grund der unterschiedlichen Lern­voraus­setzun­gen werden dabei jeweils individuelle Differen­zierungs­möglich­keiten für „Anfänger“ und „Fortgeschrittene“ zur Optimierung der koordi­nativen Fähigkeiten eines jeden Einzelschülers angeboten.

2.2 Sachanalyse sowie Auswahl und Begründung der Inhalte

Die Auswahl der Lerninhalte vorliegender Prü­fungs­stunde orientiert sich anhand den Richt­linien des Thüringer Lehrplans, der schulinternen Lehr­plä­­ne zum Ergänzungsfach Fußball (2. Sportart) sowie an den unterschiedlichen Lernvoraus­setzungen der Schülerklientel: So legt der Thüringer Lehrplan[7] u.a. die syste­ma­tische Vervollkommnung der spe­zi­fischen Hand­lungs­fähigkeit nahe. In dieser Hin­sicht empfiehlt sich insbeson­dere nach Beherrschung der wesentlichen Grundtechniken im Fußball die Optimierung und Ökonomi­sierung technischer Fertigkeiten mittels einer spezifischen Schulung koordinativer Fähig­keiten. Hinsichtlich der Entwicklung von Lernkompetenz wird dabei ebenso der Anfor­derung Rechnung getragen, dass die SuS durch Anwendung von Techniken unter Berück­sichtigung erhöhter Schnellig­keits-, Genauigkeits- und Variabilitätsan­for­derun­gen (vgl. ebd. S. 36, Hervorhebungen von mir, A.S.) dazu befähigt werden, ihr erreichtes Fertigkeitsre­pertoire mittels der Betonung von koordinativen Schwerpunkten - also die Kombination von bereits gelernten und sicher be­herrschten Bewegungen unter erschwerten Bedingungen - weiter zu stabilisieren und zu vervollkommnen: Für die Lehr­pro­ben­stunde bedeutet dies wiederum, dass die SuS die ausgewählten koordinativen Fähigkeiten[8] (nachfolgend: KF) in Form der erfolgreichen Bewältigung der Grundan­forderungen des Übungsgutes (1. Stufe) an einer jeden Station in weitestgehender Eigenregie bewältigen können und sicher beherr­schen. Damit wird den Richtlinien des Thüringer Lehrplans für die Klassenstufe 11/12 Rechnung getragen, welche insbesondere für die Oberstufe einerseits eine Ver­tie­­fung der Grundbildung und an­derer­seits eine Betonung der Schüler­selbstständigkeit empfehlen. Anknüpfend an die indivi­duellen Besonderheiten der Schülerklientel einer sportbetonten Einrichtung[9] kann – in Orientierung an den schulinternen Fachlehrplänen – bereits auf ein solides Ausgangsniveau des technischen Fertigkeitsrepertoires und auf ein gewisses Maß an Vorerfahrungen im Bereich der KF aus der jeweiligen Kernsportart Bezug genommen werden: Wenngleich es zu berücksichtigen gilt, dass für Individualsportler am hiesigen Gymnasium in den Klassen 5 bis 10 zwar keine curriculare Fußballausbildung vorge­sehen ist, so steht dem entgegen, dass die besondere sport­profilierte Schülerklientel jedoch a priori ein ver­gleichs­weise höheres allgemeinsport­liches Grundniveau und „motori­sches Geschick“ mit sich bringt. Die koordi­native Kompe­tenz­schulung erfolgt in der vorliegenden Prüfungsstunde unter den Perspektiven Präzisions-, Zeit- und Variabilitätsdruck. Sport­artspezifische KF stellen für motorische Handlungen innerhalb der Sportart leistungsbestim­mende Faktoren dar, da diese für deren adäquate Ausführung zwingend benötigt werden.[10] Anhand der dargelegten Argumentations­struk­tur lässt sich die Bedeutung und Relevanz gut ausgeprägter KF wie folgt zusammen­fassen (vgl. Schnabel et al. 2005, S. 129 f.):

[...]


[1] Personenbezeichnungen gelten innerhalb des Lehrprobenentwurfes für beide Geschlechter.

[2] An der Schule belegen die SuS im Kurssystem obligatorisch als zweiten Leistungskurs das Fach „Sport“ (Un­terricht in Theorie und Praxis). Zur Streckung und damit Betonung der sportlichen Ausbildung existiert eine Klassenstufe 11 Spezial, welche als „Vorstufe“ zum Abitur eine Art Übergangsschwelle markiert. Für ge­wöhnlich erfolgt jedoch ab Klasse 7 eine Lerngruppen-Einteilung der SuS nach ihrer jeweiligen Spezial­diszi­plin, innerhalb derer der Schulsport und der sportartspezifische Spezialsportunterricht erfolgen.

[3] Zu Beginn des Schuljahres wählten sich 13 SuS in den Kurs ein – nunmehr sind es lediglich noch 6-7 Lerner.

[4] Wenngleich einige SuS in der 2. Sportart mitunter motivationale Reserven im Vergleich zu ihrer Spezialsport­art aufweisen, so fordern diese dennoch in Leistungssituationen stetig sehr gute Punktzahlen ein.

[5] Thüringer Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan für das Gymnasium. Fach Sport. Erfurt 1999, S. 36ff.

[6] Am hiesigen Gymnasium gibt es schließlich auch noch das Spezialsportprofil der Sportart Fußball.

[7] Thüringer Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan für das Gymnasium. Fach Sport. Erfurt 1999, S. 36 ff.

[8] Schnabel et al. (2005, S. 126) fassen unter dem Leistungsfaktor KOORDINATION „eine Klasse motorischer Fähig­keiten [zusammen], die vorrangig durch die Prozesse der Bewegungsregulation bedingt sind und relativ verfestigte und generalisierte Verlaufqualitäten dieser Prozesse darstellen. Sie sind Leistungsvoraussetzungen zur Bewältigung domi­nant koordinativer Anforderungen.“ Im Speziellen werden darunter (ebd. S. 127) die Differen­zierungs-, Orien­tierungs-, Gleichgewichts-, Reaktions-, Rhythmus-, Kopplungs- und Umstellungs­fähig­keit (à Anhang) im Rahmen des Zusammenwirkens von ZNS und Skelettmuskulatur verstanden.

[9] Vgl. dazu das in Punkt 1. skizzierte personale und organisatorische Bedingungsgefüge.

[10] „Konzag (1993, S. 136) fasst für die Sportspiele die erforderlichen Regulationsvoraussetzungen wie folgt zu­sammen: Situationswahrnehmung und Situationsantizipation, Handlungsziel- und Programmentschei­dungen, Regulation unter gegnerischer Einwirkung und Kooperation mit Mitspielern, Reduzierung von Fehlleistungen bei zunehmender Verkürzung der Zeiteinheiten, Aufrechterhaltung der Handlungsregulation unter dem Druck physischer und psychischer Belastung (aus Schnabel et al. 2005, S. 129).“

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Kreisbetrieb zur Optimierung ausgewählter koordinativer Fähigkeiten im Fußball unter dem besonderen Aspekt der Schülerselbsttätigkeit
Hochschule
Staatliches Studienseminar für Lehrerausbildung Gera
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2011
Seiten
36
Katalognummer
V179276
ISBN (eBook)
9783656055204
ISBN (Buch)
9783656055723
Dateigröße
1574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreisbetrieb, optimierung, fähigkeiten, fußball, aspekt, schülerselbsttätigkeit
Arbeit zitieren
Annabelle Senff (Autor), 2011, Kreisbetrieb zur Optimierung ausgewählter koordinativer Fähigkeiten im Fußball unter dem besonderen Aspekt der Schülerselbsttätigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179276

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