Die Logiken der Kreativökonomie sowie Industrieökonomik im Personalmanagement – ein Vergleich


Seminararbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Logiken der Ökonomik
2.1 Industrieökonomik
2.2 Kreativökonomie
2.3 Wandel von der Industrie- zur Kreativökonomie

3. Unterschiedliche Logiken im Personalmanagement
3.1 Personalmanagement als Personalführung in der Industrieökonomik
3.2 Personalmanagement in der Kreativökonomie
3.2.1 Das Konzept „Arbeitskraftunternehmer“
3.2.2 Das Arbeitsorganisationsmodell „Vertrauensarbeitszeit“

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits 2007 hat die deutsche Bundesregierung die „Initiative Kultur- und Kreativwirt- schaft“ gegründet um die Wettbewerbsfähigkeit und das Arbeitsplatzpotential der zugehörigen Branchen zu stärken.1 Diese Initiative zeigt zum einen, dass die Politik verstanden hat, dass die Wirtschaft sich im Wandel befindet und politisch bislang ver- nachlässigte, aber zukunftsträchtige Branchen unterstützt werden müssen. Die Grün- dung und Ausgestaltung dieser Initiative zeigen zum anderen aber auch, wie isoliert die Bundesregierung das Phänomen „Kreativwirtschaft“ sieht. Zwar werden zahlreiche Branchen, vom Architekturmarkt bis hin zum Werbemarkt, darunter gefasst, doch wird es unterlassen einen Bogen hin zur gesamten Ökonomie zu spannen. In der schnellle- bigen und globalisierten Wirtschaft von heute sind Ideen, Kreativität und Wissen not- wendiger als je zuvor. Nahezu jede Branche und jeder Markt sind davon betroffen.

Doch viele Branchen und Unternehmen agieren noch nach den Prinzipien der lange gültigen Industrieökonomik und übernehmen nur zögerlich die Logiken der Kreativ- ökonomie. Dies wird ins Besondere beim Personalmanagement sehr deutlich. Hier ste- hen sich klassische Acht-Stunden-Arbeitstage mit neuen Arbeitsorganisationsmodellen gegenüber. Doch wo steht dabei der Arbeitnehmer? Ist er in der neuen Ökonomie tat- sächlich freier, ergo kreativer, wie es zahlreiche Autoren propagieren?

Die vorliegende Arbeit analysiert die Unterschiede von Industrieökonomik und Krea- tivökonomie und legt dabei den Fokus auf das Personalmanagement. Zwei Arbeitsmo- delle werden vorgestellt und kritisch hinterfragt, um abzuwägen welche ökonomische Logik durch ihren Umgang mit Erwerbstätigen zu kreativeren Ergebnissen gelangt.

2. Die Logiken der Ökonomik

Um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen zu verstehen welche der Wandel von der Industrie- hin zur Wissens- und Kreativökonomik mit sich bringt ist es nötig die Ökonomiken im Einzelnen genauer zu betrachten. Die folgenden Kapitel ge- ben jeweils einen Überblick über die vorherrschenden Logiken der Ökonomiken. An- hand des Beispiels des Personalmanagements wird im Laufe der Arbeit noch detaillier- ter darauf eingegangen.

2.1 Industrieökonomik

Nach Wirtschaftswissenschaftler Helmut Bester beschäftigt sich die Industrieökonomik

„() mit der Interaktion zwischen Markt und Unternehmen.“2 Eine Industrie oder ein Markt wird durch das in den 50er Jahren entstandene Forschungsgebiet demnach durch Anbieter, Produktionskosten sowie die Nachfrage beschrieben. Wechselseitige Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Märkten werden dabei weitestgehend igno- riert. Die sogenannte „traditionelle Industrieökonomik“ legt den Structure-Conduct- Performance-Ansatz zu Grunde. Das bedeutet, dass eine kausale Beziehung zwischen Marktstruktur, Marktverhalten und Marktergebnis angenommen wird. Die Struktur des Marktes ergibt sich aus den Bedingungen von Angebot und Nachfrage, woraus sich das Verhalten der Unternehmen in diesem Markt ergibt. Aus dem Marktverhalten er- geben sich wiederum die Marktergebnisse. Aus dieser Kette resultiert, dass die Ergeb- nisse von den Strukturen eines Marktes abhängen und das Verhalten der Unterneh- men nur einen Zwischenschritt darstellt.3

Diese Hypothese wurde ab Mitte der 70er Jahre bereits in den Wirtschaftswissenschaf- ten in Frage gestellt und kritisiert. Aus dieser Kritik entwickelte sich die „Neuere In- dustrieökonomik, die durch eine umfassende Theoriebildung die traditionelle empiri- sche Orientierung des Forschungsgebiets ergänzte und teilweise in den Hintergrund drängte.“4 Sie geht unter anderem von einer Interdependenz zwischen Marktstruktur und Innovationsverhalten der Unternehmen aus. Die Methodik für ihre Untersuchun- gen stammt unter anderem aus der Spieltheorie.5

Beide Arten der Industrieökonomik haben gemein, dass die Marktmachtfrage sowie Planungsrationalität eine große Rolle spielen. Die Planung erfolgt dabei sehr struktu- riert und von zentraler Stelle aus. Da fremde Märkte kaum in die Überlegungen einbe- zogen werden, kann auch von einem relativ geschlossenen System gesprochen wer- den. Es geht dabei in erster Linie jedoch nicht um den Gewinn eines einzelnen Unter- nehmens, sondern um volkswirtschaftliche Fragestellungen und die soziale Wohlfahrt. Dadurch ergeben sich unter anderem wichtige methodische Grundlagen für die Indust- riepolitik.6

2.2 Kreativökonomie

Die Ökonomie der Ideen begann bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Während es „für einen Gelehrten des frühen 18. Jahrhunderts möglich war, in allen damals relevan- ten Wissenschaftszweigen auf dem letzten Stand des Wissens zu sein ()“7, war dies 200 Jahre später schon unmöglich. Heute ist die Kreativökonomie, laut dem Wirt- schaftsautor und -journalisten Wolf Lotter, die Organisationsform der Wissensgesell- schaft, die sich wiederum durch die Ideenwirtschaft bildet.8 Einen exakten Plan hierfür zu schaffen ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, da die Logiken dieser Ökonomie nur schwer strukturierbar und rationalisierbar sind. Gewiss ist jedoch, dass sich die Kreativökonomie deutlich von der Industrieökonomik und den Strukturen des industri- ellen Kapitalismus unterscheidet.9 Sie zeichnet sich ins Besondere durch Unterschiede, Meinungsvielfalt, offene Konzepte sowie Fragen, die zu neuen Ideen führen, aus.10 Die Kreativökonomie begreift Wirtschaft nie allein als Wirtschaft. Stattdessen fließen

„Kunst, Kultur, Gesellschaft, Soziales () in ein neues Ganzes (). Die Ideenwirtschaft lebt von ihrer Vielfalt“11 und der Teilung von Ideen. Im Gegensatz zur Definition und Durchsetzung von Rechten, wie es in der Industrieökonomie geschieht, liegt der Schwerpunkt in der Kreativökonomie verstärkt auf der Teilung und dem Austausch derselben. Der zentralen Planung von Strategien wird eine dezentrale Logik entgegen- gesetzt.

Die Unterschiede dieser Konzepte und Logiken lassen sich durch einen Blick auf den Wandel von Industrie- hin zur Kreativökonomie besser nachvollziehen. Dies soll im folgenden Kapitel geschehen.

2.3 Wandel von der Industrie- zur Kreativökonomie

Der Wandel von der Industrie- hin zur Kreativökonomie ist eng verknüpft mit der Ent- stehung der Wissens- und Informationsgesellschaft. Bereits seit Mitte des 20. Jahrhun- derts nimmt der Dienstleistungssektor gegenüber der Industriearbeit eine immer stär- kere Stellung ein. Während 1950 noch 67,5 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutsch- land im primären und sekundären Sektor tätig waren, arbeiteten lediglich 32,5 Prozent im tertiären Sektor. Diese Zahlen haben sich bis heute deutlich verschoben. So arbeite- ten 2010 lediglich noch 2,1 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei und 24,4 Prozent im produzierenden Gewerbe. Dagegen hat sich die Zahl der im Dienstleistungssektor beschäftigten Erwerbstätigen auf 73,5 Prozent erhöht.12

[...]


1 Vgl. Initiative Kultur und Kreativwirtschaft (2011): [www]

2 Bester, H. (2003): S. 1

3 Vgl. ebd.: S. 3

4 Bester, H. (2003): S. 4

5 Vgl. ebd.: S. 5

6 Vgl. Knieps, G. (2001): S. 45

7 Lotter, W. (2009): S. 15

8 Vgl. ebd.: S. 15

9 Vgl. ebd.: S. 12

10 Vgl. ebd.: S. 9 ff.

11 Lotter, W. (2009): S. 12

12 Vgl. Statistisches Bundesamt (2010): [www]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Logiken der Kreativökonomie sowie Industrieökonomik im Personalmanagement – ein Vergleich
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Veranstaltung
Medien, Information, Kommunikation
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V179816
ISBN (eBook)
9783656022602
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Personalmanagement, Personalwesen, Human Resources, HR, Humankapital, Kreativökonomie, Industrieökonomik, Personalführung, Arbeitskraftunternehmer, Arbeitsorganisation, Vertrauensarbeitszeit, Arbeitstag, Ökonomie, Structure-Conduct-Performance, Arbeitszeit, Kreativarbeiter, Sozialkompetenz, Selbstkontrolle, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Arbeitsmodell, Managementtheorie, Kreativität, Kulturwirtschaft, Kreativwirtschaft, 40-Stunden-Woche, 9 to 5
Arbeit zitieren
Markus Stegmann (Autor), 2011, Die Logiken der Kreativökonomie sowie Industrieökonomik im Personalmanagement – ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179816

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