Diese Arbeit befasst sich mit der Mutter-und-Kind-Haltetherapie („Forced Holding“) nach Martha G. Welch und der Festhaltetherapie nach Jirina Prekop. Einschränkend zu der Betrachtung dieser Therapieformen und des möglichen Klientels werde ich mich auf Kinder mit Autismus beziehen, weil gerade sie nach den Verfechterinnen unter einer Kontaktstörung leiden und eher eine Bindung zu Gegenständen und unbelebten Dingen statt zu Menschen und vor allem ihren Eltern herstellen. Es ist mir wichtig, herauszukristallisieren, wie die Therapieform begründet wird, welche Möglichkeiten sie für Kinder mit Autismus und ihre Familien erschließt und wie Kritiker zu dieser Methode stehen und ob sie eine wirkliche Alternativmethode zu den vielen weiteren Therapieformen darstellt.
Im Vorfeld werde ich Autismus und die drei häufigsten Formen kurz vorstellen. Auf den frühkindlichen Autismus gehe ich näher ein, da sich auch die Vertreter der Festhaltetherapien vorwiegend auf diese Form des Autismus beziehen. Ein wichtiges Element wird weiterhin die Bindungsfähigkeit autistischer Kinder zu ihren Eltern sein, denn diese ist ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit. Nachdem die Festhaltetherapien nach Welch und Prekop vorgestellt wurden, werde ich zur Gegenüberstellung kurz auf die Argumentation der Kritiker dieser Methode eingehen, um aufzuzeigen, wie gegensätzlich die Stellungnahmen sind und welche Debatten noch bis heute ausgefochten werden. Zum Schluss wird sich ein Fazit entwickeln, dass einen Mittelweg versuchen wird und Möglichkeiten aufzeigt, wie die Therapieform vielleicht im Sinne der Kritiker und der Vertreter anwendbar werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Autismus?
2.1. Allgemein
2.2. Formen des Autismus
2.3. Frühkindlicher Autismus im Speziellen
2.4. Eltern-Kind-Bindung
3. Eine Therapiemöglichkeit – die Festhaltetherapie
3.1. Entstehung, Begründer, Vertreter
3.2. Formen der Festhaltetherapie nach Welch und Prekop
4. Stellungnahmen von Vertretern und Gegnern zur Festhaltetherapie
5. Fazit: Sinn – Unsinn der Festhaltetherapie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Festhaltetherapie bei Kindern mit Autismus auseinander, mit dem Ziel, die theoretischen Hintergründe dieser Methode zu beleuchten und ihre Eignung als therapeutische Maßnahme im Spannungsfeld zwischen Befürwortern und Kritikern zu bewerten.
- Grundlagen und Erscheinungsformen des frühkindlichen Autismus.
- Theoretische Ansätze und methodische Vorgehensweisen der Festhaltetherapie nach Welch und Prekop.
- Analyse der Mutter-Kind-Bindung als zentrales Element der Therapieansätze.
- Gegenüberstellung der Argumente von Vertretern und Gegnern der Methode.
- Ethische und fachliche Reflexion der Anwendbarkeit und Wirksamkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung der Festhaltetherapie nach Welch
Die spezifisch systematische Methode entwickelt sich während Welch‘s Ausbildung in der Arbeit der Kinderpsychiatrie mit autistischen Kindern am Albert-Einstein-College of Medicine. Sie arbeitet dort mit einer Familie, die schwere Störungen in der Mutter-Kind-Bindung aufgewiesen haben sollen, welche bereits über Generationen hinweg bestünden. Sowohl Mutter als auch Tochter hätten als Babys kaum Liebkosungen erfahren. Als nun die erwachsene Tochter einen eigenen Sohn bekommen hat, sei sie ihm gegenüber ebenfalls unfähig, ihn in den Arm zu nehmen und zu liebkosen. Daraufhin schreie und weine er in den ersten Lebensmonaten viel und ziehe sich schließlich in autistisches Verhalten zurück. Zum Muttertag bringe die Tochter ihrer Mutter ein Geschenk mit, über das sich diese so sehr freue, dass sie ihre Tochter in den Arm nehme und lange festhalte. Hin und her gerissen zwischen sofort und nie mehr losgelassen werden wollen, seien nun alle Gefühle der Zuneigung und Liebe freigesetzt worden, die so lange keinen Ausdruck gefunden hatten. Seit diesem Erlebnis könne die Tochter auch ihrem Sohn die liebevolle körperliche Zuneigung geben. Sein Verhalten verbessere sich daraufhin nachhaltig und er könne Blickkontakt zur Mutter und anderen Personen aufbauen. Diese Veränderung sei für Welch zu einem Schlüsselsignal der Besserung bei autistischen Kindern geworden. Nach mehreren Versuchen und Experimenten mit Familien autistischer und normaler Kinder habe sich die „Welch-Methode des Haltens als eine wirksame Behandlungsform bei kindlichen Störungen, von den leichten bis zu den schwersten“ etabliert, was sowohl in den USA als auch in Europa viele Anhänger gefunden habe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Motivation für die Themenwahl und der zentralen Fragestellung bezüglich der Festhaltetherapie bei Kindern mit Autismus.
2. Was ist Autismus?: Definition und Einordnung autistischer Störungen sowie Erläuterung der Bedeutung der Eltern-Kind-Bindung.
3. Eine Therapiemöglichkeit – die Festhaltetherapie: Darstellung der Entstehung sowie der methodischen Ansätze von Martha Welch und Jirina Prekop.
4. Stellungnahmen von Vertretern und Gegnern zur Festhaltetherapie: Analyse der kontroversen Diskussionen und Argumentationslinien der Befürworter und Kritiker.
5. Fazit: Sinn – Unsinn der Festhaltetherapie: Kritische Würdigung der Wirksamkeit der Methode und Empfehlungen für den therapeutischen Einsatz.
Schlüsselwörter
Festhaltetherapie, Autismus, Mutter-Kind-Bindung, Martha Welch, Jirina Prekop, Frühkindlicher Autismus, Körperkontakt, Therapie, Ethik, Bindungsstörung, Heilpädagogik, Kontaktstörung, Kindesentwicklung, forcierte Nähe, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Festhaltetherapie als eine umstrittene Methode in der Behandlung von Kindern mit Autismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte sind die Definition von Autismus, die Bedeutung der frühen Bindung zwischen Kind und Eltern sowie eine kritische Auseinandersetzung mit speziellen Haltemethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die wissenschaftliche und ethische Legitimität der Festhaltetherapie zu hinterfragen und deren Platz in der heutigen Heilpädagogik zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Gegenüberstellung von Fachpositionen sowie Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Darstellung der Konzepte von Welch und Prekop sowie den darauf folgenden Stellungnahmen und Argumenten der Gegenseite.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff der Festhaltetherapie stehen Begriffe wie Bindung, Autismus, Körperkontakt und kritische Therapiebewertung im Vordergrund.
Warum wird die Mutter-Kind-Bindung so intensiv betrachtet?
Die Autoren der Festhaltetherapie sehen in einer gestörten Bindung die Hauptursache für Autismus, weshalb diese eine zentrale Rolle in der Therapieannahme einnimmt.
Was ist das Hauptargument der Kritiker?
Kritiker bemängeln das Fehlen wissenschaftlicher Belege, die ethische Bedenklichkeit des erzwungenen Kontakts sowie die unbegründete Schuldzuweisung an die Eltern.
Zu welchem Schluss kommt das Fazit?
Das Fazit betont, dass die Wirksamkeit der Methode empirisch nicht belegt ist und ihr Einsatz, wenn überhaupt, nur unter strenger fachlicher Anleitung und in ausgewählten Situationen erfolgen sollte.
- Citar trabajo
- Katja Driesener (Autor), 2009, Festhaltetherapie bei Kindern mit Autismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179863