Der hellenistische Jude Paulus wirkte nach seiner Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus als Apostel der Nichtjuden, welche auch als Heiden bezeichnet wurden. Im Rahmen seiner Heidenmission wirkte Paulus als Apostel, ohne dem historischen Jesus von Nazareth - im Gegensatz zu den übrigen Aposteln - jemals begegnet zu sein. Er erkannte die Notwendigkeit einer sorgfältig geplanten, große Teile des Römischen Reiches betreffenden Missionstätigkeit, um die Heiden zu bekehren und somit die Voraussetzungen für die verzögerte Wiederkehr Jesu zu schaffen. Paulus gelang es schließlich, das Christentum erfolgreicher als alle anderen Apostel zu verbreiten und es theologisch angemessen zu fundieren. Auf seinen Missionsreisen in Kleinasien und Griechenland begegnete ihm eine Vielfalt an heidnischen Religionsformen, da die Heiden keinesfalls Menschen waren, denen jegliche Art von Religion völlig fremd war. Im Verlaufe der vorliegenden Arbeit sollen einige der verbreitetsten Formen heidnischer Religiösität im Zusammenhang mit der Mission des Paulus dargestellt werden. Hinsichtlich Aufbau und Inhalt orientiert sich die Arbeit an dem zu diesem Thema angeferigten Referat. Zunächst sollen aus dem Bereich des öffentlichen Kultes die Verehrung der olympischen Götter, die Opferpraxis sowie das religiöse Vereinswesen näher beleuchtet werden. Anschließend erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Mysterienkult und der Mantik, wobei die Betrachtung der Mantik sich auf die Darstellung des Orakelwesens beschränken wird. Den Schwerpunkt der Ausarbeitung stellt jedoch die darauf folgende Erörterung des Kaiserkultes dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der öffentliche Kult
3 Der Mysterienkult
4 Mantik
5 Der Kaiserkult
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen heidnischen Religionsformen, mit denen Paulus während seiner Missionsreisen im Römischen Reich konfrontiert wurde, und analysiert deren Einfluss auf seine Missionstätigkeit sowie die Entwicklung des frühen Christentums.
- Strukturen des öffentlichen Kults (Olympische Götter, Opferpraxis, Vereinswesen)
- Charakteristika und Geheimhaltung von Mysterienkulten
- Die Bedeutung der Mantik und des Orakelwesens in der Antike
- Historische Entwicklung und Verbreitung des römischen Kaiserkultes
- Wechselwirkungen zwischen heidnischer Umwelt und paulinischer Mission
Auszug aus dem Buch
Der Mysterienkult
Mysterien stellten in religiöser und mentaler Hinsicht eine bemerkenswerte Rolle dar. Das Geheimnis, welches das griechische Wort mysterion zur Bedeutung hat, war kennzeichnend für ein Vereinswesen, das sich im Gegensatz zum öffentlichen Religionsvollzug im Verborgenen hielt und besonderen Wert auf die Trennung von Eingeweihten und Nichteingeweihten legte. Angehörige solcher Mysterienkulte hegten ein Bedürfnis nach einer gewissen Intimität im Bereich der Religion. Bei öffentlichen religiösen Großveranstaltungen konnte dieser Anspruch jedoch ebenso wenig erfüllt werden, wie im alltäglichen Leben. Die öffentlichen religiösen Vereine konnten diesem Anliegen ebenfalls nicht dienen, da sie prinzipiell keiner Zulassungsbeschränkung unterlagen.
Die Selektion, welche „das Drinnen und das Draußen scheidet“, wurde durch die Einweihung oder Initiation vollzogen. Hierbei unterschieden sich jedoch die jeweiligen Vorgehensweisen und Zulassungsbedingungen der verschiedenen Mysterienkulte erheblich. Zunächst standen persönliche Vorbereitungen, beispielsweise Gebete, Fasten und sexuelle Enthaltsamkeit im Vordergrund. Der nächste Schritt führte schließlich zum eigentlichen Initiationsritual und konnte „das Verbinden der Augen, das Durchschreiten dunkler und gefährlicher Wegstrecken, Fesselungen, Schläge, Geißelungen, bis hin zum symbolischen Tod durch Niederlegen oder Hinabsteigen in eine Grube [bedeuten, C.S.].“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Person des Paulus als Apostel der Nichtjuden und Darlegung der Zielsetzung, die heidnische Umwelt des antiken Mittelmeerraums als Kontext der Mission zu beleuchten.
2 Der öffentliche Kult: Untersuchung der polytheistischen Götterwelt, der olympischen Gottheiten sowie der Tempel- und Opferpraxis als pragmatische Vertragsbeziehung zwischen Mensch und Göttlichem.
3 Der Mysterienkult: Analyse der im Verborgenen praktizierten Kulte, die durch Initiationsriten eine Exklusivität schufen und auf das Bedürfnis nach persönlicher religiöser Intimität und Unsterblichkeit antworteten.
4 Mantik: Erläuterung der Seherkunst und Orakelbefragung, insbesondere des Orakels von Delphi, als Instrument zur Bewältigung alltäglicher Sorgen und Entscheidungsfindungen.
5 Der Kaiserkult: Darstellung der Vergöttlichung politischer Führungspersönlichkeiten wie Caesar und Augustus sowie deren Einfluss auf die zeitgenössische Wahrnehmung und bildliche Darstellung von Jesus Christus.
6 Zusammenfassung und Fazit: Rückblick auf die Konfrontation des Paulus mit heidnischen Riten und Feststellung, dass diese Kontakte die Entwicklung christlicher Lehren und die öffentliche Darstellung Jesu maßgeblich prägten.
Schlüsselwörter
Paulus, Heidenmission, antike Religion, öffentlicher Kult, Mysterienkult, Mantik, Kaiserkult, Opferpraxis, Initiation, griechische Götterwelt, Römische Kaiser, Jesus Christus, Götzenopferfleisch, Religionsgeschichte, Antike.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit thematisiert die religiöse Umwelt des Apostels Paulus im paganen (heidnischen) Kontext während seiner Missionstätigkeit im Römischen Reich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem öffentlichen Kult, dem Vereinswesen, den Mysterienkulten, der antiken Mantik (Orakelwesen) und dem römischen Kaiserkult.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, mit welchen religiösen Vorstellungen Paulus bei den Heiden konfrontiert wurde und wie diese das frühe Christentum sowie das Bild Jesu Christi beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine theologische und historische Analyse auf Basis einschlägiger Fachliteratur, die den Kontext der paulinischen Mission historisch einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung öffentlicher religiöser Praktiken, geheimer Mysterienkulte, der Orakelbefragung sowie der detaillierten Rolle des Kaiserkultes als zentralem Schwerpunkt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Paulus, Heidenmission, Kaiserkult, Mysterienkulte, Opferpraxis, Götzenopferfleisch und das frühe Christentum.
Wie unterschied sich die Haltung zu Göttern in Mysterienkulten vom öffentlichen Kult?
Während der öffentliche Kult durch allgemein zugängliche, staatlich-pragmatische Riten geprägt war, boten Mysterienkulte durch exklusive Initiation eine persönlichere religiöse Erfahrung und die Hoffnung auf Unsterblichkeit.
Inwiefern hat der Kaiserkult die christliche Ikonographie beeinflusst?
Die Vorstellung der Vergöttlichung eines Menschen auf Erden im Kaiserkult beeinflusste die Art und Weise, wie Jesus Christus als göttlich und als Wunderheiler in Malerei, Mosaiken und Bauwerken dargestellt wurde.
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- Christoph Stockert (Autor), 2011, Die religiöse Umwelt des Paulus im paganen Kontext, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180184