Für Unternehmen wird es immer schwieriger betriebswirtschaftliche Fra-gestellungen wie Standortentscheidungen im Rahmen von Internationalisierungen erfolgreich zu bewältigen. Hinsichtlich unterschiedlichster Markt-, Arbeits- und Fiskalbedingungen können Standortverlagerungen dazu dienen neue Absatzmärkte zu erschließen oder Kosten zu sparen. Jedoch unterliegen diese Bedingungen dynamischen Veränderungen, sodass vorausgegangene Standortentscheidungen einer Beurteilung bzw. Kontrolle unterzogen werden sollten, um in der Vergangenheit gemachte Fehler bei zukünftigen Standortwechseln möglichst zu vermeiden.
Ein mögliches Mittel zur Bewertung von vorherigen Standortverlagerungen ist die Historieninventur. Diese setzt jedoch gute Wissensmanagementkanäle als auch eine Bewusstmachung der mit der Standortentscheidung verbundenen Ziele des Unternehmens voraus. Die Historieninventur kann also eine systematische Beurteilung von früheren Internationalisierungsentscheidungen unter Nutzung eines Fragenkatalogs ermöglichen sowie vorherige Fehler ersichtlich und vermeidbar für künftige Standortentscheidungen machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Ein mögliches Mittel zur Beurteilung von Standortentscheidungen: die Historieninventur
2. Voraussetzungen zur Durchführung einer Historieninventur
2.1 Notwendigkeit des Wissensmanagements zur Durchführung einer Historieninventur
2.2 Einfluss von Unternehmensstrategie und Internationalisierungsziel auf die Historieninventur
3. Ziele und Aufbau einer Historieninventur
3.1 Theoretische Annäherung
3.1.1 Bilanzierung der bisherigen Auslandsengagements
3.1.2 Aufarbeitung und Reflexion der Standortentscheidung
3.1.3 Rückblickende Bewertung der Standortentscheidung
3.2 Praxisbezogene Annäherung
3.3 Kernaussagen der Historieninventur
4. Bilanzierung eines Markteintritt in Mexiko mit Hilfe der Historieninventur
4.1 Vorstellung des Zulieferers „Behr Thermot-tronik GmbH“
4.2 Ursachen für die Historieninventur
4.3 Die Historieninventur des mexikanischen Standorts
4.3.1 Strategischer Hintergrund des Markteintritts in Mexiko
4.3.2 Standortalternativen und Entscheidungskriterien
4.3.3 Rückblickende Beurteilung des Standorts und Perspektiven
4.4 Fazit der Historieninventur in Mexiko
5. Fazit zur Historieninventur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Historieninventur als systematisches Instrument des Wissensmanagements, um vergangene Standortentscheidungen kritisch zu reflektieren und die gewonnenen Erkenntnisse für zukünftige Internationalisierungsvorhaben nutzbar zu machen.
- Grundlagen des Wissensmanagements im Kontext von Standortentscheidungen
- Einfluss der Unternehmensstrategie auf die Wahl des Standorts
- Struktur und methodischer Aufbau der Historieninventur
- Praktische Anwendung am Beispiel der Behr Thermot-tronik GmbH
- Analyse von Standortfaktoren bei Markteintritten in Mexiko
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Bilanzierung der bisherigen Auslandsengagements
Bei der Bilanzierung der bisherigen Auslandsengagements untersucht man zunächst die bestehenden Auslandsstandorte, genauer gesagt wo sie sich befinden, seit wann und welcher Bereich des Unternehmens dort angesiedelt ist (Vertrieb, Service, Produktion, FuE etc.). Dies ermöglicht damals an der Entscheidung beteiligte Mitarbeiter zu befragen sowie in der IT hinterlegte Information abzurufen und auszuwerten. Anschließend sollte geprüft werden wie der Markt bearbeitet wurde (Export, Lizenz, Direktinvestition) oder aber wie die Auslandsbeteiligung aussah (Niederlassung, Joint Venture, Tochtergesellschaft). Danach gilt es Vor- und Nachteile zu untersuchen und sich der Frage zu stellen inwieweit die gewählte Form der Beteiligung die eigenen Entscheidungsmöglichkeiten mindern könnte. Ferner ist es bedeutsam, sich die mit der Internationalisierung angestrebten Ziele zu vergegenwärtigen, da diese elementar für die Beurteilung der Historieninventur für zukünftige Standortentscheidungen ist. Die Voraussetzung hierfür ist eine zumindest t.w. Passgenauigkeit von Unternehmensstrategie und Internationalisierungsstrategie. Weiterhin festzustellen ist, was der Auslöser war. Verfolgte man aktiv eine Strategie? Folgte man lediglich der Konkurrenz oder war der Zeitpunkt der Standortverlagerung zufällig? Schließlich wird die Vernetzung mit dem Stammsitz betrachtet, ob es sich um eine zentrale oder dezentrale Führung handelt. In diesem Sinne müssen auch die Führungspositionen begutachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ein mögliches Mittel zur Beurteilung von Standortentscheidungen: die Historieninventur: Einführung in die Problematik dynamischer Standortentscheidungen und die Rolle der Historieninventur als Kontrollinstrument.
2. Voraussetzungen zur Durchführung einer Historieninventur: Erörterung der Notwendigkeit von Wissensmanagement-Strukturen und der Abstimmung zwischen Unternehmens- und Standortstrategie.
3. Ziele und Aufbau einer Historieninventur: Detaillierte Darstellung der drei theoretischen Säulen einer Historieninventur sowie deren praktische Umsetzung durch Kennzahlen.
4. Bilanzierung eines Markteintritt in Mexiko mit Hilfe der Historieninventur: Konkrete Anwendung des Instruments am Beispiel der Behr Thermot-tronik GmbH unter Berücksichtigung von harten und weichen Standortfaktoren.
5. Fazit zur Historieninventur: Zusammenfassende kritische Würdigung des hohen Aufwandes der Historieninventur gegenüber dem Nutzen für künftige Lernprozesse im Unternehmen.
Schlüsselwörter
Historieninventur, Wissensmanagement, Standortentscheidung, Internationalisierung, Standortfaktoren, Behr Thermot-tronik, Produktionsverlagerung, Kostenreduktion, Following-Customer-Strategie, Markteintritt, Wettbewerbsvorteile, Wissensbilanzierung, Standortplanung, Erfolgsfaktoren, Unternehmensstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Historieninventur als Methode, um vergangene Standortentscheidungen systematisch zu bewerten und die gewonnenen Erfahrungen für zukünftige strategische Planungsprozesse zu nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft die Bereiche Wissensmanagement, strategische Standortplanung und betriebswirtschaftliche Analyse von Internationalisierungsvorhaben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung einer Entscheidungshilfe für Unternehmen, um Fehler bei zukünftigen Standortverlagerungen durch eine retrospektive Analyse der Historie zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Herleitung des Konzepts der Historieninventur sowie einer qualitativen Fallstudienanalyse am Praxisbeispiel der Behr Thermot-tronik GmbH.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Historieninventur, die notwendigen Voraussetzungen innerhalb des Unternehmens sowie die praktische Durchführung am Beispiel eines Markteintritts in Mexiko.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Standortentscheidung, Historieninventur, Wissensmanagement und erfolgskritische Standortfaktoren.
Warum ist das Wissensmanagement für die Historieninventur so entscheidend?
Ohne ein strukturiertes Wissensmanagement fehlen die nötigen Daten und Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, um Entscheidungen nachzuvollziehen und deren tatsächlichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg zu bewerten.
Welches Ergebnis liefert die Fallstudie zum Standort Mexiko?
Die Fallstudie zeigt, dass die Standortentscheidung für Mexiko zwar operativ erfolgreich war, die Historieninventur jedoch half, sowohl die qualitativen als auch die quantitativen Faktoren besser zu verstehen und in Kosten-Nutzen-Relationen zu übersetzen.
- Arbeit zitieren
- Dennis Pietzka (Autor:in), 2011, Historieninventur als Instrument des Wissensmanagement für Standortentscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180297